Der Untergang des Hauses Usher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Illustration von Aubrey Beardsley, 1894

Der Untergang des Hauses Usher (original: The Fall of the House of Usher) ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Edgar Allan Poe, die 1839 in Burton’s Gentleman's Magazine erschien und 1840, nochmals überarbeitet, in der Sammlung Tales of the Grotesque and Arabesque.

Inhalt[Bearbeiten]

Aufgewühlt durch den dringlichen Brief des Jugendfreundes Roderick Usher reitet der namenlose Ich-Erzähler zu dessen Anwesen, dem Hause Usher, das durch seine gespenstische Umgebung, insbesondere den Pfuhl (engl. tarn), aus dem es sich erhebt, sowie durch einen Riss, der sich durch das Gemäuer zieht, einen beunruhigenden und schreckenerregenden Eindruck erweckt. Es wird außerdem von dem See erzählt, an dem das Haus Usher liegt. Dämonische Gestalten sollen herauftreten und denjenigen holen, der zu lange auf den See starrt.

Dort trifft der Erzähler den nervlich stark überreizten, anscheinend an einer Geisteskrankheit leidenden Hausherrn, den letzten Spross eines degenerierten Adelsgeschlechtes. Roderick Usher bittet seinen Besucher, ihm einige Zeit Gesellschaft zu leisten, um seine Krankheit erträglicher zu machen. Kurz darauf stirbt angeblich die Zwillingsschwester des Gastgebers, Lady Madeline, und wird im Keller des Hauses aufgebahrt und begraben.

Während einer Sturmnacht einige Tage später liest der Ich-Erzähler dem nervlich stark angegriffenen und ebenfalls schlaflosen Roderick eine vermeintlich aufheiternde Rittergeschichte vor, die letztlich aber das Grauen vor den unheimlichen Geräuschen im Haus nur potenziert. Durch den Verlauf der Rittergeschichte und die sie begleitenden Geräusche sowie das darauf folgende Geständnis Rodericks wird es offensichtlich, dass Roderick seine Schwester lebendig begraben haben muss. Plötzlich steht Lady Madeline blutüberströmt in der Tür; sie wirft sich sterbend auf den Bruder, welcher an dem Schock sofort stirbt.

Panisch flüchtet der Ich-Erzähler vom Anwesen und sieht noch, wie der das Haus durchziehende Riss immer weiter auseinander klafft, bis dieses zusammenbricht und im Pfuhl versinkt.

Deutung[Bearbeiten]

Poe hatte in seiner Jugend einige Jahre in Schottland und England verbracht und war dort zur Schule gegangen. Die hier noch existierende Welt des Adels mit seiner weit zurückreichenden Geschichte hat auf den jungen, sich im Vergleich dazu fast geschichtslos fühlenden US-Amerikaner tiefen Eindruck gemacht.

Zugleich gestaltet und nutzt Poe darin einige seiner Lieblingsmotive: Geisteskrankheit, Opiumrausch, die Liebe unter nahen Verwandten, das Lebendigbegrabensein, die Wiederauferstehung von (scheinbar) Toten, das Sterben einer schönen jungen Frau. Dass er diese Motive nicht nur zum Zweck der Effektsteigerung arrangiert, sondern sie aus seiner Biografie heraus abarbeiten muss, ist der Grund für das besonders Zwingende einer Geschichte wie der vom Untergang des Hauses Usher.

Ob man der Deutung von Marie Bonaparte folgen mag, die im Hause Usher und in der Madeline die sich für den Treubruch des Sohnes rächende tote Mutter sieht, ist von der Einstellung zur Psychoanalyse abhängig.

Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit zu E. T. A. Hoffmanns Geschichte Das Majorat von 1819 aus den Nachtstücken. Hier finden sich ebenfalls die Motive des einstürzenden Hauses in gespenstischer Umgebung, der unheimlichen nächtlichen Geräusche, der Geschichte in der Geschichte, und der Hausherr heißt Roderich. Poe hat diesen Text mit Sicherheit gekannt und Elemente daraus souverän für seine Konzeption verwertet.

Rezeption[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Vertonung[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Die Verfilmungen aus den Jahren 1928 und 1960 sind als bedeutend geltende Werke der Filmgeschichte in das National Film Registry aufgenommen worden

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Gerhard Hoffmann: Poe • The Fall of the House of Usher. In: Karl Heinz Göller et. al. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3 513 022123, S. 82–93.
  • Mechthild Speicher: Untersuchung zum mythischen Raum und mythischen Denken bei E. A. Poe „Der Untergang des Hauses Usher“, F. Kafka „Der Bau“ und T. Bernhard „Das Kalkwerk“. München 2013, ISBN 978-3-640-87072-1.

Weblinks[Bearbeiten]