Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

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Daten des Dramas
Titel: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
Gattung: Episches Theater
Originalsprache: Deutsch
Autor: Bertolt Brecht
Erscheinungsjahr: 1957
Uraufführung: 10. November 1958
Ort der Uraufführung: Stuttgart
Personen
  • Arturo Ui … Gangsterboss
  • Emanuele Giri … Gangster
  • Giuseppe Givola … Gangster
  • Ernesto Roma … Gangster
  • Flake, Butcher, Mulberry, Caruther, Clark … Besitzer des Karfioltrusts
  • Bowl … ehemaliger Prokurist von Sheet
  • Dogsborough … Geschäftsmann
  • Dullfeet … Geschäftsmann aus Cicero
  • Fish … Angeklagter
  • Sheet … Reedereibesitzer

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht, geschrieben 1941. Es kann dem epischen Theater zugeordnet werden und besteht aus 17 Szenen. In einer Parabel werden die Machtergreifung und der Machtausbau Hitlers in die Gangsterwelt transferiert. Vorbild war das sich damals entwickelnde Gangstermilieu in den USA. Die Hauptfigur Arturo Ui soll im Wesentlichen Adolf Hitler darstellen, hat jedoch auch Züge von Al Capone.

In den handelnden Personen sind unschwer ihre Vorbilder zu erkennen (Dollfuß, Goebbels, Göring, von Hindenburg, Hitler, van der Lubbe, von Papen, Röhm).

Entstehung[Bearbeiten]

Walter Benjamin notierte unter der Jahreszahl 1934 ein Gespräch mit Brecht, aus dem ersichtlich wird, dass dieser sich mit dem Ui-Stoff beschäftigte.[1] Brecht schrieb das Stück dann im März 1941 im finnischen Exil in nur drei Wochen nieder, grundlegende Änderungen hat er danach nicht mehr vorgenommen, abgesehen von dem Schluss, der die Niederlage des Nationalsozialismus als historische Tatsache voraussetzt. Das Stück schrieb Brecht mit der Intention, dass es in den USA aufgeführt werden sollte. Hier traf Brecht im Juli 1941 ein. Obwohl er im September 1941 mit Erwin Piscator und Berthold Viertel Kontakt aufnahm, gelangte das Stück nicht zur Aufführung.[2] Erwin Piscator hatte eigens eine amerikanische Übersetzung des Stücks anfertigen lassen und bei Probelesungen dieser Fassung am Dramatic Workshop in New York eine ernüchternde Resonanz verzeichnet:

„[Hoffman Reynolds Hays] hat eine heroische Tat unternommen und in 8 Tagen eine Übersetzung vom ‚Ui‘ gemacht. Ich habe die Übersetzung hier vorlesen lassen und leider wenig Erfolg [da]mit geerntet. Siehe beiliegende Abschrift von Louis Schaffer's Brief, dem Direktor der Laborstage.“

Brief Erwin Piscators an Bertolt Brecht, Oktober 1941[3]

In der beigefügten Kopie des Schreibens eines Broadway-Produzenten an Piscator klingt deutliche Enttäuschung über das neue Werk an. Erst nach Brechts Tod wurde Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui am 10. November 1958 in Stuttgart in der Inszenierung von Peter Palitzsch uraufgeführt, die Rolle des Arturo Ui spielte Wolfgang Kieling. Ekkehard Schall spielte seit 1959 den Ui über 500 Mal in der ersten DDR-Inszenierung beim Berliner Ensemble.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Besitzer treffen sich in der Bank, um zu beraten, wie sie aus der Absatzkrise des Karfiolgeschäfts herauskommen. Es ist die Rede von Arturo Ui, der angeboten hat, ihr Geschäft durch Gewalt und Drohungen anzukurbeln. Der Trust lehnt Uis Hilfe einstimmig ab und erhofft sich eine Stadtanleihe für Kaianlagen von dem angesehenen Politiker Dogsborough. Dieser durchschaut jedoch, dass der Karfioltrust nicht vorhat, die Kaianlagen zu bauen und lehnt den Antrag ab. Butcher und Flake planen daraufhin eine Intrige gegen Dogsborough.

Flake kann den Reedereibesitzer Sheet davon überzeugen, seine Reederei billig an den Karfioltrust zu verkaufen, welche um einen Spottpreis an den zunächst unwilligen aber letztlich begeisterten Dogsborough weiterverkauft wird. Durch den Erwerb der Reederei wird nun Dogsborough ein Mitglied des Trusts und setzt deswegen nun doch eine Stadtanleihe für den Bau von Kaianlagen durch. Die Mitglieder des Karfioltrusts, Dogsborough eingeschlossen, verbrauchen die Anleihe ohne Kaianlagen zu bauen und veruntreuen so die städtischen Gelder.

Arturo Ui ist der Verzweiflung nahe, weil er den Gemüsehandel der Stadt Chicago gern in seiner Gewalt hätte. Sein Leutnant Roma schlägt vor, die Gemüseladenbesitzer gewaltsam zur Schutzgeldzahlung an Ui zu zwingen. Aus Angst vor der Polizei lehnt Ui dies jedoch ab.

Ui erfährt von der Veruntreuung der Stadtanleihe durch Dogsborough und erpresst diesen mit der Drohung, den Skandal aufzudecken. Er fordert, Dogsborough solle vor der Stadt für ihn bürgen damit Ui die Polizei nicht fürchten muss.

Es wird eine Untersuchung gegen Dogsborough beantragt. Um ihn zu decken, entschließt sich der Trust, dass Sheet die Folgen des Skandals auf sich nehmen soll. Sheet wird tot aufgefunden, der Anklagevertreter O’Casey schöpft Verdacht und möchte genau über die Besitzverhältnisse der Reederei Bescheid wissen. O’Casey will nun von Bowl, dem alten Prokuristen von Sheet, mehr über die Besitzverhältnisse erfahren. Dieser wird jedoch auf dem Weg zum Gericht erschossen.

Arturo Ui trifft sich mit einem Schauspieler, der ihm beibringen soll, wie man zu einer großen Menge von Leuten redet und auch auf diese eine gute Wirkung erzielt. Ui trifft sich weiterhin mit einigen Gemüsehändlern und bietet ihnen seinen Schutz an. Hook, ein Gemüsehändler, kritisiert Ui. Wenig später wird verkündet, dass der Speicher von Hook brennt. Es ist offensichtlich, dass Uis Männer den Brand legten. Die anderen Gemüsehändler stimmen dem Schutzangebot von Ui zu. Aufgrund des Brandes kommt es zum Speicherbrandprozess. In diesem wird Fish angeklagt. Während des Verfahrens fällt der Verdacht zeitweise auf Ui und seine Gangsterbande. Dieser Verdacht kann jedoch nicht gehalten werden. Ui hat bereits das Gericht manipuliert, alle Zeugen eingeschüchtert und die Presse unter seine Gewalt gebracht. Damit Hook nicht gegen Uis Gefolgsleute aussagen kann, wird dieser zwischen zwei Verhandlungen verprügelt. Auch der Angeklagte Fish wird manipuliert: Ein Arzt gibt ihm Wasser. Kurz nachdem er dieses getrunken hat, sackt er in sich zusammen. Dogsborough verfasst sein Testament, in dem er Ui, Roma, Giri und Givola der Brandstiftung und des Mordes beschuldigt.

Es treten nun Machtkämpfe unter den Leuten Uis auf, Roma bedroht Givola und Giri mit einer Waffe und fordert Ui auf, die Machtverhältnisse zu klären. Ui sieht sich als Führer und verweist auf neue Pläne, er möchte seinen Einfluss auf Cicero ausdehnen. Uis Vertrauter Roma befürchtet ein Komplott gegen ihn, er verabredet sich mit Ui in der Garage des Hotels, in dem Ui residiert. Roma und seine Männer warten in der Garage auf Ui, der erscheint um Roma umzubringen, da er ihm im Weg steht. Givola erschießt Roma, der selbst im Tod nicht erkennt, dass Ui ihn verraten hat. Seine Gefolgsleute werden ebenfalls liquidiert.

Ui trifft sich mit Betty und Ignatius Dullfeet, er möchte das Vertrauen von Dullfeet bekommen. Ignatius Dullfeet tritt aber für die Freiheit von Cicero ein, verschleiert kommt es bei dem Gespräch auch durch, dass Dullfeet ermordet werden soll. Letztendlich wird Dullfeet ermordet, der Trust ist damit nicht einverstanden. Ui möchte nun Betty Dullfeet zu einer Zusammenarbeit überreden, sie lehnt jedoch eine Kooperation ab. Es entsteht Empörung der Gemüsehändler Chicagos und Ciceros gegen Ui und sein Vorgehen. Betty Dullfeet, in Verzweiflung versunken, hat sich nun doch von Ui zu einer Zusammenarbeit überreden lassen. Ui gibt sich in einer Rede selbst als Nachfolger Dullfeets aus und möchte Cicero nun endlich unter seinen Schutz nehmen. Er kündigt eine Volksabstimmung an, in der die Leute Ciceros über die Freiheit ihres Gebiets selbst bestimmen können. Arturo Ui droht zugleich auch allen Personen, die sich gegen ihn entscheiden. Durch die Drohungen stimmen die Bewohner von Cicero für ihn.

Aus einem zerschossenen Lkw klettert eine Frau verletzt heraus, sie schimpft über Ui und seine Gefolgsleute und beschuldigt sie des Mordes. Sie wird niedergeschossen.

Im Epilog lehrt Brecht: „Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert. […] Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Interpretation[Bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Zeitrahmen, der den Bezug zur Wirklichkeit setzt, reicht von 1929 bis 1938, in einer späteren Fassung bis 1941.[4] Es geht um den Aufstieg Adolf Hitlers bis zur Machtübernahme in Österreich. Brecht verwendete dabei die Parabelform, um die einzelnen Stationen von Hitlers Machtaufstieg in Deutschland darzustellen.

Mit Hilfe des epischen Theaters und seiner Verfremdungseffekte konnte Brecht sein Stück, das er selbst als „Historienfarce“ (= ein derb-komisches Werk mit geschichtlichem Hintergrund) bezeichnete, so verfassen und vorstellen, dass er den Bürgern sowohl die brutale Vorgehensweise Hitlers schildern konnte, als auch den Zuschauer am Ende des Stückes zum Nachdenken über das Passierte hinaus zu bringen. Der Rezipient/der Zuschauer sollte nicht in das Theater gehen und sich von Geschehnissen mitreißen lassen, sondern sich selbst mit kritischer Distanz eine Meinung über die gegebene Situation bilden.

In einem 1948 veröffentlichten „Nachwort“ zu dem Stück setzte sich Brecht mit dem Vorwurf auseinander, es sei nicht zulässig, „große Verbrecher dem Gelächter preiszugeben“. Erstens halte er, so Brecht, Hitler nicht für einen „großen Verbrecher“, sondern für einen „Verüber großer politischer Verbrechen“, und zweitens zeige der „kleinbürgerliche“ Respekt der Überlebenden, wie wichtig es sei, den Bann durch Gelächter zu brechen, in den Hitler viele Menschen auch nach 1945 noch ziehe.

Darstellung von Hitlers Aufstieg[Bearbeiten]

Wie schon erwähnt, stellt Brecht mit diesem Stück unter anderem allegorisch den Aufstieg Hitlers dar. Dadurch ergeben sich zwischen der Hauptfigur Arturo Ui und Adolf Hitler folgende historische Parallelen. Die Ordnung folgt dem Diskurs, d. h. der Handlung, des Bühnenstücks:

Arturo Ui Adolf Hitler
Zu Beginn wartet Ui auf seine Chance, an die Macht zu gelangen, er steht im Hintergrund und baut seine Macht aus. Hitler versucht „legal“ an die Macht zu gelangen, er zieht die Wirtschaft auf seine Seite.
Ui übernimmt die Führung und ordnet die Machtverhältnisse. Gegner werden ausgeschaltet, er möchte expandieren. Er missbraucht seine Macht. Hitler schaltet alle seine Gegner, sowohl inner- als auch außerparteilich aus. Er übernimmt die Führung und festigt seine Macht. Hitler möchte, dass Österreich zum Deutschen Reich hinzukommt.

Die Rolle des Titels „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“[Bearbeiten]

Der Titel macht deutlich, dass der Aufstieg Arturo Uis (oder im übertragenen Sinne der Aufstieg Adolf Hitlers) aufhaltsam, also: zu verhindern gewesen wäre. Im Laufe des Stücks wird klar: Der Protagonist hätte ohne die eindeutig eigennützige Mithilfe anderer Personen niemals seinen Aufstieg vollziehen können. Von Glücks- und Schicksalsfällen begünstigt, hätte Hitler – wie auch Arturo Ui – an vielen entscheidenden Stationen seines Aufstiegs aufgehalten werden können.[5]

Die Verfremdung[Bearbeiten]

Das Stück spielt im Chicago der Prohibitionszeit. Bertolt Brecht orientierte sich dabei an Amerika zu der damaligen Zeit, er erkannte zwischen den kriminellen Banden und den Verhältnissen in Amerika eine gewisse Ähnlichkeit zu Deutschland. Er möchte durch diese Verfremdung den Menschen den Zusammenhang zwischen Politik, Wirtschaft und Faschismus näher bringen.

„Verhüllung dient zur Enthüllung“

Brecht

Untypisch für Gangster ist die Sprache. Sie sprechen in Versen (gebundene Sprache, dies lässt den Schluss zu, dass das Stück zum epischen Theater gehört) sowie in Alltagssprache. Die echten Gangster Chicagos hätten sich vermutlich nicht so ausgedrückt. Die Sprache wertet die Gangster auf. Brecht verwendet die Sprache zum Beschönigen und zum Verhüllen. Die Nationalsozialisten setzten die Sprache ebenfalls ein, um zu verhüllen und um ihre Vorhaben zu beschönigen. Beispiele dafür sind:

Bei der Hauptperson, Arturo Ui, ließ Brecht sowohl die Biografie Hitlers als auch die Al Capones einfließen. Dies äußert sich in einigen Szenen; hier ein paar Beispiele:

Arturo Ui nimmt Schauspielunterricht um besser auf die Leute zu wirken. Hitler nahm bei einem Provinzschauspieler Unterricht, um zu lernen, wie man auf große Massen wirkt. Er lernte von dem Schauspieler das richtige Sitzen, Reden und Stehen.

Arturo Ui residiert in dem Mammoth-Hotel. Al Capone residierte ebenfalls in einem Hotel in Chicago. Ui dehnt sein Einflussgebiet auf Cicero aus, Al Capone weitete damals ebenfalls seinen illegalen Alkoholschmuggel aus.

Dadurch, dass Brecht Hitler und seine Gefolgsleute verfremdet und sie als Gangster darstellt, möchte er sie lächerlich machen. Des Weiteren sollen die Leute den Respekt vor Hitler und seinen Nationalsozialisten verlieren. Brecht wählte diese Story 1941, um den US-Bürgern den Nationalsozialismus zu erklären und sie aufzurütteln. Das Stück wurde jedoch erst 1958, zwei Jahre nach Brechts Tod, in der Bundesrepublik Deutschland uraufgeführt.

Die Personen[Bearbeiten]

Zu jeder Figur aus dem Werk lässt sich eine Person aus der damaligen Zeit zuordnen. Allerdings wird die vordergründige Übertragung der Konstellationen eins zu eins dem Stück nicht gerecht, da einerseits die Gewichtung der Figuren nicht realitätsnah ist, andererseits auch wichtige politische Ereignisse nicht direkt thematisiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass es Brecht hier darauf ankam den „Anspielungscharakter zu wahren und zugleich den ästhetischen Abstand zu halten“.[6]

Des Weiteren gibt es in dem Stück auch Orte und Ereignisse, die für etwas stehen:

Gegenüberstellung von Inhalt und Geschichte[Bearbeiten]

Die Ereignisse der gesamten Handlung lassen sich zu Ereignissen aus der damaligen Zeit zuordnen. Die Ereignisse sind nach dem Ablauf der Szenen geordnet.

Inhalt Geschichtliches Ereignis
Dem Karfioltrust geht es wirtschaftlich schlecht, sie wollen von Dogsborough Staatsanleihen bekommen. Die Weltwirtschaftskrise betrifft auch Deutschland, die Junker wollen Staatsanleihen.
Der Karfioltrust verkauft Sheets Reederei für wenig Geld an Dogsborough. Die Junker schenken Hindenburg einen Gutsbesitz.
Ui ist noch im Hintergrund, es gelingt ihm nicht sich mit dem Karfioltrust zu einigen. Er möchte versuchen, auf legalem Weg an die Macht zu gelangen. Er erfährt von Bowl, dem ehemaligen Prokuristen von Sheet, dass die Reederei nun Dogsborough gehört. 1932 steht Hitler vor dem finanziellen Ende, ihm und seiner Partei droht die Auflösung. Er schafft es lange nicht, mit Hindenburg richtig zu sprechen.
Ui droht Dogsborough mit der Aufdeckung des Dockshilfeskandals, er lässt sich aber nicht einschüchtern. Hindenburg verweigert Hitler den Reichskanzlerposten, Hindenburg hat mit der Untersuchung des Osthilfeskandals zu rechnen.
Ui und seine Leute räumen alle Zeugen aus dem Weg, der Ankläger O’Casey muss die Untersuchung des Dockshilfeskandals fallen lassen. Die Untersuchung des Osthilfeskandals wird zerschlagen.
Ui lernt von einem Schauspieler in seinem Hotelzimmer, wie man auf eine große Menge von Leuten wirkt. Hitler bekommt von einem Provinzschauspieler Unterricht, er lernt, wie man auf viele Leute wirkt.
Die Gangster von Ui zünden den Speicher von Hook an, Zeugen werden durch Drohungen zum Schweigen gebracht. Im Februar 1933 geht der Reichstag in Flammen auf, Hitler beschuldigt seine Gegner den Brand gelegt zu haben.
Es kommt zum Speicherbrandprozess, Fish, der unter Drogen steht, wird als Täter verurteilt. Man merkt, dass das Gericht schon in der Hand von Arturo Ui ist. Der Niederländer Marinus van der Lubbe wird als Alleintäter für den Brand verurteilt. Heute gibt es die Theorie, dass Hitlers Leute den Reichstag selbst in Brand gesetzt haben. Da er von mehreren Seiten gleichzeitig zu brennen anfing, kann es sich nicht um einen einzelnen Täter gehandelt haben.
Giri, Givola und Roma tragen interne Machtkämpfe aus. Roma wittert eine Intrige gegen Ui und verabredet sich mit ihm zu einem Treffen in der Garage des Hotels. Hindenburg ist schon alt und wird vermutlich bald sterben, unter den Nationalsozialisten entstehen Machtkämpfe.
Ui lässt Roma und seine Gefolgsleute in der Garage des Mammoth-Hotels ermorden. Röhm und seine Gefolgsleute (die Sturmabteilung SA), die in Konkurrenz zu der Schutzstaffel SS steht, werden ausgeschaltet. Parallelen mit dem Valentinstag-Massaker aus der Geschichte Capones
Ui bemüht sich um das Vertrauen von Dullfeet, jedoch ist Dullfeet für die Freiheit von Cicero. Die Ermordung von Dullfeet wird schon angekündigt. Dollfuß willigt ein, die Presse zum Schweigen zu bringen. Die Presse soll nicht mehr gegen das nationalsozialistische Deutschland schreiben, um Hitler keinen Grund zu geben, in Österreich einzufallen.
Dullfeet wird ermordet, Ui möchte nun Betty Dullfeet auf seine Seite bringen. Dollfuß wird ermordet, Hitler bemüht sich um Österreich.
Ui dehnt nach einer Abstimmung, die er nur durch Drohungen für sich entscheiden konnte, seinen Einfluss auf Cicero aus. Am 11. März 1938 marschieren Hitlers Truppen in Österreich ein. Daraufhin wird eine Volksabstimmung durchgeführt, um den „Anschluss“ im Nachhinein zu rechtfertigen.

Zitate[Bearbeiten]

„Ui … ist ein Versuch, der kapitalistischen Welt den Aufstieg Hitlers dadurch zu erklären, daß er in ein ihr vertrautes Milieu versetzt wurde.“

Brecht

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Brecht: aus dem Epilog des Dramas

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Bernd Matzkowski: Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Königs Erläuterungen und Materialien, 398. C. Bange Verlag, Hollfeld 1999
  • Gizela Kurpanik-Malinowska: Totalitarismus in Deutschland und Brechts Parabelstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui", in Peter Csobádi, Gernot Gruber, Jürgen Kühnel und Ulrich Müller Hgg.: Das (Musik-)Theater in Exil und Diktatur. Reihe: Wort und Musik – Salzburger Akademische Beiträge, 58. Wissenschaftlicher Verlag Müller-Speiser, Anif 2005 ISBN 978-3-85145-094-1 S. 703–713 Inhaltsverzeichnis

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Benjamin: Versuche über Brecht. Neu durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Suhrkamp, Frankfurt/M 1978, S. 160, ISBN 3-518-10172-2
  2. Jan Knopf (Hrsg): Brecht Handbuch. J.B.Metzler, Stuttgart 2001, Bd. 1 S. 459 f
  3. Erwin Piscator: Briefe. Band 2.2: New York 1939–1945. Hrsg. von Peter Diezel. Berlin: B&S Siebenhaar 2009 (Erwin Piscator. Berliner Ausgabe). S. 254.
  4. Jan Knopf (Hrsg): Brecht Handbuch. J.B.Metzler, Stuttgart 2001, Bd. 1 S. 461
  5. Deutsch an Gymnasien Bayern Kollegstufe
  6. Jan Knopf (Hrsg): Brecht Handbuch. J.B.Metzler, Stuttgart 2001, Bd. 1 S. 463