Der gelernte Jäger

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Der gelernte Jäger ist ein Märchen (ATU 304). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 111 (KHM 111).

Inhalt[Bearbeiten]

Ein junger Schlosser auf Wanderschaft lässt sich zum Jäger ausbilden und bekommt von seinem Meister eine Büchse, die immer trifft. In einem großen Wald findet er nachts drei Riesen, die einen Ochsen am Feuer braten. Er schießt einem dreimal den Bissen vor dem Mund weg, worauf sie ihm anbieten, mit ihnen zu gehen und für sie die Königstochter aus dem Turm hinter dem See zu rauben. Er setzt mit einem Schiff über, erschießt das Wachhündchen, bevor es bellen kann und geht allein hinein. Im ersten Saal findet er einen silbernen Säbel mit dem man alles umbringen kann, im zweiten die schlafende Königstochter. Er nimmt die rechte Hälfte ihres Halstuchs und ihren rechten Pantoffel, die wie der Säbel einen goldenen Stern und den Namen ihres Vaters tragen und ein Stück ihres Hemdes. Er ruft die Riesen, sie sollten durch ein Loch hereinkriechen und schneidet ihnen dabei die Köpfe und dann die Zungen ab, die er verwahrt. Als der König herumfragt, wer die Riesen getötet hat, meldet sich ein einäugiger hässlicher Hauptmann, der deshalb die Tochter heiraten soll. Als sie sich weigert, muss sie in Bauernkleidern fortgehen und für einen Töpfer Geschirr verkaufen. Der König bestellt Bauernwagen, die es kaputtfahren, aber sie geht wieder zu dem Töpfer, und als er ihr nichts mehr geben will, sagt sie zum Vater, sie wolle in die Welt hinausgehen. Sie muss draußen im Wald in einem Häuschen sitzen, auf dem steht heute umsonst, morgen für Geld und für jeden kochen. Davon hört auch der Jäger, der kein Geld hat. Dort erkennen sie sich durch die mitgenommenen Wahrzeichen, mit denen sie es auch dem Vater beweisen. Der lässt beim Gastmahl den Hauptmann unwissentlich sein eigenes Urteil wählen, wonach er in vier Stücke zerrissen wird. Die Königstochter und der Jäger werden vermählt und leben glücklich.

Herkunft[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung notiert Nach zwei Erzählungen aus Zwehrn (die eine von Dorothea Viehmann). Die zweite (nach unbekanntem Zuträger) beginnt abweichend so, dass der Schütze der Schildwache einen Schlaftrunk gibt und erst zwei Kammerjungfrauen, dann die nackte Königstochter schlafend findet. Er nimmt Goldhalsband, Ring und Taschentuch und legt sich dazu. Als sie nicht weiß, von wem sie schwanger ist, muss sie ins Gefängnis und wegen des Dieners, der es gewesen sein will, ins Wirtshaus. In einer dritten aus Hof am Habichtswald (von Wachtmeister Krause) muss der Jäger aus einem Kelch bei der schlafenden trinken, um den Degen zu führen und findet sie nach drei Jahren im Wirtshaus mit der Aufschrift hier zehrt man umsonst, muss aber seine Lebensgeschichte erzählen. In einer vierten hessischen schießt der Jäger dem Riesen genau in den Daumen. Grimms vergleichen zum Schießen An Bogsweigr, zum Kleideraufschneiden Brünhild, zum Zungenausschneiden z.B. den Truchseß bei Tristan, aus Grimms Deutsche Sagen Nr. 255, 256, 257, zur Prüfung der Königstochter KHM 52 König Drosselbart.

Der Anfang mit dem Licht im Wald erinnert an KHM 163 Der gläserne Sarg, die Rolle der Riesen an KHM 126 Ferenand getrü und Ferenand ungetrü, die Zungen als Wahrzeichen an KHM 60 Die zwei Brüder. Die Bestrafung des Betrügers nach eigenem Urteil kommt oft in Märchen vor, z.B. KHM 89 Die Gänsemagd.

C. Kawan von der Enzyklopädie des Märchens findet Belege für etwa 250 Varianten, die meisten im deutschen und ungarischen Raum.

Literatur[Bearbeiten]

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 542-547. 19. Auflage, Artemis & Winkler Verlag, Patmos Verlag, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, S. 204-205, S. 489., Reclam-Verlag, Stuttgart 1994 ISBN 3-15-003193-1)

Analysen[Bearbeiten]

  • Shojaei Kawan, Christine Jäger: Der gelernte J. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 7. S. 411-420. Berlin, New York 1993
  • Scherf, Walter: Das Märchenlexikon. Erster Band A-K. S. 409-413. Verlag C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39911-8)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der gelernte Jäger – Quellen und Volltexte