Der große Gatsby

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Dieser Artikel behandelt den Roman von F. Scott Fitzgerald. Zu den verschiedenen Verfilmungen siehe Der große Gatsby (Begriffsklärung).
F. Scott Fitzgerald, Fotografie von Carl van Vechten, 1937

Der große Gatsby, englischer Originaltitel The Great Gatsby, ist ein 1925 erstmals veröffentlichter Roman des US-amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald. Er schildert die Erlebnisse einer Reihe unterschiedlicher Personen, die den Sommer 1922 in der fiktiven Stadt West Egg auf der Insel Long Island nordöstlich von New York City verbringen. Hauptperson ist der junge und mysteriöse Millionär Jay Gatsby, der seit Jahren die schöne Daisy Buchanan liebt, die während seines Militärdiensts einen anderen Mann geheiratet hat.

Der große Gatsby gilt als das Meisterwerk Fitzgeralds, in dem er sich mit Themen wie Dekadenz, Ausschweifungen, Idealismus, Widerstand gegen Veränderungen und sozialen Umbrüchen auseinandersetzt. Er schuf dabei ein treffendes Porträt der sogenannten „Roaring Twenties“, den von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappern geprägten 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten.

Fitzgerald begann 1923 an diesem Roman zu arbeiten. Als Inspiration dienten ihm dabei die Partys auf Long Island, auf denen er gelegentlich zu Gast war. Er kam mit der Arbeit an dem Roman jedoch nur langsam voran. Den ersten Entwurf beendete Fitzgerald, nachdem er mit seiner Frau Zelda 1924 an die Riviera gezogen war. Maxwell Perkins, sein Lektor beim Verlag Scribner’s, empfand diesen ersten Entwurf jedoch als zu vage und überredete Fitzgerald zu einer Überarbeitung des Manuskripts. Im April 1925 wurde der Roman veröffentlicht. Die Kritiken waren verhalten und in den ersten Monaten nach der Veröffentlichung wurden nur 20.000 Exemplare verkauft. Als Fitzgerald 1940 starb, war er davon überzeugt, dass sein gesamtes Werk vergessen werde. Seine Romane und unter ihnen vor allem Der große Gatsby wurden von einem breiteren Publikum in den 1940er Jahren wiederentdeckt.

Der Große Gatsby wird heute zu den bedeutendsten Werken der amerikanischen Moderne gezählt. T. S. Eliot bezeichnete ihn als den ersten Entwicklungsschritt, den der Amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe.[1]Das Magazin Time zählt diesen Roman Fitzgeralds zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden und die Modern Library listete ihn 1998 auf Rang 2 der 100 besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts[2]. Damit war Fitzgerald der höchstplatzierteste Amerikaner in der Liste.

Handlung[Bearbeiten]

Das mittlerweile abgerissene Herrenhaus Beacon Towers an der Nordküste von Long Island gilt als das Anwesen, das F. Scott Fitzgerald zu der Beschreibung von Gatsbys Anwesen inspirierte.[3]

Der Ich-Erzähler der Geschichte ist Nick Carraway, ein junger Mann, der sich 1922 in New York als Wertpapierhändler versucht und ein altes und bescheidenes Haus in West Egg auf Long Island an der Ostküste der USA bezieht. In dem palastartigen Nachbarhaus lebt Jay Gatsby, die Schlüsselfigur des Romans. Gatsby ist ein junger Millionär und undurchsichtiger Geschäftsmann, dessen geheimnisumwitterte Herkunft, seine unklare Ausbildung (Oxford?) und sein unermesslich scheinendes Vermögen Stoff für viele Gerüchte bilden. Obwohl er in seinem Haus rauschende Tanzpartys für die New Yorker Gesellschaft veranstaltet, ist er einsam, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Im Grunde seines Herzens möchte er die Vergangenheit zurückholen und wieder mit der Liebe seines Lebens, Daisy, zusammen sein. Aber in der Zeit, in der Gatsby in Frankreich als Soldat im Ersten Weltkrieg kämpfte, heiratete Daisy den raubeinigen Ex-Football- und jetzigen Polospieler Tom Buchanan, einen reaktionären Millionär aus reicher Familie des mittleren Westens, mit dem sie inzwischen eine dreijährige Tochter hat. Die Buchanans leben auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht in East Egg. Tom betrügt seine Frau seit längerem mit Myrtle Wilson, der Frau eines einfachen Tankstellenbesitzers.

Nick Carraway ist ein Cousin zweiten Grades von Daisy und besucht das Ehepaar auf ihrem Anwesen zu Beginn der während eines Sommers spielenden Erzählung. Dort lernt er die junge, attraktive Jordan Baker kennen, die ebenfalls eine Bekannte Daisys ist. Jordan ist eine selbstbewusste, für sich selbst sorgende Frau, durchaus sympathisch, aber mit berechnenden Charakterzügen. Nick und Jordan kommen sich im Laufe der Geschichte näher, gehen letztlich jedoch keine Beziehung ein.

Mit Jordans und schließlich Nicks Hilfe trifft Gatsby mit seiner Jugendliebe Daisy zusammen. Daisy ist im Folgenden zwischen ihrem Ehemann Tom Buchanan und Gatsby hin- und hergerissen. Bei einem gemeinsamen Treffen der Protagonisten, das schließlich in einem Ausflug in den Autos von Tom und Gatsby nach New York mündet, erkennt Tom, dass er Daisy an Gatsby zu verlieren droht. Daraufhin entwickelt sich ein verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden Männern, bei dem beide die Liebe von Daisy für sich beanspruchen. Am Ende des Streits schickt Tom im Zorn Gatsby und Daisy nach Hause.

Auf ihrer Rückfahrt läuft ihnen Myrtle Wilson, Toms Geliebte, ins Auto und wird dabei tödlich verletzt. Daisy, die am Steuer des Unfallwagens sitzt, fährt in Panik weiter. Gatsby wird Stunden später Nick erklären, dass er die Verantwortung für den Unfall aus Liebe zu Daisy übernehmen will. Derweil gibt Tom Myrtles verzweifeltem Ehemann, George Wilson, den Hinweis, dass Gatsby der Besitzer des Unfallwagens ist. Daraus schließt Wilson, Gatsby habe den Unfall verursacht, und er erschießt am nächsten Morgen erst Gatsby und dann sich selbst.

Zu Gatsbys Beerdigung erscheint niemand außer dem Erzähler Nick und Gatsbys Vater, Henry C. Gatz (Gatsbys echter Name war James Gatz), schließlich noch ein geheimnisvoller Unbekannter, dem Nick und Jordan vor Monaten bei einer von Gatsbys ausschweifenden Partys zufällig in der Bibliothek begegnet waren, wo er im trunkenen Zustand die „Echtheit“ der Bücher in Gatsbys Bibliothek bewundert hatte.

Figuren[Bearbeiten]

Nick Carraway[Bearbeiten]

Nick Carraway ist der Erzähler der Handlung. Carraway, der im Verlauf der Handlung 30 Jahre alt wird, stammt ursprünglich aus dem Mittleren Westen, ist Absolvent der Yale University und ein Veteran des Ersten Weltkriegs. Er versucht als Wertpapierhändler sein Auskommen zu finden und ist ein neuer Einwohner des (fiktiven) Ortes Westegg auf Long Island, wo er zwischen den prachtvollen Villen ein bescheidenes Haus gefunden hat. Jay Gatsby ist Carraways nächster Nachbar. Nick bezeichnet sich selbst als „einen der wenigen ehrlichen Menschen, die er kenne“. Seine Beziehung zu Gatsby schwankt zwischen Abneigung und Verachtung, die er an einigen Stellen des Romans betont, und freundschaftlicher Anteilnahme und Verantwortungsgefühl. Am Ende des Romans äußert er Gatsbys Vater gegenüber, dass sie „eng befreundet“ waren.

Jay Gatsby[Bearbeiten]

Jay Gatsby ist ein junger, mysteriöser Millionär mit zweifelhaften Geschäftsbeziehungen. In Westegg, dem Ort auf Long Island, in dem die Neureichen leben, verfügt er über ein großes Anwesen, auf dem jedes Wochenende große Partys stattfinden, zu denen jeder eingelassen wird, der kommt. Gatsby hält sich allerdings meist abseits des Geschehens. Es stellt sich im Verlauf des Romans heraus, dass ein großer Teil des Wohlstands aus illegalem Alkoholschmuggel resultiert und dass Gatsby eigentlich James „Jimmy“ Gatz heißt und aus North Dakota stammt. Gerüchte über ihn behaupten, dass er ein „Oxford-Mann“ sei, das heißt, an der renommierten britischen Universität studiert habe. In der finalen Konfrontation zwischen Gatsby und Tom Buchanan stellt sich jedoch heraus, dass Gatsby nach Ende seines Militärdienstes dort lediglich fünf Monate verbracht hat. Andere Gerüchte, die zu seiner Person im Umlauf sind, kommentiert Gatsby nicht. Er ist in obsessiver Weise in Daisy Buchanan verliebt, die er mehrere Jahre zuvor als junger Offizier kurz kennenlernte, als er während seines Militärdienstes in Louisville stationiert war. Auf Grund seiner Uniform und der sozial gleich machenden Bedingungen des Militärdienstes war für Daisy Buchanan nicht erkennbar, dass Gatsby aus einfachen und ärmlichen Verhältnissen stammte. Er hatte sie während der kurzen gemeinsamen Zeit im Glauben gelassen, dass er ihr den Wohlstand offerieren könne, den sie von ihrem Elternhaus her gewöhnt war. Nachdem Gatsby im Krieg in Europa stationiert wurde, verlieren sich die beiden für fünf Jahre aus den Augen, in denen Gatsby Daisy zu seinem Ideal verklärt. Viele Jahre seines Lebens sind davon geprägt, sich den Reichtum zu verschaffen, der es ihm ermöglichen soll, Daisy Buchanan ein standesgemäßes Leben zu bieten.

Daisy Buchanan[Bearbeiten]

Schauspielerin Louise Brooks mit der für Flapper charakteristischen Frisur und Kleidung

Daisy Buchanan (geb. Fay) ist eine attraktive, junge Frau, die von Scott Fitzgerald als typischer Flapper beschrieben ist. Sie stammt aus dem Süden der Vereinigten Staaten und ist in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. Mit dem Erzähler des Romans, Nick Carraway, ist sie entfernt verwandt. Mit Gatsby verbindet sie eine kurze, romantische Affäre aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Familie verhinderte, dass sie Gatsby noch Lebewohl sagen konnte, bevor dieser mit seiner Einheit auf die Kriegsschauplätze Europas verlegt wurde. Nach kurzer Zeit der Trauer um Gatsby heiratet sie nach Ende des Ersten Weltkriegs den wohlhabenden Tom Buchanan, der aus ähnlichen sozialen Verhältnissen wie sie stammt. Sie muss sich im letzten Drittel des Romans zwischen Jay Gatsby und ihrem Ehemann entscheiden. Daisy wird als „leichtfertig“ beschrieben; auffällig ist ihre unreife Art, mit der sie eine den Männern stets untergeordnete und dem Materialismus ergebene Rolle einnimmt. Ihre Stimme, die auf Nick in ihrer Klangfülle und Melodie sympathisch wirkt, „klingt“, Gatsby zufolge, „nach Geld“.

Thomas Buchanan[Bearbeiten]

Thomas Tom Buchanan ist der Ehemann Daisys und besitzt in East Egg, dem traditionellen Wohnort des „Alten Geldes“, ein großes Anwesen. Tom wird als körperlich beeindruckender Mann beschrieben, der während seiner Zeit in Yale ein Star des Football-Teams war. Im Sommer 1922 spielt er überwiegend Polo. Er hat eine langjährige, außereheliche Beziehung mit Myrtle Wilson. Nick kennt er vom College, wo die beiden demselben Jahrgang angehörten. Seit 1919 ist er mit der Schönheit Daisy Fay verheiratet, seine außerehelichen Beziehungen und Affären, die er kaum geheim zu halten versucht, bezeichnet er als „Eskapaden“, die seiner Liebe zu Daisy keinen Abbruch täten. Tom Buchanan ist rassistisch, wie sich aus Ereiferungen seiner selbst über die Höhergestelltheit der „Nordischen Rasse“ über die „anderen Rassen“ schließen lässt. Daisy macht sich über diese Begeisterung für die „Wissenschaft“ wiederholt lustig.

Weitere Figuren[Bearbeiten]

  • Jordan Baker ist Daisy Buchanans langjährige Freundin, die aus derselben Stadt wie Daisy stammt, allerdings zwei Jahre jünger ist. Fitzgerald beschrieb sie als athletisch gebaut, sportlich und mit einer Haarfarbe, die der von gelben Herbstblättern gleicht. Wie Daisy ist sie ein sogenannter Flapper, ihr Verhalten ist arrogant und distanziert. Sie ist professionelle Golferin und daher leidlich bekannt; Nick bezeichnet sie allerdings im krassen Gegensatz zu sich selbst als durch und durch unehrliche Person. Zwischen ihr und dem Erzähler des Romans entwickelt sich kurzzeitig eine romantische Beziehung, die aber letztlich scheitert.
  • George B. Wilson ist Mechaniker und betreibt auf Long Island eine Tankstelle und Autowerkstatt, die ihm und seiner Frau Myrtle ein bescheidenes Auskommen sichert. Erst im letzten Drittel des im Romans wird ihm klar, dass Myrtle eine außereheliche Beziehung hat. Tom Buchanan bezeichnet George Wilson als so dämlich, dass er noch nicht einmal wisse, dass er am Leben sei.[4] Nach dem Unfalltod Myrtles erschießt er Jay Gatsby, den er fälschlich verdächtigt, den Tod seiner Frau verursacht zu haben, und begeht anschließend Selbstmord.
  • Myrtle Wilson ist mit George Wilson verheiratet und Tom Buchanans langjährige Geliebte. Sie strahlt leidenschaftliche Vitalität aus und sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrer langweiligen und kinderlos gebliebenen Ehe. Als sie Tom Buchanan zufällig gemeinsam mit Jordan Baker sieht, reagiert sie mit Eifersucht, weil sie Jordan Baker für Toms Frau hält. Wenig später sieht sie seinen Wagen entlang der Straße fahren, an der die Tankstelle steht. Erwartungsvoll läuft sie dem Auto entgegen, das sie für Toms hält. Sie wird dabei von Daisy Buchanan überfahren, die das Auto steuert, und stirbt augenblicklich an ihren Verletzungen. Myrtle hat eine Schwester namens Catherine, die im Gegensatz zu ihr ein ungebundenes Leben führt.
  • Meyer Wolfshiem (ab der zweiten englischsprachigen Ausgabe Wolfsheim geschrieben) ist ein Freund und Mentor von Gatsby. Er wird als „kleiner, flachnasiger Jude“ mit „großem Kopf“ und markantem Nasenhaar beschrieben. In einem Gespräch mit Nick Carraway bezeichnet Gatsby ihn als einen Wettbetrüger, der unter anderem die Ergebnisse der World Series im Jahre 1919 manipuliert habe. Wolfshiem ist derjenige, der den völlig verarmten Gatsby nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst aufgriff und es ihm ermöglichte, durch Alkoholschmuggel seinen Reichtum zusammenzutragen. Wolfshiem taucht nur in zwei Episoden des Romans auf. In der zweiten Episode versucht Carraway verzweifelt, Wolfsheim zur Teilnahme an Gatsbys Beerdigung zu überreden. Wolfsheim verweigert sich, obwohl er zuvor die enge Freundschaft zu Gatsby hervorgehoben hat, diesem mit der Begründung, er wolle sich in nichts hineinziehen lassen. Fitzgerald macht Wolfshiems Kontakte zur Verbrecherwelt New Yorks deutlich, indem er ihn die wahre Geschichte der Erschießung „Herman ‚Rosy‘ Rosenthals“ erzählen lässt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der erste Roman Fitzgeralds This Side of Paradise (Diesseits vom Paradies) erschien Ende März 1920. Er wurde von der Literaturkritik sehr gut besprochen, den Verkaufserfolg bezeichnet Fitzgeralds Biograf Scott Donaldson als nach jedem Maßstab bemerkenswert. Das Porträt der jungen Generation nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und insbesondere des Flappers und ihrer emanzipierten Lebensweise machten den erst 23-jährigen Fitzgerald in kurzer Zeit berühmt.[5] Fitzgeralds erste Sammlung an Kurzgeschichten Flappers and Philosophers, die im September 1920 erschien, war gleichfalls erfolgreich. Fitzgerald maß seinen Kurzgeschichten allerdings keinen großen Wert bei. Sie waren für ihn im Wesentlichen Broterwerb, die seine Arbeit am nächsten Roman finanzierten. Ihm lag an einer Anerkennung als einflussreicher und bedeutender Schriftsteller, die aus seiner Sicht nur über die Veröffentlichung weiterer Romane gelingen konnte.[6] Die Schönen und Verdammten (The Beautiful and Damned), Scott Fitzgeralds zweiter Roman, und die Geschichten aus der Jazz-Ära (Tales of the Jazz Age) erschienen 1922. Die Schönen und Verdammten war länger und im Tonfall nüchterner als Diesseits vom Paradies, der Roman erhielt verhältnismäßig gute Besprechungen und verkaufte sich auch ganz gut. Literarisch war dieser Roman jedoch weder so vollendet, dass sich Fitzgerald damit als einer der bedeutenden Autoren seiner Zeit etablieren konnte, noch war der Verkaufserfolg hoch genug, dass Fitzgerald auf das Verfassen von Kurzgeschichten und Artikel verzichten konnte.[7]

Maxwell Perkins, der Lektor, der beim Verlag Scribners Fitzgerald betreute

Im Juni 1922 begann Fitzgerald die Handlung eines dritten Romans zu entwerfen. Seinem Lektor Maxwell Perkins erklärte er bereits im Juli dieses Jahres:

„Ich will etwas Neues schreiben – etwas ganz außergewöhnliches und wunderschönes und einfaches + verwoben komplexes.[8]

Im selben Jahr erfolgte der Umzug der Familie nach Great Neck auf Long Island. In Great Neck lebte eine Reihe der neuen Reichen aus dem Showgeschäft, während auf der anderen Seite der Bucht, in Manhasset Neck, vor allem Familien lebten, die ihren Reichtum bereits im 19. Jahrhundert erworben hatten. In The Great Gatsby wurden aus Great Neck und Manhasset Neck die beiden Orte West Egg und East Egg, deren jeweilige Einwohner sich in gleicher Weise voneinander unterschieden.[9] Zu den Nachbarn der Fitzgerald in Great Neck gehörten Persönlichkeiten aus der Medienwelt und dem Showbusiness wie Ring Lardner, der Vaudeville-Komödiant und -Produzent Lew Fields sowie Ed Wynn. Dort lebten jedoch auch Alkoholschmuggler wie Max Gerlach, der seinen Reichtum ostentativ demonstrierte und der möglicherweise als Vorbild für die Figur des Jay Gatsby diente. Gesichert ist, dass Fitzgerald diese Person mit seinem Freund, dem Literaturkritiker Edmund Wilson, diskutierte.[10] Etwa zeitgleich zum Umzug nach Long Island begann die Presse über einen Skandal zu berichten, bei dem Arnold Rothstein eine Rolle spielte. Rothstein war ein notorischen Spieler und Mobster, der der Kosher Nostra zugerechnet wird und der als Vorbild der Figur des Meyer Wolfsheim diente.

Fast genau 12 Monate nachdem Fitzgerald angefangen hatte, eine Romanhandlung zu entwerfen, begann er mit dem ersten Entwurf für diesen Roman.[11] Er unterbrach jedoch die Arbeit wieder, weil er ab September 1923 daran mitarbeitete, sein Theaterstück „The Vegetable“ („Das Gemüse“) auf die Bühne zu bringen. Das Stück war kein Erfolg und Fitzgerald sah sich im Winter 1923 bis ins Frühjahr des Jahres 1924 gezwungen, Kurzgeschichten zu schreiben, um seine Schulden aus der fehlgeschlagenen Theaterproduktion zu begleichen.[12]

Im April 1924 konnte sich Fitzgerald wieder auf die Arbeit an dem Roman konzentrieren. Perkins und Fitzgerald trafen sich in dieser Zeit gelegentlich, weswegen der erhaltene Briefverkehr zwischen ihnen keinen vollständigen Aufschluss über den Entstehungsprozess des Romans gibt. Am 7. April 1924 schrieb Perkins an Fitzgerald, dass er von dem Titel „Zwischen Aschehaufen und Millionären“ nicht überzeugt sei, am 16. April teilte Perkins in einem weiteren Brief an Fitzgerald mit, dass er „The Great Gatsby“ immer schon als einen suggestiven und effektvollen Titel empfunden hätte, wobei nach Ansicht des Literaturwissenschaftlers Bruccoli der Gebrauch des Wortes „immer“ darauf hinweist, dass die Version aus dem Jahr 1923 mindestens zeitweilig bereits diesen Titel trug.[13] Fitzgerald war mit dem Titel des Romans jedoch bis zu seiner Veröffentlichung nicht zufrieden und erwog noch bei Drucklegung andere Alternativen. Aus dem Briefwechsel mit Maxell Perkins weiß man auch, dass Fitzgerald große Teile seines ersten Entwurfs wieder verwarf. Teile daraus verwendete er jedoch für die Kurzgeschichte „Absolution“ („Vergebung“), die er an die Zeitschrift „The American Mercury“ verkaufte.[14]

Die Arbeit an dem Roman kam im Frühsommer 1924 wieder weitgehend zum Erliegen, als das Ehepaar Fitzgerald mit ihrer Tochter Scottie an die Französische Riviera zog. Dort begann Zelda Fitzgerald eine Affäre mit dem französischen Piloten Edouard Jozan, die das Ehepaar voneinander entfremdete.[15] Im August arbeitete Fitzgerald jedoch erneut hart an dem Romanentwurf und sendete im Oktober 1924 das aus seiner Sicht fertige Manuskript seinem Lektor Maxwell Perkins und seinem Literaturagenten Harold Ober zu. Am 20. November 1924 antwortete Perkins mit einer langen, sorgfältigen Analyse des Entwurfs. Perkins fand die Figur des Gatsby noch zu vage, er kritisierte auch eine längere Erläuterung von Gatsbys Biografie in Kapitel 8 und legte Fitzgerald nahe, Details zu Gatsbys Lebensweg erst nach und nach im Verlauf der Erzählung offenzulegen und auch die Quelle seines Reichtums anzudeuten.[16] Fitzgerald, der sich zu diesem Zeitpunkt in Rom aufhielt, antwortete auf Perkins Brief am 1. Dezember 1924 und sicherte Perkins zu, dessen Anregungen aufzugreifen. Fitzgerald maß später Perkins generös einen wesentlichen Einfluss auf den erzählerischen Aufbau von „The Great Gatsby“ bei.[17]

Am 18. Februar 1925 sendete Fitzgerald die von ihm final überarbeiteten Druckfahnen wieder an Perkins zurück. Fitzgerald hatte insbesondere Kapitel 6 und Kapitel 8 stark überarbeitet. Am 10. April 1925 wurde „The Great Gatsby“ veröffentlicht. Perkins telegrafierte an Fitzgerald am 20. April, dass die Kritiken gut seien, der Verkauf des Buches aber schleppend verlaufe. Die Erstauflage im April hatte nur 20.870 Stück umfasst, eine zweite Auflage im August desselben Jahres wurde auf 3000 Stück begrenzt. Zu Lebzeiten Fitzgeralds druckten nur das britische Verlagshaus Chatto & Windus sowie das amerikanischen Verlagshauses Modern Library noch je eine Auflage.[18] Den geringen Verkaufserfolg begründete Fitzgerald noch im April 1925 in einem Brief an Perkins mit dem nur bedingt gelungenen Titel und dem Fehlen einer wichtigen Frauenfigur. Etwa zur gleichen Zeit erläuterte er in einem Brief an Edmung Wilson, dass der Fehler des Romans darin läge, dass er die emotionale Beziehung zwischen Gatsby und Daisy in der Zeit zwischen ihrer Wiederbegegnung und der finalen Katastrophe nicht hinreichend erfasst habe.[19]

Hintergrund[Bearbeiten]

F. Scott Fitzgerald verarbeitet in seinem Roman The Great Gatsby den gesellschaftlichen Wandel der US-amerikanischen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg und gestaltet in glänzendem Stil sein zentrales Thema: „die Widersprüche des ‚American Dream‘, des Strebens nach Glück, Erfolg und Reichtum in einer Konsumgesellschaft.“[20] Fitzgerald thematisiert die Wertschätzung des Menschen im Verhältnis zur Moral und zum sozialen Status vor dem Hintergrund des Beziehungs- und Ehebilds jener Zeit. Als kraftvolle Beschreibung der Roaring Twenties gilt der Roman heute als Great American Novel. The Great Gatsby war der letzte Roman, den F. Scott Fitzgerald schrieb, bevor der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 den Roaring Twenties ein Ende setzte. Der Literaturhistoriker Peter Conn weist darauf hin, dass Fitzgerald sich in frappierender Weise dieser Ära verbunden fühlte. Fitzgerald schrieb später über seine frühen literarischen Erfolge, sie seien so unnatürlich gewesen wie der Wirtschaftsboom der 1920er Jahre. Seine Erfahrungen danach – Alkoholismus, eine scheiternde Ehe, ein fehlgeschlagener Selbstmord und die Geisteskrankheit seiner Ehefrau – laufen parallel zu der Welle der Verzweiflung, die die Nation überrollte, als der Boom vorbei war.[21]

Neben gesellschaftskritischen Aspekten leuchtet der Roman auch psychologische Facetten aus. Gatsby ist von dem Traum beseelt, Daisy zurückzugewinnen. Auch seinen Reichtum begreift er letztlich nur als Mittel zum Zweck – wie es an vielen Stellen im Roman deutlich wird. Schließlich ist Gatsby sogar bereit, die Verantwortung für den von der geliebten Frau verursachten Unfall zu übernehmen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Charakteren des Romans, insbesondere dem Ich-Erzähler, scheint Gatsby zu echter Liebe imstande zu sein. Aber gerade das führt ihn letztlich in den Abgrund.

Am Ende der Erzählung macht Nick Carraway auch die Einstellung der Menschen des mittleren Westens für das Scheitern Gatsbys verantwortlich:

„I see now that this has been a story of the West, after all – Tom and Gatsby, Daisy and Jordan and I, were all Westerners, and perhaps we possessed some deficiency in common which made us subtly unadaptable to Eastern life.[22]

Ausgaben[Bearbeiten]

Der große Gatsby wurde mehrfach ins deutsche übersetzt, im Einzelnen von:

  • Maria Lazar, Th. Knaur Nachf., Berlin 1928
  • Walter Schürenberg, Blanvalet, Berlin 1953; Diogenes, Zürich 1974
  • Bettina Abarbanell, Zürich 2007
  • Reinhard Kaiser, Insel, Berlin 2011
  • Lutz-W. Wolff, dtv, München 2001
  • Kai Kilian, Anaconda, Köln 2011
  • Johanna Ellsworth, Nikol, Hamburg 2011
  • Hans-Christian Oeser, Reclam, Stuttgart 2012

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der große Gatsby wurde mehrfach verfilmt:

Hörbücher[Bearbeiten]

Musical[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Bloom (Hrsg): F. Scott Fitzgerald's The Great Gatsby. New York 2006, ISBN 0-7910-8580-5.
  • Matthew J. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald's „The Great Gatsby“. Gale, Detroit 2000, ISBN 0-7876-3128-0.
  • Michael Hoenisch: F. Scott Fitzgeralds The Great Gatsby. In: Edgar Lohner (Hrsg.): Der amerikanische Roman im 19. und 20. Jahrhundert · Interpretationen. Schmidt Verlag Berlin 1974, ISBN 3-503-00515-3, S. 173-190.
  • James E. Miller Jr.: F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby“. In: Gerhard Hoffmann (Hrsg.): Amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts · Band 1. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1972, ISBN 3 436 01444 3, S. 104–124.
  • Dagmar Pohlenz, Richard Martin: F. Scott Fitzgerald · „The Great Gatsby“ · Interpretations and Suggestions for Teaching. In: Peter Freese (Hrsg.): Texts for English and American Studies · Band 14. Schöningh Verlag Paderborn 1986, ISBN 3-506-41092-X.
  • Ruth Prigozy (Hrsg): The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-62474-6.
  • Frauke Frausing Vosshage: F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby (The Great Gatsby). 3. Aufl. Bange Verlag, Hollfeld 2007, ISBN 978-3-8044-1792-2. (Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 389))
  • Nicolas Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. Continuum International Publishing Group, New York 2007, ISBN 978-08264-9011-7.
  • John S. Whitley: F. Scott Fitzgerald, „The Great Gatsby“. Arnold, London 1976, ISBN 0-7131-5872-7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Conn: Literatur in America - An Illustrated History. Cambridge University Press, London 1989, 0-521-30373-7. S. 389. Im Original lautet das Zitat: :.. the first step the American Novel has taken since Henry James:
  2. http://www.modernlibrary.com/top-100/100-best-novels/
  3. Monica Randall: The Mansions of Long Island's Gold Coast. Rizzoli, 2003, ISBN 978-0-8478-2649-0, S. 275-277
  4. The Great Gatsby, Kapitel II. Im Original bezeichnet Tom Buchanan ihn als … so tumb he doesn't know he's alive.
  5. Scott Donaldson: Fitzgerald's nonfiction in Pregozy (Hrsg.): The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. 2002, S. 165. Im Original lautet das Zitat: By any standard, the sales of This Side of Paradise was remarkable. Its portrayal of the younger generation, and particularly of the flappet and her liberated ways, made the twenty-three-year-old famous overnight.
  6. Bloom: F. Scott Fitzgerald's The Great Gatsby. 2006, S. 11
  7. Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. 2007, S. 6
  8. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference. 2002, S. 53. Im Original lautet das Zitat: "I want to write something 'new' – something extraordinary and beautiful and simple + intricately patterned".
  9. Tredell: Fitzgerald's The Great Gatsby. 2007, S. 7
  10. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference. 2002, S. 53
  11. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference. 2002, S. 53
  12. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference. 2002, S. 53
  13. Bruccoli (Hrsg.): F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference. 2002, S. 53. Im Original lautet die Briefzeile Perkins an Fitzgerald: "I always thought that 'The Great Gatsby' was a suggestive and effective title.... "
  14. Bruccoli (Hrsg.): "F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference". 2002, S. 53 und S. 54
  15. Pregozy (Hrsg.): The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. 2002, XIX.
  16. Bruccoli (Hrsg.): "F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference". 2002, S. 54 und S. 55
  17. Bruccoli (Hrsg.): "F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference". 2002, S. S. 55
  18. Bruccoli (Hrsg.): "F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference". 2002, S. 56
  19. Bruccoli (Hrsg.): "F. Scott Fitzgerald’s The Great Gatsby – A Literary Reference". 2002, S. 56
  20. Brockhaus Enzyklopädie, Literatur - Schriftsteller, Werke, Epochen, Sachbegriffe, 2. Auflage, Leipzig - Mannheim, 2004, ISBN 3-7653-0351-8.
  21. Peter Conn: Literatur in America - An Illustrated History. Cambridge University Press, London 1989, 0-521-30373-7. S. 389. Im Original lautet das Zitat: :.. unnatural - unnatural as the Boom. […] my recent experience parallele the wave of despair that swept the nation when the Boom was over.
  22. Zu deutsch etwa: „Ich sehe jetzt im Nachhinein, dass dies eine Geschichte des [Mittleren] Westens war – Tom und Gatsby, Daisy und Jordan und ich, wir alle waren Westler, und vielleicht ermangelte es uns insgesamt an etwas, das uns unfähig machte, sich an das Leben im Osten anzupassen.“