Der kleine Lord (1936)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der kleine Lord
Originaltitel Little Lord Fauntleroy
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1936
Länge 102 Minuten
Stab
Regie John Cromwell
Drehbuch Hugh Walpole
Produktion David O. Selznick für Selznick International Pictures
Musik Max Steiner
Kamera Charles Rosher
Schnitt Hal C. Kern
Besetzung

Der kleine Lord ist ein US-amerikanisches Filmdrama von John Cromwell aus dem Jahr 1936 mit Freddie Bartholomew, Dolores Costello und C. Aubrey Smith in den Hauptrollen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman Der kleine Lord von Frances Hodgson Burnett. In anderen Ländern ist diese Version sogar bekannter als die in Deutschland sehr berühmte 1980er-Version, und war vor dessen Erstausstrahlung auch hierzulande ein beliebter und regelmäßig wiederholter Klassiker.

Handlung[Bearbeiten]

In den 1880er-Jahren wächst der junge Cedric „Ceddie“ Errol nach dem Tod seines Vaters in New York bei seiner Mutter Mrs. Errol und der Dienerin Mary auf. Seine Mutter nennt er wie sein Vater „Dearest”. Er ist befreundet mit dem frechen Schuhputzer Dick und dem patriotischen Gemischtwarenhändler Silas Hobbs. Sein Großvater väterlicherseits, der englische Earl von Dorincourt, ignoriert die Familie seit Jahren, weil sein Sohn eine Amerikanerin geheiratet hat.

Doch als alle anderen möglichen Erbfolger gestorben sind, sendet der Earl seinen Gesandten und Verwalter Havisham nach New York. Mrs. Errol zögert zunächst, da der Earl Cedric zuvor ignoriert hat, doch dann reist sie mit ihrem Sohn nach England zum Großvater. Zwar bekommt Cedric den Titel „Lord“ verliehen, doch seine Mutter darf nicht im Schloss leben, sondern nur in einem naheliegenden Gehöft. Cedric erobert bald die Herzen der Menschen im Schloss und seines zunächst strengen Großvaters. Dieser gibt ein großes Fest, bei der er der englischen Society, etwa der Schwester des Earls, Lady Lorradaile und ihrem Mann Sir Harry, oder der schönen Miss Herbert, vorgestellt wird.

Kurz nach dem Fest erfährt Mr. Havisham, dass Cedric doch nicht der richtige Erbe sein soll. Die Amerikanerin Minna Tipton erklärt mit ihrem Anwalt Snade, dass ihr Sohn ebenfalls Neffe des Earls ist und eher als Cedric geboren wurde und er so der richtige Erbe ist. Die Bekanntschaft mit der vorlauten Minna verleitet den Earl zu der Erkenntnis, dass Cedrics Mutter doch eine ordentliche und gutherzige Frau ist. Der Schuhputzer Dick erkennt Minna währenddessen in New York in einer Zeitung als Ex-Frau seines Bruders Ben. Tom ist ihr gemeinsamer Sohn. Mr. Hobbs, Dick und Ben reisen nach England und entlarven Minna als Schwindlerin.

Während Cedric geschult werden soll, seine Rolle als Adliger angemessen auszuüben, findet parallel eine Entwicklung in seinem Großvater statt. Ursprünglich lediglich in der Absicht, dem überaus positiven Bild, das Cedric von seinem Großvater hat, nicht zu widersprechen, verändert sich der kaltherzige alte Mann tatsächlich. Er beginnt, seiner Verantwortung für seine Untergebenen und besonders den Bedürftigen gerecht zu werden und zeigt allmählich Interesse und Hilfsbereitschaft. So ist Cedrics Mutter schließlich bereit, in das Schloss zu ihrem Sohn zu ziehen. Das Fest, mit dem der Film endet, zelebriert somit nicht nur den neuen Erben, sondern auch den Sieg von Mitgefühl und Menschlichkeit.

Hintergründe[Bearbeiten]

Der aufstrebende Filmproduzent David O. Selznick hatte im Jahre 1935 für Metro-Goldwyn-Mayer Kassenerfolge wie Anna Karenina und David Copperfield produziert. Selznick wollte allerdings Entscheidungsfreiheit und größere Machtfülle bei seinen Filmen haben, weshalb er sein eigenes Filmstudio Selznick International Pictures gründete. Der kleine Lord wurde zum ersten Film des Filmstudios, welches später auch Filmklassiker wie Vom Winde verweht und Rebecca produzierte. Um einen finanziell erfolgreichen Start für sein Filmstudio zu erreichen, wählte Selznick sich einen populären, wenn auch - wie einige Kritiker wie Ben Hecht anmerkten - bereits recht alten Stoff aus: den Roman Der kleine Lord von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahre 1886, welcher zu seiner Zeit ein Welterfolg war. Er wurde bereits 1914 das erste Mal verfilmt, eine zweite Verfilmung entstand 1921 mit Little Lord Fauntleroy aus dem Jahre 1921, in der Hauptrolle mit Mary Pickford in einer Doppelrolle als Cedric und seine Mutter. Selznick musste sich die Rechte für den Film von Pickford kaufen.

In der Hauptrolle entschied man sich für Freddie Bartholomew, welcher im Vorjahr durch die Selznick-Produktionen David Copperfield und Anna Karenina zum wohl größten männlichen Kinderstar von Hollywood aufgestiegen war. Die schulterlangen Locken - welche Cedric im Roman und allen anderen Verfilmungen trägt - ließ Selznick beim schwarzhaarigen Bartholomew jedoch weg, weil er nicht wollte, dass sein Kinderstar wie ein „Sissy“ (dt.: Weichei) aussah. Als Schuhputzer Dick wurde Mickey Rooney eingesetzt, welcher in den folgenden Jahren regelmäßig Nebenrollen an der Seite von Bartholomew spielte. Um 1940 sank jedoch Bartholomews Popularität und Rooney wurde zu einem erfolgreichen Star, weshalb bei ihrer letzten Zusammenarbeit A Yank at Eton (1942) nicht Rooney, sondern Bartholomew die Nebenrolle hatte. Als Cedrics Mutter wurde Dolores Costello besetzt, welche in den 1920er-Jahren ein großer Star in Hollywood war. Nach ihrer Heirat mit dem Filmstar John Barrymore zog sie sich 1928 aus dem Filmgeschäft zurück, um ihre Kinder großzuziehen. Doch Barrymores Alkoholismus zerstörte die Ehe und es kam 1935 zur Scheidung. Ihr Comeback mit Der kleine Lord verlief durchaus erfolgreich, allerdings litt ihr Aussehen zusehends unter den Schäden von ihrem stets sehr starken Make-Ups, sodass sie sich 1942 nach nur acht weiteren Filmen ins Privatleben zurückzog. Für die Rolle des Großvaters wählte man C. Aubrey Smith, einen markant aussehenden Ex-Cricketspieler und Nebendarsteller in zahlreichen Hollywoodfilmen seiner Zeit, der sich auf die Verkörperung von britischen Aristrokraten oder Militärs spezialisiert hatte. In den vielen Nebenrollen vertraute Selznick zum großen Teil auf erfahrene, wenn auch nicht sehr bekannte britische Charakterdarsteller. In kleineren Nebenrollen spielten unter anderem: Lionel Belmore als Farmer Higgins; Lawrence Grant als Richter im Falle über den Erben; Eily Malyon als eine Landlady; Mary Gordon als eine Bauersfrau auf dem Weg zur Kirche und Lionel Pape als ein Gast bei der Feier.

Für das Drehbuch zeigte sich der zu seiner Zeit äußerst bekannte und vielgelesene Schriftsteller Hugh Walpole verantwortlich, welcher mit Selznick bereits bei David Copperfield zusammengearbeitet hatte. Zum Regisseur des Filmes wurde John Cromwell, der Selznicks Arbeit sehr schätzte und ein Klient von Selznicks Bruder Myron war. Der Film wurde in den letzten zwei Monaten des Jahres 1935 in Kalifornien gedreht. Das Budget von 500.000 US-Dollar - ein damals durchschnittlicher Wert für eine Film - wurde um 90.000 US-Dollar überschritten. Der Film wurde am 4. April 1936 von United Artists veröffentlicht und erwirtschaftete bis 1939 einen Profit von rund 450.000 US-Dollar, womit Der kleine Lord bis Vom Winde verweht der erfolgreichste Film von Selznick International war.

Im Jahre 1980 erschien der britische Fernsehfilm Der kleine Lord mit Alec Guinness und Ricky Schroder in den Hauptrollen, welcher sich zum Teil von dieser Filmversion beeinflussen ließ. Dieser Film wird seit seiner Erstausstrahlung im Jahre 1982 jedes Jahr zu Weihnachten im Fernsehen wiederholt, diese 1936er-Version wird seither nicht mehr im Fernsehen gezeigt, obwohl sie vor dessen Erstausstrahlung auch hierzulande ein beliebter und regelmäßig im Fernsehen wiederholter Film war. In den meisten anderen Ländern ist dieser Film jedoch nach wie vor die populärste Umsetzung von Burnetts Roman. Seit 2012 ist der Film mit einer neuen deutschen Synchronisation auf DVD erhältlich, nachdem er vom George Eastman House Filmarchiv restauriert wurde.

Seit vielen Jahrzehnten gilt der Film in den USA als Public Domain, so dass er legal im Internet heruntergeladen werden kann.

Kritik[Bearbeiten]

„„Da ist eine liebevolle Ausstrahlung in diesem Filmdrama, eine milde Trübung über den vergangenen Dingen, die selbst den unerbittlichsten Fauntleroy-Gegner zum Zollen von Respekt verleiten sollte. Das liegt vielleicht am Setting, das wunderbar entworfen wurde, oder an der Performance einer perfekt abgestimmten Besetzung, oder an Hugh Walpoles Filmadation oder an John Cromwells empfindungsvoller Regie. Was auch immer der Grund ist, und vielleicht war es eine Kombination aller vier, der Film bringt etwas mit sich, und wenn wir uns nicht sehr irren, wird er ihnen gefallen.”“

Frank S. Nugent für die New York Times, 1936

„„Gefühlvolle Verfilmung eines bekannten Jugendbuches. (...) Geradlinig erzählt, mit guten Darstellern.”“

Lexikon des Internationalen Films[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der kleine Lord im Lexikon des Internationalen Films