Der operirte Jud’

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Titelbild zu Visionen (1893).

Der operirte Jud’ ist eine satirisch-groteske Kurzgeschichte von Oskar Panizza, die dieser zusammen mit neun anderen Erzählungen 1893 in der Sammlung Visionen veröffentlichte.

Der jüdische Protagonist der Geschichte kann selbst durch Operationen, Bluttransfusionen, Verhaltensänderungen und die Konversion zum protestantischen Glauben sein wahres jüdisches Wesen nicht ablegen.

Die Erzählung lässt sich als Ausdruck einer antisemitischen Haltung interpretieren,[1] wie sie auch für anarchistisch-oppositionelle deutsche Intellektuelle der Jahrhundertwende nicht untypisch war. Andererseits kann man den Operirten Jud’ auch als Parodie auf das tragische Scheitern jüdischer Assimilationsbemühungen lesen.[2] Einige Jahre später bezeichnete Panizza Antisemiten jedenfalls als „kulturfeindliche Schreier.“[3]

Ende 1927 veröffentlichte der „Münchener Beobachter“, ein Beiblatt zum Völkischen Beobachter, eine nationalsozialistische Interpretation von Panizzas Hauptwerk Das Liebeskonzil und den Abdruck seiner Erzählung Der operirte Jud.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Z.B. bezeichnet Jens Malte Fischer den Operirten Jud’ als „Explosion eines wütenden Antisemitismus wie er in dieser Drastik nur noch vom ,Stürmer‘ erreicht worden“ sei. (Deutschsprachige Phantastik zwischen Décadence und Faschismus, in: Rein A. Zondergeld (Hg.): Phaïcon 3, Almanach der phantastischen Literatur, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1978, S. 93-130.)
  2. So Alexander Bahar, Die grässlichste aller Foltern.
  3. Zitiert nach Jürgen Müller: Der Pazjent als Psychiater. Oskar Panizzas Weg vom Irrenarzt zum Insassen. Edition Das Narrenschiff, Bonn 1999, S. 70.
  4. Oskar Panizza, in: Münchener Beobachter vom 8. Januar 1927, S. 2