Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach

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Filmdaten
Originaltitel Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Volker Schlöndorff
Drehbuch Margarethe von Trotta,
Volker Schlöndorff
Produktion Volker Schlöndorff,
Eberhard Junkersdorf
Musik Klaus Doldinger
Kamera Franz Rath
Schnitt Claus von Boro
Besetzung

Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach ist ein Autorenfilm von 1971, bei dem Volker Schlöndorff Regie führte und auch das Buch zusammen mit seiner späteren Frau Margarethe von Trotta schrieb. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich im 19. Jahrhundert in Mittelhessen ereignete.

Handlung[Bearbeiten]

Nach mehreren Fehlversuchen gelingt es am 19. Mai 1822 acht armen Bauern und Tagelöhnern aus dem Hessischen Hinterland einen Geldtransport, der monatlich von Gladenbach nach Gießen fährt, zu überfallen und zu berauben. Der Raubüberfall ging in die Kriminalgeschichte als der „Postraub in der Subach“ ein.

Hintergrund[Bearbeiten]

Für den in Wiesbaden geborenen Regisseur ist der Film für sein späteres Schaffen von Bedeutung: „Mit diesem Film habe ich eigentlich erst angefangen, mich zu entwickeln. Auch die Möglichkeit, mich an meine Kindheit in Hessen zu erinnern, hat mir gut getan“. Der Film wurde mit hessischen Darstellern an hessischen Schauplätzen gedreht und beinhaltet Verweise auf hessische Autoren: Zitate aus Büchners Woyzeck und aus Grimms Märchen ließ Schlöndorff in den Film einfließen. „Bei den Arbeiten zum Film habe ich mich auch selbst als Bruder Grimm begriffen, als ich Material über die damalige Zeit gesammelt habe“, erinnert sich Schlöndorff an die Entstehung des Films.[1]

Kulisse[Bearbeiten]

In Bezug auf den tatsächlichen Charakter der mittelhessischen Landschaft zur Zeit der Handlung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fallen einige Ungereimtheiten auf: So finden die Szenen im Wald zum großen Teil in rein hochstämmigen Fichtenforsten statt, die es damals in dieser Form noch nicht gegeben hat.[2] Die Szenen in offener Landschaft zeigen zudem stark flurbereinigte Parzellenstrukturen, wie sie größtenteils erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Hessen entstanden sind.[3] Eine weitere Ungereimtheit ist der Anblick von Stromleitungen in einer Landschaftstotale zu Beginn des Films.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

„[…] deutsche Geschichte im Gewand eines kritischen Heimatfilms, sehr ambitioniert. (Wertung 2½ Sterne: überdurchschnittlich)“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“[4]

„Sozialkritischer Film, der im Stil einer schwermütigen Volksballade Verarmung und Unterdrückung am Modell eines frühen Gemeinwesens zeichnet. Obwohl der ökonomische, politische und geistige Hintergrund nicht ausreichend erhellt wird, regt der Film zur Auseinandersetzung an, zumal er durch seine formale Gestaltung eine bemerkenswerte Stellung im deutschen Nachkriegsfilm einnimmt.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Kasseler Grimm-Professur mit Volker Schlöndorff auf www.nh24.de
  2. Küster, Hansjörg (2008): Die Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. München. 266 S.
  3. Born, Martin (1987): Die Entwicklung der deutschen Agrarlandschaft. Darmstadt. 185 S.
  4. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 648
  5. Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach im Lexikon des Internationalen Films

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Postraub in der Subach, „Aktenmäßig ausgezogen und bearbeitet von Carl Franz, Criminalgerichtssekretär zu Giessen“, 1825, neu erschienen im Jonas-Verlag, Marburg 1986, mit Illustrationen von Wilhelm M. Busch, ISBN 3-922561-49-7

Weblinks[Bearbeiten]