Derringer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Rockmusiker siehe Rick Derringer, die Fernsehserie findet sich unter Yancy Derringer.
Derringer
Der Deringer von John Wilkes Booth
Allgemeine Information
Entwickler/Hersteller: Henry Deringer
Produktionszeit: ca. 1835 bis 1868
Ausstattung
Lauflänge: 38 mm – 102 mm
Technische Daten
Kaliber: .33 (8,38 mm) – .51 (12,95 mm)
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Derringer, richtigerweise Deringer ist eine im frühen neunzehnten Jahrhundert in den USA entwickelte Taschenpistole.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name bezieht sich auf den US-amerikanischen Waffenhersteller Henry Deringer (1786–1868), der eine kurze einschüssige Vorderladerpistole mit Perkussionszündung entwickelt hatte. Von 1835 bis 1868 produzierte Deringer in Philadelphia etwa 15.000 Exemplare in Kalibern von .33 (8,38 mm) bis .51 (12,95 mm) und mit Lauflängen von 1,5" (38 mm) bis über 4" (102 mm). Mit einem solchen Deringer im Kaliber .44 erschoss John Wilkes Booth am 14. April 1865 den US-amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln.

Mit dem Aufkommen der Metallpatronen wurden Deringerpistolen von diversen Herstellern in grosser Zahl auf den Markt gebracht. Die bekanntesten sind die von Remington Arms bis 1935 hergestellten Remington Double Deringer mit zwei übereinander angeordneten Läufe, deren Hinterlader-Patronenlager durch Aufkippen des Doppellaufes zugänglich ist. Wegen schlechter Treffgenauigkeit und geringer Reichweite ist der Deringer nur für Schüsse auf kürzeste Distanz geeignet. Im klassischen Western gehört er zur Standardausrüstung des Gamblers (Berufsspielers). Kennzeichen der originalen Deringer und von anderen Herstellern gefertigten Waffen unter dieser Bezeichnung ist der sogenannte Vogelkopfgriff, der bei Taschenpistolen im späten 17. Jahrhundert aufkam und eine relativ gute Handhabung erlaubte. Mit dem Zeigefinger am Abzug bleiben nur der Mittelfinger und Ringfinger, um den kleinen Griff zu halten. Der nach vorne gebogene Griff, bei barocken Waffen oft als Tierkopf (Vogel, Löwe, Fabelwesen, Groteskmaske etc.) gestaltet, legt sich unter den Ringfinger und sorgt so für einen sicheren Halt, was bei dem großen Rückschlag der kleinen, leichten Waffe mit großem Kaliber nicht unwichtig ist. Wegen dieser physikalischen Gegebenheiten führte die Kombination aus großem, durchschlagskräftigem Kaliber und Handlichkeit (also geringer Masse) der Waffe immer zu einem starken Rückschlag.

Später wurde der Name in der abgewandelten Schreibweise Derringer allgemein auf ein- oder zweiläufige Taschenpistolen mit großem Kaliber und kurzem Lauf übertragen. Die Handlichkeit gerade dieser heute noch gebauten „typischen“ Derringer mit dem Doppellauf für Metallpatronen machte sie jedoch attraktiv genug auch für kleinere Kaliber, bis hinunter zu .22 kurz (Randfeuerpatronen).

Colt Deringer, unten erstes Modell (1870 - 1890) oben drittes Modell (1870 - 1912)

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Edward Chapel: Guns of the Old West. An Illustrated Guide. Dover Publications, Mineola NY 2002, ISBN 0-486-42161-9.
  • Klaus-Peter König, Martin Hugo: Taschenpistolen Taschen- und Miniaturpistolen. Verlag Motorbuch Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-613-01072-0.
  • Norm Flayderman, Flaydermans Guide to Antique American Firearms 2001 by Krause Publications, Iola, WI, USA. ISBN 0-87349-313-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deringer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien