Des Knaben Wunderhorn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gedichtesammlung Des Knaben Wunderhorn. Zu der Vertonung durch Gustav Mahler siehe Des Knaben Wunderhorn (Mahler).
Moritz von Schwind: Des Knaben Wunderhorn. Zeichnung (Entwurf) für ein Gemälde.

Unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn veröffentlichten Clemens Brentano und Achim von Arnim von 1805 bis 1808 eine Sammlung von Volksliedtexten in drei Bänden. Es enthält Liebes-, Soldaten-, Wander- und Kinderlieder vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert.

Das Titelkupfer des zweiten Bandes bildet das Oldenburger Wunderhorn ab.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Bd. I Titelblatt (gestochen) des Erstdrucks von 1806
Bd. II Titelblatt (gestochen) des Erstdrucks von 1808
Bd. III Titel und Frontispiz des Erstdrucks von 1808

Die jüngeren Anhänger der Romantik widmeten sich, stark von Nationalgefühl ergriffen, der Sammlung und dem Studium der Ursprünge der germanischen Vergangenheit in Volksliedern, Märchen, Mythen, Sagen (Nibelungensage), und germanischer Dichtung (Edda). Alles was unberührt von den in ihren Augen negativen Auswirkungen der modernen Zivilisation war, wurde als gut und für die „Gesundung der Nation“ als hilfreich erachtet.[1]

Philologischer Streit[Bearbeiten]

Im Rahmen eines allgemeinen Streites zwischen den Heidelberger Romantikern und dem dort ebenfalls ansässigen Gelehrten Johann Heinrich Voß wurde die Möglichkeit einer „reinen“ Abbildung volkstümlicher Dichtkunst, besonders in einem Konflikt zwischen den Herausgebern, lange diskutiert:

Brentano kritisierte an Arnim, dass seine Wiederherstellung der gefundenen Werke zu „dichterisch“ seien und über bloße Wiederherstellungen weit hinausgingen. In die sich daraufhin ausweitende Debatte um Naturpoesie und Kunstpoesie griffen auch die Brüder Grimm ein, wobei Jacob Grimm für eine „naive“, „wahrhafte“ und „notwendige“ Poesie eintrat, wohingegen sein Bruder Wilhelm Grimm durchaus die Übersetzbarkeit und Editierbarkeit – beispielsweise von fremdsprachigen Mythen – bejahte.

Goethe, dem der erste Band der Reihe zugeeignet war, veröffentlichte – als Dank – ebenfalls eine Kritik und lobte sowohl den naiven Anspruch der Reihe als auch deren Eignung für Gelehrte. Er empfahl Des Knaben Wunderhorn für jede Küche „des einfachen Volkes“ und für jedes Klavier der „Gelehrten“.

Der Anspruch einer Sammlung alter deutscher Lieder aus dem Volk bleibt bis heute umstritten, der Vorwurf der Verfälschung und Selbstkreation – besonders gegen Arnim – scheint zwar bisweilen überzogen, die unterschiedlichen Kunstdefinitionen der Herausgeber und möglichen Ansprüche an das Werk sollten aber klar getrennt und differenziert werden.

Die moderne kritische Edition[Bearbeiten]

Die maßgebliche Edition von Des Knaben Wunderhorn erschien 1975 bis 1978 in vier Bänden (wobei der vierte Band in drei Teilbände aufgeteilt ist) im Rahmen der historisch-kritischen Frankfurter Brentano-Ausgabe (hrsg. von Heinz Rölleke). Diese Wunderhorn-Edition basiert auf den jahrzehntelangen Forschungen und dem Nachlass des Ost-Berliner Volkskundlers Harry Schewe (1885–1963).

Redewendungen[Bearbeiten]

Im ersten Band ist auch das Lied Frau Nachtigal [2] enthalten, das wahrscheinlich die Basis für die berlinerische Redewendung „Nachtigall, ick hör' dir trapsen“ lieferte. Der Berliner drückt damit aus, dass er etwas bereits im Voraus bemerkt bzw. „den Braten gerochen“ hat.

Anmerkungen[Bearbeiten]

1860 veröffentlichte Theodor Colshorn Des deutschen Knaben Wunderhorn. Stufenmäßig geordnete Auswahl deutscher Gedichte für Knaben und Jünglinge. Aus den Quellen., ab der zweiten Ausgabe verkürzt nur noch Des Knaben Wunderhorn. [...].

Ausgaben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Des Knaben Wunderhorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Des Knaben Wunderhorn – Quellen und Volltexte
 Wikiversity: Des Knaben Wunderhorn. Gestochene Titel Bd. I - III – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. René Wellek: Geschichte der Literaturkritik. 1750–1950. Band 1: Das späte 18. Jahrhundert, das Zeitalter der Romantik (= Komparatistische Studien 7). de Gruyter, Berlin u. a. 1978, ISBN 3-11-005914-2, S. 526.
  2. Frau Nachtigal.