Design Thinking

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Design Thinking wird eine Methode genannt, die zur Lösung von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll.

Theorie[Bearbeiten]

Die Methode basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen, und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden.[1] Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird. Nach einem anderen Verständnis bedeutet Design Thinking „any process that applies the methods of industrial designers to problems beyond how a product should look“.[2]

Entwicklung und institutioneller Hintergrund[Bearbeiten]

Entwickler und Vertreter der Methode sind der Informatiker Terry Winograd,[3] Larry Leifer[4] und David Kelley, der Gründer der Design- und Innovationsagentur IDEO, die das Konzept auch vermarkten. Unter dem Namen „Design Thinking Research Symposia“ finden seit 1991 Tagungen zu diesem Thema statt.[5]

Gefördert werden Erforschung und Umsetzung dieses Konzepts durch den Milliardär Hasso Plattner. Prinzipien des Design Thinking werden seit 2005 am Hasso Plattner Institute of Design, der sogenannten „d.school“, gelehrt. Im Oktober 2007 nahm die School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam den Studienbetrieb auf.[6] In einem mit 16 Mio. US-Dollar ausgestatteten HPI-Stanford Design Thinking Research Programm[7] unter Leitung von Larry Leifer (Stanford University) und Christoph Meinel (Hasso-Plattner-Institut, Potsdam) werden Forschungsprojekte zum Design Thinking durchgeführt. In München lehrt die Master School der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Jürgen Faust Design Thinking in einem Masterstudiengang.[8] In Österreich wird Design Thinking an der FH Oberösterreich, an den Standorten Steyr im Rahmen des Studienganges Supply Chain Management (Logistikum)[9] sowie zukünftig auch in Hagenberg im Studiengang Kommunikation, Wissen, Medien angeboten. An der British School of Design in Moskau wird Design Thinking ebenfalls gelehrt.

Praxis[Bearbeiten]

Der Geschäftsführer des hannoverschen Zoos, Klaus-Michael Machens, gründete 1995 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die nach der Methodik ein "Konzept Zoo 2000" erstellte. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland aus dem August 2010 konnte es erfolgreich umgesetzt werden.[10]

Kritik[Bearbeiten]

Die Hypothese, dass der kreative Prozess komplett designt werden kann und dass die Präsenz von Designern dabei eine ausschlaggebende Rolle spielen, wird auch kritisiert. Dev Patnaik stellt dem Design Thinking das Hybrid Thinking entgegen – es käme vielmehr darauf an, empathische Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung, aber der Fähigkeit zu hybridem Denken an die richtigen Stellen der Organisation zu setzen. Als Beispiel zitiert er die Innovationserfolge Claudia Kotchkas bei Procter & Gamble.[11] Claudia Kotchkas Erfolg bei P&G zeige nicht etwa den Triumph der von ihr verstärkt rekrutierten Designer im kreativen Prozess an, sie sei selbst Betriebswirtin. Die Herausforderung bestehe nicht darin, interdisziplinäre Teams zu bilden, sondern einzelne Mitglieder zu rekrutieren, die zu interdisziplinärem Denken in einer Person fähig sind, und sie an entscheidenden Schaltstellen zu positionieren. Es gibt zunehmend Studiengänge, die auf eine solche Schnittstellenkompetenz zielen, so z. B. die Studiengänge „Cultural Engineering“[12] an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg oder „Kultur und Technik“[13] an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Auch Wolfgang Jonas kritisiert die Unschärfe des Design Thinking und betont demgegenüber die Rolle der transdisziplinären Vernetzung sowie den evolutionären Verlauf von Designprozessen, die bei aller Zielorientierung stets auch sich selbst reflektierende Redesign-Prozesse sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tim Brown, Barry Katz: Change by Design. How design thinking can transform organizations and inspire innovation. HarperCollins Publishers, New York NY 2009, ISBN 978-0-06-176608-4.
  • Tim Brown: Design Thinking. In: Harvard Business Review. Juni 2008, S. 84–92, (online).
  • Wolfgang Jonas: Schwindelgefühle – Design Thinking als General Problem Solver? EKLAT Symposium zur Entwurfswissenschaft, TU Berlin, 6. Mai 2011 download (PDF; 735 kB)
  • Tom Kelley, Jonathan Littman: Das IDEO Innovationsbuch. Wie Unternehmen auf neue Ideen kommen. Econ, München 2002, ISBN 978-3-43015317-1.
  • Dev Patnaik, Peter Mortensen: Wired to Care. How Companies Prosper When They Create Widespread Empathy. FT Press/Prentice Hall, Upper Saddle River NJ 2009, ISBN 978-0-13-714234-7.
  • Hasso Plattner, Christoph Meinel, Ulrich Weinberg: Design-Thinking. Innovation lernen – Ideenwelten öffnen. mi-Wirtschaftsbuch – FinanzBuch Verlag, München 2009, ISBN 978-3-86880-013-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MIT World: Innovation Through Design Thinking Video des Vortrages von Tim Brown am Massachusetts Institute of Technology (26. März 2006)
  2. Dev Patnaik, Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking, 25. August 2009, http://www.fastcompany.com/1338960/forget-design-thinking-and-try-hybrid-thinking
  3. Golem.de: Design-Thinking wird sich einschleichen Interview: Golem.de im Gespräch mit dem Informatiker Terry Winograd vom 3. März 2008
  4. „Hasso-Plattner-Institut und die Stanford University School of Engineering kooperieren in einem gemeinsamen Design Thinking Research-Programm“ (Uni Potsdam)
  5. Open University: Design Thinking Research Symposia, abgerufen am 18. April 2009
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Design Thinking: Neues Studium für kreative Denker Artikel über die d.school vom 20. Oktober 2008
  7. HPI-Stanford Design Thinking Research Program
  8. Media and Design
  9. [1] (PDF; 285 kB)
  10. Design Thinking im Zoo HannoverVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter Financial Times Deutschland vom 6. August 2010
  11. Dev Patnaik, „Forget Design Thinking and Try Hybrid Thinking“, 25. August 2009, http://www.fastcompany.com/1338960/forget-design-thinking-and-try-hybrid-thinking
  12. Cultural Engineering Bachelor und Master
  13. Kultur und Technik Master