Detlef Ultsch

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Detlef Ultsch, 2012

Detlef Ultsch (* 7. November 1955 in Sonneberg) ist der erste deutsche Judo-Weltmeister.

Beginn als Jugendlicher in Sonneberg[Bearbeiten]

Detlef Ultsch wuchs mit sieben jüngeren Geschwistern in einer Sonneberger Großfamilie auf. Seine Judoka-Laufbahn begann 1968, als ihn sein Vater beim SV Dynamo Sonneberg zum Judotraining anmeldete. Er war ein sehr engagierter, besonders talentierter Judo-Schüler und errang schon 1969 erste Wettkampferfolge. Von Vorteil war dabei, dass der SV Dynamo Sonneberg über motivierte Übungsleiter und mehrere talentierte Judoka im Kinder- und Jugendbereich verfügte, die seinen Ehrgeiz herausforderten. Nach zwei Jahren hatten ihn die Talentsucher auf DDR-Ebene schon bei den Wettkämpfen zur Kinder- und Jugendspartakiade ins Visier genommen, ohne jedoch sein Leistungsvermögen richtig einschätzen zu können. Im Männertraining erarbeitete er sich mit 14 Jahren eine ausgezeichnete Physis, hatte sehr gute Reflexe und verfügte über eine außergewöhnliche Grundschnelligkeit. In Sonneberg fehlten ihm aber Trainingspartner, die ihn technisch weiter nach vorne hätten bringen können. Außerdem fiel den Wettkampfbeobachtern auf, dass er nicht nur gut und erfolgreich kämpfen konnte, sondern dass er nach Niederlagen auch sehr oft in Tränen ausbrach und in gekränktem Stolz wie ein Schlosshund heulte. Zudem hatte er in seiner damaligen Gewichtsklasse auf nationaler Ebene mit Harald Heinke vom SC Leipzig einen Konkurrenten vor sich, der über unvergleichlich bessere Trainingsbedingungen verfügte und ihm den Weg an die Spitze auf Dauer zu verbauen schien.

Wechsel zum Sportclub nach Berlin[Bearbeiten]

Nach dem Schulabschluss 1972 blieb er in Sonneberg und erlernte im VEB Landbaukombinat den Beruf eines Baumaschinisten. Während dieser Zeit trainierte er unverdrossen weiter, verfeinerte seine Spezialtechniken, insbesondere den links und rechts eingedrehten Schulterwurf, wurde physisch noch stärker und gewann im Umgang mit Niederlagen die notwendige psychische Festigkeit. Im Randori entwickelte er eine eigene Hebe-Wurftechnik, mit der er des Öfteren Wettkampfgegner im Halbmittelgewicht überraschte. Außerdem bereitete er sich in Theorie und Praxis sehr gründlich auf die Prüfung zum I. Dan vor, die er im Sommer 1974 absolvierte. Als Dan-Träger erhielt er im Spätsommer 1974 die Chance zum SC Dynamo Hoppegarten nach Berlin zu wechseln. Damit verbunden war ab Oktober 1974 der Dienst als Sportsoldat beim Wachregiment Feliks Dzierzynski. Unter den sehr viel härteren Trainingsbedingungen beim SC Dynamo Hoppegarten dauerte es ungefähr ein Jahr, bis das Sonneberger Judo-Talent sich aus der Halbmittel-Gewichtsklasse verabschiedet hatte und sich in der Mittel-Gewichtsklasse in die nationale Spitze vorkämpfte.

Zeit als aktiver Weltklasse-Judoka in der Mittelgewichtsklasse[Bearbeiten]

Im Olympiajahr 1976 gelang ihm endgültig der Durchbruch bei bedeutenden Wettkämpfen auf nationaler und internationaler Ebene. In diesem Jahr wurde er DDR-Juniorenmeister, Dritter bei den DDR-Seniorenmeisterschaften, Dritter der Europameisterschaften und nahm als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Montréal teil. 1977 gewann er mit der Mannschaft des SC Dynamo Hoppegarten den Europapokal. Er dominierte die Mittelgewichtsklasse in der DDR nahezu unangefochten bis 1984 und wurde insgesamt sechsmal DDR-Meister. Ende der 1970er Jahre war unter der sportlichen Führung seines Trainers Dietmar Hötger aus dem Sonneberger Judo-Talent ein Berliner Weltklasse-Judoka geworden. Seine größten sportlichen Erfolge als Aktiver feierte er 1979 in Paris und 1983 in Moskau mit dem zweimaligen Sieg bei den Judo-Weltmeisterschaften im Mittelgewicht (bis 86 kg). Nachdem er sich bei der Olympiade 1980 in Moskau die Bronze-Medaille erkämpft hatte, konzentrierte er sein Training 1984 ganz auf die olympischen Judo-Wettkämpfe in Los Angeles. Dort wollte er als einer der Favoriten mit guten Chancen auf den Olympiasieg starten. Wegen des Boykotts der Sommerolympiade 1984 durch die DDR waren seine Vorbereitungen und Hoffnungen jedoch umsonst. Danach zog er sich vom internationalen Wettkampfsport zurück und begann in seinem Berliner Verein die Trainerlaufbahn. 1987 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber[1]

Erfolge als aktiver Judoka in der Mittelgewichtsklasse[Bearbeiten]

  • 1976 – Europameisterschaftsdritter, DDR-Meisterschaftsdritter, DDR-Juniorenmeister
  • 1977 – Europameisterschaftsdritter, DDR-Meister
  • 1978 – Vize-Europameister, DDR-Meister
  • 1979 – Weltmeister, Europameisterschaftsdritter, DDR-Meister
  • 1980 – Olympiadritter, Europameisterschaftsdritter
  • 1981 – Weltmeisterschaftsdritter, DDR-Meister
  • 1982 – Europameisterschaftsdritter, DDR-Meister
  • 1983 – Weltmeister, Europameisterschaftsdritter
  • 1984 – DDR-Meister

Hauptamtlicher Judotrainer[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren übernahm Detlef Ultsch, der auf Grund seiner sportlichen Erfolge als Sportsoldat beim SC Dynamo Hoppegarten zum Offizier befördert worden war, sukzessive Traineraufgaben im Nachwuchsbereich des Deutschen Judoverbandes der DDR. 1990 wurde er zusammen mit seinem Judo-Lehrmeister Dietmar Hötger in den Trainerstab des DJB übernommen und war bis Ende 2008 als hauptamtlicher Bundestrainer für die Junioren-Nationalmannschaft zuständig. 2009 trat Detlef Ultsch die Nachfolge von Frank Wieneke als Bundestrainer der Senioren-Nationalmannschaft der Männer an.

Detlef Ultsch, dessen Ehefrau ebenfalls aus Sonneberg kommt, lebt in Berlin. Als Mitglied des SC Berlin ist er dem Sportverein verbunden, mit dem er als Aktiver zu internationalen Erfolgen kam. Sein Sohn Christian kämpft in der Judo-Bundesliga für den SC Berlin und gehört dem DJB-Nationalkader an.

Auf Anregung des Bundestrainers Detlef Ultsch gründeten der DJB und die Redaktion seines Fachorgans Judo Magazin den gemeinnützigen Hilfeverein „Judoka für Judoka e.V.“ (JfJ), der im Februar 2011 seine Arbeit aufgenommen hat.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berliner Zeitung, 2. Mai 1987, S. 10