Detlev Peukert

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Detlev Julio K. Peukert (* 20. September 1950 in Gütersloh; † 17. Mai 1990 in Hamburg) war ein deutscher Historiker und Leiter der Forschungsstelle zur Geschichte des Nationalsozialismus.

Detlev Peukert ist in der Bergarbeiterkolonie Hamm-Herringen aufgewachsen und machte dort das Abitur. Von 1969 bis 1975 studierte er Geschichte und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum. 1975 erfolgte das Staatsexamen. Von 1978 bis 1988 war er wissenschaftlicher Assistent von Lutz Niethammer an der Universität Essen. 1979 wurde er bei Hans Mommsen mit einer Arbeit über „Die KPD im Widerstand“ promoviert. 1984 erfolgte bei Niethammer mit einer Arbeit über die Geschichte der deutschen Jugendfürsorge die Habilitation. Für seine Habilitation erhielt er 1988 den Heinz Maier-Leibnitz-Preis des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft. Peukert lehrte ein Jahrzehnt in Essen und wurde 1988 als Nachfolger von Werner Jochmann Leiter der Forschungsstelle zur Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg. Peukert war bis 1978 Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, danach Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Peukert lebte offen homosexuell. Er verstarb 1990 an den Folgen von AIDS.[1]

Peukert bemühte sich nach seiner Dissertation darum, die Zeitgeschichte stärker zur Sozialgeschichte zu öffnen. Seine Arbeiten zum Nationalsozialismus, zur Weimarer Republik und der Entwicklung der Humanwissenschaften fanden internationale Anerkennung und wurden unter anderem ins Englische, Italienische und Japanische übersetzt. Peukert hatte vor allem Studien zum Arbeiterwiderstand in der NS-Zeit veröffentlicht. Den Nationalsozialismus deutete er als extreme Entwicklungsvariante moderner Gesellschaften und nicht als Einbruch mittelalterlicher Barbarei in eine moderne Zivilisation.[2]

Peukert richtete das „Projekt Hamburger Lebensläufe - Werkstatt der Erinnerung“ ein, das bis heute mehr als 1500 lebensgeschichtliche Interviews, insbesondere mit Verfolgten des Nationalsozialismus, durchgeführt hat.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Schriftenverzeichnis in: Frank Bajohr/Werner Johe/Uwe Lohalm (Hrsg.): Zivilisation und Barbarei. Die widersprüchlichen Potentiale der Moderne. Detlev Peukert zum Gedenken. Christians, Hamburg 1991, S. 348–354.

  • Die KPD im Widerstand: Verfolgung und Untergrundarbeit an Rhein und Ruhr 1933–1945, Hammer, Wuppertal 1980, ISBN 3-87294-165-8.
  • Die Reihen fast geschlossen: Beiträge zur Geschichte des Alltags unterm Nationalsozialismus, herausgegeben zusammen mit Jürgen Reulecke und Adelheid Gräfin zu Castell Rudenhausen, Hammer, Wuppertal 1981.
  • Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde: Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus, Köln: Bund Verlag, 1982 ISBN 376630545X, übersetzt ins Englische durch Richard Deveson unter dem Titel Inside Nazi Germany: conformity, opposition and racism in everyday life, Batsford, London 1987 ISBN 071345217X
  • Grenzen der Sozialdisziplinierung: Aufstieg und Krise der deutschen Jugendfürsorge von 1878 bis 1932, Bund-Vlg., Köln 1986.
  • Jugend zwischen Krieg und Krise. Lebenswelten von Arbeiterjungen in der Weimarer Republik, Köln 1987.
  • Die Edelweißpiraten: Protestbewegungen jugendlicher Arbeiter im 'Dritten Reich'. Eine Dokumentation, 3., erw. Aufl., Bund-Vlg., Köln 1988.
  • Max Webers Diagnose der Moderne, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989 ISBN 3525335628
  • Rechtsradikalismus in Deutschland - Zwei historische Beiträge, zusammen mit Frank Bajohr, Ergebnisse Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-925622-69-1.
  • Die Weimarer Republik: Krisenjahre der Klassischen Moderne, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1987. [Übersetzt ins Englische unter dem Titel The Weimar Republic: the crisis of classical modernity, Hill and Wang, New York 1992, ISBN 0-8090-9674-9.]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Bajohr (Hrsg.): Zivilisation und Barbarei. Die widersprüchlichen Potentiale der Moderne. Detlev Peukert zum Gedenken. Christians, Hamburg 1991, ISBN 3-7672-1138-6.
  • Frank Bajohr: Detlev Peukert. In: Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Bd. 2, hrsg. v. Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, Hamburg 2003, S. 324–325.
  • Dirk Blasius: Nachruf auf Detlev Peukert (1950–1990). In: Geschichte und Gesellschaft, Bd. 17 (1991), S. 397–398.
  • Bernd-Jürgen Wendt: Detlev Peukert Nachruf. In: Uni HH. Berichte und Meinungen aus der Universität Hamburg, in: Bd. 21 (1990), Heft 4, S. 74–75.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, S. 552.
  2. Frank Bajohr: Detlev Peukert. In: Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Bd. 2, hrsg. v. Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, Hamburg 2003, S. 324–325, hier: S. 325.