Dettenheim

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gemeinde im Landkreis Karlsruhe. Zur namensgebenden untergegangenen Ortschaft siehe Alt-Dettenheim. Das gleichnamige mittelfränkische Dorf findet man unter Dettenheim (Weißenburg).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dettenheim
Dettenheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dettenheim hervorgehoben
49.1738888888898.410555555555698Koordinaten: 49° 10′ N, 8° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 98 m ü. NHN
Fläche: 30,89 km²
Einwohner: 6468 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 209 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76706
Vorwahlen: 07247 und 07255Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 111
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bächlestraße 33
76706 Dettenheim
Webpräsenz: www.dettenheim.de
Bürgermeister: Lothar Hillenbrand (CDU)
Lage der Gemeinde Dettenheim im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Dettenheim ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Dettenheim besteht aus den ehemaligen Gemeinden Liedolsheim und Rußheim. Zu Liedolsheim gehören das Dorf Liedolsheim und Wirtshaus und Gehöft Dettenheim. Zu Rußheim gehören das Dorf Rußheim, der Ort Siedlung (früheres RAD-Lager) und die Häuser Schleifmühle, Völkersches Anwesen und Waldmühle.
Im Gebiet von Liedolsheim liegen die Wüstungen Nackheim und Schure.[2]

Im Gebiet von Rußheim ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Dettenheim geht auf ein Dorf auf der heutigen Gemarkung der Gemeinde zurück, das sich unmittelbar am Rhein befand. Alle ehemaligen Dorfbewohner wanderten aufgrund der Hochwassergefahr (der Ort war zuletzt nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt) aus und gründeten anschließend 1813 auf der Gemarkung des damaligen „Altenbürg“ die Gemeinde Karlsdorf, heute Teil der Gemeinde Karlsdorf-Neuthard. Heute stehen im alten Dettenheim nur noch einige Häuser, darunter ein Gasthaus („Löwen“), Restgebäude einer ehemaligen Ziegelei sowie ein Gedenkstein. Man spricht dabei von Alt-Dettenheim.

In der Zeit der Weimarer Republik war Liedolsheim eine frühe Hochburg der Nationalsozialisten. Mitte der 1920er Jahre dominierte in Liedolsheim die Landwirtschaft; etwa 3 % der Erwerbstätigen waren Industriearbeiter, die in Karlsruhe, Hochstetten oder einer örtlichen Ziegelei beschäftigt waren. Rund 84 % der Landwirte bewirtschafteten eine Fläche unter zwei Hektar und waren damit auf Zuerwerb als Tagelöhner oder im örtlichen Gewerbe angewiesen. Dem Historiker Kurt Hochstuhl zufolge waren Landwirtschaft und Handwerk einem besonderen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt, so dass die „Angst vor der Proletarisierung“ zu einer „kollektiven Befindlichkeit“ führte, „die leicht politisch instrumentalisiert werden konnte“.[3]

Die als älteste Ortsgruppe in Baden geltende Liedolsheimer NSDAP-Ortsgruppe entstand aus einem völkischen „Leseverein für Rasse und deutsches Volkstum“, der sich 1920 dem Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund anschloss. Nach dessen Verbot im Juli 1922 konstituierte sich der Verein als Ortsgruppe der NSDAP, die in Baden wenig später ebenfalls verboten wurde. Im Juli 1923 fuhren 24 Liedolsheimer – darunter die Brüder Albert und Robert Roth sowie der im Ort als Lehrer tätige August Kramer – nach München, offiziell, um an einem Turnfest teilzunehmen. In München kam es zu einem Treffen mit Hitler, bei dem die formale Aufnahme der Liedolsheimer Gruppe in die NSDAP verabredet wurde. Ein als „Schlageter-Feier“ deklariertes Treffen von Nationalsozialisten in Liedolsheim im gleichen Monat hatte einen Polizeieinsatz zur Folge, bei dem die Verhaftung der Brüder Roth angesichts deren Rückhalt in der Bevölkerung misslang.[4] Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 erzielte der als Ersatzorganisation der NSDAP angetretene Völkisch-Soziale Block 51,9 % der Stimmen in Liedolsheim bei 6,5 % reichsweit. Im Dezember 1924 votierten 35,9 % der Wähler für die Deutschvölkische Reichspartei, für die Robert Roth kandidierte. Bei allen weiteren Wahlen bis 1933 entschieden sich mindestens ein Drittel der Stimmberechtigten für die Nationalsozialisten. Bei der Bürgermeisterwahl 1925 kam es zu von Nationalsozialisten provozierten Ausschreitungen, bei denen das NSDAP-Mitglied Gustav Kammerer erschossen wurde.[5] Nach einem Großbrand, bei dem im August 1927 mehrere Wohnhäuser und etliche Scheunen zerstört wurden, besuchte Hitler Liedolsheim.[6]

Am 1. Januar 1975 wurden die damals eigenständigen Gemeinden Liedolsheim und Rußheim im Zuge der Gemeindereform zu Gemeinde Liedolsheim-Rußheim zusammengelegt. Aus Vereinfachungsgründen wurde die neue Gemeinde zum 1. Januar 1978 in Dettenheim umbenannt, da sich der Name Liedolsheim-Rußheim durch seine Länge als wenig vorteilhaft herausgestellt hat und der historische Name Dettenheim vor Kunstnamen den Vorzug erhielt.

Die frühere Trennung des Ortes ist neben der getrennten Lage der Ortsteile noch an den unterschiedlichen Ortsvorwahlen erkennbar.

Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

In beiden Ortsteilen gibt es je eine evangelische Kirchengemeinde. Für katholische Gläubige ist die Pfarrei Maria Königin in Linkenheim-Hochstetten zuständig, die jedoch auch über römisch-katholische Gotteshäuser in Dettenheim verfügt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Datum Einwohner
1. Januar 1975 5606
1. Januar 1980 5692
1. Januar 1985 5806
1. Januar 1990 6017
1. Januar 1995 6577
1. Januar 2000 6737
1. Januar 2005 6769
1. Januar 2010 6547
1. Januar 2011 6481
1. Januar 2012 6478

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 18 Mitglieder an.

FWG 42,8 % +2,4 % 8 Sitze ±0
CDU 31,8 % -1,3 % 6 Sitze ±0
SPD 25,4 % -1,1 % 4 Sitze -1

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau unter erhöhtem silbernem Wellenbalken ein silbernes Hufeisen.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Es existiert eine Busanbindung an die Hardtbahn in Hochstetten. Zudem bestehen Planungen, die Hardtbahn (Karlsruhe - Hochstetten) bis nach Philippsburg zu verlängern; dabei würden auch Haltepunkte in Dettenheim eingerichtet, so dass der Ort erstmals ans Schienennetz angeschlossen wäre. Allerdings gibt es auch Widerstand gegen die Anbindung, so dass die Bedingungen für die Verlängerung der Hardtbahn derzeit nicht erfüllt sind. In den nächsten 5-10 Jahren kann vermutlich zunächst einmal nicht damit gerechnet werden.

Eine testweise Busanbindung an das ebenso benachbarte Graben-Neudorf und dessen Bahnhof wurde aus finanziellen Gründen zunächst wieder eingestellt,[7] aber ab Dezember 2008 zum Fahrplanwechsel wieder dauerhaft eingeführt.[8]

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt zwei Grundschulen, die Pestalozzischule im Ortsteil Liedolsheim und die Tullaschule in Rußheim. Außerdem gibt es in der Gemeinde fünf Kindergärten.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Liedolsheim existiert eine bekannte Kartbahn. Im Sommer ist der Baggersee auf der Gemarkung Giesen ein beliebtes Ausflugsziel für Badegäste und Wassersportler. Weiter gibt es noch das Jugendzentrum, das jährlich den "Rockfasching" veranstaltet.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Besonderheiten[Bearbeiten]

Im Ortsteil Liedolsheim fand vom 7. bis 23. Mai 2009 die Sportkegel-Weltmeisterschaft 2009 statt, die Sportkegel-Weltmeisterschaft 2017 wird ebenso wieder dort stattfinden.[9] Die Privatbrauerei Hoepfner wurde 1798 im Ortsteil Liedolsheim gegründet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika Rummel, Uwe Rummel: Dettenheim: Wendepunkte in der Geschichte von Liedolsheim und Rußheim. Gemeinde Dettenheim, Altlußheim 1998, ISBN 3-00-003405-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dettenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 91–92.
  3. Kurt Hochstuhl: Kampfzeit auf dem Lande. Zur Frühgeschichte der NSDAP in Baden: Das Beispiel Liedolsheim. In: Christof Müller-Wirth (Red): Dem Ideal der Freiheit dienen – ihrer Vorkämpfer gedenken. Festgabe für Wolfgang Michalka. Förderverein Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Rastatt 2003, ISBN 3-00-011738-5, S. 81–88, hier S. 83.
  4. Hochstuhl, Kampfzeit, S. 84–86.
  5. Hochstuhl, Kampfzeit, S. 86 f.
  6. Rummel, Dettenheim, S. 49, 110–112.
  7. http://www.dettenheim.de/news0205.htm
  8. http://dettenheim.de/news0424.htm
  9. http://www.kegelverein-liedolsheim.de/news/2012/39-20120920-BNN-WM2017.pdf