Deus Ex

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Deus Ex
Deus-Ex-Logo.jpg
Entwickler Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Ion Storm Austin
Publisher Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Eidos Interactive
Designer Warren Spector (Project Director)
Harvey Smith (Lead Designer)
Erstveröffent-
lichung
26. Juni 2000 (PC)
27. März 2002 (PS2)
Plattform Windows, Mac OS, PlayStation 2, PlayStation 3
Spiel-Engine Unreal Engine 1
Genre Action-Rollenspiel
Thematik Cyberpunk, Dystopie, Verschwörungstheorien
Spielmodus Einzelspieler, Mehrspieler
Systemvor-
aussetzungen
Medium CD-ROM, Download
Sprache Audio: Englisch
Untertitel: Deutsch
Aktuelle Version Win: 1112fm (2001)
Mac: 1.0.3 (2001)
Altersfreigabe
USK ab 18
PEGI ab 16+ Jahren empfohlen

Deus Ex [ˈdeːʊs ɛks] (angelehnt an den lateinischen Ausdruck deus ex machina), ist der erste Teil einer Videospielreihe aus dem Jahr 2000 von Ion Storm Austin, veröffentlicht von Eidos Interactive.[1] Es wurde für Windows, Mac OS sowie die Spielkonsolen PlayStation 2 und PlayStation 3 (mit PS2-Emulation) veröffentlicht.

Handlung[Bearbeiten]

Das Spiel spielt in einer nahen, dystopischen Zukunft und gilt als eines der wenigen Spiele, die dem Genre des Cyberpunk angehören. Die im Spiel dargestellte Veränderung der menschlichen Rasse durch Nanotechnologie und viele andere Aspekte der Handlung reflektieren außerdem Ideen der philosophischen Denkrichtung des Transhumanismus. Der Spieler besucht dabei an Originalschauplätze angelehnte Orte, wie New York, Hong Kong, Paris, den Luftwaffenstützpunkt Vandenberg Air Force Base sowie die Area 51.

Die Handlung von Deus Ex greift viele Verschwörungstheorien auf und setzt diese Elemente zu einer tiefgehenden Geschichte zusammen, in der der Spieler als nanotechnisch verbesserter Agent hinter die Machenschaften einer Untergrundorganisation kommen und verhindern muss, dass diese die Weltherrschaft an sich reißt. Zum Ende hin weitet sich die Handlung zu einem philosophischen Trilemma aus, in dem der Spieler entscheiden muss, wie die Geschichte der Welt weitergehen soll - entweder im Stile des Kapitalismus des 20. Jahrhunderts mit all seinen Fehlern, einem Rückfall der Welt in ein Zeitalter prähistorischer Anarchie, oder dem von einer wohlwollenden Diktatur einer allmächtigen und allwissenden Computer-KI angebotenen Frieden.

Deus Ex baut auf eine große Zahl wissenschaftlicher Hintergrundinformationen. Eines der zentralen Themen ist Nanotechnologie - der Hauptcharakter, JC Denton, dient als mit symbiotischen, mikroskopisch kleinen biomechanischen Computern (sogenannte Naniten, siehe Nanotechnologie) verbesserter Agent unter der Flagge der fiktiven UN-Organisation United Nations Anti-Terrorist Coalition (UNATCO). Im Spiel integriert finden sich zahlreiche Texte über Nanotechnologie, die die dahinter stehende Wissenschaft sehr genau beschreiben. In der gesamten Spielumgebung finden sich außerdem viele Anspielungen auf Einflüsse von klassischer Literatur (in E-Mails, Büchern, Mottos und Notizen).

Handlungen und Entscheidung des Spielers wirken sich in geringem Maße auf den weiteren Spielverlauf aus und der Spieler erhält ein entsprechendes Feedback. So wird JC Denton im UNATCO-Hauptquartier beim Betreten der Damentoilette nicht nur von der dort anwesenden Frau zurechtgewiesen, sondern wird auch in einer späteren Zwischensequenz von seinem Vorgesetzten ermahnt, dies zukünftig zu unterlassen.

Spielprinzip[Bearbeiten]

Deus Ex kombiniert Action-Elemente eines Ego-Shooters mit der Charakterentwicklung eines Rollenspiels. Der Erfolg im Umgang mit Waffen ist daher nicht allein vom Geschick des Spielers, sondern auch von den Talentwerten des Hauptcharakters abhängig. Deus Ex zeichnet sich vor allem durch eine große Handlungsfreiheit aus. Für fast jede Aufgabenstellung im Spiel gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten, jedoch hat jede Handlungsweise Konsequenzen im weiteren Spielverlauf. Im Wesentlichen steht der Spieler immer vor der Wahl, ob er mit Waffengewalt, mit technischen Hilfsmitteln oder durch Schleichen und Infiltration an sein Ziel gelangen möchte. Werden alle gebotenen Möglichkeiten ausgenutzt, ist es möglich, das Spiel nahezu durchgängig ohne die Abgabe eines einzigen Schusses oder das (eigenhändige) Töten eines Gegners durchzuspielen.[2] Es steht jedoch auch ein großes Waffenarsenal zur Verfügung.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Spiel basiert auf der Unreal Engine und wurde von Warren Spector produziert,[1] der unter anderem auch für System Shock verantwortlich zeichnete. Diese Tatsache erklärt die starke Anlehnung des Spiels an System Shock, vor allem dessen zweiten Teil. Besonders das Skillsystem, das HUD und das Inventar erinnern stark an diesen Titel. Der Soundtrack wurde von Alexander Brandon,[3] Dan Gardopée, Michiel van den Bos und Reeves Gabrels komponiert und beinhaltet verschiedene Musikstile wie Techno, Jazz und Klassik, wobei sich die Musik übergangslos an die jeweils vorherrschende Situation anpassen kann (Gespräche, Kampfszenen, Level-Übergänge, etc.).

Das Spiel lief auf damaligen Rechnern mitunter langsam, die nicht mit entsprechenden 3D-beschleunigten Grafikkarten mit z.B. nvidia Geforce 1/2, 3dfx-Voodoo 3/4/5, oder S3 Savage-2000-Chipsatz ausgerüstet waren.

Nach der Veröffentlichung des Spiels gab der Hersteller Ion Storm einige Patches heraus. Neben diverser Fehlerbereinigungen wurde dabei die PC-Version des Spiels um einen Multiplayer-Modus mit den Spielmodi Deathmatch, Basic Team Deathmatch, and Advanced Team Deathmatch erweitert.[4] Einige weitere Probleme wurden später durch Fan-Patches behoben.[5][6]

2002 erschien eine angepasste Version des Spiels unter dem Titel Deus Ex: The Conspiracy für die Playstation 2, allerdings ohne Multiplayer-Modus.[7] Eine Portierung für das Betriebssystem Linux war beinahe fertiggestellt, wurde jedoch nicht veröffentlicht, da die ausführende Firma Loki Software vor Abschluss der Arbeiten Insolvenz anmeldete. Am 16. Mai 2012 wurde die PS2-Variante des Spiels als Downloadtitel für die PlayStation 3 veröffentlicht.[8]

Für Deus Ex gibt es einen inoffiziellen DirectX 10-Renderer und mehrere Mods, die das Spiel durch hochauflösende Texturen etc. grafisch aufwerten.

Rezeption[Bearbeiten]

Metacritic gibt bei 28 Rezensionen für die PC-Version eine durchschnittliche Wertung von 90 von 100 Punkten an,[9] GameRankings insgesamt 91,03 %.[10] Positiv wurden dabei die zahlreichen unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten herausgehoben. Die Grafik wurde als zeitgemäß bewertet, gleichzeitig jedoch auch als ein wenig trist und zweckmäßig bezeichnet.[11][12] Kritik geäußert wurde am Fehlen der ursprünglich angekündigten deutschen Synchronisation.[13][14]

Die Academy of Interactive Arts & Sciences zeichnete das Spiel bei den Preisverleihungen 2001 in den Kategorien Innovation und Bestes PC-Spiel Action/Adventure aus. Daneben war es außerdem nominiert in den Kategorien Spiel des Jahres, PC-Spiel des Jahres, Computer-Rollenspiel des Jahres und Sound Design.[15] Bei den Game Developers Choice Awards 2001 wurde das Spiel für das beste Gamedesign und mit einem Game Spotlight Award ausgezeichnet, nominiert war es außerdem in der Kategorie Spiel des Jahres.[16] In Deutschland wurde das PC-Spiel mit dem Gold-Award der Zeitschrift Gamestar und dem Gold Player der PC Player ausgezeichnet. In einer Umfrage unter professionellen Lesern des Branchenmagazins Gamasutra vom September 2006 wurde das Spiel auf den vierten Platz der Quantum Leap Awards (deutsch: Quantensprung) gewählt, als eines von fünf Spielen, das das Rollenspiel-Genre am meisten vorangebracht hätte.[17]

Die PS2-Version erhielt ebenfalls positive, jedoch deutlich schlechtere Bewertungen. (Metacritic: 81[18] / GameRankings: 82,97 %[19])

Bis April 2009 wurden etwa eine Million Exemplare des Spiels verkauft.[20]

Theaterstück und Verfilmung[Bearbeiten]

Auch in Nicht-Spielerkreisen erhielt Deus Ex auf Grund seiner Handlung und seines kulturellen Anspruchs als eines der wenigen Computerspiele Beachtung. 2002 war in Absprache mit Publisher Eidos eine Bühnenumsetzung der Thematik am Staatstheater Kassel geplant. Wesentliches Element des Theaterstückes von Regisseur Christian Suhr und seinem Co-Autor Herbert Debes um den Anti-Terror-Agent war die Interaktion mit dem Publikum, das an Schlüsselstellen entscheiden sollte, wie die Handlung verläuft.[21] Zwei Wochen vor der Uraufführung zog Publisher Eidos die Genehmigung jedoch wieder zurück, da sie mit den Verwertungsrechten einer bereits zuvor vergebenen Filmlizenz kollidierten.[22]

Eine Verfilmung der beiden Teile des Spiels war durch Columbia Pictures vorgesehen, die Produktion wurde jedoch im Mai 2004 aus bisher unbekannten Gründen eingestellt. Gerüchtehalber hatte dies auch mit den damaligen Querelen bei Ion Storm zu tun, die sich unter anderem im Weggang des Studiogründers Warren Spector und der Designer Harvey "Witchboy" Smith und Randy Smith manifestierten. Anfang 2005 wurde Ion Storm schließlich von Besitzer Eidos geschlossen.

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Deus Ex: Invisible War[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deus Ex: Invisible War

Der direkte Nachfolger zu Deus Ex von Ion Storm Austin erschien im Jahr 2004 für Xbox und PC. Invisible War spielt 20 Jahre nach den Ereignissen von Deus Ex. Der Spieler steuert darin Alex D., einen weiteren Denton-Klon. Für die Handlung des Spiels wurden alle Lösungsmöglichkeiten des Vorgängers miteinander kombiniert. Darin befindet sich die Welt im Wiederaufbau nach dem sogenannte Großen Zusammenbruch, mehrere religiöse Organisationen und Geheimbünde ringen um die Vorherrschaft. Alex D. wächst auf in der Tarsus-Akademie in Chicago, die zu Beginn des Spiels einem terroristischen Anschlag zum Opfer fällt. Alex wird in die Tarsus-Akademie nach Seattle evakuiert, von wo aus er die Hintergründe der Anschläge aufzudecken versucht.

Der Nachfolger war von Beginn an für eine Veröffentlichung auf der Xbox konzipiert und daher auf die schwächere Hardware der Konsole ausgelegt. Die damit verbundenen Einschränkungen wie bspw. die Verkleinerung der Levels und Vereinfachungen beim Gameplay wurde vielfach kritisiert. Dennoch erhielt das Spiel ebenfalls sehr gute, wenn auch schlechtere Noten als sein Vorgänger und verkaufte sich mit 1,2 Millionen Kopien deutlich besser als sein Vorgänger.

Deus Ex: Human Revolution[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deus Ex: Human Revolution

2007 eröffnete Publisher Eidos in Montreal ein neues Entwicklungsstudio, das mit der Fortführung der Deus-Ex-Reihe betraut wurde. Nach Übernahme Eidos' durch den japanischen Publisher Square Enix im Jahr 2009, erschien das Spiel schließlich am 26. August 2011 für PC, Xbox 360 und PS3. Die Handlung des Spiels ist 25 Jahre vor den Ereignissen von Deus Ex angesiedelt und handelt vom Aufkommen mechanischer Augmentierungen. Der Spieler übernimmt darin die Rolle von Adam Jensen, dem Sicherheitschef eines führenden Unternehmens für Augmentierungen. Durch einen Angriff auf die Firma wird Jensen schwer verletzt und wird selbst mit Augmentierungen ausgestattet. Nach seiner Genesung erhält er den Auftrag, die Hintergründe des Überfalls und die dafür verantwortlichen Personen aufzudecken.

Die aufwändig produzierte und beworbene Fortsetzung erhielt nicht zuletzt wegen ihrer deutlichen Orientierung am ersten Teil der Serie sehr gute Bewertungen.

Deus Ex: The Fall[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deus Ex: The Fall

Im Juli 2013 wurde ein viertes Spiel ursprünglich exklusiv für mobile Geräte (iOS, später auch Android) veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine begleitende Vorgeschichte zu Human Revolution und schließt an die Vorerzählung durch den Begleitroman Deus Ex: Icarus Effekt von James Swallow an. Der ehemalige Belltower-Söldner kommt darin illegalen Medikamententests seines alten Arbeitgebers auf die Spur. Im März 2014 folgte eine Portierung des Spiels für Windows-PCs.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Edge Staff: The Making of: Deus Ex (englisch) In: Edge-Magazin. next-gen.biz. 11. September 2009. Abgerufen am 8. April 2011.
  2. Der Spielverlauf zwingt den Spieler, die NPCs Anna Navarra und Howard Strong zu töten. Will der Spieler den Tod von Sekundärcharakteren verhindern, müssen zusätzlich mindestens ein MJ12-Trooper und ein Mechaniker getötet werden
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInterview with Alex Brandon. deusex-machina.com, abgerufen am 10. Januar 2009 (englisch).
  4. Sebastian Rosendorfer: Neuer Deus Ex Multiplayer-Patch ist da. 4Players. 28. April 2001. Abgerufen am 10. Juli 2011.
  5. TheRenegadeMaster: More DXMTL!. dxcbp.deusexgaming.com. 3. September 2002. Archiviert vom Original am 23. November 2003. Abgerufen am 10. April 2011.
  6. deusexv2. code.google.com. 26. November 2010. Abgerufen am 10. April 2011: „This is an unofficial patch for Deus Ex, addressing bugs left in the v1112fm and Game of the Year editions of the game.
  7. Storn A. Cook: Deus Ex: The Conspiracy overview (Englisch) Abgerufen am 10. Juli 2011: „There is no multiplayer mode in the game -- just you against the computer.“
  8. http://www.computerbild.de/artikel/cbs-News-PS3-Playstation-Network-Square-Enix-PS2-Klassiker-Deus-Ex-7500078.html
  9. Metacritic: durchschnittliche PC-Wertung, basierend auf 28 Artikeln, abgerufen am 21. November 2012.
  10. GameRankings: durchschnittliche PC-Wertung, basierend auf 31 Artikeln, abgerufen am 21. November 2012.
  11. Andreas Sauerland: Test Deus Ex: Schleichen oder Schlachten (Artikelscan) In: PC Games. Computec. August 2000. Abgerufen am 12. September 2011.
  12. Udo Hoffmann: Action-Adventure für Profis und Fortgeschrittene: Deus Ex (Artikelscan) In: PC Player. August 2000. Abgerufen am 12. September 2011.
  13. David Stöckli: Test: Deus Ex. In: 4Players. freenet AG. 9. August 2000. Abgerufen am 12. September 2011.
  14. Deus Ex im Test. In: Gamestar. IDG. 1. August 2000. Abgerufen am 12. September 2011.
  15. Academy of Interactive Arts & Sciences: Gewinner der Preisverleihungen 2001. Offizielle Webseite. Zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2011.
  16. http://www.gamechoiceawards.com/archive/gdca_1st.html
  17. Brandon Boyer, Frank Cifaldi: The Gamasutra Quantum Leap Awards: Role-Playing Games. In: Gamasutra. UBM, plc. 6. Oktober 2006. Archiviert vom Original am 9. August 2009. Abgerufen am 1. Juni 2009.
  18. Metacritic: durchschnittliche PS2-Wertung, basierend auf 25 Artikeln, abgerufen am 21. November 2012.
  19. GameRankings: durchschnittliche PS2-Wertung, basierend auf 52 Artikeln, abgerufen am 21. November 2012.
  20. Andrew Burnes: Eidos & Square Enix Sales Figures Revealed. In: Voodoo Extreme. IGN. 23. April 2009. Abgerufen am 7. September 2011.
  21. Paul Kautz: Deus Ex - das Theaterstück. In: 4Players. freenet AG. 31. Oktober 2002. Abgerufen am 4. April 2012.
  22. Andreas Wilkens: Computerspiel "Deus Ex" wird doch nicht aufgeführt. In: Heise online. Verlag Heinz Heise. 1. November 2002. Abgerufen am 4. April 2012.