Deutsch-Australier

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Prozentualer Anteil von Menschen deutscher Abstammung zur Gesamtpopulation Australiens im Jahr 2011

Deutsch-Australier sind die viertgrößte ethnische Gruppe in Australien mit einem Anteil von 4 Prozent (ca. 821.540, Stand 2006).

Geschichte[Bearbeiten]

Ein deutscher Siedler mit seiner Familie vor dem eigenen „Haus“ in Queensland um 1880

Im frühen 19. Jahrhundert waren Deutsche als Missionare und Forscher in Australien aktiv.

Die ersten deutschen Siedler kamen aus den preußischen Ostgebieten. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. wollte die lutherische und die reformierte Kirche zur Landeskirche vereinigen und erließ eine neue Gottesdienstordnung. Trotz Ankündigung harter Strafen bei Verstößen gegen die neue Ordnung wollten die Gläubigen ihre altlutherische Gottesdienstordnung weiterhin praktizieren. Da der König nicht einlenkte, wanderten zahlreiche Menschen deshalb nach Australien oder Amerika aus.[1] Von November bis Dezember 1838 erreichten mehrere Schiffe mit deutschen Auswanderern Port Adelaide in South Australia.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Ansturm auf Gold. 1891 ließen sich rund 45.000 deutsche Auswanderer in South Australia, New South Wales (Riverina) und Queensland nieder. In der Zeit während des Ersten Weltkrieges bis zum Zweiten Weltkrieg galten die Deutschen als der „innere Feind“. Einige wurden verbannt oder interniert. Die deutschen Ortsnamen wurden entweder anglifiziert oder durch Ortsnamen der Aborigines oder Namen berühmter Personen oder Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ersetzt.

Wirkungen des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten]

German Empire celebration bei Brisbane in Queensland im Jahr 1908

Nach dem deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 wurde Deutschland eine neue Großmacht in Europa. Es entwickelte sich auch in Australien ein deutsches Nationalgefühl und Patriotismus für die alte Heimat, wovon die zwei Ortsnamen australischer Orte, Sedan (Schlacht von Sedan) und Bismarck (Deutscher Reichskanzler) zeugen. In Anlehnung an den deutschen Flottenbau entstand 1899 ein „Deutscher Flottenverein“ in Brisbane, was in Australien Argwohn und Misstrauen weckte.[2]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lebten in Australien etwa 4,5 Millionen Menschen, darunter etwa 100.000 Deutsche. Bis zum Kriegsausbruch waren sie sehr respektiert. In den Anfangszeiten der Besiedlung durch Einwanderer hatten Forscher und Wissenschaftler wie Johannes Menge, Ludwig Leichhardt, Ferdinand von Mueller, Moritz Richard Schomburgk, Ludwig Becker und Charles Rasp einen großen Beitrag zur Erforschung und Entwicklung Australiens, besonders von South Australia, dessen Bevölkerung zu fast 10 Prozent deutscher Herkunft war, geleistet. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Deutschland zum Kriegsgegner des Commonwealth und es entstand eine landesweite antideutsche Hysterie, wie sie parallel ähnlich in den USA verlief. Während sich die meisten Britisch-Australier mit „Mother England“ identifizierten, unterstellte man den Deutsch-Australiern dass sie den Deutschen Kaiser unterstützen würden.[2]

Ungeachtet des großen deutschen Beitrags zum Aufbau des Landes, kam es während des Krieges zu vielen Diskriminierungen von deutschstämmigen Australiern. Viele Deutsch-Australier wurden interniert. Auf Bruny Island wurde z. B. ein Internierungslager errichtet. Die Arbeitssituation wurde für Deutsch-Australier so schwierig, dass nicht wenige gezwungen wurden, selbst in ein Internierungslager zu gehen, denn britischstämmige Australier wollten nicht mehr gemeinsam mit „Deutschen“ arbeiten. Auch Prominente wie Hermann Homburg, der Justizminister von South Australia, mussten ihre Stelle aufgeben, obwohl viele von ihnen bereits seit einigen Generationen in Australien lebten.[2] Viele Deutsch-Australier wurden auch gezwungen, andere Namen anzunehmen.

Es kam auch zu diversen Angriffen auf deutsch-australische Einrichtungen. Sämtliche Deutsche Schulen in Australien wurden geschlossen; allein in South Australia waren im Jahr 1917 49 lutherische Schulen davon betroffen. Viele dieser Schulen wurden später mit neuen Lehrkräften als staatliche Schulen wiedereröffnet, an denen kein Deutsch- und Religionsunterricht mehr erteilt wurde. An sämtlichen staatlichen Schulen wurde die deutsche Sprache verboten. Der Ministerpräsident von South Australia ging sogar so weit, ein Beschäftigungsverbot im Kultusministerium von Menschen die einen deutschen Hintergrund oder deutschen Namen hatten, anzuordnen. Teilweise nahm die Kriegspropaganda gegen alles Deutsche groteske Züge an, so wurde der Bürgermeister von Melbourne 1916 aufgefordert eine Straßenlampe zu entfernen, weil an dieser die Worte „Made in Germany“ zu lesen waren.[2]

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs erfolgten zahlreiche Umbenennungen deutscher Ortsnamen, die vor allem in South Australia in großer Anzahl entstanden waren und von deutschen Pionieren stammten. Die Umbenennung geschah entweder durch Petition oder durch Erlass von Gesetzen. So änderte die Regierung in South Australia insgesamt 69 Orts- und Landschaftsnamen. Auf Tasmanien wurden die Ortschaften Bismarck und German Town in Collinsvale und Lilydale umbenannt.

Zwar waren die Deutsch-Australier stolz auf ihre deutsche Kultur, aber sie standen politisch vollends hinter Australien. Die meisten Britisch-Australier konnten dies jedoch nicht verstehen. Während sich die Mehrheit der Deutsch-Australier als Australier fühlte, sahen sie sich selbst als Mitglieder des Britischen Weltreichs.

Wirkung des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Australien einen großen Zufluss von Displaced Persons aus Europa, zu einem geringen Teil auch deutschsprachiger Herkunft. 1991 gab es 112.000 in Deutschland geborene Einwanderer in Australien.

2001 sprachen 76.400 Personen Deutsch als Muttersprache. Damit ist Deutsch auf Rang 8 der am weitesten verbreiteten Sprachen in Australien nach Englisch, Chinesisch, Italienisch, Griechisch, Arabisch, Vietnamesisch, Spanisch und Tagalog.

Liste bekannter Deutsch-Australier[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bennett, Robin: Public Attitudes and Official Policy towards Germans in Queensland in World War 1. Honours Thesis, University of Queensland 1970.
  • Harmstorf, Ian: Insights into South Australian History, vol. 2, South Australia’s German History and Heritage. Historical Society of South Australia Inc. 1994.
  • McKernan, Michael: Manufacturing the war: 'enemy subjects' in Australia. Sydney Collins, 1984.
  • Monteith, P. (Hrsg.): Germans: travellers, settlers and their descendants in South Australia. Wakefield Press, Kent Town, South Australia 2011, ISBN 978-1-86254-911-1.
  • Tampke, Jürgen und Doxford, Colin: Australia, Willkommen. New South Wales University Press 1990.
  • Voigt, Johannes H: Australia-Germany. Two Hundred Years of Contacts, Relations and Connections. Inter Nationes. Bonn 1987.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lr.online.de: Bernd Marx in der Lausitzer Rundschau: Von Klemzig nach Klemzig, vom 7. Juni 2008, abgerufen am 28. August 2012
  2. a b c d Die Wirkung des Ersten Weltkriegs auf die Deutsch-Australier, D. Nutting 2001, abgerufen 6. November 2013