Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), bis 2009 Filmbewertungsstelle Wiesbaden, ist eine Einrichtung mit Behördenstatus mit Sitz in Wiesbaden. Sie hat zur Aufgabe, Filme auf ihre besondere künstlerische, dokumentarische oder filmhistorische Bedeutung zu prüfen und herausragende Leistungen mit den Prädikaten „wertvoll“ oder „besonders wertvoll“ auszuzeichnen. Die FBW wurde am 20. August 1951 auf Beschluss der Kultusministerkonferenz gegründet.[1]

Aufgaben und Tätigkeit[Bearbeiten]

Siegel der FBW
Prädikatskarte der FBW von 1984

Die FBW ist eine Einrichtung aller 16 Bundesländer mit dem Status einer Oberen Landesbehörde, die der Rechtsaufsicht des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst untersteht. Sie prüft nach Antrag durch die Filmemacher, ob ein Film mit den beiden Prädikaten „wertvoll“ und „besonders wertvoll“ ausgezeichnet werden kann. Dabei fallen Gebühren zwischen 120 und 3.000 Euro an.[2] Die Prädikate sind Empfehlungen für Kinogänger und Mediennutzer und kann zur Orientierung dienen, um aus dem entsprechenden Angebot (Kino, DVD) auszuwählen.

Der erste Film, der von der Bewertungsstelle geprüft wurde und ein Prädikat erhielt, war Peter Lorres Regiedebüt Der Verlorene.

Die FBW finanziert ihre Arbeit durch die Erhebung von Gebühren, die für die Begutachtung durch die Jury erhoben werden. Die Jurys der FBW sind unabhängig. Prädikats-Filme genießen Steuerermäßigung und können besonders gefördert werden (Referenzförderung).

Die Rechtsgrundlage der FBW ist die Verwaltungsvereinbarung vom 1. Januar 1994.

Die FBW sollte nicht mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verwechselt werden. Diese ist z.B. für die Altersfreigabe, nicht jedoch für eine künstlerische Bewertung zuständig.

Beurteilung[Bearbeiten]

Die Prädikate der FBW werden von einer Jury vergeben; es gibt derzeit 85 Gutachter. Sie kommen aus allen Bundesländern und werden durch die einzelnen Bundesländer für die Dauer von drei Jahren berufen. Sie sind ausgewiesene Filmfachleute und sind ehrenamtlich für die FBW im Einsatz. Sie sind unabhängig. Ihre Namen sind öffentlich [3]. Eine Jury besteht aus mindestens fünf Mitgliedern. Die Zusammensetzung ist jedes Mal anders.

Die Gutachter beurteilen die Filme nach ihrer Qualität. Die Kriterien sind:

  • Stoff: Fabel, Originalität, Bedeutung; Zeitkritischer Gehalt; Sachliche Richtigkeit
  • Form: Drehbuch (Aufbau, Stil); Regie (Stil, Dramaturgie, Umsetzung ins Bild, Sprache, Tonregie, Choreographie); Besetzung und Darstellung; Kamera (Führung, Bildausschnitt, Qualität der Fotografie, Blickpunkt und Bewegungen der Kamera); Schnitt; Bauten und Ausstattung (Szenenbild, Stil, Kostüme, Masken); Besondere Techniken (Bildformat, Trick, Blenden, Montage)
  • filmische Gestaltung: Verhältnis zwischen Stoff und Form; Angemessenheit der Gestaltungsmomente; Erfindung und Originalität; Künstlerische Gestaltung im Zusammenhang mit den sittlichen Grundlagen der Kultur

und zwar immer innerhalb des jeweiligen Genres. Bei der Beurteilung eines Films ist der Anspruch zu beachten, den er nach Stoff und Gattung erhebt. Der erkennbare Schwierigkeitsgrad der filmischen Realisierung soll berücksichtigt werden.

Die FBW beurteilt beständig auch Kurzfilme. An den Filmhochschulen werden die Kurzfilm-Prädikate hoch gehandelt, sie haben schon manche Karriere mit angeschoben.

Kein Prädikat[Bearbeiten]

Die Verfahrensordnung der FBW regelt auch, welche Filme von der Bewertung ausgeschlossen sind bzw. kein Prädikat erhalten können.

Kein Prädikat erhalten demnach Filme, die

  1. „gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen, oder Persönlichkeitsrechte oder das sittliche oder religiöse Gefühl verletzen“,
  2. „auf die Wiedergabe unmittelbarer Tagesaktualität beschränkt sind, ohne dass filmkünstlerische Gestaltungsmerkmale erkennbar sind“ (z.B. Wochenschauen),
  3. „erkennen lassen, dass sie der kommerziellen Werbung dienen“ (hiervon nicht betroffen sind Industrie- und PR-Filme),
  4. „der Wahlpropaganda oder in herabwürdigender Weise der politischen Propaganda dienen“ oder
  5. „in einem so mangelhaften technischen Zustand vorgelegt werden, dass die Identität der zu begutachtenden mit der auszuwertenden Fassung nicht mehr gewährleistet scheint“.

Zahlen und Fakten[Bearbeiten]

Seit 1951 hat die FBW rund 26.000 Filme bewertet. 2011 wurden bei rund 500 Kinostarts 122 Langfilme und darüber hinaus 173 mittellange Filme und Kurzfilme von der FBW begutachtet.[4]

Für die Altersfreigabe von Filmen ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) zuständig, die ihren Sitz ebenfalls in Wiesbaden hat.

Kritik[Bearbeiten]

Da die Prädikatsvergabe unter Umständen erheblichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg eines Films haben kann, akzeptierten Filmschaffende in den 50er Jahren in vier Fällen auch Schnitt- oder Korrekturvorschläge der Behörde. Eine besonders bekannte Kontroverse in dieser Hinsicht war im Jahr 1959 diejenige mit Bernhard Grzimek um dessen Dokumentarfilm Serengeti darf nicht sterben. Die FBW wollte Grzimeks Film das Prädikat „wertvoll“ nur verleihen, wenn dieser zwei inhaltliche Änderungen vornehmen würde. Der Tierfilmer fasste dies als Zensur auf und reichte bei der FBW einen Widerspruch ein. In einer neu zusammengestellten Jury, unter der Leitung des FAZ-Mitbegründers Karl Korn, wurde dem Film schließlich das Prädikat "wertvoll" verliehen, ohne dass Korrekturen am Schnitt vorgenommen wurden. Seit den 60er Jahren gab es keine Schnittempfehlungen mehr. Ein Schlaglicht fiel auf die FBW, nachdem 1988 der Film Rambo 3 mit dem Prädikat „wertvoll“ ausgezeichnet worden war.[5] [6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historie: Entstehungsgeschichte der FBW. FBW, abgerufen am 3. Juli 2014.
  2. Gebührenordnung. FBW, abgerufen am 3. Juli 2014.
  3. vgl. Die FBW-Jurymitglieder. In: www.fbw-filmbewertung.com/jurymitglieder. FBW, abgerufen am 16. März 2012.
  4. Wir über uns. FBW, abgerufen am 3. Juli 2014.
  5. Schießt und schwitzt: "Rambo III" wurde mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet – es hagelt Proteste. DER SPIEGEL 33/1988, 15. August 1988, abgerufen am 3. Juli 2014.
  6. Rambo 3. FBW, 1987, abgerufen am 3. Juli 2014.

50.03758.2352777777778Koordinaten: 50° 2′ 15″ N, 8° 14′ 7″ O