Deutsche Flugsicherung

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DFS Deutsche Flugsicherung
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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1. Januar 1993
Sitz Langen (Hessen), Deutschland

Leitung

  • Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • Michael Hann, Geschäftsführer Personal
  • Robert Schickling, Geschäftsführer Betrieb[1]
Mitarbeiter ca. 6.000, davon > 1.900 Fluglotsen[2]
Umsatz 1.070.253.000 EUR (Gesamtumsatzerlöse vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2011)[3]
Branche Flugsicherung
Website www.dfs.de
Sitz der DFS in Langen bei Frankfurt
Gebäude der DFS am Flughafen München
Gebäude der DFS in Bremen

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) ist als beliehenes Unternehmen Teil der Luftverkehrsverwaltung des Bundes (Art. 87d GG). Sie befindet sich im ausschließlichen Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, die durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) vertreten wird. Die DFS ging 1993 aus der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) hervor.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die DFS wurde vom damaligen Bundesministerium für Verkehr durch Rechtsverordnung[4] mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben zur Flugsicherung beliehen. Die Flugsicherung ist eine sonderpolizeiliche Aufgabe. Im Einzelnen sind die Aufgaben der Flugsicherung in § 27c des Luftverkehrsgesetzes geregelt:

  • die Flugverkehrskontrolle des Luftverkehrs in Deutschland,
  • die Errichtung und Inbetriebhaltung von technischen Einrichtungen und Funknavigationsanlagen,
  • die Planung und Erprobung von Verfahren und Einrichtungen für die Flugsicherung,
  • die Erstellung von gutachtlichen Stellungnahmen gemäß § 31 Abs. 3 LuftVG,
  • die Überwachung aller Hindernisse in Bauschutzbereichen bzw. außerhalb dieser bei Höhen über 100 m ü. Grund,
  • die Sammlung und Bekanntgabe der Luftfahrtinformationen und -karten,
  • die überörtliche militärische Flugsicherung in Deutschland.

Die Flugverkehrskontrolle wird erbracht als Platzkontrolle (Tower), Anflugkontrolle (Terminal Control) und Bezirkskontrolle (Area Control Center - ACC).

Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich seit April 2002 in Langen (Hessen) (davor Offenbach am Main) und damit ganz in der Nähe des größten deutschen Flughafens, des Frankfurter Flughafens. Die DFS betreibt hier zur Ausbildung von Fluglotsen und verwandten Berufen eine eigene Flugsicherungsakademie. Außerdem ist hier eine Außenstelle des Amtes für Flugsicherung der Bundeswehr vertreten, mit dem die DFS eng zusammenarbeitet.

Kontrollzentralen[Bearbeiten]

Die Zentralen der Flugsicherung werden gemäß dem jeweiligen Zuständigkeitsbereich unterschieden in „ACC“ (Area Control Center) und „UAC“ (Upper Area Control Center). Für den deutschen Luftraum sind folgende Kontrollzentralen zuständig:

Name ICAO-Kürzel Zuständigkeitsgebiet Details Standort
ACC Bremen EDWW unterer Luftraum im Fluginformationsgebiet (Flight Information Region, FIR) Bremen Flughafen Bremen
ACC Langen EDGG FIR Langen Langen (Hessen)
UAC Karlsruhe EDUU oberer Luftraum in der UIR (Upper Flight Information Region) Rhein; über der FIR Langen und der ehemaligen FIR Berlin (seit März 2005) über Flugfläche 245, bzw. Flugfläche 285; über der FIR München über Flugfläche 315 (seit Dezember 2012[5]) Funkrufzeichen „Rhein Radar“ Karlsruhe
ACC München EDMM FIR München Flughafen München Franz Josef Strauß
UAC Maastricht EDYY Hannover UIR (Oberer Luftraum - über Flugfläche 245) Hier stellt die DFS das Personal zur Durchführung militärischer Flugsicherungsdienste innerhalb der Hannover UIR. Beim Personal handelte es sich vor März 2010 überwiegend um Offiziere und Unteroffiziere der Luftwaffe, die zur Wahrnehmung militärischer Sonderaufgaben zur DFS beurlaubt wurden. Mittlerweile steht die Wahrnehmung aller Aufgaben in der Niederlassung allen geeigneten Arbeitnehmern offen, eine militärische Vorausbildung ist nicht mehr erforderlich. Neben der Kontrolle des militärischen Flugverkehrs überwachen die Lotsen der DFS auch die Test- und Serieneinflüge von Airbus, welche von Finkenwerder aus starten und sich im Rahmen ihrer Flugprofile dabei auch im oberen Luftraum aufhalten. Das Rufzeichen ist „Lippe Radar“. Der zivile Luftverkehr in der Hannover UIR wird vom UAC Maastricht „Maastricht Radar“ (Eurocontrol) kontrolliert. Maastricht Aachen Airport

Die ehemalige FIR Berlin (genauer: Berlin-Schönefeld) deckte das Gebiet der damaligen DDR einschließlich Berlin ab und hatte die Kennung ETBN (ACC im brandenburgischen Schönefeld), welche heute nicht mehr verwendet wird; das Länderkürzel ET der DDR dient nun der Kennzeichnung reiner Militärflugplätze in Deutschland. Innerhalb dieses Gebietes – räumlich: darunter – lagen drei Luftkorridore sowie die Kontrollzone Berlin, welche von den Alliierten (in Berlin-Tempelhof) überwacht und nur durch sie benutzt werden durften. Vgl. hierzu Berlin bzw. Flugsicherung der DDR bzw. Fliegerhorste.

Im Zuge der Wiedervereinigung übernahm die BFS die Kontrolle über den gesamten Luftraum. Doch erst als nach ihrer Privatisierung Änderungen der ICAO-Kennungen im Jahre 1995 vorgenommen wurden, erhielt dieses ACC (entsprechend der Systematik der DFS) die Bezeichnung EDBB, welche zuvor für den Flughafen Berlin-Tempelhof galt und in EDDI umbenannt wurde. Auch diese beiden sind heute nicht mehr in Gebrauch, nachdem ab 16. Dezember 2006 die Aufgaben im Kontrollgebiet Berlin sukzessive nach Bremen, München und Karlsruhe verlagert wurden. Es bearbeitete, wie die Kontrollzentrale München bis Dezember 2012, den Luftraum von Grund bis Flugfläche 660, was 21,7 km entspricht (Säulenmodell).

Kontrolltürme[Bearbeiten]

Die DFS betreibt die Flugsicherungsdienste im Auftrag und auf eigene Kosten gemäß Festlegung des BMVI an folgenden Flughäfen:

  • Berlin-Schönefeld - EDDB
  • Berlin-Tegel - EDDT
  • Berlin-Tempelhof - EDDI bis 2008
  • Bremen - EDDW
  • Dresden - EDDC
  • Düsseldorf - EDDL

Die Flugverkehrskontrolle an anderen Flugplätzen mit Flugverkehrskontrolle wird nicht von der DFS, sondern von einzeln beliehenen Fluglotsen erbracht, die im Dienst einer zertifizierten Flugsicherungsorganisation stehen. Die DFS hat diese Aufgaben durch die Gründung der Tower Company GmbH am 20. Dezember 2005 in eine eigenständige Gesellschaft überführt.[6] Die The Tower Company GmbH ist eine Tochtergesellschaft der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH und hat Ihren Sitz in Langen/Hessen. Sie ist an den Flugplätzen Dortmund (EDLW), Paderborn-Lippstadt (EDLP), Frankfurt-Hahn (EDFH), Leipzig-Altenburg (EDAC), Karlsruhe/Baden-Baden (EDSB), Magdeburg-Cochstedt (EDBC), Memmingen (EDJA), Schwerin-Parchim (EDOP), Mönchengladbach (EDLN) und Niederrhein/Weeze (EDLV) tätig.

Geschichte[Bearbeiten]

Die DFS ging aus der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) hervor. Die BFS wurde 1953 gegründet und zum 1. Januar 1993 geschlossen. Zuvor wurde die DFS in einer privatrechtliche Organisationsform als Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet.

Bewertung der Privatisierung[Bearbeiten]

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Die Arbeit der DFS wird als erfolgreich bewertet: die Verspätungen im Luftverkehr, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre die Bundesregierung und das Parlament veranlasst hatten, die Organisationsprivatisierung der Flugsicherung zu betreiben, sind drastisch zurückgegangen. Dieser Erfolg ist insbesondere durch folgende Änderungen bewirkt worden:

  • die Fluglotsen werden außerhalb der Laufbahn des öffentlichen Dienstes eingestellt und bezahlt;
  • durch die Integration der überörtlichen militärischen Flugsicherung in die zivile Flugsicherung standen kurzfristig ausgebildete Fluglotsen für die Kontrolle des zivilen Luftverkehrs zur Verfügung;
  • über die bisher rein militärisch genutzten Lufträume konnte der zivile Flugverkehr besser verfügen;
  • die Inbetriebnahme neuer technischer Systeme, deren Beschaffung von der BFS eingeleitet worden war, führte zu Kapazitätssteigerungen.

Haushalt und Gebühren[Bearbeiten]

Die laufenden Kosten der DFS werden durch Flugsicherungsgebühren gedeckt. Erhoben werden Streckengebühren (Einziehung durch Eurocontrol für die 37 am Eurocontrol-Gebührensystem teilnehmenden Mitgliedstaaten und Abführung an die DFS) und An- und Abfluggebühren (Festlegung durch das BMVBS mittels Rechtsverordnung und Einziehung unmittelbar durch die DFS).

Gemäß Gesellschaftsvertrag ist die DFS ein nicht-gewinnorientiertes Unternehmen. Etwaige erwirtschaftete Überschüsse müssen auch entsprechend den international geltenden Grundsätzen für die Erhebung der Flugsicherungsgebühren an die Luftraumnutzer zurückgezahlt werden.

Privatisierung[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 hatte die Bundesregierung die Kapitalprivatisierung der DFS beschlossen; nur eine Sperrminorität an Anteilen sollten im Bundeseigentum verbleiben. Neben der Tatsache, dass es sich bei der Flugsicherung um hoheitliche Aufgaben mit sonderpolizeilichem Charakter handelt, ist der Umstand, dass die DFS die überörtlichen militärischen Flugsicherungsdienste vorhält, von verteidigungspolitischer Bedeutung. Interessiert am Erwerb von Anteilen zeigten sich neben anderen die Fraport und die Lufthansa, was aber die Gefahr von Interessenkonflikten bei der Arbeit der DFS bedeuten würde.

Am 24. Oktober 2006 verweigerte Bundespräsident Horst Köhler dem Gesetz, das die Kapitalprivatisierung ermöglichen sollte, wegen der hoheitlichen Aufgabenstellung und des sonderpolizeilichen Charakters der Flugsicherung seine Unterschrift und wies es so mit seinem Veto zurück. Der Bundespräsident begründete seine Entscheidung damit, dass das Gesetz nicht vereinbar mit dem Grundgesetz sei, weil

  • dort eine bundeseigene Verwaltung bestimmt war (Art. 87d Abs. 1 Satz 1 GG);
  • es ausreichende Steuerungs- und Kontrollrechte fordert;
  • die Hauptbetriebsstätte der Flugsicherung nach Ablauf von 20 Jahren ins Ausland verlagert werden kann.

Mit Wirkung vom 1. August 2009 wurde dieser Art. 87d GG dann geändert.[7] Durch diese Änderung sind seitdem Flugsicherungsdienste auch durch ausländische, nach europäischem Recht zugelassene Flugsicherungsorganisationen möglich. Drei Tage später trat das Gesetz zur Errichtung eines Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung und zur Änderung und Anpassung weiterer Vorschriften in Kraft.[8] Damit soll die gewünschte Aufteilung von Aufsichts- und Durchführungsaufgaben in der Flugsicherung ermöglicht werden.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Fecker: Fluglotsen, GeraMond Verlag, München, ISBN 3-7654-7217-4
  • Andreas Fecker: Beruf Fluglotse. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03261-3
  • Peter Bachmann: Flugsicherung in Deutschland, Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02521-3
  •  Deutscher Bundestag (Hrsg.): Gesetz zur Neuregelung der Flugsicherung. Unterrichtung durch den Bundespräsidenten (= Bundestagsdrucksache Nr. 16/3262). Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Köln 23. Oktober 2006, ISSN 0722-8333 (55 KB, online, abgerufen am 20. Dezember 2013).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.dfs.de Management Aufgerufen am 3. Januar 2013.
  2. www.dfs.de Mitarbeiterstruktur. Aufgerufen am 3. Januar 2013.
  3. www.dfs.de. DFS Geschäftsbericht 2011, S. 39: Konzern-Gesamtergebnisrechnung (PDF; 585 kB). Aufgerufen am 15 Oktober 2013.
  4. Verordnung zur Beauftragung eines Flugsicherungsunternehmens vom 11. November 1992
  5. www.dfs.de DFS information customer relations Ausgabe 10/12, abgerufen am 16. Dezember 2012
  6. „The Tower Company“ gegründet presse.dfs.de, 21. Dezember 2005, abgerufen am 11. Mai 2010
  7. Änderung des Art. 87d GG per 1. August 2009Vorlage:§§/Wartung/alt-URL-buzer
  8. Änderungen durch G. v. 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2424)Vorlage:§§/Wartung/alt-URL-buzer
  9. BR -DRS 831/08 (Gesetzentwurf) (PDF; 196 kB)

Weblinks[Bearbeiten]