Deutsche Fußballmeisterschaft 1902/03

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Das Logo des Deutschen Fußball-Bundes, 1900 bis 1945

Für die Saison 1902/03 wurde vom Spielausschuss des Deutschen Fußballbundes (DFB) zum ersten Mal die Austragung einer Deutschen Fußballmeisterschaft ausgeschrieben.

Der DFB umschloss damals unter seinem Dach annähernd 30 zumeist lokale Fußballverbände mit annähernd 150 Mannschaften. Größere Regionalverbände gab es zu dieser Zeit nur in den Regionen „Brandenburg-Berlin“, „Mitte“ (etwa das Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), „Süd“ (die heutigen Länder Bayern und Baden-Württemberg sowie Südhessen, das Saarland, die Pfalz, das Moselgebiet und Elsass-Lothringen) sowie „West“ (das heutige Nordrhein-Westfalen, sowie Nord- und Mittelhessen, Südniedersachsen und der Raum Osnabrück); hier wurden auch bereits Regionalmeisterschaften ausgetragen.

Teilnahmeberechtigt war jeweils ein Vertreter (in der Regel der Meister) der bestehenden Lokal- und Regionalverbände. Bis 1904 waren zudem auch im Ausland ansässige deutsche Verbände zugelassen, wovon der „Verband der Prager Deutschen Fußball-Vereine" Gebrauch machte, obwohl dieser gleichzeitig Mitglied des Österreichischen Fußballverbandes war. Trotz der vergleichsweise hohen Anzahl berechtigter Verbände waren am Ende nur sechs Mannschaften für die deutsche Meisterschaftsendrunde gemeldet. Ausgetragen wurde die Endrunde im Pokalmodus (K.-o.-System), wobei jede Begegnung an einem neutralen Ort ausgetragen werden sollte. Diese Regelung wurde jedoch bei der Ansetzung der Spiele mehrfach nicht eingehalten.

Inhaltsverzeichnis

Teilnehmer [Bearbeiten]

Verein Verband
DFC Prag DFC Prag Verband der Prager Deutschen Fußball-Vereine
Britannia Berlin Britannia 92 Berlin Verband Berliner Ballspielvereine
VfB Leipzig VfB Leipzig Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine
Viktoria Magdeburg Viktoria 96 Magdeburg(1) Verband Magdeburger Ballspiel-Vereine
Altona 93 Altonaer FC 93 Hamburg-Altonaer Fußball-Bund
Karlsruher FV Karlsruher FV Verband Süddeutscher Fußball-Vereine
1 Viktoria 96 durfte als Meister des Lokalverbandes teilnehmen, obwohl die Mannschaft in der Mitteldeutschen Meisterschaft gescheitert war.

Spielergebnisse [Bearbeiten]

Viertelfinale [Bearbeiten]

Datum Spielpaarung Ergebnis Stadion
3. Mai 1903 Altonaer FC 93 - Viktoria 96 Magdeburg 8:1 (3:0) Altona, Exerzierweide
10. Mai 1903 Britannia 92 Berlin - VfB Leipzig 1:3 (0:1) Berlin-Friedenau, Sportpark
10. Mai 1903 DFC Prag - Karlsruher FV ausgefallen geplanter Ort: München bzw. Prag

Das Spiel Prag - Karlsruhe war vom DFB zunächst in München angesetzt worden: Jedoch erhob der DFC Prag dagegen Einspruch, da eine Austragung in Prag höhere Einnahmen erbringen würde. Gegen diese Ansetzung legte wiederum der Karlsruher FV 91 Protest ein. Aus Zeitgründen wurden beide Mannschaften für das Halbfinale zugelassen.

Halbfinale [Bearbeiten]

Datum Spielpaarung Ergebnis Stadion
17. Mai 1903 VfB Leipzig - Altonaer FC 93 6:3 (3:3) Leipzig, Sportplatz Leipzig
17. Mai 1903 DFC Prag - Karlsruher FV ausgefallen geplanter Ort: Leipzig

Das Spiel Prag - Karlsruhe war vom DFB in Leipzig angesetzt worden. Ein gefälschtes Telegramm (Telegramm-Affäre), das dem Karlsruher FV von einer neuerlichen Verlegung des Spieltermins Mitteilung machte, hielt den KFV jedoch von einer Reise nach Leipzig ab. Der DFB erklärte trotzdem den KFV für disqualifiziert, so dass der DFC Prag kampflos ins Finale kam.

Finale [Bearbeiten]

Berichterstattung vom Finale im Prager Tagblatt vom 2. Juni 1903.
Paarung VfB Leipzig VfB LeipzigDFC Prag DFC Prag
Ergebnis 7:2 (1:1)
Datum 31. Mai 1903
Stadion Exerzierweide, Altona
Zuschauer 750 bis 2.000 (unterschiedliche Angaben)
Schiedsrichter Franz Behr (Altona)
Tore 0:1 Meyer (22.), 1:1 W. Friedrich (31.), 2:1 A. Friedrich (49.), 3:1 Riso, 3:2 Meyer, 4:2 Stanischewski, 5:2 Stanischewski, 6:2 Riso, 7:2 Riso
VfB Leipzig Ernst Raydt – Erhard Schmidt, Arthur Werner – Wilhelm Rößler, Walter Friedrich, Otto Bräune – Georg Steinbeck,
Bruno Stanischewski, Heinrich Riso, Adelbert Friedrich, Ottomar Aßmus
DFC Prag Charly Pick – Ladislaus Kurpiel, Johann Schwarz – Béla Robitsek, Paul Fischl, Franz Sedlacek – Karl Beck, Karl
Kubik, Meyer, Fischer, Kubik


Das erste Finale um die Deutsche Meisterschaft war am Sonntag, dem 31. Mai, für 16 Uhr angesetzt worden. Jedoch fehlte zu diesem Zeitpunkt ein spielfähiger Ball, so dass sich der Anstoß bis 16:45 Uhr verzögerte, da zunächst ein Ball aus dem Vereinsheim des Altonaer FC herbeigeschafft werden musste. In dem von Schiedsrichter Franz Behr (damaliger Präsident des Altonaer FC 93) geleiteten Spiel erzielte der Prager Spieler Meyer in der 22. Minute das 0:1. Leipzig konnte aber bereits neun Minuten später durch Walter Friedrich ausgleichen und ging in der 49. Minute durch eine direkt verwandelte Ecke von Adelbert Friedrich in Führung. Nach dem 3:1 durch Heinrich Riso und einem Anschlusstreffer zum 3:2 durch Meyer sicherten Bruno Stanischewski und Heinrich Riso mit je zwei Treffern den 7:2-Erfolg Leipzigs.

Torschützenliste [Bearbeiten]

Spieler Verein Spiele Tore
1. Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Heinrich Riso VfB Leipzig 3 6
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Bruno Stanischewski VfB Leipzig 3 6
3. Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Bradnowitsch Altonaer FC 93 2 3
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Herder Altonaer FC 93 2 3
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Walter Altonaer FC 93 2 3

Denkmal [Bearbeiten]

Der 1. Pilgerstein, Hamburg
Der 2. Pilgerstein, Leipzig

Die Exerzierweide (auf zeitgenössischen Eintrittskarten als „Exerzierplatz Altona“ bezeichnet), auf der das Endspiel stattfand, existiert heute nicht mehr. Sie befand sich in einem heutigen Industriegebiet im Stadtteil Bahrenfeld ungefähr an der Kreuzung Rondenbarg/Marlowring. Am 3. September 2011 wurde an dieser Stelle ein steinernes Denkmal zur Erinnerung an das erste Endspiel um die 1. Deutsche Fußball-Meisterschaft aufgestellt, welches von der privaten „Initiative 1903“ durch Spenden finanziert worden ist. Der Stein stammt aus dem Bruno-Plache-Stadion in Leipzig, welches die ehemalige Heimspielstätte des VfB Leipzig ist. Der Stein wurde fachmännisch aufbereitet und eine Gedenktafel angefertigt. Ein ebensolcher Stein bereichert seit dem 5. August 2012 auch das Leipziger Bruno-Plache-Stadion. Pünktlich zur Saisoneröffnung 2012/2013 wurde der 2. Pilgerstein der deutschen Fußballgeschichte fertig und feierlich im Kreise von ca. 1300 Anhängern eingeweiht. Damit fiel die zweite Denkmalweihe auch auf den 90. Jubiläumstag des Leipziger Stadions. Für die Folgejahre sind weitere 4 Denkmäler geplant in Karlsruhe, Berlin, Magdeburg und Prag.

Weblinks [Bearbeiten]