Deutsche Gesellschaft für Psychologie
| Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) |
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|---|---|
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| Zweck: | Wissenschaftliche Gesellschaft für Psychologie |
| Vorsitz: | Jürgen Margraf |
| Gründungsdatum: | 1904 |
| Mitgliederzahl: | 3203 (Stand: 12. Juni 2012) |
| Sitz: | Göttingen |
| Website: | www.dgps.de |
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) ist „eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologen und Psychologinnen“. Sitz der DGPs ist Göttingen, die Geschäftsstelle befindet sich in Münster.
Inhaltsverzeichnis |
Ziele und Mitgliedschaft [Bearbeiten]
Die DGPs, die sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft versteht, bildet zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen als Vertretung für alle Fragen, die Wissenschaft und berufliche Praxis gleichermaßen betreffen.
Das offizielle Organ der DGPs ist die Psychologische Rundschau. Diese Fachzeitschrift erscheint seit 1949 vierteljährlich im Hogrefe-Verlag (Göttingen).
Ziel ist die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Psychologie. Sie hat derzeit über 3000 Mitglieder. Ordentliches Mitglied kann werden, wer promoviert hat und darüber hinaus zwei wissenschaftliche Arbeiten vorgelegt hat. Bevor diese Bedingungen erfüllt sind, kann man assoziiertes Mitglied werden, wenn man wissenschaftlich tätig ist. Eine Aufnahme als assoziiertes oder als ordentliches Mitglied erfordert eine Empfehlung von zwei Mitgliedern der DGPs und die Zustimmung des Vorstandes. Ein Ehrengericht ist das Disziplinorgan der DGPs.
Es existieren folgende DGPs-Kommissionen:
- Ethik-Kommission
- Kommission Psychologie Lehramtsstudiengängen
- Kommission zur Prüfung der Anträge auf Akkreditierung von Weiterbildungsstudiengängen in Psychologischer Psychotherapie
- Kommission Psychologie und Psychotherapieausbildung
- Kommission Fachsystematik der deutschen Psychologie: Historische Entwicklungen und Perspektiven
Daneben gibt es folgende Föderative Kommissionen (DGPs und Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen):
- Fachgremium Rechtspsychologie
- Föderative Richtlinienkommission Ethik
- Diagnostik- und Testkuratorium (DTK)
- Nationale Anerkennungskommission EuroPsy (NAK)
Weitere Kommissionen außerhalb der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen sind
- der Gesprächskreis der Psychotherapeutenverbände (GK-II)
- die Gemeinsame Kommission Klinische Neuropsychologie
- die Jury zur Vergabe des „Deutschen Psychologiepreises“
Als Arbeitsgemeinschaft sind die DGPs-Beauftragten für den wissenschaftlichen Nachwuchs organisiert (Jumgmitglieder)
Die DGPs wird von einem sechsköpfigen Vorstand präsidiert, die Geschäftsstelle (3 Mitarbeitende) befindet sich in Münster.
Die DGPs ehrt aller 2 Jahre das wissenschaftliche Lebenswerk und verleiht die Wilhelm- Wundt-Medaille,den Charlotte- und Karl-Bühler-Preis, den Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis, den Preis für Wissenschaftspublizistik sowie den Franz-Emanuel-Weinert-Preises. Langjährig verdienten Mitgliedern kann die Ehrenmitgliedschaft verliehen werden.[1]
Geschichte [Bearbeiten]
Die DGPs geht zurück auf die am 20. April 1904 in Gießen gegründete „Gesellschaft für experimentelle Psychologie“ Initiator war Georg Elias Müller (1850–1934), der mit seinen Kollegen Ebbinghaus, Külpe, Meumann, Schumann und Sommer ein Initiativ-Komitee bildete und zum Kongress nach Gießen einlud (der Veranstalter des ersten Kongresses war Sommer). Dort wurde von den Teilnehmern die Gesellschaft dann gegründet, Müller wurde der erste Präsident.
Experimental psychology existiert im angelsächsischen Raum heute noch als eigenständige Forschungsrichtung der Allgemeinen Psychologie. Der Name der Gesellschaft wurde 1929 in die heutige Bezeichnung umgewandelt. Mit der heute noch regelmäßig stattfindenden Tagung der Experimentell Arbeitenden Psychologen (TEAP) wird die experimentelle Tradition fortgesetzt.
1945 wurde die DGPs durch das Besatzungsrecht automatisch aufgelöst. Die Neugründung 1947 durch Gustav Johannes von Allesch galt zunächst für die britische Besatzungszone. In der amerikanischen Besatzungszone wurde die Gesellschaft 1948 in Würzburg neu gegründet. Erster Vorsitzender dort war Gustav Kafka. Beide Teile der Gesellschaft wurden am 2. Oktober 1948 vereinigt und erweiterten ihren Geltungsbereich "zonenungebunden" auf ganz Deutschland. Allesch wurde Vorsitzender, Kafka folgte ihm 1951 nach.
Bis 1961 waren auch Wissenschaftler aus der DDR Mitglieder der DGPs und besuchten deren Kongresse. Nach dem Mauerbau wurde am 13. Oktober 1962 die Gesellschaft für Psychologie der DDR gegründet. Erster Vorsitzender war Werner Straub aus Dresden bis 1968. Ihm folgten Friedhart Klix bis 1975 und Adolf Kossakowski. Sie führte bis zur Auflösung am 3. November 1990 sieben Kongresse durch und war zugleich Berufsverband und Wissenschaftsgesellschaft. Höhepunkt war die Ausrichtung des XXII. Internationalen Kongresses für Psychologie 1980 in Leipzig. Die Psychologen der DDR wurden ab 1962 genötigt, aus der DGPs auszutreten - einige führten die Mitgliedschaft offiziell oder inoffiziell fort. Die DGPs erlaubte diesem Personenkreis eine beitragsfreie Fortführung der Mitgliedschaft. Diese nie abgebrochene Verbindung war auch eine Ursache, dass die wissenschaftliche Ausrichtung der Psychologie in der DDR international blieb.[2][3].
Mindestens bis zur deutschen Wiedervereinigung verstand sich die DGPs als deutschsprachige Fachgesellschaft. So fanden Kongresse auch in Salzburg, Wien und Zürich statt, auch Schweizer und österreichische Fachkollegen waren Vorstandsmitglieder. Danach gerieten vor allem die psychologiespezifischen Probleme Deutschlands stärker in den Mittelpunkt der Arbeit. Eigenständige nationale Interessenvertretungen waren in Österreich und der Schweiz auch für wichtige politischen Fragen (Vertretung der "nationalen" Psychologie im Rahmen der Psychologie- bzw. Psychotherapiegesetzgebung) notwendig. Nicht zuletzt deshalb hat sich in Österreich 1993 die Österreichische Gesellschaft für Psychologie (ÖGP) neu gegründet. In der Schweiz gibt es die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie (SGP) schon seit 1943. Nach wie vor sind Doppelmitgliedschaften in der DGPs und SGP bzw. ÖGP verbreitet.
Fachgruppen der DGPs [Bearbeiten]
Die verschiedenen Teildisziplinen der Psychologie sind in Fachgruppen organisiert. Fachgruppen haben aus ihren Reihen Expertinnen und Experten benannt, die Auskunft zu speziellen Themen geben können.
- Allgemeine Psychologie
- Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Denken, Sprache, Lernen, Gedächtnis, Motivation und Emotion
- Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
- Wechselbeziehungen zwischen Arbeits- und Organisationsbedingungen und menschlichem Erleben und Verhalten
- Biologische Psychologie und Neuropsychologie
- Anatomische und physiologische Grundlagen menschlichen Verhaltens und Erlebens sowie physiologische Effekte psychologischer Prozesse; Neuronale Bedingungen psychologischer Prozesse
- Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und psychologische Diagnostik
- Individuelle Besonderheiten und interindividuelle Unterschiede - Anwendung psychologischen Wissens auf den Einzelfall, Beschreibung, Erklärung und Prognose von Verhalten
- Entwicklungspsychologie
- Veränderungsprozesse über die Lebensspanne inklusive Gerontopsychologie - Besonderheiten psychischer Funktionen im höheren Alter
- Geschichte der Psychologie
- Historische Entwicklung der Psychologie als eigenständige Wissenschaft
- Gesundheitspsychologie
- Personale, soziale und strukturelle Einflussfaktoren für die körperliche und seelische Gesundheit
- Klinische Psychologie und Psychotherapie
- Bedingungen von Krankheit und Gesundheit sowie Entwicklung von verhaltens- und erlebensverändernden Interventionen inklusive Rehabilitationspsychologie: Anwendung psychologischer Kenntnisse in der Rehabilitation
- Medienpsychologie
- Menschliches Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien
- Methoden & Evaluation
- Verfahren der Datenerhebung und der Datenauswertung, Untersuchungsplanung und Wissenschaftstheorie; Untersuchungspläne und Verfahren zur Überprüfung von Interventionen im Hinblick auf zu definierende Standards und Kriterien
- Pädagogische Psychologie
- Pädagogisch beeinflussbare Kompetenzen, Fertigkeiten, Überzeugungssysteme und Werthaltungen
- Rechtspsychologie
- Anwendung psychologischer Theorien, Methoden und Erkenntnisse auf Fragestellungen, die sich aus der Gestaltung und Anwendung des Rechts ergeben
- Sozialpsychologie
- Beeinflussung von Verhalten, Erleben und Urteilen durch den sozialen Kontext
- Umweltpsychologie
- Einstellungen zur Umwelt und Umweltbewusstsein, umweltbezogenes Verhalten und Gestaltung eines ökologisch gesunden Lebensumfeldes
- Verkehrspsychologie
- Wechselbeziehungen zwischen menschlichem Erleben und Verhalten und technischen Verkehrssystemen sowie dem Verkehrsumfeld
Vorsitzende (ab 1974 Präsidenten) [Bearbeiten]
Sowohl der Gesellschaft für Experimentelle Psychologie als auch der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Neuwahlen finden gegenwärtig mit den aller 2 Jahre abgehaltenen Kongressen statt (s.u.):
- 1904–1927 Georg Elias Müller, Göttingen
- 1927–1928 Karl Marbe, Würzburg
- 1928–1931 Karl Bühler, Wien
- 1932–1933 William Stern, Hamburg
- 1934–1936 Felix Krueger, Leipzig
- 1937–1939 Erich Rudolf Jaensch, Marburg
- 1940–1945 Oswald Kroh, Berlin (1945 Auflösung)
- 1947–1949 Gustav Johannes von Allesch, Göttingen (Wiederbegründung für britische Besatzungszone)
- 1948–1949 Gustav Kafka, Würzburg (Wiederbegründung für amerikanische Besatzungszone)
- 1949–1951 Gustav Johannes von Allesch, Göttingen (2. Oktober 1949 Vereinigung und "zonenungebundene" Erweiterung)
- 1951–1953 Gustav Kafka, Würzburg
- 1954–1955 Philipp Lersch, München
- 1955–1959 Friedrich Sander, Bonn
- 1960 Hubert Rohracher, Wien
- 1961–1964 Wolfgang Metzger, Münster
- 1964–1966 Wilhelm Karl Arnold, Würzburg
- 1966–1968 Reinhold Bergius, Tübingen
- 1968–1970 Carl Friedrich Graumann, Heidelberg
- 1970–1972 Theo Herrmann, Mannheim
- 1972–1974 Kurt Pawlik, Hamburg
- 1974–1976 Hubert Feger, Aachen
- 1976–1978 Martin Irle, Mannheim
- 1978–1980 Erwin Roth, Salzburg
- 1980–1982 Heinz Heckhausen, München
- 1982–1984 Hans-Joachim Kornadt, Saarbrücken
- 1984–1986 Franz Emanuel Weinert, München
- 1986–1988 Klaus Foppa, Bern
- 1988–1990 Gerd Lüer, Göttingen
- 1990–1992 Jürgen Bredenkamp, Bonn
- 1992–1994 Urs Baumann, Salzburg
- 1994–1996 Hans Spada, Freiburg
- 1996–1998 Manfred Amelang, Heidelberg
- 1998–2000 Rainer Kluwe, Hamburg
- 2000–2002 Rainer K. Silbereisen, Jena
- 2002–2004 Wolfgang Schneider, Würzburg
- 2004–2006 Hannelore Weber, Greifswald
- 2006–2008 Marcus Hasselhorn, Göttingen
- 2008-2010 Ursula Staudinger, Bremen
- 2010-2012 Peter A. Frensch, Berlin
- 2012-heute Jürgen Margraf, Bochum
Wissenschaftliche Kongresse und Veranstalter [Bearbeiten]
In der Regel werden alle zwei Jahre wissenschaftliche Kongresse durchgeführt.
Gesellschaft für Experimentelle Psychologie (Vorläufergesellschaft) [Bearbeiten]
- 1904 01. Gießen – Robert Sommer
- 1906 02. Würzburg – Oswald Külpe
- 1908 03. Frankfurt – Karl Marbe
- 1910 04. Innsbruck – F. Hillbrand
- 1912 05. Berlin – Carl Stumpf
- 1914 06. Göttingen – Georg Elias Müller
- 1921 07. Marburg – E. R. Jaensch
- 1923 08. Leipzig – Felix Krueger
- 1925 09. München – E. Becher
- 1927 10. Bonn – Gustav Störring
- 1929 11. Wien – Karl Bühler
Deutsche Gesellschaft für Psychologie [Bearbeiten]
- 1931 12. Hamburg – William Stern
- 1933 13. Leipzig – Felix Krueger
- 1934 14. Tübingen – Oswald Kroh
- 1936 15. Jena – Friedrich Sander
- 1938 16. Bayreuth – D. Kolb
- 1948 17. Göttingen – Johannes G. von Allesch
- 1951 18. Marburg – Heinrich Düker
- 1953 19. Köln – Udo Undeutsch
- 1955 20. Berlin – Oswald Kroh
- 1957 21. Bonn – Friedrich Sander
- 1959 22. Heidelberg – Johannes Rudert
- 1962 23. Würzburg – Wilhelm Karl Arnold
- 1964 24. Wien – Hubert Rohracher
- 1966 25. Münster – Wilhelm Witte
- 1968 26. Tübingen – Reinhold Bergius
- 1970 27. Kiel – Hermann Wegener
- 1972 28. Saarbrücken – Peter Orlik
- 1974 29. Salzburg – Erwin Roth
- 1976 30. Regensburg – Adolf Vukovich
- 1978 31. Mannheim – Lothar Michel
- 1980 32. Zürich – Norbert Bischof
- 1982 33. Mainz – Otto Ewert
- 1984 34. Wien – Brigitte Rollett
- 1986 35. Heidelberg – Manfred Amelang
- 1988 36. Berlin – Klaus Eyferth
- 1990 37. Kiel – Dieter Frey
- 1992 38. Trier –Leo Montada
- 1994 39. Hamburg – Kurt Pawlik
- 1996 40. München – Heinz Mandl
- 1998 41. Dresden – Winfried Hacker
- 2000 42. Jena – Rainer K. Silbereisen
- 2002 43. Berlin – Elke van der Meer
- 2004 44. Göttingen – Thomas Rammsayer
- 2006 45. Nürnberg – Friedrich Lösel
- 2008 46. Berlin – Peter A. Frensch (in Verbindung mit dem 29. Weltkongress der International Union of Psychological Science)
- 2010 47. Bremen – Franz Petermann
- 2012 48. Bielefeld - Rainer Riemann
- 2014 49. Bochum - Onur Güntürkün
- 2016 50. Jubiläumskongress, soll in einer Grossstadt sein, nicht wie ursprünglich geplant in Siegen
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Preise und Preisträger der DGPs
- ↑ Sprung Lothar und Helga: Die Entwicklung der Psychologie... in: Die Humboldt-Universität Unter den Linden 1945-1990, hrsg. von W. Girnus und Klaus Meier
- ↑ Schönpflug, W., Lüer, G (2011: Psychologie in der DDR: Wissenschaft zwischen Ideologie und Pragmatismus.
Weblinks [Bearbeiten]
- Homepage (inklusive Suche von Experten für bestimmte Themen)
- Kalendarium der Psychologiegeschichte 1904 - 2004
- Texte zum Kalendarium (PDF-Datei; 287 kB)
