Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe

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Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1979
Sitz Peine, Deutschland
Leitung Borries Raapke, Michael Ripkens
Mitarbeiter 897 (2012)[1]
Umsatz EUR 138,8 Mio. (2012)[1]
Branche Kerntechnik
Website www.dbe.de

Die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE) mit Sitz in Peine ist ein auf Planung, Erkundung, Errichtung und Betrieb von Anlagen zur Sicherstellung und Endlagerung radioaktiver Abfälle spezialisiertes Unternehmen. Es wurde 1979 gegründet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Unternehmen betreut die Offenhaltung und Betriebsführung des Erkundungsbergwerks Gorleben, der Schachtanlage Konrad sowie die Betriebsführung und Vorbereitung der Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle in Morsleben (ERAM). Über die Tochter DBE Technology ist das Unternehmen zudem mit Projekten rund um die Entsorgung radioaktiver Abfälle beauftragt.

Die DBE wurde 1979 als 100% mittelbares, bundeseigenes Unternehmen gegründet.[2] Das Unternehmen ist im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesamt für Strahlenschutz tätig und mit Sonderrechten ausgestattet. Rechtsgrundlage ist §9a Abs. 3 Atomgesetz (AtG).[2] . Das Unternehmen wurde schrittweise privatisiert: 1984 wurden deutsche Energieversorgungsunternehmen Gesellschafter, zunächst mit 25% über die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK). 1990 übernahm die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), deren Gesellschafter die deutschen Betreiber von Kernkraftwerken sind,[3] die Anteile der DWK und erhöhte ihren Anteil sukzessive auf 75%. Nur noch 25 % des Kapitals gehören seit 2008 der bundeseigenen Energiewerke Nord.

DBE Technology[Bearbeiten]

Die Ingenieurgesellschaft DBE Technology GmbH mit Sitz in Peine ist ein 100 % Tochterunternehmen der DBE. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und dient der Tätigkeit außerhalb der vom Bund übertragenen Aufgaben in nationalen und internationalen Projekten bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Schwerpunkte der DBE Technology liegen in den Bereichen der Endlagerung radioaktiver Stoffe, Entwicklung von Entsorgungsstrategien und die Planung von Entsorgungsmaßnahmen, Bergbau, Kavernenbau, Tunnelbau und Tiefbau. Umsatz der Tochter war EUR 6,7 Mio im Geschäftsjahr 2012.[4]

Betreute Objekte[Bearbeiten]

Geplantes Endlager für hochradioaktive Abfälle im Salzstock Gorleben[Bearbeiten]

Zur Untersuchung des Salzstockes Gorleben hinsichtlich seiner Eignung als Endlagerstandort für alle Arten radioaktiver Abfälle hat die DBE seit 1979 ein geowissenschaftliches Programm abgewickelt. Aufgrund der Konsensvereinbarung vom Juni 2000 wurde für Gorleben ein Moratorium (Erkundungsunterbrechung) für einen Zeitraum von drei bis zehn Jahren vereinbart.

Schachtanlage Konrad[Bearbeiten]

Im ehemaligen Eisenerzbergwerk Konrad (Schacht Konrad) wurde von 1976 bis 1982 ein Erkundungs- und Untersuchungsprogramm zur Eignungsaussage für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung durchgeführt. Das danach eingeleitete Planfeststellungsverfahren wurde am 22. Mai 2002 abgeschlossen. Nach letztinstanzlicher Bestätigung der Entscheidung für Konrad wurde mit der Errichtung der technischen Anlagen für die Endlagerung und die Einlagerungskammern begonnen. Eine erste Einlagerung war im Jahr 2008 für 2013 geplant.[5] Nach Meldung der DBE wurde 2010 von einer Fertigstellung und Inbetriebnahme nicht vor 2019 ausgegangen.[6]Die Staatsanwaltschaft Bochum und das Bundeskartellamt untersuchten 2013 den Verdacht einer Kartellbildung von Bergbauspezialfirmen zum Schaden von DBE nach einer behördlich genehmigten Ausschreibung.[7][8]

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)[Bearbeiten]

Die Schachtanlage Bartensleben (Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben) wurde 1970 aus zehn Salzbergwerken für eine Nachnutzung als Endlager für radioaktive Abfälle ausgewählt. Von 1971 an wurden bis zur Einstellung der Einlagerung im Jahre 1998 insgesamt 36.752 m³ radioaktive Abfälle und 6.621 Strahlenquellen endgelagert. Die Kosten für die Schließung der Grube werden auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt.[9]

Kritik[Bearbeiten]

Laut Kritikern beinhalteten die Verträge zur Entsorgung radioaktiven Abfall viele zugesicherte Privilegien, die aus der Zeit stammten, als das Unternehmen noch als Bundesunternehmen tätig war: sichere Umsätze mit garantierten Gewinnen, faktische Unkündbarkeit und Stillschweige-Klausel in einem geheimen Kooperationsvertrag. Als ab 1984 private Gesellschafter einstiegen, seien diese Verträge nicht geändert worden. Die Entsorgung beschere den vier großen Energiekonzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe daher angesichts der einseitigen Vertragslage eine hohe Rendite.[10][11] Die Kritiken gaben 2008 Anlass für eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.[2]Der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel forderte am 21. April 2009, die DBE in ein staatliches Unternehmen zurück zu überführen, weil er eine Verflechtung unterschiedlicher Interessen sah.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Konzernabschluss zum 31. Dezember 2012; einsehbar bei www.unternehmensregister.de; Zugriff am 20. Februar 2014
  2. a b c Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Anna Lührmann, Hans-Josef Fell, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/11121. Deutscher Bundestag, 8. Dezember 2008, abgerufen am 25. Oktober 2013 (pdf; 117 kB).
  3. GNS, Firmenwebseite: Gesellschafter, aufgerufen 18. Oktober 2013
  4. Einzelabschluss zum 31. Dezember 2012; einsehbar bei www.unternehmensregister.de; Zugriff am 25. Oktober 2013
  5. Bis zum genehmigten Endlager ein langer Weg. In: Pressemitteilungen. Bundesamt für Strahlenschutz, 15. Mai 2008, abgerufen am 1. April 2011.
  6. M. Bauchmüller: Atommüll-Endlager wird nicht rechtzeitig fertig. Atompolitik: Schacht Konrad. sueddeutsche.de, 23. September 2010, abgerufen am 1. April 2011.
  7. M. Bauchmüller: Kartell der Unterwelt. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Dezember 2013, abgerufen am 4. Februar 2014
  8. Kartellabsprache bei Schacht Konrad. DBE prüft Klage auf Schadenersatz. In Peiner Allgemeine Zeitung, 20. Dezember 2013, abgerufen am 4. Februar 2014
  9.  Merkels Altlast. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2008, S. 46–48 (online).
  10. Endlager: Atom-Multis verdienen am eigenen Müll. In: Panorama. ARD, 22. Juli 2010, abgerufen am 28. März 2011.
  11. „Die Energiekonzerne verdienen kräftig mit an dem Atommüll, den sie zum großen Teil selbst verursacht haben.“

Weblinks[Bearbeiten]

52.33403055555610.247061111111Koordinaten: 52° 20′ 3″ N, 10° 14′ 49″ O