Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

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Dieser Artikel behandelt den Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen. Für den Zweig der deutschen Sozialversicherung siehe Gesetzliche Unfallversicherung (Deutschland).
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Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen. Er entstand am 1. Juni 2007 durch Zusammenlegung des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) und des Bundesverbands der Unfallkassen (BUK).[1]

Die DGUV ist damit der gemeinsame Dachverband für die neun gewerblichen Berufsgenossenschaften und die siebenundzwanzig Unfallkassen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen versichern zusammen siebzig Millionen Menschen gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten.[1]

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist ebenso wie ihre Vorgängerorganisationen als rechtsfähiger Verein organisiert. Mitglieder dieses Vereins sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen. Es bestehen sechs rechtlich unselbständige Landesverbände (Nordwest, Nordost, West, Mitte, Südwest, Südost).[2]

Der Verband hat seinen Sitz in Berlin. In Sankt Augustin und München existieren Verwaltungsstandorte, weitere Einrichtungen befinden sich in Bad Hersfeld, Bochum, Hennef und Dresden.

Vorsitzende des Vorstands sind derzeit Marina Schröder und Dr. Hans-Joachim Wolff. Der Vorsitz wird alternierend ausgeübt und wechselt nach einem Jahr.[3]

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Politischer Hintergrund[Bearbeiten]

Mit der Fusion kamen HVBG und BUK weitergehenden Plänen der Politik zuvor: Bundesregierung und Bundesländer hatten im Sommer 2006 angekündigt, die Verbände zum 1. Januar 2008 zwangsweise zu einer staatlich kontrollierten Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammenzuschließen. Die von der Politik geplante Spitzenkörperschaft sollte die Befugnis erhalten, „für alle Unfallversicherungsträger verbindliche Entscheidungen zu treffen und zwischen den Trägern einen Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitswettbewerb zu organisieren“[4]. Zudem sollten ihr gemeinsame Angelegenheiten der Unfallversicherungsträger übertragen werden, „die besser und effizienter zentral erledigt werden können“[4]. Die Errichtung dieser Spitzenkörperschaft nach dem Vorbild der Deutschen Rentenversicherung Bund hätte die Befugnisse der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen empfindlich beschnitten und den staatlichen Einfluss auf die gesetzliche Unfallversicherung deutlich erhöht. Sowohl die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di[5] als auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände[6] sprachen deshalb von einer geplanten „feindlichen Übernahme“ der Berufsgenossenschaften durch die öffentliche Hand.

Institute[Bearbeiten]

Die DGUV betreibt drei Institute für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

DGUV Akademie[Bearbeiten]

Die DGUV unterhält eine eigene Weiterbildungseinrichtung, die DGUV Akademie, Hochschule und Studieninstitut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung mit Einrichtungen in Bad Hersfeld und in Hennef. Die Akademie ging zum 1. Januar 2007 hervor aus den beiden Vorläuferorganisationen, der Berufsgenossenschaftlichen Akademie in Hennef und dem Bildungszentrum des BUK in Bad Hersfeld.[7] Der Schwerpunkt der Ausbildung an der Akademie liegt in der Verwaltungslehre und im Sozialrecht, insbesondere der Rehabilitation.[7]

Personal- und Arbeitsvermittlung[Bearbeiten]

DGUV job, der Personal- und Arbeitsvermittlungsdienst der DGUV für Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, vermittelt Versicherte, die nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit einer Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung bedürfen.

Fachzeitschriften[Bearbeiten]

Seit 2009 gibt die DGUV eine eigene Fachzeitschrift heraus, das DGUV Forum, Fachzeitschrift für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung (DGUV Forum), ISSN 1867-8483. Sie erscheint zehnmal im Jahr und enthält Beiträge für Praktiker und Wissenschaft.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Pressemitteilung "Neuer Spitzenverband für gewerbliche Berufsgenossenschaften und Unfallkassen" vom 28. Juni 2007
  2. Landesverbände der gewerblichen Berufsgenossenschaften in neuer Struktur (PDF; 2,3 MB). In: compact 2/2007. S. 6. Abgerufen am 11. Mai 2011.
  3. Pressemitteilung vom 19. Dezember 2011: Vorstandsvorsitzende der DGUV gewählt
  4. a b Eckpunkte zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung vom 26. Juni 2006, S. 6. (PDF-Datei)
  5. ver.di-Pressemitteilung vom 11. September 2006.
  6. „Kritik an Unfallversicherungsreform – Arbeitgeber fürchten ‚feindliche Übernahme‘ durch den Staat.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Juni 2006.
  7. a b Die DGUV Akademie, abgerufen am 4. August 2010.