Deutsche Oper am Rhein

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Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die in einer langen Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten steht und neben Oper und Operette/Musical auch Ballett darbietet. Sie verfügt über das größte Ensemble einer Oper in Deutschland. Generalintendant ist derzeit (2012) Christoph Meyer.[1] Die Gesellschaft ist ein horizontal gemischtöffentliches Unternehmen.

1955 schlossen die Nachbarstädte einen Vertrag über die Bildung der Oper. Erster Generalintendant der Theatergemeinschaft, die mit der Spielzeit 1956/1957 am 28. September begann, war Hermann Juch.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Duisburger Theater (2009)
Das Düsseldorfer Opernhaus (1959)

1873 wurde mit dem Bau des dortigen Stadttheaters, der ersten Oper in Düsseldorf, nach den Plänen von Baurat Ernst Giese begonnen. Man begann bereits am 28. November 1875, bevor der Bau überhaupt vollendet war, im halbfertigen Theater mit dem Spielbetrieb. Die weit über das Veranschlagte hinausgehenden Kosten und der Druck der Privatunternehmer, die den Theaterbetrieb unterhalten wollten, führte zu dieser Entscheidung der Stadt Düsseldorf, die im Besitz des Gebäudes war.

Am 13. November 1887 erfolgte mit Carl Maria von Webers „Preziosa“ die Einweihung der Duisburger Tonhalle, die dank der großen Spendenfreude der Duisburger Bürgerschaft erbaut werden konnte. Man entschied sich in Duisburg für eine Theatergemeinschaft mit Düsseldorf.

In Ergänzung zur Tonhalle begann man in Duisburg im Jahre 1911 mit dem Bau eines neuen Theaters, das am 7. November 1912 feierlich eingeweiht wurde. Auf Grund der Wirren des Ersten Weltkriegs konnte erst 1919 mit dem Aufbau eines eigenen Ensembles begonnen werden. Mit dem neuen eigenen Ensemble beschloss man in Duisburg, den Vertrag mit Düsseldorf aufzuheben. Die letzte Vorstellung im Rahmen der Theatergemeinschaft mit Düsseldorf war am 21. Juni 1921 mit Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Am 25. September 1921 wurde die Duisburger Oper gegründet. Nun ging man mit der Stadt Bochum eine Theaterehe ein. Die Schauspielaufführungen des Schauspielhauses Bochum wurden nach Duisburg und gleichzeitig musikalische Aufführungen der Duisburger Oper nach Bochum übernommen. Generalintendant beider Häuser wurde Saladin Schmitt. Mit Ablauf der Spielzeit 1934/35 endete die Theatergemeinschaft mit Bochum. Nachfolger von Saladin Schmitt wurde der Operndirektor Rudolf Scheel.

Nach Auflösung der ersten Theatergemeinschaft mit Duisburg übernahm die Stadt Düsseldorf den Spielbetrieb und taufte das Theatergebäude in Düsseldorf in „Opernhaus“ um. Zwischen 1929 und 1933 wirkte Jascha Horenstein als Musikdirektor in diesem Haus. Er war von Walter Bruno Iltz engagiert worden, der die Generalintendanz von 1927 bis 1937 innehatte.

1942, unmittelbar nach einer Aufführung des „Tannhäusers“, wurde das Duisburger Haus durch einen Luftangriff schwer getroffen und fast gänzlich zerstört. Die Aufführungen fanden jedoch weiterhin statt. Als Ersatz diente der Mercator-Filmpalast und das Thyssen-Casino in Duisburg sowie die Stadthallen in Mülheim an der Ruhr und in Rheinhausen.

1943 wurde das Düsseldorfer Opernhaus durch Bomben zerstört, aufgrund einer Weisung der Reichstheaterkammer in kurzer Zeit hastig wieder aufgebaut und am 1. Mai 1944 mit der Oper „Fidelio“ wieder eröffnet.

Im September des Jahres 1943 ordnete der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels an, die Duisburger Oper nach Prag zu evakuieren, wo bis Mitte 1944 der Spielbetrieb im Deutschen Opernhaus und im Ständetheater weiter geführt wurde. Dies markierte gleichzeitig das Ende der Duisburger Oper. Aufgrund der Kriegswirren wurden am 1. September 1944 alle Theater in Deutschland geschlossen.

Mit der Oper „Tosca“ begann bereits am 9. Oktober 1945 wieder die Bespielung der Düsseldorfer Bühne. Das Opernhaus diente nun auch dem Schauspiel als Spielstätte. Gustaf Gründgens übernahm die Leitung aller Düsseldorfer Theater.

Als Tagungsort für die erste Sitzung des Landtags Nordrhein-Westfalen diente das Düsseldorfer Opernhaus am 2. Oktober 1946. Von der britischen Besatzungsmacht ernannte Vertreter begannen hier das parlamentarische Leben des gerade gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen.

Nach dem Wiederaufbau Ende der 1940er Jahre wurde das Duisburger Haus am 1. Oktober 1950 mit dem Schauspiel „Emilia Galotti“ durch das Ensemble des Schauspielhauses in Bochum wieder eröffnet. Man verzichtete zunächst auf eine eigene Besetzung und führte Gastspiele musikalischer Werke und Schauspiele der Theater in Bochum, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Rheydt und Wuppertal auf. Bis zur Fertigstellung des Bühnenhauses 1952 fanden die Aufführungen auf einer Vorbühne statt.

Die Düsseldorfer Stadtverwaltung holte 1951 Walter Bruno Iltz nach Düsseldorf, er wurde als Generalintendant der „Städtischen Bühnen Düsseldorf“ berufen[2], als Gustaf Gründgens 1951 mit der Gründung der „Neuen Schauspiel-Gesellschaft mbH“ sich auf das Sprechtheater beschränkte und damit Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses wurde.[3] Am 6. April 1951 kam es zum Abschluss des Vertrages mit Bruno Walter Iltz als Generalintendant der Städtischen Bühnen.[4] 1956 zog sich Walter Bruno Iltz nach Erreichung der Altersgrenze, aber auch wegen Angriffen auf seinen Spielplan, vom Theater zurück.[5] Dadurch wurde eine generelle Neuordnung des Musiktheater- und Ballettbereiches in Düsseldorf möglich, die unter Hermann Juch im selben Jahr zur Gründung einer Zweistädtepartnerschaft von Düsseldorf und Duisburg für diese Sparten führte.

Nach zweijährigen, von Paul Bonatz geleiteten Wiederaufbauarbeiten wurde das Düsseldorfer Opernhaus am 22. April 1956 mit einer Aufführung des Fidelio wieder eröffnet.

Nach der Gründung der Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg startete die erste Spielzeit der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf mit der Oper „Elektra“ am 29. September 1956 und in Duisburg am 30. September mit „Falstaff“. Mit der Saison 1964/65 begann Grischa Barfuss seine über 20 Jahre dauernde Generalintendanz. Ihn löste 1986 Kurt Horres als dritter Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein ab. Tobias Richter wurde in der Spielzeit 1996/97 vierter Generalintendant. Mit Beginn dieser Saison eröffnete die Operngesellschaft in Düsseldorf-Oberkassel eine Ballettschule für Nachwuchstalente im Alter von acht bis 16 Jahren. Der Kontakt zum etablierten Ballettensemble an den beiden Spielstätten galt als vorteilhaft.

Die Theaterwerkstatt der Deutschen Oper am Rhein befindet sich heute im Duisburger Stadtteil Wanheim. Seit der Spielzeit 1999/2000 ist der Amerikaner John Fiore Chefdirigent der Theatergemeinschaft. Eine Saison später übernahm er auch den Posten des Generalmusikdirektors (GMD) der Düsseldorfer Symphoniker, die das dortige Haus der gGmbH bespielen. In der nördlichen Nachbarstadt stellen die Duisburger Philharmoniker das Opernorchester, seit der Spielzeit 2012/13 mit dem Dänen Giordano Bellincampi als GMD.

2006 begann man mit intensiven Sanierungsarbeiten am Düsseldorfer Haus. Der Theaterbetrieb lief in einer mobilen Behelfsspielstätte (Rom–RheinOperMobil) am Düsseldorfer Fernsehturm weiter. Das renovierte Opernhaus sollte ursprünglich am 7. April 2007 mit einer Aufführung von La Traviata wiedereröffnet werden. Die Stadt Düsseldorf kündigte jedoch wegen Nachforderungen in Millionenhöhe den Bauvertrag und beauftragte eine andere Baufirma mit der Fortführung der Arbeiten. Die Rückkehr ins Stammhaus an der Heinrich-Heine-Allee erfolgte am 18. August 2007 mit der Wiederaufnahme von La Traviata. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf rund 30 Mio. EUR. Es wurden auch ursprünglich nicht geplante Sanierungsarbeiten im Innenraum vorgenommen wie die Erneuerung der Bestuhlung.

Die Rheinoper feierte in der Spielzeit 2006/2007 ihr 50-jähriges Bestehen („Goldene Hochzeit“).

Gegen Ende des Jahres 2005 wurde ein Schauspiel-Jugendclub „Spieltrieb“-Projekt gegründet und genoss seitdem große Aufmerksamkeit für seine Inszenierungen, darunter „Der Glöckner von Notre Dame“, „Die gesammelten Werke von Billy the Kid“, „Mädchen:träume“ und „Emilia Galotti“. Geleitet wird dieses Projekt von Michael Steindl, Künstlerischer Leiter Schauspiel.

Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Duisburg wurde als Sparmaßnahme kontrovers diskutiert, die Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Opernhaus aufzukündigen und im Duisburger Haus nur noch Gastspiele stattfinden zu lassen.[6] Am 25. Juni 2012 hat der Duisburger Stadtrat mit der Mehrheit von SPD und Grünen für den Erhalt der Kooperation der Deutschen Oper am Rhein zwischen den Städten Duisburg und Düsseldorf gestimmt.[7] Zuvor hatten rund 53.100 Unterzeichner eine Petition zum Erhalt beider Häuser unterstützt.[8] Ab 2014 wird die Rheinoper rund eine Million Euro einsparen müssen.

Im Mai 2013 wurde aufgrund von Protesten des Publikums eine Tannhäuser-Inszenierung gestoppt. Einige Szenen, darunter eine realistisch dargestellte Erschießungsszene, führte bei zahlreichen Besuchern zu psychischen und physischen Belastungen und einer anschließenden ärztlichen Behandlung. Der Regisseur Burkhard C. Kosminski wollte keine Änderungen vornehmen. Die Wagneroper wird somit konzertant gegeben.[9] Die FAZ schrieb dazu:

„Dass aber ein Intendant eine Oper in seinem Hause herausbringen lässt, in der es um Erlösung, um Schuld, um Sünde und Vergebung, um irdische und himmlische Liebe, kurz um einen Mann zwischen zwei Frauen, zwischen Venus und Elisabeth, Sex und Blümchen geht, der am Ende vom Papst in Rom eins auf die Büßermütze kriegt – und dass der Intendant sehenden Auges einen Einfallspinsel wie Kosminski den Abendstern zum Abendquatsch degradieren lässt, darin liegt der eigentliche Skandal. Der sich nun zum zuschauergestützten Zensurfall weitet. Denn jetzt will der Herr des Hauses mit dem, was er darin hat anrichten lassen, plötzlich nichts mehr zu tun haben und den Tannhäuser nur noch konzertant und garantiert KZ-los präsentieren. Wieso aber hat Meyer nicht frühestens bei der ersten Konzeptionsbesprechung, spätestens aber beim ersten Durchlauf gesagt: „Kosminski, Sie haben wohl ein Rad ab“ (wahlweise: „eine Schraube locker“), und das Ding gar nicht erst auf die Bretter gelassen? Déformation professionnelle als Feigheit vor der Regie-Rübe, durch die so was rauscht? Mehr Mut, ihr Intendanten! Aber bitte gleich, nicht erst nachher.“

G.St.: Abendquatsch, in: FAZ Nr. 108 vom 11. Mai 2013, S. 31[10]

Personen[Bearbeiten]

Adressen[Bearbeiten]

Zur Theatergemeinschaft gehören die folgenden zwei Bühnen:

Opernhaus Düsseldorf
Heinrich-Heine-Allee 16a
40213 Düsseldorf
Koordinaten51.22756.7777777777778

Theater Duisburg
Neckarstraße 1
47051 Duisburg
Koordinaten51.4347222222226.7708333333333

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Oper am Rhein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rheinoper.de/de_DE/house/ensemble Homepage Deutsche Oper am Rhein
  2. Wolfgang Horn, Rolf Willhardt, Rheinische Symphonie: 700 Jahre Musik in Düsseldorf. G. Horn, 1987
  3. Hans Hubert Schieffer, Hermann-Josef Müller, Jutta Scholl, Neue Musik in Düsseldorf seit 1945, ein Beitrag zur Musikgeschichte und zum Musikleben der Stadt. Musikbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf, 1998
  4. Düsseldorfer Stadtchronik 1951 http://www.duesseldorf.de/stadtarchiv/stadtgeschichte/chronik/1951.shtml
  5. Wolfgang Horn, Rolf Willhardt, Rheinische Symphonie: 700 Jahre Musik in Düsseldorf. G. Horn, 1987
  6. http://nachrichten.rp-online.de/kultur/duisburg-will-opern-ehe-kuendigen-1.2815946
  7. http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/opernehe-duesseldorf-duisburg-wird-nicht-geschieden-id6809660.html
  8. http://www.rheinoper.de/
  9. Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg: Wagners "Tannhäuser" ab 9. Mai konzertant im Opernhaus Düsseldorf, abgerufen am 9. Mai 2013
  10. http://www.faz.net