Deutsche Vermögensberatung

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Deutsche Vermögensberatung AG
Logo der Deutschen Vermögensberatung
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1. Juli 1975
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Leitung Reinfried Pohl, Andreas Pohl, Reinfried Pohl jun.
Mitarbeiter 37.000 Vermögensberater[1]
Branche Finanzvertrieb
Website www.dvag.com
Zentrale in Frankfurt

Die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) ist ein in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätiger Finanzvertrieb. Das Unternehmen wird über die Deutsche Vermögensberatung Holding gesteuert und ist bei der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt am Main im Versicherungsbereich gemäß der EU-Vermittlerrichtlinie als gebundener Vermittler registriert. Das als Strukturvertrieb organisierte Unternehmen wurde 1975 von Reinfried Pohl gegründet; sein Unternehmenssitz ist Frankfurt am Main.

Unternehmen[Bearbeiten]

Mit über 3.400 Direktionen und Geschäftsstellen betreuen die Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung rund 6 Millionen Kunden (Stand März 2014). Das Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013 Umsatzerlöse von 1.130,4 Millionen Euro (2012: 1.185,8 Millionen Euro) und einen Gewinn von 176,1 Millionen Euro (2012: 184,9 Millionen Euro).[1] Das Volumen aller vermittelten Verträge (Gesamtbestand) belief sich 2013 auf 178,4 Milliarden Euro (2012: 175,4 Milliarden Euro), der Investmentbestand betrug 17,7 Milliarden Euro (2012: 16 Milliarden Euro).

Im Neugeschäft mit Versicherungsverträgen hat die DVAG 2013 ein Beitragsaufkommen von 1,24 Milliarden Euro erreicht, der Versicherungsbestand betrug 7,2 Milliarden Euro. Bei Investmentfonds und fondsgebundenen Lebensversicherungen erhöhte sich der Bestand um 11 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro.[2] Das Grundkapital betrug 2013 rund 150 Millionen Euro. Es ist aufgeteilt in jeweils 2,5 Millionen Stammaktien und Vorzugsaktien mit einem Nennbetrag von 30 Euro je Aktie. Die Stammaktien sind Namensaktien. Familie Pohl hält über die 'Deutsche Vermögensberatung Holding' die Mehrheit von 60 % plus zehn Aktien an der DVAG; die restlichen Anteile hält die Generali Deutschland Holding AG. Das Eigenkapital der Gesellschaft wird im Geschäftsbericht 2013 mit 665,2 Millionen Euro ausgewiesen (2,5 % mehr als im Vorjahr). Die Eigenkapitalquote ist weiter auf 57,6 Prozent gestiegen, die liquiden Mittel nahmen um 6,1 Prozent auf 885,6 Millionen Euro zu.

Die DVAG-Anteile am Neugeschäft der Partnergesellschaften im Generali-Konzern konnten 2013 um 1,2 Prozentpunkte auf 93,3 Prozent erhöht werden. Der Anteil an deren Vertragsbestand liegt mittlerweile bei 85,6 Prozent.[1] Seit Beginn der Partnerschaft mit der Deutschen Bank Gruppe im Jahr 2001 hat die DVAG der Deutschen Bank über 1,2 Millionen Konten und Depots zugeführt. Für die DWS ist die DVAG zum bedeutendsten Vertriebsweg außerhalb des Deutsche Bank Filialnetzes geworden ist. So beträgt der Bestandsanteil der Deutschen Vermögensberatung am Wertpapier-Publikumsfondsvolumen der DWS/Deutsche Bank Gruppe mittlerweile rund 6 Prozent.[3]

Die DVAG gehört zu den zehn größten Gewerbesteuer­zahlern in Frankfurt am Main.[4]

Neben dem Versicherungsgeschäft betreibt das Unternehmen Hotelanlagen in Deutschland, Österreich und Portugal.

Geschäftsführung[Bearbeiten]

Vorstand

Das Unternehmen wird von einem neunköpfigen Vorstand geleitet. Dies sind:

  • Reinfried Pohl (Verstorben -Vorsitzender des Vorstands, zugleich Vorsitzender der Geschäftsleitung der Deutsche Vermögensberatung Holding)
  • Udo Corts (Unternehmenskommunikation, Unternehmenskoordination, Recht)
  • Hans-Theo Franken (Produkte, Partnergesellschaften, Ausland, Zentrale Vertriebskoordination)
  • Christian Glanz (Betrieb, Technologie)
  • Lars Knackstedt (Finanzen, Beteiligungen)
  • Helge Lach (Ausbildung, Marketing)
  • Robert Peil (Koordination Vertriebsgesellschaften, Veranstaltungen und Incentives), seit 15. April 2013
  • Dirk Reiffenrath (Förderung der Vertriebsbereiche), seit 15. April 2013
  • Kurt Schuschu (Zentrale Vertriebsförderung)[1]
Generalbevollmächtigte

Neben dem Vorstand gibt es zwei Generalbevollmächtigte. Diese sind die beiden Söhne des Unternehmensgründers:

  • Reinfried Pohl jun. (Generalbevollmächtigter, zugleich Mitglied der Geschäftsleitung der Deutsche Vermögensberatung Holding)
  • Andreas Pohl (Generalbevollmächtigter, zugleich Mitglied der Geschäftsleitung der Deutsche Vermögensberatung Holding)[1]
Aufsichtsrat

Vorsitzender des Aufsichtsrates seit dem 31. März 2009 ist Friedrich Bohl.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1975 begann der Aufbau des Unternehmens durch Reinfried Pohl unter dem Namen „Kompass Gesellschaft für Vermögensanlagen GmbH“. Pohl war zuvor von 1967 bis 1969 bei Investors Overseas Services (IOS) tätig und von 1970 bis 1974 bei der Bonnfinanz. Er startete am 1. Juli 1975 mit rund 35 ehemaligen Mitarbeitern der bonnfinanz.

1976 wurde die „Allgemeine Vermögensberatung AG“ (AVAG) gegründet. 1983 firmierte die AVAG zur „Deutsche Vermögensberatung AG“ um. 1984 traten Reinfried Pohls Söhne, Andreas und Reinfried junior, in die Geschäftsleitung des Unternehmens ein. 1993 gründete das Unternehmen eine österreichische Tochtergesellschaft, die heute unter dem Namen „Deutsche Vermögensberatung Bank Aktiengesellschaft“ firmiert. 2001 begann die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank.

2003 ordnete das Unternehmen seine Struktur neu mit der Bildung der „Deutschen Vermögensberatung Holding“ mit Sitz in Marburg. 2004 nahm das Unternehmen mit der „SVAG Schweizer Vermögensberatung“ den Geschäftsbetrieb in der Schweiz auf. 2007 übernahm die DVAG den Ausschließlichkeitsvertrieb der AachenMünchener Versicherungen und führt diesen seither in einer eigenständigen Tochtergesellschaft, der „Allfinanz Deutsche Vermögensberatung“. Im gleichen Jahr wurde die FVD in das Unternehmen integriert. 2008 übernahm die DVAG den Vertrieb der Deutschen Bausparkasse Badenia.

Die Deutsche Vermögensberatung Holding, in der die Anteile der Familie Pohl gebündelt sind, hält an der DVAG 60 % plus 10 Aktien. Knapp 40 % (minus 10 Aktien) der DVAG-Aktien sind im Besitz der „Generali Deutschland Holding AG“.

Partnerunternehmen[Bearbeiten]

Zu den Partnern der DVAG zählen:

Deutschland[Bearbeiten]

die Generali Deutschland-Gruppe mit Unternehmen wie etwa der AachenMünchener, der Deutsche Bausparkasse Badenia, der Advocard Rechtsschutzversicherung und der Central Krankenversicherung. Über diese besteht darüber hinaus eine Kooperation mit der Krankenkasse BKK Linde.

Für die AachenMünchener Versicherungen ist die DVAG der einzige Vertriebskanal.[5]

Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Deutsche-Bank-Gruppe vertreibt die DVAG seit 2001 Bankprodukte der Deutschen Bank (DB) und Investmentfonds der DB-Tochter DWS. Weitere Partner des Frankfurter Finanzdienstleisters sind Commerzbank, HypoVereinsbank, DSL Bank (100%ige Tochter der Postbank AG), Santander Bank, Allianz Global Investors, RREEF Investment GmbH (ehemals: DB Real Estate Investment GmbH).

Österreich[Bearbeiten]

Generali Versicherungs AG, UniCreditbank Austria, Österreichische Postsparkasse, Allianz Global Investors, Bank Austria Real Invest, dws (Austria) Investmentgesellschaft und Pioneers Investments Austria.

Schweiz[Bearbeiten]

Generali, PAX, Fortuna, bank zweiplus, bankcoop, VP Bank, dws Investments Schweiz, Sarasin, UBS, Credit Suisse, ÖKK, Visana, Sana24, CSS, viva care, sanagate, swica, assura, Concordia, AXA, Sanitas, und Groupe Mutuel.[6]

Sportsponsoring und Werbung[Bearbeiten]

Die DVAG konnte zahlreiche Sport-Prominente wie Michael Schumacher[7], Joachim Löw, Hansi Flick, Otto Rehhagel, Hubert Schwarz, Nico Hülkenberg, Paul Biedermann und Britta Heidemann[8] als Werbeträger für das Unternehmen gewinnen und tritt insbesondere als Sportsponsor auf.[9]

Das Unternehmen war langjähriger Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern.[10] Mit dem siebenfachen Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher arbeitet das Unternehmen seit 1997 zusammen. Sein Sponsoring-Vertrag wurde bis 2014 verlängert.[11] Der zweifache Weltmeister und "Sportler des Jahres 2009" Paul Biedermann ist seit 2008 Partner der Deutschen Vermögensberatung. Gemeinsam mit der DVAG engagiert sich der Spitzensportler für die breite Förderung des Schwimmsports bei Kindern und Jugendlichen.[12] Es bestehen Partnerschaften mit dem Deutschen Fechter-Bund, der Nationalmannschaft der Fechter und diversen Fußball-Landesverbänden.

2008 verhalf die DVAG mit dem von ihr ersteigerten „G-8 Strandkorb“ der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ zu Spenden in Höhe von einer Million Euro.[13]

Parteispenden[Bearbeiten]

Das Unternehmen spendete in den Jahren 2004 bis 2009 insgesamt 671.050 Euro an die CDU und im Zeitraum 2005 bis 2009 324.000 Euro an die FDP.[14] Im Jahr 2012 betrug die Spendenhöhe an die CDU 320.000 Euro, an die SPD 50.000, die Spenden an die FDP stehen noch vor der Veröffentlichung. Dabei hat die DVAG gestückelte Spenden von bis zu 50.000 Euro vorgenommen, die nicht unmittelbar veröffentlicht werden mussten, sondern erst Anfang 2014 als Gesamtsumme.[15]

Kritik[Bearbeiten]

Das Geschäftsmodell von Strukturvertrieben ist bei Kritikern und einigen Verbraucherschützern umstritten. In den neuen Bundesländern wurden nach der Wiedervereinigung hohe Abschlussraten an Unfall- und Kapitallebensversicherungen erzielt, die nach Darstellung von Kritikern teilweise durch nicht bedarfsgerechte Beratung erreicht wurden.[16]

Die DVAG versuchte über ein Gerichtsverfahren knapp 100 Äußerungen aus einem Buch verbieten zu lassen, dessen Autor ein ehemaliger Mitarbeiter ist.[17] Das zuständige Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies die Klage der DVAG durch Urteil vom 22. Januar 1998 zurück.[18] Der Bundesgerichtshof ließ eine Revision nicht zu.[19] Eine daraufhin von der DVAG eingereichte Verfassungsbeschwerde wurde durch die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts nicht zur Entscheidung angenommen.[20] In der Begründung des Bundesverfassungsgerichts hieß es in Bezug auf den von der DVAG auf Unterlassung beklagten Buchautor wörtlich: „Die Gerichte haben die Äußerungen des Beklagten (…) als Werturteile eingeordnet, die ihrerseits auf Tatsachenbehauptungen zurückgreifen. Diese Tatsachenbehauptungen seien als wahr zu behandeln, da die Beschwerdeführerin ihre Unwahrheit nicht substantiiert dargelegt habe.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

In einem Bericht des ZDF wird in einem konkreten Fall eine nicht bedarfsgerechte Beratung kritisiert. Ebenso geht es um die in der Form einer Pyramide strukturierte Hierarchie des Unternehmens und die Verträge die mit den Vermögensberatern geschlossen werden. Offen angesprochen wird auch die Nähe zu hochrangigen Politikern von CDU und FDP sowie die hohe Spendenbereitschaft der Unternehmensgruppe an diese beiden Parteien.[21]

Die enge Verflechtung mit (ehemaligen) Politikern wie zum Beispiel Helmut Kohl, Theo Waigel, Bernhard Vogel, Horst Teltschik, Friedrich Bohl, Udo Corts, Angela Merkel, Petra Roth oder Guido Westerwelle wird wegen möglicher Einflussnahmen auf Gesetzesprojekte (Anlegerschutzgesetz o.ä.) durchaus kritisch betrachtet.[22][23]

Im Parteispendenbericht 2012, herausgegeben Anfang 2014, bemängelte abgeordnetenwatch, dass die gestückelten Parteispenden von bis zu 50.000 Euro aufgrund gesetzlicher Bestimmungen lange unveröffentlicht bleiben konnten. Abgeordnetenwatch kritisierte ferner, dass im selben Zeitraum von der schwarz-gelben Regierung die staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung beschlossen wurde, was für Versicherungsdienstleister Profite versprach. Abgeordnetenwatch sprach diesbezüglich sogar vom „Anschein von gekaufter Politik“ und forderte, Unternehmensspenden komplett zu verbieten.[24]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Vermögensberatung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Deutsche Vermögensberatung Konzerngeschäftsbericht 2013
  2. DVAG erzielt mit Investmentfonds und Fondspolicen zweitbestes Firmenergebnis Fonds professionell vom 21. März 2014.
  3. DVAG-Pressemitteilung Geschäftsergebnisse 2013
  4. Wirtschaft in Frankfurt Gewinnerin in der Krise Frankfurter Rundschau vom 12. Januar 2010.
  5. DVAG künftig einziger Vertriebsweg für Aachen Münchener (Version vom 14. Juli 2007 im Internet Archive) vom 23. November 2006.
  6. Schweizer Vermögensberatung.
  7. DVAG Teamblog - Michael Schumacher.
  8. Britta Heidemann wirbt weiter für die DVAG Horizont vom 14. Juli 2010.
  9. Übersicht der DVAG-Sportpartner
  10. 1. FC Kaiserslautern
  11. DVAG - Pressemitteilung.
  12. DVAG - Pressemitteilung.
  13. DVAG - Pressebericht (PDF).
  14. Parteispenden-Recherche auf TAZ.
  15. Die größten Parteispender 2012. abgeordnetenwatch.de vom 24. Februar 2014
  16. Bund der Versicherten (Version vom 5. Oktober 2006 im Internet Archive) vom 29. November 2001.
  17. Wolfgang Dahm: Beraten und Verkauft. Die Methoden der Strukturvertriebe. Gabler Verlag, 1996, ISBN 978-3409141949.
  18. OLG Frankfurt am Main, 22. Januar 1998, Az. 6 U 237/96.
  19. BGH, Beschluss vom 15. Oktober 1998, Az. I ZR 42/98.
  20. BVerfG, Beschluss vom 18. Februar 2004, Az. 1 BvR 2121/98, Volltext.
  21. Beraten und verkauft? Milliardengeschäft Vermögensberatung (Version vom 4. Juli 2013 im Internet Archive) in der Mediathek des ZDF.
  22. Außenminister hielt Vortrag bei FDP-Großspender auf abgeordnetenwatch.
  23. Richtig GePohlt. Das politische Netzwerk der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) Darstellung des politischen Beziehungsgeflechts der DVAG (PDF; 80 kB) auf abgeordnetenwatch.de
  24. Die größten Parteispender 2012. abgeordnetenwatch.de vom 24. Februar 2014

50.1083333333338.6722222222222Koordinaten: 50° 6′ 30″ N, 8° 40′ 20″ O