Deutscher Bauernverband

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Verband/Wartung/Mitglieder fehlt

Deutscher Bauernverband
(DBV)
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Sitz Berlin
Gründung 1948
Präsident Joachim Rukwied
Website http://www.bauernverband.de/

Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist die größte landwirtschaftliche Berufsvertretung in der Bundesrepublik Deutschland. Er wird als Spitzenverband der deutschen Land- und Forstwirtschaft bezeichnet und von den Landesbauernverbänden sowie assoziierten Mitgliedern in Deutschland getragen.

Organisation[Bearbeiten]

Der Deutsche Bauernverband hat die Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit Sitz im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin. Weitere Büros befinden sich zum einen in der Andreas Hermes Akademie in Bonn, zum anderen in Brüssel. Der Deutsche Bauernverband hat drei Organe: die Mitgliederversammlung, das Präsidium und den Präsidenten. Seine Jugend- und Nachwuchsorganisation ist der „Bund der Deutschen Landjugend“.

Es gibt im Deutsche Bauernverband keine individuelle Mitgliedschaft. Er ist ein Verband der Verbände; neben den Landesbauernverbänden gibt es eine Vielzahl assoziierter Mitglieder. Die einzelnen Landwirte wiederum sind in den Landesbauernverbänden organisiert. Diese erreichen einen sehr hohen Organisationsgrad (im Durchschnitt über 80 % aller rund 370.000 landwirtschaftlichen Betriebe). Der Aufbau der Landesbauernverbände ist basisdemokratisch, indem die Wahlen auf Ortsebene beginnen und über Bezirks- und Kreisebene bis zur Landesebene führen, auf der nur gewählt werden kann, wer auf den vorhergehenden Ebenen ein Wahlamt bekleidet. Besonders über die Kreisgeschäftsstellen bietet der Bauernverband seinen Mitgliedern aber ein Dienstleistungsangebot, das auch für kleinere Landwirte attraktiv ist: z. B. Beratungen in Fragen der Sozialversicherung sowie bei Steuerangelegenheiten und Rechtsproblemen.

Verbandstätigkeit[Bearbeiten]

Einmal jährlich gibt der Deutsche Bauernverband den „Situationsbericht - Trends und Fakten zur Landwirtschaft“ heraus. Er weist repräsentativ die wirtschaftliche Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe aus. Der Analyse zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Landwirtschaft liegen über 2.000 Jahresabschlüsse von landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie Personengesellschaften und Agrargenossenschaften zu Grunde. Herausgeber ist der Deutsche Bauernverband in Zusammenarbeit mit der Land-Data GmbH (Softwarehersteller für landwirtschaftliche Buchführungsabschlüsse), der ZMP GmbH und der information.medien.agrar e. V. (i.m.a) sowie der Unterstützung der Landwirtschaftlichen Rentenbank.[1]

Der Bericht erschien seit etwa 1988[2] in unterschiedlicher Form und soll ein Gegenstück zum Agrarbericht der Bundesregierung bilden.

Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes seit 1946[Bearbeiten]

An der Spitze des Deutsche Bauernverbands steht der Präsident. Seit 1946 hatten folgende Personen dieses Amt inne:

1946–1954 Andreas Hermes
1954–1959 ein dreiköpfiges geschäftsführendes Präsidentenkollegium:
1959–1969 Edmund Rehwinkel
1969–1997 Constantin Heereman von Zuydtwyck (seit 1997 Ehrenpräsident[3])
1997–2012 Gerd Sonnleitner (seit 2012 Ehrenpräsident[3])
seit 2012 Joachim Rukwied[4]

Vizepräsidenten sind Norbert Schindler, Udo Folgart, Werner Schwarz und Werner Hilse.

Der Präsident des Bauernverbands Jochim Rukwied bewirtschaftet selbst 290 Hektar, die Vizepräsidenten Werner Hilse rund 300 Hektar, Werner Schwarz 400 Hektar, Norbert Schindler 316 Hektar und Udo Folgart 932 Hektar.[5]

Generalsekretäre des Deutschen Bauernverbandes seit 1946[Bearbeiten]

1947–1966 Johannes Hummel
1966–1975 Heinz Möws
1976–1991 Rudolf Schnieders
1991–2013 Helmut Born
2013- Bernhard Krüsken

Kritik[Bearbeiten]

Nachdem es dem Bauernverband weit über 50 Jahre gelungen war, als alleinige Berufsvertretung der Landwirtschaft zu fungieren, neben der nur wenige kleinere Verbände wie beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bestanden, welche bäuerlich wirtschaftende und ökologische Betriebe vertritt, hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nach eigenen Angaben im Jahr 2008 ca. 34.000 Mitglieder, im Jahr 2014 sind diese Zahlen um mehr als ein Drittel gesunken. Der Hauptkritikpunkt des BDM ist, das der Bauernverband die Milchviehbetriebe ungenügend vertrete und dies deshalb keine kostendeckenden Milchpreise erzielen könnten.

Von den Organisatoren der Demonstration Wir haben es satt! wird dem Bauernverband eine falsche Ausrichtung vorgeworfen. Während der Demonstration wurde eine Agrarwende gefordert. Diese wolle der Bauernverband nicht, der die Probleme der Landwirtschaft darin sehe, das der Öffentlichkeit ein falsches Bild vermittelt werde.[6]

Mitglieder[Bearbeiten]

Ordentliche Mitglieder sind 18 Landesbauernverbände.[7] Rund 90 % der knapp 300.000 Landwirte in Deutschland sind freiwillig je nach Verbandsstruktur des Landesverbandes entweder direkt Mitglied in einem Landesbauernverband oder in einem rechtlich selbständigen Kreisbauernverband, der dann seinerseits einem Landesbauernverband angehört. Zu den Landesbauernverbänden als ordentliche Mitglieder des Deutschen Bauernverbandes kommen der Bund der Deutschen Landjugend, der Deutsche Raiffeisenverband und der Bundesverband der ehemaligen landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen hinzu. Erheblich größer ist die Zahl der assoziierten Mitglieder:

Diese der Landwirtschaft nahestehenden Verbände haben bei Delegiertenversammlungen auf Bundesebene ebenfalls Stimmrecht.

Der Deutsche Bauernverband selbst ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung. Über seine Mitgliedschaft in COPA, der Arbeitsgemeinschaft der Bauernverbände in der EU, vertritt der DBV die deutschen bäuerlichen Interessen gegenüber den Institutionen der Europäischen Union. Die COPA sieht sich selbst als die Spitzenorganisation der gesamten Landwirtschaft.

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Ackermann: Der Deutsche Bauernverband im politischen Kräftespiel der Bundesrepublik: Die Einflussnahme des DBV auf die Entscheidung über den europäischen Getreidepreis, Tübingen: Mohr 1970. ISBN 9783168302117
  • Rolf G. Heinze: Verbandspolitik zwischen Partikularinteressen und Gemeinwohl – Der Deutsche Bauernverband. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 1992. ISBN 9783892040613
  • Eckehard Niemann: Das Interessengeflecht des Agrobusiness. In: Thomas Leif/Rudolf Speth (Hrsg.): Die stille Macht. Lobbyismus in Deutschland. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, S. 186-212 ISBN 3-531-14132-5.
  • Jasper, Ulrich/ Schmidt, Götz: Agrarwende oder die Zukunft unserer Ernährung. Verlag C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47570-1.
  • Dieter Wolf: Deutscher Bauernverband: Einfluss und Rechtsbefolgung. In: Annette Zimmer, Bernhard Weßels (Hrsg.): Verbände und Demokratie in Deutschland. Bürgerschaftliches Engagement und Nonprofit-Sektor, Bd. 5. Verlag Leske+Budrich 2001, ISBN 3-8100-2957-2.
  • Schnieders, Rudolf / Hintze Elisabeth (Zzst.): Der Deutsche Bauernverband im politischen und wirtschaftlichen Umfeld -1945 bis 2008-, Bonn / Berlin: Andreas Hermes Akademie / Deutscher Bauernverband, 2009,

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bauernverband.de/situationsbericht-2014 Website zum Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes
  2. "Argumente : Trends und Fakten zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Landwirtschaft" herausgegeben vom Deutschen Bauernverband ab 1988 [1]. ISSN 0939-0235
  3. a b Gerd Sonnleitner ist DBV-Ehrenpräsident. agrarheute.com vom 29. Juni 2012
  4. Deutscher Bauernverband: Rukwied zum Bauernpräsidenten gewählt. Pressemeldung vom 27. Juni 2012
  5. Transkript eines Panorama-Beitrags vom 26. April 2013 (PDF; 99 kB)
  6. "Wir haben Agrarindustrie satt": Demonstranten forderten Systemwechsel in TopAgrar (abgerufen am 16. Oktober 2014)
  7. Deutscher Bauernverband: "Landesbauernverbände"