DBB Beamtenbund und Tarifunion
Der DBB Beamtenbund und Tarifunion (früher: Deutscher Beamtenbund, eigene Schreibweise: dbb beamtenbund und tarifunion) ist ein gewerkschaftlicher Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Diensts und des privaten Dienstleistungssektors mit 39 Fachgewerkschaften und Berufsverbänden mit Sitz in Berlin. Mit 1,25 Millionen Mitgliedern (Stand: Oktober 2010)[1] ist der dbb – nach dem DGB – der zweitgrößte gewerkschaftliche Dachverband in Deutschland. Vorsitzender des dbb ist Klaus Dauderstädt. Junge Mitglieder des Beamtenbundes sind organisiert in der dbb-jugend (dbbj) mit rund 150.000 Mitgliedern. Untergliedert ist der Beamtenbund in 16 Landesverbände. Größter Landesverband ist Nordrhein-Westfalen mit über 190.000 Mitgliedern. Der größte Mitgliedsverband mit 140.000 Mitgliedern ist der Verband Bildung und Erziehung.
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Geschichte [Bearbeiten]
Der DBB wurde am 4. Dezember 1918 als „Zusammenschluss der deutschen Beamten- und Lehrervereinigungen auf gewerkschaftlicher Grundlage“ u. a. von dem DDP-Abgeordneten Ernst Remmers (1868–1937), der sein erster Vorsitzender wurde, gegründet. 1926 fusionierte der DBB mit den Beamtenabteilungen der Christlichen Gewerkschaften, 1928 mit denen der Liberalen Gewerkvereine. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde er von der NSDAP aufgelöst, von Hermann Neef mit der Bezeichnung „Reichsbund der Deutschen Beamten“ neu gegründet und im Anschluss daran gleichgeschaltet. 1949 wurde er aus verschiedenen regionalen Vereinigungen auf Bundesebene neu gegründet. 1971 gehörten dem DBB 707.000 Mitglieder an. Aufgrund einer Satzungsänderung und der Öffnung für Arbeiter und Angestellte des Öffentlichen Dienstes heißt der Deutsche Beamtenbund seit 2003 dbb Beamtenbund und Tarifunion.
Organe des dbb [Bearbeiten]
Das höchste Organ ist der Gewerkschaftstag, der alle fünf Jahre tagt. Der Bundeshauptvorstand und der Bundesvorstand entscheiden die wichtigsten Angelegenheiten in der Zeit zwischen den Gewerkschaftstagen. Die Bundesleitung führt die von den anderen Organen gefassten Beschlüsse aus und ist für die sachgerechte Umsetzung verantwortlich.
Mitglieder der Bundesleitung [Bearbeiten]
- Klaus Dauderstädt (GdS), Bundesvorsitzender
- Willi Russ (DPVKOM), Zweiter Vorsitzender des dbb und Fachvorstand Tarifpolitik
- Hans-Ulrich Benra (VBOB), stv. Bundesvorsitzender und Fachvorstand Beamtenpolitik
- Thomas Eigenthaler (DSTG), stv. Bundesvorsitzender
- Astrid Hollmann (VRFF), stv. Bundesvorsitzende
- Kirsten Lühmann (DPolG), stv. Bundesvorsitzende
- Ulrich Silberbach (komba), stv. Bundesvorsitzender
- Volker Stich (BBW), stv. Bundesvorsitzender
- Claus Weselsky (GDL), stv. Bundesvorsitzender
Vorsitzende des dbb [Bearbeiten]
- 1918–1919: Ernst Remmers
- 1919–1920: Max Lange
- 1920–1933: Wilhelm Flügel
- 1933–1945: Jacob Sprenger
- ab 15. Oktober 1933 zwangsweise umbenannt in
Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB) - 1949–1955: Hans Schäfer
- 1955–1958: Angelo Kramel
- 1959–1987: Alfred Krause
- 1987–1995: Werner Hagedorn
- 1995–2003: Erhard Geyer
- 2003–2012: Peter Heesen
- 2012–heute: Klaus Dauderstädt
dbb Tarifunion [Bearbeiten]
Die Gewerkschaftstage von dbb und dbb tarifunion haben der Verschmelzung beider Organisationen am 12. November 2012 zugestimmt. Die neue Struktur soll die Arbeit der gewerkschaftlichen Interessenvertretung effizienter machen und die Durchschlagskraft der Gesamtorganisation erhöhen. Mit der Verschmelzung ist der dbb selbst Tarifpartner und kann Tarifverhandlungen direkt führen. Im dbb Beamtenbund und Tarifunion befinden sich ca. 360.000 Tarifbeschäftigte. Willi Russ, zweiter Bundesvorsitzender des dbb, fungiert als dbb Fachvorstand Tarifpolitik und leitet die Bundestarifkommission des dbb (BTK).
Bis zur Verschmelzung mit dem dbb war die dbb Tarifunion die eigenständige Tariforganisation des dbb Beamtenbund und Tarifunion; sie vertritt die Interessen der Angestellten, Arbeiter und Auszubildenden der Fachgewerkschaften des dbb. Sie hat 39 Fachgewerkschaften als Mitglieder. Vorsitzender war bis zum November 2012 Frank Stöhr (komba).
Sie wurde am 8. Dezember 1969 als Gemeinschaft von Gewerkschaften und Verbänden des öffentlichen Dienstes (GGVöD) gegründet. 1974 wurde die GGVöD zu Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst am so genannten „zweiten Verhandlungstag“ zugelassen. Von 1976 bis 1994 bestand eine Tarifgemeinschaft mit der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) und dem Marburger Bund. Am 8. November 1999 wurde die GGVöD in dbb Tarifunion umbenannt.
Verhandlungspartner der dbb Tarifunion ist der Bund, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände und die Deutsche Bundesbank. Des Weiteren werden auch Haustarifverträge abgeschlossen.
Die dbb Tarifunion hat Anfang 2007 den Fachbereich Lehrkräfte aus den Lehrergewerkschaften (VBE, BLBS, DPhV, VDR, VHW und VLW) gebildet. Der ebenfalls neue dbb TU Fachbereich Gesundheit soll die Tarifverhandlungen im Gesundheitssektor (Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen etc.) koordinieren.
dbb Forum [Bearbeiten]
Der Deutsche Beamtenbund hat seinen Sitz im dbb Forum Berlin in der Friedrichstraße 165–170, zwischen Französischer Straße und Behrenstraße in Berlin-Mitte. Das dbb Forum soll ein Begegnungszentrum für Politiker, Bürger, Journalisten und Gewerkschafter sein. Nachdem die Grundstücke 1996/1997 vom dbb angekauft wurden, wurde das dbb Forum vom Bonner Architekten Karl-Heinz Schommer geplant. Die Bauarbeiten dauerten von September 1999 bis zum Erstbezug im September 2001. Das dbb Forum bietet auf einer Fläche von ca. 21.200 Quadratmetern neben einem Atrium von ca. 1.250 Quadratmetern noch zahlreiche Konferenz- und Büroräume für 220 Mitarbeiter und 80 Servicekräfte.
Einzelgewerkschaften des dbb [Bearbeiten]
Einzelgewerkschaften bzw. Verbände gegliedert nach Bereichen:
- Allgemeine Verwaltung
- Deutsche Verwaltungs-Gewerkschaft (DVG) in Küps
- Verband der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter Nordrhein-Westfalen (VdLA)
- komba gewerkschaft in Berlin
- Gewerkschaft kommunaler Landesdienst Berlin (GKL Berlin)
- VdB Bundesbankgewerkschaft (VdB)
- Verband der Beschäftigten der obersten und oberen Bundesbehörden (VBOB)
- Bildung und Erziehung
- Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Berlin
- Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS) in Berlin
- Deutscher Philologenverband (DPhV) in Berlin
- Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) in München
- Verband Hochschule und Wissenschaft (VHW)
- Bundesverband der Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) in Karlsruhe
- Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) in München
- Sicherheit
- Bundespolizeigewerkschaft (ehem. Bundesgrenzschutzverband (bgv) in Berlin
- Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin
- Verband der Arbeitnehmer der Bundeswehr (VAB) in Bonn
- Verband der Beamten der Bundeswehr (VBB) in Bonn
- Justiz
- Bund Deutscher Rechtspfleger (BDR)
- Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD) in Freiburg im Breisgau
- Deutscher Amtsanwaltsverein (DAAV) in Kiel
- Deutscher Gerichtsvollzieherbund (DGVB) in Köln
- Deutsche Justiz-Gewerkschaft (DJG) in Hamburg
- Verband der Beschäftigten des gewerblichen Rechtsschutzes (VBGR) in München
- Verein der Rechtspfleger im Bundesdienst (VRB) in München
- Finanzen
- Sozialversicherung/ -verwaltung
- Verkehr
- Nahverkehrsgewerkschaft (NahVG) in Berlin
- Fachverband Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (FWSV) in Aurich
- Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Frankfurt am Main
- Verband Deutscher Straßenwärter (VDStra.-Fachgewerkschaft) in Köln
- Umwelt
- Technik
- Post, Telekommunikation und Postbank
- Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) in Bonn
- Rundfunk, Film und Fernsehen
- Andere Bereiche
Organisationen [Bearbeiten]
- dbb Akademie
in Berlin und Königswinter
- dbb Verlag
Fachverlag des dbb beamtenbund und tarifunion
- dbb Vorsorgewerk
für Versicherungs- und Vorsorgeleistungen
- Mitgliedschaften
Der dbb Beamtenbund und Tarifunion ist Mitglied von CESI, der „Confédération Européenne des Syndicats Indépendants“ (Europäische Union der unabhängigen Gewerkschaften) und im Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland. [2]
Literatur [Bearbeiten]
- Deutscher Beamtenbund. Ursprung • Weg • Ziel. Zur 50. Wiederkehr des Gründungstages am 4. Dezember 1918, Bad Godesberg 1968.
- Deutscher Beamtenbund – Werken und Wirken. Alfred Krause zum 50. Geburtstag, Regensburg 1972.
- Andreas Peschel: Der „Bund Sächsischer Staatsbeamten“ – Die Entwicklung einer regionalen Interessenvertretung in der Weimarer Republik, in: Sächsische Heimatblätter 57/2011, Heft 2, S. 156–168.
Weblinks [Bearbeiten]
- dbb Beamtenbund und Tarifunion
- dbb Tarifunion
- dbb-Jugend
- dbb vorsorgewerk GmbH
- dbb verlag GmbH
- dbb akademie e.V.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ [1]
- ↑ http://www.europaeische-bewegung.de/mitglieder/europa-profile-der-mitgliedsorganisationen/mitglieder-von-a-z/mitglieder-d/dbb-beamtenbund-und-tarifunion/