Deutscher Filmpreis

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Der Deutsche Filmpreis (umgangssprachlich auch Bundesfilmpreis) gilt als die renommierteste Auszeichnung für den deutschen Film. Er ist das Kernstück der Filmförderung der Bundesrepublik Deutschland. Mit insgesamt fast drei Millionen Euro Preisgeld ist er der höchstdotierte deutsche Kulturpreis.

Bei der 63. Verleihung des Preises am 26. April 2013 wurde Jan-Ole Gersters Tragikomödie Oh Boy als Bester Spielfilm mit dem Filmpreis in Gold ausgezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Deutsche Filmpreis wird seit 1951 vergeben, bis 1998 durch das Bundesministerium des Innern, seit 1999 durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Preisträger wurden bis 2004 von einer Kommission bestimmt, in der auch Politiker und Kirchenvertreter saßen. Diese wurde wegen Proporz-Denkens häufig kritisiert. In Anlehnung an das US-amerikanische Vorbild Oscar, das – allerdings ohne finanzielle Dotierung durch den Staat – von den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen wird, wurde 2003 die Deutsche Filmakademie gegründet. Sie ersetzte 2005 die Auswahlkommission als Jury.

Die Verleihung fand ab 2006 im Berliner Palais am Funkturm statt. Der Termin war im selben Jahr um zwei Monate in den Mai vorgezogen worden. Als Grund gab die Filmakademie an, man wolle die Veranstaltung zu Beginn des Kinojahres stattfinden lassen; so könnten die ausgezeichneten Filme den Vermarktungseffekt der Verleihung besser ausnutzen. 2010 wurde der traditionsreiche Friedrichstadtpalast als neuer Veranstaltungsort der Preisverleihung benannt.

Trophäe[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde der Preis in einer Reihe von unterschiedlichsten Formen verliehen, darunter der Wanderpreis Goldene Schale für den Besten abendfüllenden Spielfilm und Filmbänder in Gold und Silber.

Seit 1999 wird als Trophäe eine Statuette in Form einer von einem stilisierten Filmband umhüllten Frauenfigur im Art-Déco-Stil vergeben. In Anlehnung an Marlene Dietrichs Rolle der Lola in Der blaue Engel und an den gleichnamigen Film von Rainer Werner Fassbinder sowie an Tom Tykwers großen Erfolg Lola rennt trägt diese den Namen Lola.

Die Statue wurde 1999 von Stephan Reichenberger zusammen mit der New Yorker Designerin Mechthild Schmidt entwickelt, der Entwurf für die Preismaquette stammt von dem Bildhauer Roman Strobl. Reichenberger: „Einen konkreten Auftrag, im Rahmen des Filmpreis-Gala-Relaunches auch das bisher verliehene Filmband zu ersetzen, gab es nicht. Mechthild Schmidt und ich präsentierten unsere Idee für die Lola-Statuette auf eigene Initiative dem damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann, dem gefiel sie - and a new movie star was born!“ Schmidt über ihren Entwurf: „Dem Medium Film entsprechend, wollte ich Bewegung symbolisieren. Ich wollte der Statue Selbstbewusstsein geben, ohne streng zu sein, Stärke ohne statisch zu werden. Es war mir wichtig, dem Deutschen Filmpreis seine eigene Identität zu geben, sich nicht anzulehnen an das, was andere Preise schon erfolgreich symbolisieren: Während der 'Oscar' fest und symmetrisch stehend den Kämpfer und Gewinner kennzeichnet, wollte ich mit dem Filmpreis die Dynamik der Bewegung, die Muse, die Inspiration, die zum Kunstwerk führt verkörpern.“

In der Kategorie Bester Spielfilm wird die Lola in Gold, Silber und Bronze vergeben (bis 2007 in Gold und zweimal Silber), in allen übrigen Kategorien ausschließlich in Gold.

Auswahlprozess[Bearbeiten]

Die derzeit rund 1400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie wählen aus einer Liste mit Vorschlägen zunächst die Nominierungen in den verschiedenen Kategorien. In einem zweiten Wahlgang wird dann über die Gewinner abgestimmt. Die Wahl ist geheim. Sie steht unter Aufsicht des Berliner Notars Hellmut Sieglerschmidt, der als einziger die Gewinner der Lola im Voraus kennt.

Berücksichtigt werden ausschließlich Filme, die zum Zeitpunkt der Nominierung bereits in den deutschen Kinos gestartet sind.

Kategorien[Bearbeiten]

Aktuelle Kategorien[Bearbeiten]

Der Preis wird in den folgenden Kategorien verliehen:

Kategorie Erstmals verliehen
Bester programmfüllender Spielfilm 1951
Bester programmfüllender Dokumentarfilm 2000
Bester programmfüllender Kinderfilm 2000
Beste Regie 1951
Bestes Drehbuch 1951
Beste darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle 1954
Beste darstellerische Leistung – männliche Hauptrolle 1954
Beste darstellerische Leistung – weibliche Nebenrolle 1954
Beste darstellerische Leistung – männliche Nebenrolle 1954
Beste Kamera/Bildgestaltung 1954
Bester Schnitt 1972
Bestes Kostümbild 2005
Bestes Maskenbild 2010
Bestes Szenenbild 1957
Beste Tongestaltung 1982
Beste Filmmusik 1954
Herausragende Verdienste um den deutschen Film 1962
Bernd Eichinger Preis 2012
Publikumspreis 1999 (Unterbrechung 2006-2012)

Dotierungen[Bearbeiten]

Mit 2,955 Millionen Euro ist der Deutsche Filmpreis die höchstdotierte Kulturauszeichnung Deutschlands. In den Filmkategorien sind auch Nominierungen dotiert. Bei einem Sieg wird die Nominierungsprämie dem Preisgeld angerechnet, d. h. der beste programmfüllende Spielfilm (Lola in Gold) erhält neben der Nominierungsprämie von 250.000 Euro die gleiche Summe für den Sieg.[1]

Kategorie(n) Preisträger Nominierungen
Spielfilm 1x Filmpreis in Gold à 500.000 EUR
1x Filmpreis in Silber à 425.000 EUR
1x Filmpreis in Bronze à 375.000 EUR
6 à 250.000 EUR
Kinderfilm 1x Filmpreis in Gold à 250.000 EUR 2 à 125.000 EUR
Dokumentarfilm 1x Filmpreis in Gold à 200.000 EUR 3 à 100.000 EUR
Einzelleistungen je 1x Filmpreis in Gold à 10.000 EUR 3 – undotiert
Ehrenpreis undotiert
Bernd Eichinger Preis undotiert

Frühere Kategorien[Bearbeiten]

Das „Goldene Filmband“, vergeben bis 1998

Von 1999–2005 wurde der Publikumspreis: Film des Jahres verliehen. Preisträger waren: Lola rennt (1999), Anatomie (2000), Das Experiment (2001), Der Schuh des Manitu (2002), Good Bye, Lenin! (2003), Das Wunder von Bern (2004) und Sophie Scholl – Die letzten Tage (2005). Die Kategorie wurde 2013 unter der Bezeichnung "Publikumspreis" wieder eingeführt; das Publikum entscheidet, welcher der zwölf besucherstärksten Filme des vorangegangenen Kinojahres den Preis erhält.[2]

Bis 2004 waren die technischen Kategorien Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostümbild und Filmmusik zusammengefasst und wurden als „Hervorragende Einzelleistung“ gewürdigt. Die „Hervorragende Einzelleistung“ im Bereich Drehbuch konnte bis dahin sowohl an ein unverfilmtes wie ein verfilmtes Skript verliehen werden. Ebenfalls bis 2004 gab es einen Ehrenpreis für den besten ausländischen Film und einen zweiten Publikumspreis, der den/die beste „Schauspieler(in) des Jahres“ würdigte.

Der Filmpreis wurde früher als Filmband in Gold und Filmband in Silber in verschiedenen Kategorien vergeben, unter anderem für

Eine besondere Auszeichnung für einen Film war die Goldene Schale.

In den frühen Jahren gab es auch zeittypische Kategorien wie

  • Besonders wertvoller Kulturfilm,
  • Bester Problemfilm,
  • Film, der zur Förderung des demokratischen Gedankens beiträgt,

für die Preise wie Kopf mit Flügeln, Goldene Dose, Vase mit goldenem Zweig vergeben wurden.

Eine weitere Kategorie war das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, das 1962 erstmals vergeben wurde.

Rekorde[Bearbeiten]

Die erfolgreichsten Filme[Bearbeiten]

Die beiden Filme mit den meisten Auszeichnungen (je zehn) sind Nachts, wenn der Teufel kam (1958) und die deutsch-österreichische Co-Produktion Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2010), gefolgt von Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (1997), Good Bye, Lenin! (2003) und Das Leben der Anderen (2006) mit jeweils sieben Ehrungen ohne Publikumspreise. Zählt man diese dazu, kommt Goodbye Lenin! auf 9 Preise und Lola rennt (1999) auf 8 Preise.

Die erfolgreichsten Darsteller[Bearbeiten]

Die Schauspielerinnen mit den häufigsten Darsteller-Ehrungen sind Irm Hermann (1970 als Teil eines Schauspielensembles, 1972, 1983), Katja Riemann (1996, 1998, 2005) und Hanna Schygulla (1970 und 1975 als Teil eines Schauspielensembles sowie 1971). Bei den Schauspielern ist Götz George mit vier Auszeichnungen erfolgreich (bester Darsteller 1985, 1992, 1996 sowie bester Nachwuchsdarsteller 1960). Seit der Einführung des Nominierungsmodus 1995 sind Hannelore Elsner, Josef Bierbichler, Ulrich Noethen, Meret Becker, Juliane Köhler und Katja Riemann die Schauspieler mit den häufigsten Nennungen (jeweils vier). Dreimal erfolglos in die Endauswahl gekommen, halten Nadja Uhl und Jördis Triebel den Rekord mit den meisten Nominierungen unter den Schauspielern ohne Sieg. Der Regisseur Christian Petzold ist die am häufigsten genannte Persönlichkeit (sechs Nominierungen), welche die Lola bisher nie erhalten hat.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lola – Die Preise im Detail bei deutscher-filmpreis.de (abgerufen am 30. März 2012).
  2. Lola – Die Preise im Detail bei www.deutscher-filmpreis.deLetzter Abruf 18. Juni 2013