Deutscher Frauenrat

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Deutscher Frauenrat
(DF)
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Rechtsform Eingetragener Verein
Zweck Interessenvertretung
Sitz Berlin, Bundesrepublik Deutschland
Gründung 1951
Mitglieder 56 Verbände (Stand: Oktober 2013) gemischter Organisationen
Organisationstyp Deutscher Dachverband
Website www.frauenrat.de

Der Deutsche Frauenrat ist ein deutscher Dachverband von Frauenorganisationen mit Sitz in Berlin. Er ist eine Vereinigung von über 50 bundesweiten Frauenverbänden und -gruppen gemischter Organisationen. Hierzu gehören konfessionelle Verbände und Berufsverbände, sowie die Frauengruppen der politischen Parteien, der Gewerkschaften und des Deutschen Olympischen Sportbundes. Außerdem überkonfessionell und überparteilich arbeitende Organisationen mit vielfältigen sozialen und politischen Aufgaben. Der Deutsche Frauenrat ist damit die größte frauenpolitische Lobby in Deutschland. Vorsitzende des Verbandes ist seit 2012 Hannelore Buls.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verein sieht sich in der Tradition des 1894 gegründeten Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF). 1933 löste dieser sich auf, um einer Gleichschaltung durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) zu entgehen.

1951 schlossen sich vierzehn Frauenverbände auf Bundesebene zum „Informationsdienst für Frauenfragen e. V.“ zusammen. Unterstützt wurde dieser Verein von den Frauenreferaten der britischen und amerikanischen Hochkommissariate. Zunächst waren Einzelvertreterinnen und nicht Verbände Mitglieder des Bundesverbandes. Mit der Beteiligung von Vertreterinnen der Frauenabteilungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) bahnte sich eine Versöhnung zwischen liberal-bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung den Weg.

Sieben Jahre später änderte sich das Bündnis grundlegend. Jetzt wurden die Organisationen als ganzes Mitglied in den „Informationsdienst und Aktionskreis deutscher Frauenverbände und Frauengruppen gemischter Verbände e. V.“ aufgenommen. Die Aktivitäten durften aber nur einstimmig beschlossen werden. Dies schwächte die Durchsetzungskraft, da so nur auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners gehandelt werden konnte. 1969 änderte der Verband seinen Namen in Deutscher Frauenrat – Bundesvereinigung deutscher Frauenverbände und Frauengruppen gemischter Verbände e. V. Diese Namensgebung hat bis zum heutigen Tage Geltung.

Seit 1984 beschließt die Mitgliederversammlung des Deutschen Frauenrates mit einfachen Mehrheiten, welche Forderungen der Vorstand bei der Regierung, dem Parlament, den Parteien oder anderen Institutionen als „Lobby der Frauen“ voranbringen soll.

Der Deutsche Frauenrat ist in der Liste der Interessenvertretungen des Deutschen Bundestages eingetragen. Er ist Mitgründer der Europäischen Frauenlobby in Brüssel und genießt als Nichtregierungsorganisation (NRO) besonderen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.

Ziele[Bearbeiten]

Nach eigener Darstellung setzt sich der Deutsche Frauenrat in der Öffentlichkeit für die gemeinsamen Interessen seiner Mitgliedsverbände bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Selbstständigkeit ein, um den Belangen der Frauen in der Bundesrepublik Deutschland Gewicht zu geben und sie durchzusetzen.

Er tritt für die Verbesserung der Stellung der Frauen in Familie, Berufs- und Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft ein, sowie für die Förderung der staatsbürgerlichen Bildung zur Sicherung der Demokratie, der Toleranz, der internationalen Zusammenarbeit und der Verwirklichung der in Artikel 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (GG) verankerten Gleichheits- und Gleichberechtigungsgebote.[1]

Mitglieder[Bearbeiten]

Der Dachverband hat derzeit (Stand: Oktober 2013) 56 bundesweit aktive Mitgliedsverbände.[2] Zu den Gründungsverbänden des Jahres 1951[3] gehören:

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wählerinnen
  2. Arbeitsgemeinschaft für Mädchen und Frauenbildung
  3. Arbeitsgemeinschaft Katholischer Frauen
  4. Deutsche Angestellten-Gewerkschaft
  5. Deutscher Akademikerinnenbund
  6. Deutscher Frauenring
  7. Deutscher Gewerkschaftsbund
  8. Deutscher Hausfrauenbund
  9. Deutscher Landfrauenverband
  10. Deutscher Verband Berufstätiger Frauen
  11. Evangelische Frauenarbeit in Deutschland
  12. Jüdischer Frauenbund
  13. Staatsbürgerinnenverband
  14. Verband weiblicher Angestellter

Publikationen[Bearbeiten]

Seit der Neugründung im Jahre 1951 erscheint eine verbandseigene Informationszeitschrift zuzüglich diverser Beilagen namens Informationen für die Frau, die seit 1999 unter dem Titel:

Frauenrat: Informationen für die Frau ; Informationsdienst des Deutschen Frauenrates - Lobby der Frauen - Bundesvereinigung von Frauenverbänden und Frauengruppen Gemischter Verbände in Deutschland e.V. (ISSN 1438-3667)

aufgelegt wird.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Angela Icken: Der Deutsche Frauenrat. Etablierte Frauenverbandsarbeit im gesellschaftlichen Wandel. (Zugl.: Dortmund, Univ., Diss., 2002 u.d.T.: Icken, Angela: Der Deutsche Frauenrat, Lobby der Frauen) Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3600-5.
  • Robert Schreiber, Marianne Grunwald, Carol Hagemann-White: Frauenverbände und Frauenvereinigungen in der Bundesrepublik Deutschland. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Frauen und Jugend – Band 16. Unter Mitarbeit von Elke Struß, Marion Göhler, Kai Westerburg (Tabellenteil), Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1994, ISBN 3-17-013726-3.
  • Gudrun Beckmann-Kircher: Der deutsche Frauenrat: Kommunikationsstruktur und -verhalten eines Verbandes. Arbeiten aus dem Institut für Publizistik der Universität Münster – Band 28. (Zugl.: Münster (Westfalen), Univ., Diss.) Regensberg, Münster 1981, ISBN 3-7923-0477-5.
  • Irene Stoehr, Rita Pawlowski: Die unfertige Demokratie, 50 Jahre „Informationen für die Frau“ (PDF; 1,78 MB), Berlin 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Satzung des Deutschen Frauenrates
  2. Mitgliedsverbände des Deutschen Frauenrates
  3. Verbandsgeschichte des Deutschen Frauenrates
  4. Literatur von Deutscher Frauenrat im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB)
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