Deutscher Freidenker-Verband

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Deutscher Freidenker-Verband
(DFV)
Zweck Vertretung nichtreligiöser Menschen
Sitz Dortmund
Gründung 1951
Ort Bundesrepublik Deutschland
Präsident Klaus Hartmann
Mitglieder ca 3.000[1]
Organisationstyp Föderaler Bundesverband
Website www.humanismus.de

Der Deutsche Freidenker-Verband e. V. (Abk.: DFV) ist eine Weltanschauungsgemeinschaft eines Teiles deutscher Freidenker und Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris. Seine Mitglieder fördern und verbreiten nach dessen Satzung „eine nichtreligiöse, rational begründete Weltsicht, die sich auf ein Denken frei von Vorurteilen, Dogmen und Tabus stützt und sich an wissenschaftlich begründeter Erkenntnis orientiert.“ Sie fühlen sich „tätiger Humanität verpflichtet.“ (Satzung des DFV[2]). Der DFV versteht sich somit als religionsunabhängig und als Vertreter nichtreligiöser Menschen und vertritt ethische Grundsätze wie Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Gewaltverzicht. Die Vorgängervereine kamen aus der Tradition der Feuerbestattungsvereine und standen der Arbeiterbewegung nahe.

Geschichte[Bearbeiten]

In dem 1881 in Frankfurt am Main gegründeten Deutschen Freidenkerbund versammeln sich diejenigen innerhalb der im 19. Jahrhundert entstandenen freireligiösen und freigeistigen Bewegung, die sich explizit als Atheisten verstehen. Gründungsmitglieder waren unter anderem Ludwig Büchner und Wilhelm Liebknecht. In Hamburg entstand im Frühjahr 1882 die sozialdemokratische Freidenker-Gesellschaft, zu einer Zeit, als das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, bekannt unter der Bezeichnung Sozialistengesetz, noch in Kraft war. Schließlich wurde 1906 von Ernst Haeckel als neue freidenkerisch orientierte Organisation der Deutsche Monistenbund gegründet, der einen betont philosophisch-naturwissenschaftlichen Bildungscharakter hat. Nach dem Freidenker-Weltkongress in Rom 1904 bildeten einige Sozialdemokraten in Berlin den "Verein der Freidenker für Feuerbestattung". Im September 1908 wurde in Eisenach der "Zentralverband Deutscher Freidenker" gegründet, der sich ab 1911 "Zentralverband proletarischer Freidenker", und ab 1922 "Gemeinschaft Proletarischer Freidenker" nannte. Die 1905 und 1908 entstandenen Freidenker-Verbände verstanden sich beide als sozialistische, der Arbeiterbewegung verbundene Organisationen und setzten sich so von den bürgerlichen Atheisten ab.

1907 fanden sich mehrere „freiheitliche Verbände“ im Weimarer Kartell zusammen. Hieran beteiligten sich der Deutsche Freidenker-Verband, der Monistenbund, die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (1892 gegründet), der Bund für weltliche Schule und Moralunterricht, der Deutsche Bund für Mutterschutz und Sexualreform der Frauenrechtlerin Helene Stöcker sowie einige weitere kleinere Verbände. Der Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands lehnte aus religiösen Gründen den Beitritt ab, stand dem Weimarer Kartell jedoch nahe. Zwecke des Weimarer Kartells waren die „freie Entwicklung des geistigen Lebens und Abwehr aller Unterdrückung“, die Trennung von Schule und Kirche und die vollständige Verweltlichung des Staates (siehe Trennung von Staat und Kirche und Laizismus).

Unterdrückung und Widerstand[Bearbeiten]

Von den Nationalsozialisten wurden in Deutschland ab 1933 unterschiedslos alle Freidenkerorganisationen verboten. Viele Freidenker waren im Widerstand aktiv, der damalige Vorsitzende des Freidenker-Verbandes Max Sievers wurde am 17. Januar 1944 hingerichtet.

Neubeginn[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zahlreiche Gruppierungen neu. Der erste Verband auf Länderebene war in Hamburg der Deutsche Freidenker-Verband (DFV). Das Gründungsdatum wurde absichtlich auf den 24. Dezember 1945 gelegt.

1951 wurde der DFV auf Bundesebene in Braunschweig neu gegründet, nachdem der emigrierte ehemalige Generalsekretär Graul aus dem Exil zurückgekehrt war. Seit 1952 ist der DFV Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris.

1991 fusionierte er mit dem Deutschen Freidenker-Verband (DDR), ebenfalls in Braunschweig. Die DDR Freidenker waren erst am 7. Juni 1989 von 400 Delegierten am Sitz der Akademie der Künste gegründet worden, die entsprechende Gründung war vom Ministerium für Staatssicherheit angeregt und im SED-Politbüro vorbereitet worden, unter anderem Erich Honecker war bis an sein Lebensende Mitglied.[1]

Politisch setzt sich der Deutsche Freidenker-Verband für Gerechtigkeit, Frieden sowie für soziales, humanes und ökologisches Handeln ein.

Seit 1988 ist Klaus Hartmann Vorsitzender des DFV.[3]

Weltliche Riten[Bearbeiten]

Der Deutsche Freidenker-Verband bietet Anleitung und Unterstützung bei der Gestaltung alternativer weltlicher Zeremonien und Riten zu Geburt, Erwachsenwerden, Heirat und Bestattung wie z. B. bei der Namensweihe (auch: Begrüßungsfeier oder Namensfeier), der Schulentlassungsfeier (später Jugendweihe oder Jugendfeier), Lebensbundfeier und feierlichen Feuerbestattungen.

Konkurrenz[Bearbeiten]

Der deutsche Freidenker-Verband gilt als deutlich überaltert und wenig erfolgreich bei der Neumitgliederwerbung. Der 1993 gegründete Humanistische Verband Deutschlands gilt demgegenüber als unterschiedlich ausgerichtete Organisation. Der HVD fordert nicht in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen eine radikale Trennung von Staat und Religion (bzw. Weltanschauung), sondern fordert eine Gleichbehandlung für nichtreligiöse Menschen, den Abbau von Diskriminierungen gegenüber Konfessionsfreien und reklamiert teilweise die finanzielle Unterstützung, die Religionsgemeinschaften zukommt, auch für sich.[1]

Struktur[Bearbeiten]

Bundesvorstand[Bearbeiten]

Referenten des Bundesverbandes[Bearbeiten]

Landesverbände[Bearbeiten]

Weitere bekannte Mitglieder des DFV[Bearbeiten]

Publikation bzw Verbandsorgan[Bearbeiten]

Der Deutsche Freidenker-Verband gibt 4 mal im Jahr das Magazin "Freidenker" heraus, 2013 im 72. Jahrgang, sowie seltene Spezial Ausgaben. Es umfasst zwischen 50 und 65 Seiten im DIN A5 Format.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutscher Freidenkerverband (Herausgeber): Freidenker-Bibliographie. Duisburg, 1977
  • Jochen-Christoph Kaiser: Arbeiterbewegung und organisierte Religionskritik: Proletarische Freidenkerverbände in Kaiserreich und Weimarer Republik. Klett-Cotta, Stuttgart 1981.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Zeitgeschehen Der verlängerte Arm einer herrschenden Partei - Vor 15 Jahren wurden die DDR-Freidenker gegründet, Andreas Fincke EKD EZW
  2. Satzung des DFV
  3. Deutscher Freidenker-Verband: Vorstand
  4. Verbandsorgan des DFV