Deutscher Künstlerbund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Deutsche Künstlerbund wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf Initiative des Kunstförderers Harry Graf Kessler unter maßgeblicher Mitwirkung von Walter Leistikow in Weimar von Lovis Corinth, Max Klinger, Alfred Lichtwark, Max Liebermann u. a. gegründet. Damit konstituierte sich zum ersten Mal ein überregionaler Verband, der über die bisher bestehenden Sezessionen hinausging. Motivation war zunächst das gemeinsame Vorgehen gegen die Bevormundung durch den staatlichen Kunstbetrieb, und zwar mit dem Ziel, die Freiheit der Kunst zu sichern, verschiedenen Strömungen der Kunst ein Forum zu geben und junge Künstler zu fördern.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Dieser Absicht wurde mit jährlich in wechselnden Städten Deutschlands und teilweise auch im Ausland stattfindenden Jahresausstellungen Rechnung getragen. Im Jahre 1905 veranstaltete der Deutsche Künstlerbund zur Einweihung der Räume des neuen Ausstellungshauses der Berliner Secession seine erste eigene Ausstellung, „eine umfassende Generalrevue über die vorhandenen deutschen Kräfte modernen Gepräges […]“, wie es in einer zeitgenössischen Kritik der Kunstchronik heißt.

Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten und der vorangegangenen Schließung der Ausstellung in Hamburg 1936 wurde in mehr als 20 Ausstellungen ein bemerkenswertes Spektrum mit hohem künstlerischem Niveau einem großen Publikum zugänglich gemacht. Fast alle Künstler, die in der deutschen Kunst in den ersten drei Dezennien Rang und Namen hatten, waren im Deutschen Künstlerbund integriert und nutzten die Plattform fernab jeglicher staatlicher Einmischung zur Entfaltung ihrer künstlerischen Ideen. Der Aufschwung und der Durchbruch der Moderne in Deutschland ist eng an die Geschichte des Deutschen Künstlerbundes geknüpft. Auch die 1905 durch Max Klinger im Auftrag des Deutschen Künstlerbundes erworbene Villa Romana in Florenz als Stätte der Kunst legt Zeugnis von dem großen kulturpolitischen Engagement des Deutschen Künstlerbundes ab.

Neugründung[Bearbeiten]

1950 waren es einige ehemalige Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes wie Karl Hofer, Willi Baumeister, Karl Hartung und Karl Schmidt-Rottluff, die ihn in Berlin wieder begründeten. Sie knüpften an die Tradition einer unterbrochenen Moderne an, besannen sich auf die Vorsätze aus den Gründungsjahren und setzten sich wieder für die Freiheit der Kunst ein. Nicht nur mit der Fortführung der jährlich wiederkehrenden Ausstellungen, sondern auch mit zahlreichen kulturpolitischen Initiativen griffen sie in das kulturelle und politische Leben Nachkriegsdeutschlands ein und das gilt bis zum heutigen Tage.

Der Deutsche Künstlerbund gehört zu den Gründungsmitgliedern des Kunstfonds, der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, der Privatinitiative Kunst (PIK), der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und der Sektion Bildende Kunst im Deutschen Kulturrat. Er ist förderndes Mitglied der Villa Romana in Florenz. Er war wesentlich an der Neuregelung für das Künstlersozialversicherungsgesetz und an der Ausarbeitung des Nutzungsrechts von Kunstwerken beteiligt.

Bereits 1974 wurde ein Ausstellungshonorar für die in seinen Ausstellungen vertretenen Künstlerinnen und Künstler eingeführt. Auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Georg Meistermann wurde die Sammlung des Bundes gegründet, die der Künstlerförderung und der staatlichen Repräsentation im öffentlichen Raum dient. Im Rahmen der Diskussion über die Errichtung einer Deutschen Nationalstiftung veranstaltete der Deutsche Künstlerbund 1978 ein Kolloquium, dessen Ergebnisse die Konzeption und Errichtung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland wesentlich förderten. Aber auch mit seinen großen Jahresausstellungen bot der Deutsche Künstlerbund, der 1990 als erste Institution eine Sonderschau von Künstlern der DDR zeigte, vielen Künstlern ein Podium.

Gegenwart[Bearbeiten]

2003 feierte der Deutsche Künstlerbund sein 100-jähriges Bestehen als eine der ältesten und renommiertesten Künstlervereinigungen in Europa. Derzeit gehören dem Deutschen Künstlerbund rund 600 bildende Künstlerinnen und Künstler an. Durch die aktive Mitarbeit in Auswahlgremien, Kuratorien und Ausschüssen, die beratend an der Erarbeitung gesetzgebender Regelungen beteiligt sind, vertritt der Deutsche Künstlerbund die Interessen einer großen Anzahl in Deutschland arbeitender Künstlerinnen und Künstler. So hat er einen Sitz im Sachverständigenkreis für Kunst am Bau beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ist Mitglied der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel sowie des Deutschen Kulturrates.

Seit 2001 veranstaltet er im Projektraum in Berlin ein Programm, zu denen sowohl Mitglieder als auch internationale Gäste eingeladen werden. Auch landesweit bietet der Deutsche Künstlerbund Ausstellungen, Symposien und Kolloquien zu aktuellen Themen an.

Erster Vorsitzender ist derzeit (2012) Frank Michael Zeidler, Geschäftsführerin ist Katja Hesch.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Graf Kessler: Der deutsche Künstlerbund. In: Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für Bildende Kunst und Kunstgewerbe, Jg. 2, Berlin 1904, S. 191-196
  • Walter Leistikow: Über den deutschen Künstlerbund und die Tage in Weimar. In: Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 19. Jg., 1903/04, Heft 9, S. 201-205
  • Kunstreport. Der Deutsche Künstlerbund im Überblick: 1903–1995. Sonderausgabe Winter 1994/95. Deutscher Künstlerbund, Berlin 1995, ISBN 3929283085.
  • Martina Wehlte-Höschele, 1993: Der Deutsche Künstlerbund im Spektrum von Kunst und Kulturpolitik des Wilhelminischen Kaiserreichs., Dissertation an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am Kunsthistorischen Institut, 11. Mai 1994
  • Myriam Maiser, Der Streit um die Moderne im Deutschen Künstlerbund unter dem ersten Vorsitzenden Karl Hofer. Eine Analyse der Ausstellungen von 1951 bis 1955, Diss. Berlin 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutscher Künstlerbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieser Artikel beruht auf der Selbstdarstellung der Geschichte des Künstlerbundes: Deutscher Künstlerbund – Tradition und Zukunft, Berlin 2007
  2. Homepage Deutscher Künstlerbund e. V., abgerufen am 16. November 2012