Deutscher Künstlerbund

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Der Deutsche Künstlerbund wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf Initiative des Kunstförderers Harry Graf Kessler unter maßgeblicher Mitwirkung von Walter Leistikow in Weimar von Lovis Corinth, Max Klinger, Alfred Lichtwark, Max Liebermann u. a. gegründet. Damit konstituierte sich zum ersten Mal ein überregionaler Verband, der über die bisher bestehenden Sezessionen hinausging. Motivation war zunächst das gemeinsame Vorgehen gegen die Bevormundung durch den staatlichen Kunstbetrieb, und zwar mit dem Ziel, die Freiheit der Kunst zu sichern, verschiedenen Strömungen der Kunst ein Forum zu geben und junge Künstler zu fördern.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Dieser Absicht wurde mit Jahresausstellungen in jährlich wechselnden Städten Deutschlands und teilweise auch im Ausland Rechnung getragen. Im Jahre 1905 veranstaltete der Deutsche Künstlerbund zur Einweihung der Räume des neuen Ausstellungshauses der Berliner Secession seine erste eigene Ausstellung, „eine umfassende Generalrevue über die vorhandenen deutschen Kräfte modernen Gepräges […]“, wie es in einer damals zeitgenössischen Kritik der Kunstchronik heißt.

Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten und der vorangegangenen Schließung der Ausstellung in Hamburg 1936 wurde in mehr als 20 Ausstellungen ein bemerkenswertes Spektrum mit hohem künstlerischem Niveau einem großen Publikum zugänglich gemacht. Fast alle Künstler, die in der deutschen Kunst in den ersten drei Jahrzehnten Rang und Namen hatten, waren im Deutschen Künstlerbund integriert und nutzten die Plattform fernab staatlicher Einmischung zur Entfaltung ihrer künstlerischen Ideen. Der Aufschwung und der Durchbruch der Moderne in Deutschland ist eng an die Geschichte des Deutschen Künstlerbundes geknüpft. Auch die 1905 durch Max Klinger im Auftrag des Deutschen Künstlerbundes erworbene Villa Romana in Florenz als Stätte der Kunst legt Zeugnis vom großen kulturpolitischen Engagement des Deutschen Künstlerbundes ab.

Neugründung[Bearbeiten]

1950 waren es einige ehemalige Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes wie Karl Hofer, Willi Baumeister, Karl Hartung und Karl Schmidt-Rottluff, die ihn in Berlin wieder begründeten. Sie knüpften an die Tradition einer unterbrochenen Moderne an, besannen sich auf die Vorsätze aus den Gründungsjahren und setzten sich wieder für die Freiheit der Kunst ein. Nicht nur mit der Fortführung der jährlich wiederkehrenden Ausstellungen, sondern auch mit zahlreichen kulturpolitischen Initiativen griffen sie in das kulturelle und politische Leben Nachkriegsdeutschlands ein und das gilt bis zum heutigen Tage.

Der Deutsche Künstlerbund gehört zu den Gründungsmitgliedern des Kunstfonds, der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, der Privatinitiative Kunst (PIK), der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und der Sektion Bildende Kunst im Deutschen Kulturrat. Er ist förderndes Mitglied der Villa Romana in Florenz. Er war wesentlich an der Neuregelung für das Künstlersozialversicherungsgesetz und an der Ausarbeitung des Nutzungsrechts von Kunstwerken beteiligt.

Bereits 1974 wurde ein Ausstellungshonorar für die in seinen Ausstellungen vertretenen Künstlerinnen und Künstler eingeführt. Auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Georg Meistermann wurde die Sammlung des Bundes gegründet, die der Künstlerförderung und der staatlichen Repräsentation im öffentlichen Raum dient. Im Rahmen der Diskussion über die Errichtung einer Deutschen Nationalstiftung veranstaltete der Deutsche Künstlerbund 1978 ein Kolloquium, dessen Ergebnisse die Konzeption und Errichtung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland wesentlich förderten. Aber auch mit seinen großen Jahresausstellungen bot der Deutsche Künstlerbund, der 1990 als erste Institution eine Sonderschau von Künstlern der DDR zeigte, vielen Künstlern ein Podium.

2003 feierte der Deutsche Künstlerbund sein 100-jähriges Bestehen als eine der ältesten und renommiertesten Künstlervereinigungen in Europa.

Gegenwart[Bearbeiten]

Derzeit gehören dem Deutschen Künstlerbund rund 680 bildende Künstlerinnen und Künstler an. Mitglied werden kann prinzipiell jede/r in Deutschland lebende professionelle Künstler/in, unabhängig von der Nationalität. Ein Aufnahmeverfahren prüft Professionalität und Qualität der künstlerischen Arbeit. Eine Mitarbeit ist wünschenswert, nicht aber Bedingung für die Mitgliedschaft im Deutschen Künstlerbund. Ein Ziel dieses Zusammenschlusses bildender Künstler/innen sind kontinuierliche inhaltliche und selbst-reflexive Diskussionen aktueller Fragen der Kunstproduktion. Der Deutsche Künstlerbund vertritt mit unabhängiger Stimme die Interessen der aktiv arbeitenden zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler - und damit auch die Freiheit und Vielschichtigkeit der Kunst - gegenüber Politik, Ausstellungsinstitutionen und Kunstmarkt.

Kulturpolitische Aktivitäten[Bearbeiten]

Durch die aktive ehrenamtliche Mitarbeit in mittlerweile 24 Gremien, Kuratorien und Ausschüssen, die an der Erarbeitung gesetzgebender Regelungen beteiligt sind, vertritt der Deutsche Künstlerbund die Interessen einer großen Anzahl in Deutschland arbeitender Künstlerinnen und Künstler. So hat er einen Sitz im Sachverständigenkreis für Kunst am Bau beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ist Mitglied der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, des Deutschen Kulturrates, der Initiative Urheberrecht, der Villa Romana in Florenz. Er kooperiert u.a. mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV), mit der Künstlersozialversicherung KSK, der Stiftung Kunstfonds, der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und vielen weiteren kulturpolitisch und kunst-rechtlich relevanten Organisationen. Ein neueres Arbeitsfeld ist die Vertretung der Interessen der Künstler/innen und der Kunst auf europäischer Ebene.

Projekte[Bearbeiten]

Seit 2001 veranstaltet der Künstlerbund im Projektraum in Berlin Tagungen, Aufführungen und Ausstellungen, zu denen sowohl Mitglieder als auch (lokale bis internationale) Gäste eingeladen werden. Auch landesweit bietet der Deutsche Künstlerbund Ausstellungen, Symposien und Kolloquien zu aktuellen Themen an. Sowohl Vorstandsmitglieder als auch andere Mitglieder des Künstlerbundes konzipieren und realisieren in ehrenamtlicher Arbeit teils aufwändige künstlerische und kulturpolitische Projekte, die oft viele Kunstschaffende, Kunstwissenschaftler/innen und Interessierte einbeziehen. Manche Projekte münden in einzelne Veranstaltungen, andere werden über Jahre fortgeführt, einige Projekte wirken bundesweit oder international.

Beratungen und Informationen für Bildende Künstler/innen[Bearbeiten]

Der Deutsche Künstlerbund beteiligt sich an der Entwicklung beratender Instrumente für Kunstschaffende. Dies umfasst z.B. rechtliche und organisatorische Fragen rund um internationale Reise- und Ausstellungstätigkeit und Stipendien (siehe das Portal Touring Artists der IGBK), Urheberrecht (in Kooperation mit der VG Bild-Kunst), Kunst am Bau / Kunst im öffentlichen Raum.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Graf Kessler: Der deutsche Künstlerbund. In: Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für Bildende Kunst und Kunstgewerbe, Jg. 2, Berlin 1904, S. 191-196
  • Walter Leistikow: Über den deutschen Künstlerbund und die Tage in Weimar. In: Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 19. Jg., 1903/04, Heft 9, S. 201-205
  • Kunstreport. Der Deutsche Künstlerbund im Überblick: 1903–1995. Sonderausgabe Winter 1994/95. Deutscher Künstlerbund, Berlin 1995, ISBN 3929283085.
  • Martina Wehlte-Höschele, 1993: Der Deutsche Künstlerbund im Spektrum von Kunst und Kulturpolitik des Wilhelminischen Kaiserreichs., Dissertation an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am Kunsthistorischen Institut, 11. Mai 1994
  • Myriam Maiser, Der Streit um die Moderne im Deutschen Künstlerbund unter dem ersten Vorsitzenden Karl Hofer. Eine Analyse der Ausstellungen von 1951 bis 1955, Diss. Berlin 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutscher Künstlerbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieser Absatz beruht auf der Selbstdarstellung der Geschichte des Künstlerbundes: Deutscher Künstlerbund – Tradition und Zukunft, Berlin 2007