Judenverfolgungen zur Zeit des Ersten Kreuzzugs

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Ermordung von Juden durch Kreuzfahrer

Während des Bauernkreuzzuges, der im Vorfeld des Ersten Kreuzzugs der Ritter stattfand, wurden im Frühjahr 1096 die im Rheinland ansässigen Juden von Kreuzfahrern angegriffen. Dabei kam es zu den ersten organisierten Judenpogromen des Abendlandes.[1] Im Judentum wird den Ereignissen als Gezerot Tatnu gedacht.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bereits 1066 fand als das erste Pogrom auf europäischem Boden das sogenannte Massaker von Granada statt. Unter der Herrschaft der Ziriden von Granada wurden mehr als 1.500 jüdische Familien, rund 4.000 Personen, ermordet. Nachdem sich die jüdische Gemeinde von Granada in den folgenden Jahren erholt hatte, wurde sie 1090 unter den Almoraviden erneut angegriffen und ausgelöscht, das Ende des goldenen Zeitalters des Judentums in Spanien.

In Teilen des Heiligen Römischen Reiches und Frankreichs galten Juden und Muslime ebenfalls als Feinde des Christentum. Nach der Synode von Clermont verkündete der Bußprediger Peter der Einsiedler den Aufruf des Papstes Urban II. an die Christen zum Kreuzzug nach Jerusalem aufzubrechen, um die Feinde des Christentums aus dem Heiligen Land zu vertreiben und zum Heiligen Grab Christie zu pilgern.[2] Zuvor jedoch wollten die Kreuzfahrer die Juden aus den eigenen Territorien vertreiben.[3]

Neben religiösen Ursachen war der Finanzbedarf der Teilnehmer des Bauernkreuzzuges eine weitere Ursache für die Judenpogrome im Rheinland.[2] Es war allgemein bekannt, dass die jüdischen Gemeinden im Rheinland sehr wohlhabend waren, weil es den Juden im Gegensatz zu den Christen seitens der Katholischen Kirche erlaubt war, Geld gegen Zinsen zu verleihen.[2] Siehe auch: Zinsverbot

Über einen ersten Gewaltausbruch gegen Juden wurde gerüchteweise aus Rouen berichtet, dass dort Juden einem Massaker zum Opfer gefallen seien. Im Dezember 1095 schrieben die nordfranzösischen jüdischen Gemeinden einen Brief an die rheinischen Juden, in dem diese vor der Ankunft der Kreuzfahrer gewarnt wurden. Die Rheinländer antworteten, sie hätten keine Angst, gaben aber Peter dem Einsiedler bei seinem Volkskreuzzug einen Brief mit, in dem sie ihre europäischen Glaubensbrüder aufforderten, ihn und seine Anhänger zu unterstützen und zu alimentieren.

Volkmar und Gottschalk[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1096 setzten sich eine Vielzahl von kleinen Gruppen von Rittern und Bauern, durch die Predigten Peter des Einsiedlers angeregt, aus verschiedenen Teilen des Heiligen Römischen Reiches und Frankreichs in Bewegung. Der Zug des Priesters Volkmar war im Rheinland Ende April 1096 mit dem Ziel losgezogen, sich Peter dem Einsiedler im Osten anzuschließen. Dabei kam es zu Judenverfolgungen in Magdeburg und später in Prag (30. Juni 1096). Von den Ungarn wurde der Zug kurzerhand gewaltsam aufgelöst, als diese merkten, dass es sich um Aufrührer handelte.

Ein anderer Priester namens Gottschalk, den Peter der Einsiedler bei seinem Aufbruch am 20. April ebenfalls zurückgelassen hatte, führte Kreuzfahrer aus dem Rheinland und aus Lothringen rheinaufwärts. Als die Kreuzfahrer Bayern auf ihrem Weg nach Ungarn passierten, kam es z.B. in Regensburg zu gegen Juden gerichteten Angriffen. Gottschalks Zug wurde von den Ungarn vernichtet, nachdem dessen betrunkene Teilnehmer ungarisches Gebiet geplündert hatten.

Graf Emicho[Bearbeiten]

Der größte dieser Kreuzzüge, der am stärksten in die Angriffe auf Juden eingebunden war, wurde von Graf Emicho angeführt. Eine Armee von rund 10.000 Männern, Frauen und Kindern aus dem Rheinland, Ostfrankreich, Lothringen, Flandern und sogar England, die im Frühsommer 1096 gestartet war, wälzte sich das Rheintal entlang, den Main hinauf bis zur Donau. Emicho wurde unter anderem begleitet vom Vizegrafen Wilhelm von Melun, genannt der Zimmermann, und Drogo von Nesle aus Frankreich, Hartmann von Dillingen und dem Herren von Salm aus seiner rheinischen Nachbarschaft.

Kaiser Heinrich IV., der in Süditalien war, ordnete den Schutz der Juden an, als er von den sich anbahnenden Ausschreitungen erfuhr. Bischof Johann I. von Speyer gab den jüdischen Einwohnern der Stadt Schutz, als sie am 3. Mai von Emicho angegriffen wurden, es gab dennoch 12 Tote. Der Bischof von Worms versuchte das gleiche, als Emicho am 18. Mai vor der Stadt erschien, doch brachen die Kreuzfahrer am 20. Mai mit Unterstützung der Einwohner in seine Kathedrale ein und ermordeten die Juden, die sich in ihr befanden; hier lag die Zahl der Opfer schon bei 500.

Die Nachrichten über Emichos Kreuzzug verbreiteten sich schnell. Erzbischof Ruthard hinderte ihn am 25. Mai daran, Mainz zu betreten, doch am Tag darauf wurden ihnen die Tore von Gleichgesinnten geöffnet. Der Erzbischof versuchte, die Juden dadurch zu schützen, dass er sie in seinem leicht befestigten Palast versteckte, doch Emicho und seine Leute brachen am 27. Mai in den Palast ein, Ruthard floh aus der Stadt, die Kreuzfahrer richteten ein Blutbad an. Mainz war wohl der Ort der größten Gewalttaten Emichos. Hier wurden rund 700 Juden getötet.[2]

Von Mainz aus wandte sich Emicho nach Norden, wo es in Köln bereits im April zu Ausschreitungen gekommen war. Die Juden hatten die Stadt verlassen und sich in der Umgebung versteckt. Der Einfluss des Kölner Erzbischofs Hermann III. von Hochstaden verhinderte hier eine größere Zahl von Opfern. Emicho kam zu den Schluss, dass er im Rheinland seine Aufgabe erledigt habe, und setzte seinen Kreuzzug mainaufwärts und donauabwärts Richtung Ungarn fort.

In Mainz hatte sich eine Gruppe von seinem Haufen abgesetzt, die die Mosel hinauf zog und die jüdische Gemeinde von Trier angriff. Hier war es dem Einschreiten des Erzbischofs Egilbert zu verdanken, dass nur wenige Juden den Kreuzfahrern zum Opfern fielen. Schließlich gelangte diese Gruppe der Kreuzfahrer nach Metz, wo diese 22 Juden töteten. Danach zogen die Kreuzfahrer nach Köln weiter, wo sie feststellen mussten, dass Emicho bereits abgezogen war. Auch hier am Niederrhein kam es vom 24. Juni bis 27. Juni zu Ausschreitungen, gegen die in Neuss, Wevelinghoven, Eller und Xanten ansässigen Juden, bevor sie sich diese Gruppe der Kreuzfahrer endgültig zerstreute.

Der Chronist Ekkehard von Aura berichtet, dass sich Emichos Haufen, in dem sich auch Frauen befanden, im Vertrauen auf den allen Kreuzzugsteilnehmern gewährten Ablass vom „Geist der Hurerei“ habe befallen lassen. Dies und die Erfahrungen, die die Ungarn mit Volkmar und Gottschalk gemacht hatten, veranlassten König Koloman, Emichos Kreuzfahrern die Durchreise durch sein Land zu verweigern. Bei den folgenden Kämpfen wurden sie in der Nähe des Grenzflusses Leitha fast vollständig aufgerieben. Emicho kehrte nach Hause zurück, Wilhelm der Zimmermann und andere schlossen sich in Italien schließlich Hugo von Vermandois und dem Hauptzug der Kreuzfahrer an.

Walter Habenichts[Bearbeiten]

Die jüdische Gemeinde von Trier blieb durch Geldzahlung und Übergabe von Lebensmitteln an Walter Sans-Avoir – der sich selbst Walter Habenichts nannte – und dessen Haufen, von einem Pogrom verschont.[2]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Im moslemischen Al-Andalus war es bereits 1066 zum Pogrom von Granada gekommen (Darío Fernández-Morera: The Myth of the Andalusian Paradise (PDF; 193 kB), in: The Intercollegiate Review, 2006, S. 23–31 (25)).
  2. a b c d e Bruno Gloger: Kreuzzüge nach dem Orient. Kinderbuchverlag Berlin, 1985, S.19 ff..
  3. Leo Trepp: Die Juden. Volk, Geschichte, Religion. Hamburg 1998, ISBN 3499606186, S. 66.

Primärquellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

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  • Robert Chazan: European Jewry and the First Crusade. University of California Press, 1987.
  • Robert Chazan: In the Year 1096. The First Crusade and the Jews. Jewish Publication Society, 1996 (enthält auch Auszüge aus den hebräischen Chroniken).
  • Jeremy Cohen: Sanctifying The Name of God: Jewish Martyrs and Jewish Memories of the First Crusade. University of Pennsylvania Press, 2004.
  • Kenneth Setton (Hrsg.): A History of the Crusades. Madison, 1969-1989 (online zugänglich).
  • Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. 3. Buch, 2. Kapitel.

Weblinks[Bearbeiten]