Deutscher Tennis Bund

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Deutscher Tennis Bund
Logo des Deutschen Tennis Bundes
Gründung: 19. Mai 1902
Gründungsort: Berlin
Präsident: Karl-Georg Altenburg
Vereine (ca.): 9.600
Mitglieder (ca.): 1.532.000
Verbandssitz: Hamburg
Homepage: www.dtb-tennis.de
Altes Logo des DTB bis Mai 2012

Der Deutsche Tennis Bund e. V. (DTB) ist die Dachorganisation für alle deutschen Verbände und Vereine im Tennis. Der in Hamburg ansässige Verband ist mit knapp 1,6 Millionen Mitgliedern der mitgliedstärkste Tennisverband der Welt und der drittgrößte Sportverband in Deutschland. Der DTB veranstaltet das Masters-Series-Turnier am Hamburger Rothenbaum und die Davis-Cup- und Fed-Cup-Heimspiele.

Der Deutsche Tennis Bund wurde am 19. Mai 1902 als Deutscher Lawn Tennis Bund (DLTB) in Berlin gegründet, als sich 22 Clubs und 2500 Mitglieder unter einem Dachverband organisierten.

Der DTB ist in 18 Landesverbände unterteilt.[1] Über 1,5 Millionen Mitglieder sind in ca. 9600 Tennisvereinen im ganzen Bundesgebiet organisiert, denen insgesamt ca. 47.000 Tennisplätze zur Verfügung stehen (Stand: 2013[2]).

Aufgaben[Bearbeiten]

  • Den Tennissport zu fördern und seine Interessen zu wahren und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.
  • Den deutschen Tennissport im In- und Ausland, insbesondere in nationalen und internationalen Sportorganisationen zu vertreten, alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen zum Wohle seiner Mitglieder zu regeln und sich zu diesem Zwecke nationalen und internationalen Sportorganisationen anzuschließen.
  • Auswahlmannschaften in den verschiedenen Altersklassen zu bilden und mit diesen Auswahlmannschaften an internationalen Wettbewerben teilzunehmen sowie die Vorbereitung und Durchführung dieser Wettbewerbe zu organisieren.
  • Die Zulassung von Trainern, Übungsleitern und Schiedsrichtern sowie deren Aus-, Fort- und Weiterbildung bundeseinheitlich zu regeln und zu fördern.
  • Den Spitzensport, den Jugend- und Nachwuchssport sowie den Freizeit- und Breitensport – auch im Bereich des Behindertensports – zu fördern.[3]

Landesverbände[Bearbeiten]

Vereinsentwicklung 1982-2011

Gliederung des Deutschen Tennis Bundes in 18 Landesverbände[4]

Bundesland
Verband
Kürzel
Mitglieder
Vereine
Plätze
Baden-WürttembergBaden-Württemberg Baden-Württemberg Badischer Tennisverband
BTV
124.132 736 3.864
Württembergischer Tennis-Bund
WTB
181.734 1.055 5.486
BayernBayern Bayern Bayerischer Tennis-Verband
BTV
324.991 2.141 9.264
BerlinBerlin Berlin Tennis-Verband Berlin-Brandenburg
TVBB
39.610 197 1.202
BrandenburgBrandenburg Brandenburg
BremenBremen Bremen Tennisverband Nordwest (F)
TVNW
12.430 64 417
HamburgHamburg Hamburg Hamburger Tennis-Verband
HTV
35.082 96 899
HessenHessen Hessen Hessischer Tennis-Verband
HTV
137.011 804 3.896
Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern
TMV
4.455 44 198
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen Tennisverband Mittelrhein
TVM
81.925 379 2.226
Tennis-Verband Niederrhein
TVN
107.660 472 3.094
Westfälischer Tennis-Verband
WTV
147.889 855 4.720
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen Niedersächsischer Tennisverband (F)
NTV
145.802 1.175 5.738
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz Tennisverband Rheinland-Pfalz
TRP
89.560 730 3.133
SaarlandSaarland Saarland Saarländischer Tennisbund
STB
25.602 183 906
SachsenSachsen Sachsen Sächsischer Tennis Verband
STV
12.376 147 674
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt Tennisverband Sachsen-Anhalt
TSA
5.670 84 317
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein Schleswig-Holstein Tennisverband Schleswig-Holstein
TSH
49.749 351 1.753
ThüringenThüringen Thüringen Thüringer Tennis-Verband
TTV
5.902 71 269

Stand: 1. November 2011

(F) Bei der Mitgliederversammlung des Tennisverbandes Nordwest (TVNW) am 22. März 2012 in Bremen wurde eine Kooperationsvertrag mit dem Niedersächsischen Tennisverband (NTV) unterzeichnet, der in den kommenden Jahren zu einer Fusion der beiden norddeutschen Landesverbände zu einem Landesverband mit Namen Tennisverband Niedersachsen-Bremen führen soll.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die ersten deutschen Tennisclubs entstanden in den Jahren 1879 und 1881 in Bad Homburg vor der Höhe und Baden-Baden. In Baden-Baden wurden direkt zwei Tennisclubs gegründet: die Lawn Tennis Gesellschaft „Im Spechten Garten“ und der Baden-Baden LTC, der 1893 unter dem Namen Baden-Baden International Lawn Tennis Club neugegründet wurde. Zwischen 1883 und 1890 (Juli) wurden 13 weitere Tennisclubs in Breisgau, Kassel, Essen, Straßburg, Hamburg, Nürnberg, Elberfeld (heute zu Wuppertal), Duisburg, Cannstatt, Bad Ems und Heidelberg ins Leben gerufen.

Die ersten sogenannten Internationalen Deutschen Meisterschaften – die Internationalität besteht lediglich in der Teilnahmeberechtigung für Österreicher – fanden 1892 auf der Anlage des Eisbahnvereins auf der Uhlenhorst (heute Klipper THC) statt. Wenige Tage nach der Eröffnung am 27. August 1892 musste das Turnier unterbrochen werden, weil die Cholera in Hamburg wütete. Erst einen Monat später stand mit dem 19-jährigen Walter Bonne der Sieger fest. 1902, nach drei Jahren Exil in Bad Homburg vor der Höhe (1898–1901), wurden die German Open erstmals am Rothenbaum ausgetragen, wo sie bis zum Ersten Weltkrieg im Wechsel mit der Uhlenhorst durchgeführt wurden. Seit 1924 ist die Anlage am Rothenbaum endgültiger Standort des Turniers.

Die Forderung nach einem gesamtdeutschen Tennisverband wurde mit der Anzahl der Neugründungen und ersten Turnieren in Deutschland immer stärker. Anlässlich des Berliner Pfingstturniers fand im Berliner Palasthotel am 19. Mai 1902 ein Treffen zwischen dem Hamburger Carl August von der Meden und führenden Persönlichkeiten statt, um die Gründungsurkunde des Deutschen Lawn Tennis Bundes zu unterschreiben. Von der Meden, Turnierveranstalter von Hamburg sowie späterer Namensgeber der bekannten Medenspiele, wurde wie nicht anders erwartet zum ersten Präsidenten des Tennisbundes gewählt.

Von der Gründung bis 1933[Bearbeiten]

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts sorgte vor allem ein Spieler für Aufsehen. Otto Froitzheim, der durch sein zähes Sicherheitstennis bestach, wurde mehrmaliger Internationaler Deutscher Meister und 1912 sogar Weltmeister auf Hartplätzen. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der gebürtige Straßburger seine Erfolgsserie fort.

Im Jahr 1913 besiegte Deutschland im Davis Cup, der damals noch als International Lawn Tennis Challenge firmierte, Frankreich mit 4:1. Es war das erste Davis-Cup-Match für Deutschland, das auf den Tennisplätzen der Kurverwaltung an der Blumenwiese in Wiesbaden stattfand. Für das deutsche Team spielten Oscar Kreuzer, Friedrich-Wilhelm Rahe und Heinrich Kleinschroth.

Deutschland hatte zuerst keine Meldung für die International Lawn Tennis Challenge 1914 abgegeben – erst das gute Abschneiden von Otto Froitzheim in Wimbledon hatte zu einem Meinungsumschwung geführt. Die Australier und die Deutschen trafen in Pittsburgh aufeinander, das Endergebnis lautete 0:5. Oscar Kreuzer und Otto Froitzheim nahmen im Anschluss das erste schnelle Schiff nach Europa. In der Nähe von Gibraltar wurde dieses von einem britischen Kreuzer in den Hafen gezwungen, da kurz zuvor der Erste Weltkrieg ausgebrochen war. Die beiden deutschen Tennisspieler wurden festgenommen und in ein Internierungslager nach England gebracht. Froitzheim und Kreuzer wurde 1918, als der Krieg zu Ende war, die Heimkehr erlaubt. Die Teilnahme an der International Lawn Tennis Challenge blieb den Deutschen bis 1927 verwehrt. Auch an internationalen Turnieren durften die deutschen Spieler erst wieder 1927 teilnehmen.

Die Entwicklung des deutschen Tennis war bis zum Ersten Weltkrieg vielversprechend gelaufen. Der Erste Weltkrieg bremste den Siegeszug des Tennissports jedoch. Im Frühsommer 1919 machte sich der Lawn Tennis und Turnierclub Berlin daran, das organisierte Tennisspiel wieder zum Leben zu erwecken. 1920 hielt der Verband seine erste Mitgliederversammlung seit 1914 ab. Im gleichen Jahr strich die Föderation den Begriff Lawn aus dem Namen. Erst gegen Mitte der 20er Jahre, nach dem Abklingen der Inflation, erholte sich der Sport wieder vollends. 1924 traten 39 Vereine dem Deutschen Tennis Bund bei und erhöhten die Gesamtzahl auf 317 bei 42.000 Spielern, 1931 gehörten schließlich 1130 Clubs und etwa 90.000 Spieler dem Verband an.

Die 30er Jahre läuteten den ersten „Boom“ ein. Gottfried von Cramm, Henner Henkel, Hans Nüsslein, Hilde Sperling-Krahwinkel und Cilly Aussem sorgten auf internationaler Ebene für Aufsehen. „Baron“ Gottfried von Cramm gewann zweimal die Internationalen Meisterschaften von Frankreich. In Wimbledon verpasste er bei seinen drei Endspielteilnahmen knapp den großen Triumph. Nach Boris Becker ist er damit der beste deutsche Spieler aller Zeiten. Was Gottfried von Cramm verwehrt blieb, gelang Cilly Aussem. Die gebürtige Kölnerin wurde die erste deutsche Wimbledonsiegerin. Nach Cilly Aussem und Henner Henkel, der es bis auf Position drei der Weltrangliste schaffte, benannte der Deutsche Tennis Bund seine Junioren-Mannschaftswettbewerbe (Henner Henkel-Spiele, Cilly Außem-Spiele).

Das Tennismekka Wimbledon erlebte 1931 ein deutsches Fräuleinwunder. Zum ersten Mal bestritten zwei deutsche Tennisdamen das Finale im Einzel auf dem „Heiligen Rasen“. Siegerin und erste deutsche Titelträgerin wurde, nach ihrem 6:2 und 7:6 über Hilde Krahwinkel, Cilly Aussem. Die 21-jährige Aussem hatte zuvor bereits die French Open gewonnen. Hilde Krahwinkel, die als Leichtathletin auf Olympia verzichtet hatte, stand schon 1930 im Mixed-Finale vom Wimbledon.

Während des Dritten Reiches[Bearbeiten]

In der nationalsozialistischen Zeit war auch der Deutsche Tennis Bund von der Gleichschaltung aller Vereine betroffen. Neben der Einverleibung der Sportvereine und ihrer Mitglieder in das politische System lag den neuen Machthabern vor allem daran, mit Hilfe des Sports dem Regime zu weltweitem Ansehen zu verhelfen. Die Hoffnungen ruhten auf Gottfried von Cramm. Aufgrund seiner Leistungen erlangte er ungemeine Popularität.

Gottfried Freiherr von Cramm, Jahrgang 1909, stand 1934 im Finale der French Open. Dort wehrte er gegen seinen Rivalen, den Weltranglistenersten und Titelverteidiger Jack Crawford aus Australien, beim Stand von 4:5 im vierten Satz einen Matchball ab und drehte das Spiel noch um. Er gewann mit 6:4, 7:9, 3:6, 7:5 und 6:3 erstmals die French Open.

1936 gewann Gottfried von Cramm erneut in Paris (6:0, 2:6, 6:2, 2:6 und 6:0 gegen Fred Perry), konnte aber Wochen später im Wimbledon-Finale gegen denselben Briten nicht überzeugen. Er verlor mit 1:6, 1:6 und 0:6 nach nur 40 Minuten wegen einer Muskelzerrung im Oberschenkel. Der Deutsche gab seine Verletzung erst Stunden später zu und wurde somit für die Engländer zum würdevollen Verlierer. Von Cramm verlor auch 1937 das Finale mit 3:6, 4:6 und 2:6 in 65 Minuten gegen den US-Amerikaner Donald Budge.

Nachkriegszeit und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Mitgliederentwicklung im DTB

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste man auch im deutschen Tennis wieder ganz von vorne anfangen. Es gab weder Schläger noch Bälle, viele Tennis-Anlagen waren verwüstet, und so war es eigentlich ein Wunder, dass schon 1948 wieder um den Titel des Internationalen Deutschen Meisters am Rothenbaum gespielt werden konnte. Ein Jahr später wurde der Verband unter dem Namen Deutscher Tennis Bund neugegründet. Trotz der schwierigen Situation entwickelte sich der Tennissport mit steigenden Mitgliederzahlen in den Vereinen positiv. 1952 erhielt der Deutsche Tennis Bund eine neue Verfassung. Die grundlegende Neuerung bestand darin, dass sich der DTB nicht mehr als Verband der Vereine, sondern als Verband der Landesverbände sah. Der Grund war die schnell gestiegene Mitgliederzahl: Die seinerzeit 15 Landesverbände verfügten über mehr als 800 Vereine mit rund 80.000 Mitgliedern.

Am Hamburger Rothenbaum wurde Gottfried Freiherr von Cramm, genannt „der Kronprinz von Wimbledon“, am 7. August 1955 im Alter von 46 Jahren zum letzten Mal deutscher Tennismeister im Doppel mit seinem US-amerikanischen Partner Budge Patty. Er spielte zwischen 1932 und 1953 insgesamt 102 Davis-Cup-Matches im Einzel und Doppel (82 Siege) und gewann insgesamt 27 deutsche Titel. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er den LTTC Rot-Weiß Berlin wieder auf. Am 9. November 1976 kam er im Alter von 67 Jahren bei einem Autounfall auf einer Wüstenstraße vor Kairo ums Leben.

In den 60er Jahren trat Wilhelm Bungert ins Rampenlicht, mit ihm stand 1967 nach 30 Jahren wieder ein deutscher Spieler im Finale des Rasenturniers in Wimbledon. Der vielfache deutsche Meister Bungert unterlag aber dem Australier John Newcombe vor 14.800 Zuschauern glatt mit 3:6, 1:6 und 1:6. In seinen vorherigen Partien musste er gleich viermal über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen. Bungert hatte in Wimbledon bereits 1963 und 1964 das Halbfinale erreicht. Der Mannheimer hält noch heute einen Rekord: 101 Davis-Cup-Einsätze. Außerdem führte er Deutschland 1970 ins erste Endspiel des Cups in Cleveland. Deutschland unterlag unter der Führung von Kapitän Ferdinand Henkel den USA mit 0:5. Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke verloren ihre Einzel gegen Arthur Ashe und Cliff Richey und auch im Doppel gegen Stan Smith und Bob Lutz. Der Weg ins Finale hatte sie binnen eines Monats über die damalige Hippie-Pilgerstätte Poona, wo Indien mit 5:0 geschlagen wurde, und einem 4:1 im Düsseldorfer Rheinstadion über Spanien nach Ohio geführt. Bungerts weibliches Pendant hieß Helga Masthoff. In 56 Federation-Cup-Matches vertrat sie den Deutschen Tennis Bund. 38-mal verließ sie den Platz als Siegerin, ebenfalls ein Rekordwert.

Im Jahr 1968 wurde das System des Tennisports erneuert. Es war der Beginn der Open Era. Die Profis durften mit den Amateuren gemeinsam an Turnieren teilnehmen. 1969 wurde am Rothenbaum das erste Mal offiziell um Preisgelder gespielt. Insgesamt ging es um 17.500 US-Dollar.

Tennis rückte in jenen Jahren auch aus einer Isolation heraus, die ein halbes Jahrhundert vorher zur Selbstverständlichkeit gehört hatte und Folge der gesellschaftlichen Klassenunterschiede gewesen war. Die Klassenunterschiede gab es in dieser schroffen Form nicht mehr – außerdem hatte das Wirtschaftswunder dazu beigetragen, dass es den Menschen besser ging. Die sozialen Errungenschaften hatten zudem zu mehr Freizeit geführt. Nicht nur die gesellschaftlichen Regeln veränderten sich, sondern auch jene, die direkt das Spiel betrafen – zum Beispiel die Einführung des Tiebreaks. Eine weitere Neuerung, die den gesamten Charakter des Turniertennis wandelte, war die Einführung einer Rangliste, die durch den Computer errechnet wurde. 1973 stellte die ATP diese Liste erstmals vor. Auf Position eins war damals Ilie Năstase positioniert. Die Damen zogen 1975 nach – die Amerikanerin Chris Evert war die erste Nummer eins.

Die goldenen Jahre – Tennisboom[Bearbeiten]

Anfang der 80er Jahre übersprang die Mitgliederzahl in den Vereinen die Millionengrenze und verdoppelte sich in nur zehn Jahren auf über zwei Millionen.

Sylvia Hanika gewann 1982 als erste Deutsche das Masters. Die 22-Jährige aus Ottendichl bei München konnte einen 1:6- und 1:3-Rückstand gegen die hochfavorisierte Martina Navrátilová noch in einen Sieg umwandeln. Vor 15.081 Zuschauern gewann sie mit 1:6, 6:3 und 6:4, wofür sie ein Preisgeld von 239.000 DM einstrich. Der Turniersieg war auch deshalb überraschend, weil Hanika gerade erst die Folgen eines schweren Autounfalls überstanden hatte. Ihre beste Weltranglistenposition war Platz fünf.

Drei Jahre später, am 7. Juli 1985, brach in Deutschland endgültig das Tennisfieber aus. Der 17-jährige Boris Becker gewann den Titel in Wimbledon. Im Finale schlug der Überraschungsfinalist den US-Amerikaner Kevin Curren in vier Sätzen. In Deutschland verfolgten 11,19 Millionen Menschen (31 Prozent Einschaltquote) an den Fernsehgeräten den Triumphzug des bis dato jüngsten Wimbledonsiegers. Zwei weitere Titel und drei Finalteilnahmen sollten folgten. Im Jahre 1991 stand Becker an der Spitze der Weltrangliste und erreichte erneut das Finale in Wimbledon. Dort unterlag er Michael Stich, der damit seinen ersten und einzigen Grand-Slam-Titel gewann. Im Jahre 1992 holten sich die beiden gemeinsam die olympische Goldmedaille in Barcelona. 1988 gewann Deutschland den Davis Cup zum ersten Mal. Boris Becker, Carl-Uwe Steeb, Eric Jelen und Patrik Kühnen siegten unter Teamchef Niki Pilić gegen Schweden auf Sand mit 4:1. Steeb bezwang die damaligen Nummer eins der Welt, Mats Wilander, nach hartem Kampf und Zweisatz-Rückstand mit 8:10, 1:6, 6:2, 6:4 und 8:6. Becker hatte zuvor den amtierenden Wimbledon-Sieger Stefan Edberg mit 6:3, 6:1, 6:4 geschlagen und konnte an der Seite von Eric Jelen auch das Doppel gegen Edberg und Anders Järryd mit 3:6, 2:6, 7:5, 6:3 und 6:2 gewinnen. 1989 besiegte Deutschland wieder das schwedische Team, diesmal 3:2. 1993 führte Michael Stich das Davis-Cup-Team an und holte den Cup zum dritten und bislang letzten Mal nach Deutschland.

Auch die deutschen Damen dominierten die internationale Konkurrenz. Steffi Graf übertraf alle vorherigen Rekorde. Zwischen 1986 und 1999 gewann sie 107 Einzeltitel. Acht Jahre lang beendete sie die Saison als Nummer eins der Weltrangliste, die sie 377 Wochen lang anführte. Im Jahre 1988 krönte sie ihre Karriere mit dem „Golden Slam“, den Siegen bei allen vier Grand Slam-Turnieren und den Olympischen Spielen von Seoul. Sie wurde damit die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten. 1987 führten Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch als Einzelspielerinnen das deutsche Federation-Cup-Team in Vancouver zu einem Sieg gegen Titelverteidiger USA. 1992 gewann das deutsche Team mit Steffi Graf, Anke Huber, Sabine Hack und Barbara Rittner zum zweiten Mal den Federation Cup. Unter Führung von Klaus Hofsäss gelang in Frankfurt am Main der Finalsieg gegen Spanien.

1999, in ihrem letzten Profijahr, überzeugte Steffi Graf nach einem schwierigen Start in die Saison bei den French Open. Im Finale traf die Deutsche auf die Schweizerin Martina Hingis und gewann mit 4:6, 7:5, 6:2. Wochen später stand Graf erneut in einem Grand Slam-Endspiel, doch in Wimbledon verlor sie mit 4:6 und 5:7 gegen Lindsay Davenport. Am 13. August 1999 verkündete sie ihren endgültigen Rücktritt vom aktiven Tennissport. Offiziell verabschiedete wurde sie dann während des Masters im New Yorker Madison Square Garden.

Das 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mitglieder 1950-2010 (5-Jahresschritte)

Die neuen Topspieler in Deutschland hießen nun Nicolas Kiefer und Tommy Haas – beide spielten sich unter die Top Ten der Weltrangliste. Tommy Haas rangierte im Jahr 2002 sogar an Position zwei der Weltrangliste. Insgesamt konnte der Hamburger bislang 14 ATP Turniere gewinnen und über 12 Mio. US-Dollar Preisgeld einspielen. Nicolas Kiefer erreichte im Jahr 2000 Position vier der Weltrangliste und gewann bis zu seinem Karriereende sechs Einzeltitel und 7,4 Mio. US-Dollar Preisgeld. Im Jahr 2008 vertrat der Hannoveraner Kiefer zusammen mit Philipp Kohlschreiber Deutschland bei den Olympischen Spielen in Peking.

Rainer Schüttler überzeugte im Jahr 2003 bei den Australian Open. Der Korbacher erreichte das Finale und spielte sich unter die Top Ten. Schüttler konnte das hohe Spielniveau jedoch nicht auf längere Zeit halten und rutschte zeitweise bis auf Platz 150 der Weltrangliste ab. Im Jahr 2008 in Wimbledon kam Schüttler wie aus dem Nichts zurück und kämpfte sich als ungesetzter Spieler bis ins Halbfinale.

In Deutschland stehen momentan bei den Herren fünf Spieler unter den Top 100 und weitere 13 Spieler unter den Top 200 der Weltrangliste (Stand: 8. Juli 2013)[6], bei den Damen steht Angelique Kerber derzeit an Position 9, weitere fünf Damen unter den Top 100 und weitere vier Spielerinnen unter den Top 200 der Weltrangliste (Stand: 8. Juli 2013).[7]

Präsidenten[Bearbeiten]

Jahr
Name
1902–1911
Carl August von der Meden
1911–1925
Emil Bartels
1925–1934
Gerhard Weber
1934–1937
Wilhelm Schomburgk
1937–1945
Erich Schönborn
1949–1951
Richard Stephanus
1951–1952
Max Stahl
1952–1958
Jost Henkel
1958–1967
Franz Helmis
1967–1973
Fritz Kütemeyer
1973–1975
Eduard H. Dörrenberg
1975–1985
Walther Rosenthal
1985–1999
Claus Stauder
1999
Karl Weber
1999–2011
Georg Freiherr von Waldenfels[8]
seit 2011
Karl-Georg Altenburg[9][10]

Wettbewerbe[Bearbeiten]

Head German Masters Series[Bearbeiten]

Hauptartikel: Head German Masters Series

Deutschlandweit ist die HEAD German Masters Series die Turnierserie für Nachwuchstalente auf dem Sprung in die Weltspitze. Dazu gehören deutsche Turniere der Kategorien ATP-Challenger, ITF-Futures im Damen- und Herrenbereich sowie hochwertige nationale Preisgeldturniere. Jährlich werden bei den über 60 Turnieren der HEAD German Masters Series Gesamtpreisgelder in Höhe von etwa einer Million Euro ausgeschüttet. Eine gemeinsame Serie zur Förderung des Tennisnachwuchses, wie sie durch die Zusammenarbeit der deutschen Turnierveranstalter besteht, ist weltweit einzigartig.

Nationale Deutsche Meisterschaften[Bearbeiten]

Jedes Jahr finden in Deutschland die Nationalen deutschen Meisterschaften statt, bei denen deutsche Tennisspieler um Titel kämpfen. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um die bekannten internationalen Spitzenspieler bei den allseits bekannten Großveranstaltungen, sondern auch um Nachwuchstalente, Jungsenioren und Senioren, die nur selten im Rampenlicht stehen.

Internationale Wettbewerbe[Bearbeiten]

International German Open[Bearbeiten]

Mit einer Million Dollar Preisgeld ist das International German Open in Hamburg am Rothenbaum das höchstdotierte Tennisturnier Deutschlands. In Hamburg finden schon seit 1892 die „Internationalen Deutschen Meisterschaften im Tennis“ statt, seit 1906 wird am Rothenbaum gespielt.

Das Sandplatzturnier gehörte bis 2008 zur ATP Masters Series und seit 2009 zur ATP World Tour 500. Seitdem bilden 48 Einzelspieler und 16 Doppelpaare das Starterfeld. Der einzige deutsche Sieger in der Open Era im Einzel war 1993 Michael Stich. Im Doppel konnten in dieser Zeit nur Jürgen Faßbender und Hans-Jürgen Pohmann (1973 und 1974) das Turnier gewinnen.

Davis Cup[Bearbeiten]

Hauptartikel: Davis Cup

Der Davis Cup ist der wichtigste Team-Wettbewerb im Herrentennis. Einmal jährlich wird der Davis Cup zwischen verschiedenen Nationen in diversen Gruppen und Runden ausgespielt. Jede Runde zwischen zwei Nationalmannschaften wird in vier Einzeln und einem Doppel an drei Tagen gespielt. Veranstalter ist die International Tennis Federation. Die deutschen Heimspiele organisiert der Deutsche Tennis Bund.

Das deutsche Team hat bislang dreimal den Titel gewonnen:

Fed Cup[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fed Cup

Der Fed Cup (bis 1995 Federation Cup) ist im Damentennis der wichtigste Team-Wettbewerb. Im Jahr 1995 wurde die Veranstaltung dem Davis-Cup-Modus angeglichen. Seitdem werden an zwei Tagen vier Einzel und ein Doppel gespielt. Veranstalter ist die International Tennis Federation. Die deutschen Heimspiele organisiert der Deutsche Tennis Bund.

Die deutschen Damen haben bereits zweimal den Fed Cup gewonnen:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesverbände (dtb-tennis.de, abgerufen am 7. Februar 2014)
  2. Der Deutsche Tennis Bund (DTB info)
  3. Satzung S. 34 § 3 (PDF; 66 kB)
  4. Satzung S. 36 § 8 (PDF; 66 kB)
  5. Niedersachsen und Nordwest planen gemeinsame Zukunft (abgerufen am 28. März 2012)
  6. Deutsche Spieler in der Weltrangliste
  7. Deutsche Spielerinnen in der Weltrangliste
  8. Tennis: DTB-Präsident Waldenfels zieht Kandidatur zurück (spiegel.de, abgerufen 16. April 2013)
  9. Neue Tennis-Ära beginnt: Altenburg DTB-Präsident (abendblatt.de, abgerufen 16. April 2013)
  10. Altenburg neuer DTB-Präsident (sport1.de, abgerufen 16. April 2013)