Deutscher Wetterdienst

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DWD ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter DWD (Begriffsklärung) aufgeführt.
Deutscher Wetterdienst (DWD)
DWD-Logo 2013.svg
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts
Aufsichtsbehörde(n) Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Gründung 1952
Hauptsitz Offenbach am Main, Hessen
Behördenleitung Gerhard Adrian, Präsident
Website dwd.de

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit seiner Zentrale in Offenbach am Main ist der nationale meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Er erbringt meteorologische Dienstleistungen (Wettervorhersage) für die Allgemeinheit oder einzelne Nutzer, wie zum Beispiel die Schifffahrt, die Landwirtschaft oder die Wissenschaft, und betreibt darüber hinaus den Informationsverbund der Bundesverwaltung (IVBV).

Aufgaben und Struktur[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe des DWD ist es, vor wetterbedingten Gefahren zu warnen sowie das Klima in Deutschland zu überwachen, zu dokumentieren und seine Veränderungen zu bewerten. Der DWD betreibt zugleich das nationale Klimaarchiv der Bundesrepublik Deutschland und verfügt mit der Deutschen Meteorologischen Bibliothek über eine der größten Fachbibliotheken zu den Themen Wetter und Klima weltweit.

Der Deutsche Wetterdienst ist eine teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) (§ 1 Abs. 1 DWDG). Daher besteht ein ständiger Kontakt mit Bundesregierung, Bundes- und Landesministerien, Kommunen, Wirtschaft und Industrie zur Beratung und Zusammenarbeit. Gesetzliche Grundlage für den DWD ist das Gesetz über den Deutschen Wetterdienst (DWD-Gesetz, DWDG).

Standorte[Bearbeiten]

Neue Zentrale des DWD in Offenbach
Wetterradarstation des Deutschen Wetterdienstes DWD in Dreieich-Offenthal

Neben der Zentrale in Offenbach am Main gibt es sechs weitere Regionalzentralen in Hamburg, Potsdam, Leipzig, Essen, Stuttgart und München. Darüber hinaus betreibt der DWD das dichteste und größte meteorologische Messnetz in Deutschland mit 111 hauptamtlichen automatischen Wetterstationen und 70 hauptamtlichen mit Personal besetzten Wetterwarten. Das nebenamtliche Messnetz des DWD umfasst rund 1850 Stationen, die von ehrenamtlichen Wetterbeobachtern betreut werden.[1] Im Rahmen der Grundversorgung bietet der Deutsche Wetterdienst einen kostenlosen täglichen Deutschlandwetterbericht an, der per E-Mail abonniert werden kann.

Der DWD ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Ressortforschungseinrichtungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Smogmessung beim Wetterdienst in Schwerin 1990

Der DWD wurde 1952 durch die Zusammenführung der Wetterdienste der verschiedenen westalliierten Besatzungszonen gegründet. 1954 erfolgte der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Von 1955 bis 1957 wurde die Zentrale an der Frankfurter Straße in Offenbach gebaut. Der vielbeachtete Entwurf von Paul Friedrich Posenenske zeichnete sich durch eine Trennung von Außenwänden und tragender Struktur aus, die durch die versetzten Fensterbänder betont wurde.

Seit 1960 ist der DWD selber nicht mehr im deutschen Fernsehwetter aktiv – für die ARD übernahm der Hessische Rundfunk diese Aufgabe. Inzwischen gestalten alle deutschen Fernsehanstalten in Deutschland ihre Wettersendungen entweder mit eigenen Wetterredaktionen oder mit Hilfe externer Dienstleister. Der DWD liefert ausschließlich die Beobachtungs- und Vorhersagedaten, die der Arbeit der dortigen Meteorologen als Basis dienen.[2][3]

Im Jahre 1975 wurde das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage in Reading gegründet, um Vorhersagen von bis zu zehn Tagen zu erstellen.

Im Jahre 1990 integrierte der DWD den Meteorologischen Dienst der Deutschen Demokratischen Republik.

Seit den 1990er Jahren wird die Zahl der bemannten Wetterstationen im Deutschen Wetterdienst kontinuierlich reduziert, was zwangsläufig einen erheblichen Personalabbau, der dem DWD als Bundesbehörde politisch vorgegeben ist, zur Folge hat. Nach Ansicht des DWD sind Qualitätseinbußen nicht zu befürchten, da moderne Fernerkundungsinstrumente wie Wetterradar oder Wettersatelliten mit ihrer flächenhaften Messung für eine deutliche Verbesserung der Beobachtungsdaten sorgten.

2006 wurde das Datenverarbeitungs- und Visualisierungssystem NinJo eingeführt, das im Rahmen internationaler Kooperation entstand. Am 15. Juli 2005 wurde der Wetterpark Offenbach eingeweiht.

2008 wurde die neue DWD-Zentrale an gleicher Stelle – der Frankfurter Straße – eröffnet. Das alte Gebäude aus den fünfziger Jahren musste weichen, hätte es doch aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften komplett umgebaut werden müssen. Zudem schuf der Neubau ausreichend Platz für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bis dahin in angemieteten Büros untergebracht waren, sowie für den neuen Großrechner des DWD.[4][5]

Seit März 2009 betreibt der DWD einen NEC SX-9-Hochleistungscomputer mit einer Spitzenleistung von 109 TFLOPS, um Wettervorhersagen zu berechnen.[6]

Bis Ende 2013[veraltet] stellt der DWD seine 16 Stationen des Radarverbunds von operationellen Verbundradars mit Qualitätssicherungsradars auf Dual-Polarisations-Radargeräten um. Bereits im Jahr 2011 wurde eine 17. Station in Niederrieden bei Memmingen in Betrieb genommen.[7]

Öffentliche Dienstleistungen[Bearbeiten]

Fahnen des Deutschen Wetterdienstes vor dessen Regionalzentrale in München

Der DWD veröffentlicht seine Wetterwarnungen für die Öffentlichkeit im Internet. Dazu gehören z.B. Sturmwarnungen, Warnungen vor schweren Gewittern oder Schneefallwarnungen. Seit 2005 gibt der Deutsche Wetterdienst auch regionale Hitzewarnungen heraus. Mit dem Warnsystem soll die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle bei Hitze verringert werden. Anlass für die Entwicklung des Warnsystems war der heiße Sommer 2003, in dem allein in Deutschland vermutlich mehr als 7000 Menschen unter anderem Opfer der hohen Temperaturen wurden. Außerdem sendet er Seewetterberichte als Funkfernschreiben und Fax. Lang- und Kurzwellensender befinden sich in Pinneberg.

Seit 2006 sind die Pollenflugwarnungen des DWD kostenlos über die Internetseite des DWD abonnierbar. Der Deutsche Wetterdienst gibt auch den Starkregenkatalog Kostra heraus.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutscher Wetterdienst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.1031554508338.7477350236111Koordinaten: 50° 6′ 11″ N, 8° 44′ 52″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahlen und Fakten zum DWD
  2. Karsten Hufer: 50 Jahre Wetterkarte, Interview mit der Leiterin der hr-Wetterredaktion Silke Hansen. hr-online.de, 23. Februar 2010, archiviert vom Original am 25. Februar 2010, abgerufen am 30. November 2012.
  3. „50 Jahre Hochs und Tiefs, Wetterprognosen im Fernsehen“, Stuttgarter Zeitung, 1. März 2010
  4. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 4. September 2008 (PDF; 24 kB)
  5. Bauinformationen zur 2008 gebauten Zentrale des DWD (PDF; 267 kB)
  6. Neuer Computer sagt Wetter genauer voraus. In: Berliner Morgenpost, 18. März 2009. 
  7. DWD: Der Radarverbund des Deutschen Wetterdienstes (PDF; 2,4 MB), abgerufen am 30. November 2012