Deutsches Alpenkorps

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Bergmützenabzeichen der Gebirgstruppen: Alpen-Edelweiß

Das Deutsche Alpenkorps, welches sich den Ruf einer Elitetruppe erwarb,[1] war ein Großverband des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg und gilt als Vorläufer der deutschen Gebirgstruppe. Während des Ersten Weltkrieges wurde es im Mai 1915 zunächst zu dem Zweck aufgestellt, Österreich-Ungarn bei der Verteidigung seiner Grenze zu Italien zu unterstützen.

Vorläufer[Bearbeiten]

Das deutsche Kaiserreich verfügte bis zum Ersten Weltkrieg über keine Gebirgstruppen. Dennoch wurde bereits 1892 bei den Goslarer und auch den Schlettstadter Jägern auf Befehl des preußischen Kriegsministeriums Skiausbildung durchgeführt. Allerdings wurde der militärische Wert der Skiausbildung von ziviler Seite her viel deutlicher erkannt und vehement propagiert. So lud der Skiclub Schwarzwald bereits 1896 die Schlettstadter Jäger zu Rennen ein, führte 1902 den Patrouillenlauf ein und gab 1905 bei Gründung des Deutschen Skiverbandes (DSV) die Anregung, dass dieser es als seine Hauptaufgabe betrachte, brauchbare Skiläufer für das Heer heranzubilden.

Erst nachdem man im Ersten Weltkrieg zu Beginn des Winters 1914/15 in den Vogesen auf die gut ausgebildeten skibeweglichen französischen Alpenjäger getroffen war, ging man an die Aufstellung eigener deutscher Schneeschuhbataillone. Am 14. Oktober 1914 erließ der „DSV-Ausschuss zur Bildung des Deutschen freiwilligen Skikorps“ einen Aufruf „an die Skiläufer Deutschlands“, der sie zum Eintritt in die Schneeschuhtruppe aufforderte. Am 21. November 1914 trat in München das „Königlich Bayerische 1. Schneeschuhbataillon“ zusammen. Kurz darauf folgten die Württembergische Schneeschuhkompanie Nr. 1 sowie die preußischen Schneeschuhbataillone Nr. 2 und Nr. 3.

Gründung[Bearbeiten]

Mit der Kriegserklärung Italiens im Mai 1915 entstand eine für Österreich-Ungarn bedrohliche Lage: Außer den Besatzungen von Festungswerken befanden sich die aktiven Truppen, die zur Verteidigung im Hochgebirge vorgesehenen Kaiserjäger-Regimenter, an der Ostfront in Galizien. Die Donaumonarchie musste zunächst eine Verteidigungslinie aus Standschützen und anderen improvisierten Formationen organisieren. Der deutschen Obersten Heeresleitung war bewusst, dass bei den geringen Kräften, die Österreich-Ungarn zur Verteidigung der Tiroler Grenze jetzt stellen konnte, die Gefahr für Süddeutschland sehr groß werden konnte. Die beste Sicherung Bayerns war also die Tirols. Bereits im Frühjahr 1915 hatte man begonnen, aus bewährten deutschen Einheiten um einen bayerischen Kern das Alpenkorps – eine verstärkte Infanteriedivision – zusammenzustellen. Entsprechend seiner künftigen Verwendung auch im Hochgebirge sollte das Alpenkorps Gebirgsausrüstung erhalten (z. B. Schneeschuhe, Eispickel, Bergschuhe usw). Da das Alpenkorps auch Korpstruppen für die Auftragserfüllung benötigte, wurde dieser militärische Verband, trotz der Mannschaftsstärke einer Division als Korps bezeichnet.

Das Deutsche Alpenkorps bestand aus der 1. Kgl. Bay. Jägerbrigade (Generalmajor Ludwig von Tutschek) mit dem Bayerische Infanterie-Leib-Regiment und dem 1. Bayerische Jäger-Regiment sowie der 2. Jägerbrigade (Oberst Ernst von Below) mit dem Jägerregiment 2 (Hannoversches Jäger-Bataillon Nr. 10, Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 10 und dem Großherzoglich-Mecklenburgische Reserve-Jäger-Bataillon 14) sowie das Jägerregiment 3, bestehend aus den früheren vier Schneeschuhbataillonen.

Außerdem gehörten 6 Radfahrkompanien, 7 Maschinengewehrabteilungen (Gebirgsmaschinengewehrabteilungen), 48 Feld- und Gebirgsgeschütze und je eine Batterie 10-cm-Kanonen und 15-cm-Haubitzen, ferner Minenwerferabteilungen, Pionierkompanien, Nachrichtentruppen usw. und zeitweise auch die Kgl. Bay. Feld-Fliegerabteilung 9 b dazu.

Dolomiten-Front[Bearbeiten]

Generalleutnant Konrad Krafft von Dellmensingen wurde zum Kommandeur des Deutschen Alpenkorps ernannt. Er war ein besonders bergkundiger Mann. Vor ihm und seinem Alpenkorps standen schwierige Aufgaben: eine teils hochalpine Front und ein zahlenmäßig überlegener Gegner, der über bestens ausgebildete Gebirgstruppen, die Alpini verfügte. Das Problem war, die eigenen Soldaten auf den Gebirgskrieg vorzubereiten.

Im folgenden knappen halben Jahr halfen diese deutschen Truppen den einheimischen und k.u.k. Kräften bei der Verteidigung der Front gegen Italien. Es wurde eine Verteidigungslinie mit zugehöriger Infrastruktur aufgebaut. Wertvolle Erfahrungen im Gebirgskampf konnten gesammelt werden, und das Alpenkorps wurde allmählich zu einer gefestigten Truppe. Die Gefechtstätigkeit beschränkte sich auf Schwerpunktbildung, hauptsächlich die Jäger-Bataillone kamen zum Kampfeinsatz. Da das Deutsche Reich noch nicht im offiziellen Kriegszustand mit den Italienern stand, durfte das Alpenkorps nicht in Angriffsunternehmen auf italienischem Gebiet eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei, dass die deutschen Kräfte insgesamt eher zurückhaltend eingesetzt wurden. Die Verlegung des Alpenkorps diente in erster Linie dazu, dem österreichisch-ungarischen Verbündeten politisch und moralisch den Rücken zu stärken. Erst ab August 1916, nach dem Eintritt Rumäniens in den Krieg, erfolgte die offene Kriegserklärung Italiens auch an Deutschland.

Das deutsche Alpenkorps kämpfte an den Brennpunkten in den Dolomiten so z.B. am Col di Lana, am Kreuzbergsattel, in den Sextener Dolomiten und an den Tofanen.

Ohne die Mitwirkung des Deutschen Alpenkorps wäre ein italienischer Durchbruch im Dolomiten-Raum möglich gewesen. Das Deutsche Alpenkorps rückte im Herbst 1915 zum Einsatz in Serbien ab. Das Edelweiß, das 1906 von der österreichisch-ungarischen Armee als Emblem für Ihre Gebirgstruppen eingeführt worden war - ursprünglich am Uniformkragen zu tragen - wurde von den Österreichern später als Dank für die Hilfe dem Deutschen Alpenkorps übertragen.

Für die von der Ostfront in die Dolomiten verlegten österreich-ungarischen Verbände ließ das Deutsche Alpenkorps eine gut ausgebaute hochalpine Abwehrstellung mit Kavernen, Seilbahnen, Unterkünften und ausgebildeten Standschützen zurück. Sie konnte von den nunmehr allein zuständigen k.u.k.-Truppen übernommen werden.

Der Serbische Feldzug[Bearbeiten]

Das Korps verließ Mitte Oktober 1915 die Dolomiten und wurde über München und Thionville an die Westfront verlegt um als Heeresreserve in der Champagne zu dienen. Am 20. Oktober bei Launois südwestlich Charleville ausgeladen wurden die Soldaten im Raum Sedan bereitgestellt. Drei Tage nach ihrer Ankunft machte jedoch ein neuer Befehl den Abtransport des Korps auf die Balkanhalbinsel nötig. Da sich das Anfang Oktober angegriffene Serbien in ihren Gebirgsteilen noch zäh gegen Österreich-Ungarn und Bulgarien behaupten konnte, wurde das Alpenkorps jetzt zur Verstärkung der 11. Armee dorthin entsandt.

Am 30. Oktober überschritt die Gruppe Below die Donau bei Orsova und rückte in Richtung Krusevac. Das Gros des Korps ging westlicher bei Gradiste über die Donau und verfolgte die Serben durch das Tal der südwestlichen Morawa, dem auf dem Kara-Dagh entspringende Hauptstrom Serbiens. Weiter über Pozarevac vorgehend wurde bis 4. November Kragujevac erreicht, am 8. November Kraljevo. Den Serben war aber bereits südlich davon der Rückzug über das Gebirge gelungen. Die bayerischen Jäger sollten das XXII. Reserve-Korps freimachen, das für den dortigen Gebirgskrieg nicht ausgerüstet war. Ab 13. November begann die weitere Verfolgung durch das Gebirge im Sandschak Novipazar, am 14. November kam es beim südlichen Vorstoß zu einem Gefecht an der Dedina Stolica. Die Gruppe Below besetzte zusammen mit Teilen der 44. Reserve-Division Raška. Am 24. November wurde von der Vorhut noch der Ibar bei Ribaric und die Grenze Montenegros erreicht. Nachdem aber das serbische Restheer über Montenegro entkommen war, erfolgte am 28. November der Rückmarsch durch das Morawatal nach Norden auf Krusevac. Am 21. Dezember marschierte das Korps in Nisch in Anwesenheit des Korpskommandeurs an dem Oberbefehlshaber, v. Mackensen, vorüber. Über Nisch vorgehend wurde am 22. Dezember Leskovac erreicht und der weitere Vorstoß entlang der südlichen Morawa nach Makedonien vorbereitet. In den ersten 39 Tagen war das Korps etwa 700 km marschiert.

Da jedoch inzwischen die Franzosen und Engländer von Saloniki aus vorgerückt waren, wurde das Korps noch zurückbehalten und verblieb bis zum Jahresende bei Leskovac in Bereitstellung. Bis Mitte Februar 1916 verblieb das Korps in der Nähe von Jelašnica. Von dort wurde das Korps über Kumanovo, Skopje und Veles durch das Strumicatal bis nach Istip im südlichsten Mazedonien vorgezogen. Mit dem Versetzungsbefehl nach Verdun endete für das Korps Ende März 1916 der Abschnitt „Serbien“. Es war ein Feldzug, der dem Korps mehr Verluste durch die Marschstrapazen als durch Kampfhandlungen abverlangte.

Die Schlacht von Verdun[Bearbeiten]

Gedenktafel des Korps in Azannes-et-Soumazannes
Roter-Turm-Pass

Am 28. Mai 1916 wurde das Korps der 5. Armee unterstellt, am 1. Juni bezog es Quartier in Azannes. In der der Schlacht von Verdun wurden die Alpenjäger am östlichen Maasufer der Angriffsgruppe Ost des Generals von Lochow zugeteilt. Am 8. Juni erfolgte der erste Einsatz des Korps im Abschnitt des I. Bayerischen Korps. Durch die Hassoule-Schlucht, auch Totenschlucht genannt, erreichten sie das heißumkämpfte Fort Douaumont. Von hier aus ging es im Bereich des Dorfes Fleury und dem Zwischenwerk Thiaumont direkt in die Hauptkampflinie. An den Flügeln war rechts die Bayerische 1. Division ebenfalls gegen Thiaumont und als linker Nachbar die 103. Division gegen den Abschnitt Souville - Tavannes angesetzt. Fleury, Thiaumont sowie die Munitionsräume bei Fleury (Poudriere de Fleury) wurden im Rahmen von zwei Großangriffen am 23. Juni und 11. Juli 1916 eingenommen. Ein kleiner Stoßtrupp des bayerischen Infanterie-Leibregimentes erreichte sogar die sogenannte „Filzlausstellung“ (Ouvrage de Morpion) und erzielte damit kurzfristig den weitesten Vorstoß deutscher Truppen vor Verdun. Am 9. August 1916 wurde das Korps aus dem Bereich der 5. Armee und somit aus der Schlacht von Verdun entlassen.

Der rumänische Feldzug[Bearbeiten]

Rumänien hatte Österreich-Ungarn am 27. August 1916 den Krieg erklärt. Unmittelbar darauf rückten russische Truppen in die Moldau ein, links davon brach die „rumänische Nordarmee“ über die östlichen Karpaten in Ungarn und die rumänische 1. und 2. Armee aus der Walachei in Siebenbürgen ein. Am 28. August wurde der deutsche Generalstabschef Falkenhayn durch das Duo Hindenburg und Ludendorff abgelöst und erhielt ein Armeekommando im rumänischen Feldzug. Die oberste Heeresleitung an der Ostfront unter der Führung Prinz Leopold von Bayern stellte zwei neue Armeen zum Schutze Siebenbürgens auf. Die nördlichere „k. u. k. 1. Armee“ unter Generaloberst Arz von Straußenburg und die südlichere deutsche 9. Armee unter General von Falkenhayn. Der letztgenannten 9. Armee wurde das von der Westfront freigemachte Alpenkorps zugeteilt, das jetzt an den Rumänischen Kriegsschauplatz verlegt wurde.

Während der Schlacht bei Hermannstadt durchschritt das Alpenkorps das Zibinsgebirge, das die beiden Flügel der auf breiter Front aufmarschierten „1. rumänischen Armee“ trennte. Über den Gebirgskamm kommend, brachten die Alpenjäger am 26. September die im Frontalangriff stehende deutsche 187. Infanterie-Division die nötige Entlastung. Im Rücken des Feindes vordringend, wurde den Rumänen dabei der Rückzug durch den Roten-Turm-Pass versperrt. Gemäß Gefangenenaussagen hatte das Korps mit seinen 9 Bataillonen erfolgreich gegen 54 der rumänischen Armee im Kampf gestanden.[2] Bei Turnu Roșu (deutsch: Roter Turm, ungarisch: Vöröstrony) wurde zur Erinnerung an diesen Sieg eine Tafel mit der Inschrift „DEUTSCHES ALPENKORPS 26–29.IX 1916“ an der Felswand angebracht.

Erzherzog Karl und Generalfeldmarschall Mackensen besichtigen die Jägertruppe

Am 9. Oktober siegte der linke Flügel der 9. Armee nochmals bei Kronstadt und bereitete den weiteren Einbruch ins südlichere Rumänien vor. Der Befehlshaber des bayrischen Leibregiments, Prinz Heinrich von Bayern, wurde während der Kämpfe am 7. November verwundet und starb am Tag danach. Das Leib-Regiment eroberte an jenem Tage die letzte Höhe des Monte Sule, am 21. November brach die „Gruppe Krafft“ endgültig durch das siebenbürgische Gebirge nach Süden durch und gelangte in die Tiefebene der Walachei. Es folgten Verfolgungskämpfe bei Curtea de Argesch bis Pitești. Anfang Dezember hatte das Korps Krafft entscheidenden Anteil an der Schlacht am Argesch, die schließlich zur Einnahme von Bukarest führte. Nach dieser Schlacht schwenkte die 9. Armee von Osten nach Norden ein, den Angelpunkt bildete dabei die Gruppe Krafft. Am 7. Dezember eroberten die Jäger zusammen mit dem XXXIX. Reserve-Korps Ploesti und die dortigen Ölfelder.

Mitte Dezember folgten Kämpfe an der Jalomița. Die „Gruppe Krafft“ wurde hierbei am linken Flügel der 9. Armee eingesetzt. Ein Friedensangebot der Mittelmächte blieb in dieser Zeit vom Gegner unbeachtet. Am 21. Dezember kam es zur Weihnachtsschlacht von Rimnicul-Sarat, dem Korps gegenüber standen nicht nur Rumänen, sondern erstmals auch Russen (Trans-Kaspische Kosaken-Brigade). Ein Bataillon wurde am 23. Dezember nach Șindrilița befohlen und hielt Verbindung zur benachbarten „Gruppe Gerok“ der österreichischen HeeresgruppeErzherzog Josef“. Nach der Schlacht rückte die 9. Armee zum Sereth nach und wurde an den Putna-Abschnitt vorgeschoben. Das Korps folgte der Magura in Richtung auf Odobești, das auf deren letztem Ausläufer lag. [3]

Am 2. Januar 1917 erreichte das Korps Bolotești. Über den 6 bis 8 Meter breiten jedoch nur 1 Meter tiefen Putna kam es aber zu keinem weiteren Vorgehen mehr. Am anderen Ufer war die Grenze zum Kaiserreich Russland, am Fluss folgten Monate des Stellungskrieges.

Am 10. April 1917 schied das Alpenkorps aus der 9. Armee aus und ging mehrere Wochen im Raum von Kronstadt in Ruhequartiere. Der neue Korpskommandeur besichtigte seine Einheiten am 13. April in Mühlbach. Im Mai wurden neue Jagdkommandos, die späteren Sturmtrupps ausgebildet, gleichzeitig wurden kompanieweise Minenwerfer (MW)-Züge aufgestellt.

Ende Mai 1917 wurde das Alpenkorps ins Ober-Elsass zurück an die Westfront verlegt. Während der Minenwerfer-Ausbildung am Kaiserstuhl wohnten mehrere Truppenteile einem Vortrag des Pour le Mérite-Trägers Hptm. Haupt über die Erstürmung des Forts Douaumont bei. Am 14. Juni wurde das Korps ins „Loch von Belfort“ verlegt.

Anfang August 1917 verlegte das Alpenkorps abermals nach Rumänien. In der „Durchbruchsschlacht an der Șușița“ überquerte die Jäger am 12. August 1917 die Putna in Richtung Străoane. Unter der Führung des Hauptmanns Fischer griff die Gruppe der beiden 10. Jäger-Bataillone am 15. August Muncelul[4] an. Mit der Einnahme Munceluls endete am 28. August die letzten größeren Kämpfe an diesem Abschnitt, es folgten erneut Stellungskämpfe, diesmal bei Zabrautioru.

Der italienische Feldzug[Bearbeiten]

Im Anschluss an die Elfte Isonzoschlacht richtete Kaiser Karl an die deutsche OHL die Bitte um Truppenhilfe für die wankende Isonzofront. Es geschah zu dem Zeitpunkt, als sich die Flandernschlacht auf ihrem Höhepunkt befand, trotzdem entsprach die OHL dem Ansinnen und entsandte 6 Divisionen zum italienischen Kriegsschauplatz. Unter den nach Italien abgehenden Verbänden befand sich auch das Alpenkorps, dessen Führung ab 5. September Generalmajor Ludwig Ritter von Tutschek übernommen hatte.

Matarello südlich von Trient wurde der Versammlungsraum des vorerst dem k. u. k. 11. Armeeoberkommando unterstellten Alpenkorps. Die Aufgabe des Korps war es, den gegenüberliegenden Italienern die Ankunft deutscher Verbände anzuzeigen und von geplanten Angriffsvorbereitungen bei Tolmein abzulenken. Im Raum des anscheinend günstigsten Angriffspunktes verfügte man aber noch nicht über genügend Soldaten. Am 10. Oktober wurde das Korps dem Bayerischen III. Armee-Korps (Gruppe Stein) der neuaufgestellten 14. Armee unterstellt und bereitete sich für die Zwölfte Isonzoschlacht vor.

In der Durchbruchsschlacht durch die Julischen Alpen, welche vom 24. bis zum 27. Oktober 1917 andauerte fiel es dem Alpenkorps zu die Höhe 1114, dem Mittelpunkt der ganzen Kolovratstellung,[5] anzugreifen. Bei Tolmein antretend gelang dem Korps zusammen mit der 12. Division der schnelle Durchbruch durch die Stellungen des italienischen XXVII. Korps unter General Badoglio. Bereits am ersten Angriffstag am 24. Oktober eroberte das Leibregiment diese Kuppe und den Monte Kuk, das Dorf Luico fiel am folgenden Tag. Nach der Erstürmung des Monte Matajur am 26. Oktober war auch die zweite italienische Stellung - verteidigt vom IV. Korps unter General Cavacciochi - im Wanken. Der Durchbruch der 14. Armee war am 27. Oktober auf der ganzen Angriffsfront gelungen und daher die italienische 2. Armee im vollen Rückzug. Das Korps marschierte auf Clenia, erstürmte den Monte Madlessena und verfolgte die Italiener weiter in Richtung auf Cividale. Die 14. Armee schnitt derweil auch der zwischen Görz und Adria zurückweichenden 3. italienischen Armee des Herzogs von Aosta den Rückzug ab und griff vom oberen Tagliamento die rückwärtigen Verbindungen des Feindes an. Östlich Udines befand sich das Hauptquartier des italienischen Generalstabschefs Cardonas, bis 29. Oktober fiel auch dieses in deutsche Hände.

Der Monte Tomba

Die Tagliamentofront brach seit 3. November zusammen, am 8. ging das Alpenkorps bei Pinzano über den Fluss und operierte jetzt im Anschluss an die k.u.k. Gruppe Krauß in westlicher Richtung auf Aviano. Der deutsch-österreichische Vorstoß konnte von den Italienern erst am Piave-Fluss aufgehalten werden, nachdem sie um 6 französische sowie 5 englische Divisionen verstärkt worden waren. Beim Dorf Vas gelang dem Jäger-Regiment 1 am 18. November der Übergang am Piave, dabei wurde die auf Alano operierende deutsche Jäger-Division dem Alpenkorps unterstellt. Links von der Jäger-Division stehend, wurde das Korps gegenüber dem Monte Tomba[6] in der Ersten Piaveschlacht eingesetzt. Es verließ am 16. Dezember die Tomba-Stellung und wurde etwa 100 km hinter die Frontlinie nach Cordenons und Vivaro, wo es Weihnachten verleben sollte, zurückgezogen.

Erneut an der Westfront[Bearbeiten]

Im Januar 1918 wurde das Korps erneut an die Westfront transportiert und in Saarburg ausgeladen. Bis 7. April verharrte das Korps in Cirey als Reserve der deutschen Argonnenfront. Von dort wurde es zur Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht“ nach Flandern verlegt, um ab 9. April in Lille ausgeladen an der Operation Georgette (oder auch „Schlacht an der Lys“) teilzunehmen. Am 12. April löste das Korps die 10. Ersatz-Division bei Steenwerk ab und griff am Vormittag des 13. April Bailleul an. Nach einer kurzen Erholungspause wurde das Korps zur „zweiten Schlacht um den Kemmel“ auf die vorgelagerte Rossignolhöhe verlegt. Die Sturmtrupps des Korps wurden mit Flammenwerfern ausgerüstet und griffen von der Stirnseite her an. Die sogenannte „zweite Schlacht“ brachte dem Korps 3500 Mann an Verlusten, aber am 25. April gelang die Erstürmung des Berges. Der Kemmelberg wurde behauptet, bis das Korps am 7. Mai den Abschnitt wieder verließ. Bis 15. Mai wurde das Korps als neue Heeresgruppenreserve nach Tourcoing, ab 17. Mai in Ruhequartiere um Eename verlegt.

Nach zwölf Wochen der Ruhe verließ das Korps Flandern und wurde als Eingreif-Division in den Brennpunkt des Abwehrkampfes der 18. Armee bei Roye hineingeworfen. Nach dem Schwarzen Tag des deutschen Heeres[7] wurde das Korps zuerst als OHL- Reserve im Raum Nesle, im Bereich der neugebildeten „Heeresgruppe v. Boehn“ eingesetzt. Am 18. August erging der Befehl, dass die 18. Armee die Aufgabe des Geländes westlich der Somme vorbereiten solle, bis 28. August ging das Alpenkorps auf die Linie Épénancourt bis Béthancourt zurück. Lastkraftwagen beförderten das Korps am 1. September in den Raum nördlich von Péronne zurück. Vor der „Siegfriedstellung“ hatte das Korps als Reserve der 2. Armee den Kanal bei Moislains zu sichern, bevor es sich am 4. September auf die „Tincourt-Stellung“ zurückzog.

Die neubezogene „Épehy-Stellung“, eine Höhe vor der Niederung des Schelde-Kanals, galt es nach dem Korpsbefehl am 5. unter allen Umständen zu halten. Am 8. September konnten starke englische Angriffe auf Epehy noch abgewiesen werden. Allen war bewusst, wenn Epehy verloren ginge, dann wäre die Kanalstellung einerseits und andererseits die östlichen Höhen davor unhaltbar, es gäbe dann kein Halten mehr. Der Kanal hatte eigentlich vorher zur „Hauptwiderstandslinie (HWL)“ ausgebaut werden sollen. Bedingt durch den Zeitmangel konnte dieses Vorhaben jedoch nicht mehr vollendet werden. Die Schlacht von Epehy am 18. September sollte für das Korps ein Großkampftag[8] werden. Die Engländer überliefen, unterstützt von Tanks, die Stellung und somit das Korps. Hauptmann Fischer, Kommandeur des „10. Reserve-Jäger-Bataillons“ und Träger des Hohenzollerischen Hausordens (Pour-le-Mérite-Orden des kleinen Mannes), fiel. Heinrich Kirchheim, Kommandeur des „10. Jäger-Bataillons“ und ebenfalls Träger des Hohenzollerischen Hausordens, wurde für seine Leistung an jenem Tage am 13. Oktober mit der Verleihung vom Orden des Pour le Mérites ausgezeichnet. Am 22. September wurden die abgekämpften Truppen durch die 8. Division freigemacht und noch einmal nach Serbien abtransportiert.

Kriegsende in Serbien[Bearbeiten]

Die Balkanfront war bereits im Wanken, am 29. September 1918 kapitulierte Bulgarien. Das Alpenkorps sollte versuchen den dortigen Zusammenbruch zu verzögern. Vom 3. bis zum 9. Oktober wurde im altvertrauten Nisch ausgeladen, auf den Höhen der Pasjaca Planina sollte eine erste Abwehrstellung bezogen werden. Die benachbarte 219. Division verlor im Anschluss die Höhen bei Toplica, es blieb der deutschen 11. Armee nur noch der Rückzug auf die Linie Kraljewo - Krusevac - Knjazevac um von den verfolgenden Serben nicht umfasst zu werden. Nach letztem Widerstand südlich von Kragujevac und den Rückzug der benachbarten k.u.k. 30. Division aus Kraljewo begann ab 30. Oktober die allgemeine Absatzbewegung des Alpenkorps auf Belgrad. Über Semlin wurde der Rückzug durch das sich bereits feindlich verhaltende Ungarn angetreten. Über die Eisenbahnlinie Szegedin, Budapest, Wien und Salzburg wurde die deutsche Grenze erreicht.

Kommandeure[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
Generalleutnant Konrad Krafft von Dellmensingen 21. Mai 1915 bis 28. Februar 1917
Generalleutnant Leo Sontag 1. März bis 4. September 1917
Generalmajor Ludwig Ritter von Tutschek 5. September 1917 bis 2. Dezember 1918

Sonstige Offiziere[Bearbeiten]

Edelweißabzeichen[Bearbeiten]

Das vom Alpenkorps getragene Edelweißabzeichen war österreich-ungarischen Ursprungs. Für Hilfe in höchster Not, als nach dem italienischen Kriegseintritt die Grenzen zur k.u.k. Monarchie nahezu entblößt waren und deutsche Truppen zur Hilfe abgestellt wurden, bis die Front durch herangeführte Verstärkungen stabilisiert war. Aus Dankbarkeit für diese Hilfe verlieh das k.u.k. Oberkommando den deutschen Truppen das Edelweiß der k.k. Gebirgstruppe - wie es übrigens heute noch von den Gebirgsjägern der Bundeswehr getragen wird.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinz von Lichem: Der Einsame Krieg. Hornung Lang, Bozen 1974, ISBN 978-3873640313.
  • Ralf von Rango, Generalmajor a.D.: Das Jäger-Regiment Nr. 3. Druck u. Verlag: Buchdruckerei und Verlagsanstalt Anton Dreselly, München, Hans-Sachs-Straße 12
  • Heinz von Lichem: Gebirgskrieg 1915–1918. Band 2, Athesia, Bozen 1981, ISBN 88-7014-236-1
  • Konrad Krafft von Dellmensingen (General der Artillerie): Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914–1918. Band 1 und 2, Stuttgart 1930
  • Günther Hebert: Das Alpenkorps: Aufbau, Organisation und Einsatz einer Gebirgstruppe im Ersten Weltkrieg. Boppard 1988, ISBN 3-7646-1860-4
  • Walther Schaumann: Führer zu den Schauplätzen des Dolomitenkrieges. Band 1, 1973, Verlag Foto Ghedina Cortina d’Ampezzo
  • Reinhard Kastner: Bayerische Flieger im Hochgebirge. Die bayerische Feld-Flieger-Abteilung 9 im Alpenkrieg. Gröbenzell, 1998
  • Martin Breitenacher: Das Alpenkorps 1914-1918. Vorhut, Berlin 1939
  • Roland Kaltenegger: Das deutsche Alpenkorps. Leopold Stocker Verlag, 1995 (rechtsradikaler Verlag)
  • Feldzeitung des Deutschen Alpenkorps. 1918 (LLB Detmold)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unter Mitwirkung des Reichsarchivs herausgegebene Darstellung „Die Tragödie von Verdun“, 3. und 4. Teil (Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg)
  2. Erich von Falkenhayn: Der Feldzug der 9. Armee gegen die Rumänen und Russen 1916/17. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1921 (Online-Version)
  3. Albert Reich: „Durch Siebenbürgen und Rumänien“
  4. auch wenn der Ort im LINK nur Muncelu heißt, ist es mehr als wahrscheinlich, dass es sich bei ihm um den in deutschen Regimentsgeschichten des Ersten Weltkriegs Ort Muncelul handelt
  5. Kolovrat, Freilichtmuseum erste Weltkrieg
  6. Monte Tomba
  7. Erich Ludendorff: „Meine Kriegserinnerungen 1914-1918“; Berlin 1919, Seite 547
  8. Der Begriff war 1916 erstmals im Heeresbericht verwendet worden.