Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer

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Stele am Eingang des FÖV.JPG
FÖV-Anbau

Das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) in Speyer ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit der gesetzlichen Aufgabe der Forschung im Bereich der Verwaltungswissenschaften, insbesondere im Rahmen fächerübergreifender Forschungsvorhaben, unter besonderer Berücksichtigung der praktischen Aufgaben und Bedürfnisse der öffentlichen Verwaltung.

Das FÖV ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und verfügt über einen regen internationalen Austausch mit Wissenschaftlern und Forschungsinstitutionen aus aller Welt. Der Direktor des FÖV ist der Rechtswissenschaftler Jan Ziekow.

Das FÖV hat die Rechtsform einer rechtsfähigen Anstalt des öffentlichen Rechts. Der Institutshaushalt, 2012 ca. 2,43 Mio. Euro, wird zu 50 % von der Bundesrepublik und zu 50 % von den Ländern finanziert. Als Resultat einer Evaluierung hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft am 17. Juli 2014 empfohlen, diese gemeinsame Förderung zu beenden und die wissenschaftliche Arbeit des Instituts wieder in die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer (DHV Speyer) zu integrieren, aus der es in den 1970er-Jahren hervorgegangen war.[1]

Die ordentlichen Mitglieder des FÖV, viele davon Professoren der DHV Speyer, vertreten verschiedene Fächer der Rechtswissenschaft (z. B. Europarecht, öffentliches Recht, Planungsrecht), der Wirtschaftswissenschaften, der Sozialwissenschaften (z. B. Politikwissenschaft, Soziologie, Verwaltungsgeschichte, Organisationspsychologie), der Verwaltungswissenschaft im engeren Sinne (z. B. vergleichende Verwaltungswissenschaft) und sollen jeweils die Erkenntnisse und Methoden ihrer Fachdisziplinen für das Verständnis und die Erforschung von Staat und Verwaltung fruchtbar machen.

Sie selbst und unter ihrer Anleitung am FÖV beschäftigte Forschungsreferenten bearbeiten nach erfolgreicher Antragstellung Forschungsprojekte, deren Resultate veröffentlicht wurden in Fachzeitschriften, in bisher 246 bei Verlagen erschienenen Büchern[2] und in 267 Forschungsberichten[3] (Stand März 2012). Die 267 Forschungsberichte und die 71 Discussion Papers[4] können beim FÖV bestellt oder als PDF von der Homepage heruntergeladen werden.

Begleitet wird die Forschung am FÖV von einem wissenschaftlichen Beirat, der alle Projekte begutachtet und zur Sicherung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit und Qualität nur aus Wissenschaftlern besteht, die nicht an der DHV Speyer lehren.

Als Forschungspartner und Berater hat das FÖV korrespondierende Mitglieder berufen.

Bestimmte Schwerpunkte der Forschung werden in interdisziplinären Verbundprojekten abgedeckt, darüber hinaus bestehen Forschungsprojekte auf Basis von eingeworbenen Drittmitteln.

Als Serviceelemente unterhält das Institut, die von Helmut Klages gegründete Arbeitsstelle für Verwaltungsbefragungen,[5] die von Carl Böhret auf Wunsch der Verwaltungsmodernisierungskommission Rheinland-Pfalz und auf Wunsch verschiedener Landesverwaltungen gegründete Wissenschaftliche Dokumentations- und Transferstelle für Verwaltungsmodernisierung in den Ländern (WiDuT)[6] und das ebenfalls auf die wissenschaftlichen Arbeiten Carl Böhret von basierende Institut für Gesetzesfolgenabschätzung und Evaluation Speyer (InGFA).[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Schachbrunnen vorm Forschungsgebäude - im nördlichen Drittel des Gebäudes die FÖV-Büros.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

  • 1956: Der Gedanke der Errichtung eines Instituts für Verwaltungswissenschaften geht zurück auf einen Vorschlag des Bundesministeriums des Innern in Zusammenhang mit der Begründung der Deutschen Sektion des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften am 20. Januar 1956. Aufgrund der damals positiven Einschätzung der Leistungen der Hochschule in Aus- und Fortbildung, und weil sie vom Bund und allen Ländern (damals mit einer Ausnahme) gemeinsam getragen wurde, sah man Speyer als „idealen Ort für den als dringend notwendig betrachteten Ausbau der verwaltungswissenschaftlichen Forschung und der zusammenfassenden Planung von Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Verwaltung und des Verwaltungsrechts“ in Deutschland an. Diesen Vorschlag machten sich Senat und Verwaltungsrat der Hochschule zu eigen. Aus einem Referentenmodell des Bundesministerium des Innern entwickelte die Hochschule einen Organisations- und Haushaltsplan, jedoch konnte das BMI 1957 seine Vorstellungen gegenüber dem Bundesministerium der Finanzen nicht durchsetzen.
  • 1961 stellte der Senat der Hochschule Grundsatzüberlegungen an zur Einrichtung eines Instituts für "Forschung und Information".
  • 1962 folgte der hochschulinterne Errichtungsbeschluß mit Zusammenfassung der Forschungsassistenten-Stellen. Einer dieser Forschungsassistenten war Niklas Luhmann.
  • 1965 folgte der Errichtungserlaß des Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz vom 31. Januar 1965 als Einheit innerhalb der Hochschule. Der Rektor der Hochschule war zugleich Geschäftsführender Direktor des Instituts; Finanzierung und Sachmittel stammten aus dem Hochschulhaushalt

Ausgliederung aus der Hochschule[Bearbeiten]

  • 1976 wurde das FÖV eigenständig durch die Errichtung des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer mittels Anordnung des Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz vom 31. Mai 1976 [GVBl. S. 184]: Damit erfolgte die organisatorische und finanzielle Verselbständigung des Instituts als selbstverwaltete Forschungseinrichtung, die unmittelbar dem Ministerpräsidenten - Staatskanzlei - des Landes Rheinland-Pfalz unterstand.
  • 1977 folgte der Erlaß der Institutsordnung des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer vom 27. August 1977 (Staatsanzeiger Nr. 50 vom 27. Dezember 1977, S. 922), die Bestimmungen über die interne Ordnung des Instituts enthält.
  • 1978 erfolgte die Verankerung im Landesgesetz über die Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer - Verwaltungshochschulgesetz (- VHochSchG -) vom 21. Juli 1978 (GVBl. S. 568), dessen § 60 die gesetzliche Grundlage des Forschungsinstituts bildete.
  • 1982 - 1984 folgte die Planung und Errichtung des Institutsgebäudes, welches am 29. Juni 1984 eingeweiht wurde.
  • 1991 erfolgte der Beitritt zur "Arbeitsgemeinschaft Forschungseinrichtungen Blaue Liste" (heute Leibniz-Gemeinschaft)
  • 1991/1992 erfolgte der Beitritt der fünf neuen Länder zum Institutsverwaltungsrat
  • 3. November 1995 erfolgte der Beitritt zur neuformierten Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste
  • 2004 erfolgte die Umwandlung des FÖV von einer nichtrechtsfähigen Anstalt des öffentlichen Rechts unter Aufsicht der Staatskanzlei in eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts
  • 2007 folgte die Umressortierung von der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz zum Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz

Direktoren[Bearbeiten]

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten]

Rechtsgrundlagen des FÖV sind die §§ 67-70 DHVG[8], die Landesverordnung über das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung vom 15. Juni 2012 (GVBl. RLP, 213)[9] und die Institutsordnung des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer[10].

Gebäude[Bearbeiten]

Das Gebäude des FÖV steht auf dem Campus der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer an der Freiherr-vom-Stein-Str. 2, Speyer in zweiter Reihe westlich hinter dem Gebäudekomplex von Sep Ruf. Das Treppenhaus des 1984 als Anbau zum Lehrstuhlgebäude der Universität errichtete Bürogebäudes ist mit Fresken von Paul in den Eicken geschmückt.

Quellen[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung: Jahresbericht 2011 und
  • Homepage des FÖV

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Amos: Zur Geschichte des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der (Deutschen) Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer 1956/1962-2001 (Speyerer Forschungsberichte 228), Speyer 2002.
  • Franz Knöpfle: 25 Jahre Hochschule für Verwaltungswissenschaften, in Schriftenreihe der Hochschule Speyer Band 50

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.leibniz-gemeinschaft.de/fileadmin/user_upload/downloads/Evaluierung/Senatsstellungnahmen/FOEV_-_Senatsstellungnahme_17-07-2014_mit_Anlagen.pdf
  2. http://www.foev-speyer.de/publikationen/pubdb.asp?reihen_id=2
  3. http://www.foev-speyer.de/publikationen/pubdb.asp?reihen_id=1
  4. http://www.foev-speyer.de/publikationen/pubdb.asp?reihen_id=3
  5. http://www.foev-speyer.de/serviceelemente/afv.asp
  6. http://www.foev-speyer.de/widut/inhalte/02_widut.asp
  7. http://www.ingfa-speyer.de/
  8. http://www.foev-speyer.de/ueberuns/Recht/dhvg.asp
  9. http://www.foev-speyer.de/ueberuns/recht/lvfoev.asp
  10. http://www.foev-speyer.de/ueberuns/recht/instord.asp

Weblinks[Bearbeiten]