Deutsches GeoForschungsZentrum

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Helmholtz-Zentrum Potsdam
Deutsches GeoForschungsZentrum

(GFZ)

Deutsches-GeoForschungsZentrum-Logo.svg
Rechtsform: Stiftung öffentlichen Rechts [1]
Zweck: Forschung Geowissenschaften [1]
Vorsitz: Reinhard Hüttl [2]
Geschäftsführung: Stefan Schwartze [2]
Bestehen: seit 1. Januar 1992 [1]
Entstanden aus: Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE)
Stifter: Brandenburg [3]
Bilanzsumme: ca. 90 Millionen Euro [4]
Mitarbeiterzahl: ca. 1.200 [4]
Sitz: Potsdam [3]
Website: www.gfz-potsdam.de
GeoForschungsZentrum

Das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ (englisch: GFZ German Research Centre for Geosciences), bis zum 16. Juni 2008 GeoForschungsZentrum Potsdam, ist das nationale Forschungszentrum für Geowissenschaften in Deutschland. Es befindet sich im Wissenschaftspark Albert Einstein auf dem Potsdamer Telegrafenberg.

Organisationsform und Vorgängerinstitute[Bearbeiten]

Das GFZ wurde 1992 als eine von drei neuen Großforschungseinrichtungen in der damaligen „Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen“ gegründet.

Es steht in einer traditionsreichen Nachfolge von Forschungsinstituten, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Telegrafenberg befinden und den Ruf Potsdams als exzellenten geowissenschaftlichen Standort begründeten, so unter anderem das Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE), ein Institut der Akademie der Wissenschaften der DDR, das Forschungen in der Geophysik und der Höheren Geodäsie vereinigte.

Letztlich geht das GFZ auf ein Institut der Preußischen Akademie der Wissenschaften zurück, das Geodätische Institut Potsdam. Unter seinem Direktor Friedrich Robert Helmert (Direktor von 1886 bis 1917) entwickelte sich das Potsdamer Institut zum Weltzentrum für die wissenschaftliche Geodäsie (also Wissenschaft von der Figur und dem Schwerefeld der Erde). Der Potsdamer Absolutwert der Erdanziehung war von 1909 bis 1971 der internationale Referenzwert („Potsdamer Schwerewert“). Maßgeblich an diesen Arbeiten beteiligt war der Sektionschef des GI Theodor Albrecht.

Das GFZ hat intensive Kooperationen mit anderen geowissenschaftlichen/geotechnischen Institutionen weltweit und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Träger ist zu 90 % das Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Struktur des GFZ[Bearbeiten]

Informationsschild des Wissenschaftsparks „Albert Einstein“, Schild des GFZ oben rechts

Das GFZ gliedert sich in fünf Fachabteilungen, genannt „Departments“, sowie die „Geoengineering-Zentren und Wissenschaftliche Infrastrukturen“.

Fachabteilungen[Bearbeiten]

Die Forschungsschwerpunkte der Departments sind:

Geoengineering-Zentren und Wissenschaftliche Infrastrukturen[Bearbeiten]

Große Forschungsthemen sind zeitlich befristet in die Geoengineering-Zentren für das Erdsystem-Management eingebunden. Zurzeit bestehen folgende Geoengineering-Zentren:

  • Internationales Geothermiezentrum ICGR
  • Zentrum für Frühwarnung EWS
  • Zentrum für GeoInformationsTechnologie CeGIT
  • Zentrum für geologische Speicherung CGS
  • Zentrum für integrierte Kohlenwasserstoffforschung CIHR (in Gründung)

Im Bereich Erdsystembeobachtung bestehen folgende wissenschaftlichen Infrastrukturen:

  • Bibliothek und Informationsdienste LIS
  • Modular Earth Science Infrastructure
  • Observatorien
  • Rechenzentrum
  • Wissenschaftliches Bohren

Satelliten-Projekte[Bearbeiten]

Das GFZ hat mehrere Satelliten entwickelt. Bereits der erste davon hat das Institut über die engeren Kreise seiner Wissenschaft hinaus bekannt gemacht.

Dieser erste, noch kleine LASER- und Forschungssatellit wurde GFZ-1 genannt und wurde 1992 für die Satellitentriangulation und die Analyse des irdischen Schwerefeldes gestartet. Seine Bahn in 400 km Höhe war für eine Lebensdauer von rund 5 Jahren ausgelegt. GFZ-1 wog 21 kg und war mit 60 passiven Laser-Reflektoren ausgerüstet, mit denen seine Entfernung zu den verschiedensten Bodenstationen zentimetergenau gemessen wurde.

Im August 2000 wurde (nach einiger Verzögerung) sein Nachfolger CHAMP für verfeinerte Messungen im Erdschwere- und Magnetfeld gestartet. Das Akronym steht für Challenging Minisatellite Payload for Geophysical Research. CHAMP bestimmt auch bestimmte Parameter der Sonnenaktivität.

Im Satellitenprojekt GRACE hat das Geoforschungszentrum entscheidenden Anteil an der Entwicklung zukunftsweisender Satellitentechnik. Man kann die zwei 2002 gestarteten GRACE-Satelliten als zwei CHAMPs betrachten, die auf derselben Umlaufbahn in etwa 200 km Entfernung hintereinander fliegen und dabei mit Mikrowellen laufend ihre Distanz (Elektronische Distanzmessung) und Dopplerverschiebung messen. Diese modernste Technik wird Satellite-to-Satellite Tracking (SST) genannt und analysiert laufend die Entfernung der beiden Satelliten auf Millimeterbruchteile genau. Daraus werden zusätzliche Messwerte produziert, aus denen man schließlich ein äußerst genaues, über etwa 100 × 200 km geglättetes Schwerefeld ableiten kann.

Seit einigen Jahren kooperiert das GFZ mit dem Entwicklungsteam des geplanten GOCE-Satelliten, der die GRACE-Methodik noch weiter verfeinern soll. Auch eine Kooperation zur Weiterentwicklung des PRARE-Messsystems sowie mit der Satellitenstation Wettzell im Bayrischen Wald ist im Gange.

Tsunami-Frühwarnung-Projekte[Bearbeiten]

BMBF-geförderte Projekte: GITEWS und PROTECTS[Bearbeiten]

In den Jahren 2005 bis 2011 entwickelte das GFZ in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Industrie ein Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien (GITEWS) und den östlichen Indischen Ozean. Insgesamt sollten bei dem Projekt zehn weit verteilte Messbojen verlegt werden, die zwischen Sumatra und Bali die gefährlichen, aber am Meeresspiegel kaum merklichen Wellen registrieren können. Die Daten werden via Satellit an ein Frühwarnzentrum weitergegeben. Die Kosten in Höhe von 45 Mio. Euro stellte das Bundesforschungsministerium (BMBF) im Mai 2005 zur Verfügung. Am 29. März 2011 wurde das System an Indonesien übergeben.

Das GITEWS-Nachfolgeprojekt PROTECTS verfolgt das Ziel, den indonesischen Partner in der Betriebsphase des Tsunami Frühwarnsystems durch Ausbildung, Training und wissenschaftliche Beratung intensiv zu unterstützen. Die nachhaltige Sicherung des Systems soll damit gewährleistet und der indonesische Partner nach Abschluss des Projektes im März 2014 in der Lage sein, das System nachhaltig zu betreiben.

Europäisches Forschungsrahmenprogramm-geförderte Projekte: DEWS und TRIDEC[Bearbeiten]

Auf europäischer Ebene ist das GFZ im Bereich Tsunami-Frühwarnsysteme an den Projekten DEWS (6. EU-Forschungsrahmenprogramm: 6.1 Mio. Euro Projektkosten) und TRIDEC (7. EU-Forschungsrahmenprogramm: 8.9 Mio. Euro Projektkosten) der Europäischen Union beteiligt. TRIDEC wurde bei den Global Risk Awards 2013 im Bereich Managing risk across boundaries ausgezeichnet.

Ergebnisse aus dem Bereich Tsunami-Frühwarnsysteme wurden auf der Weltausstellung Expo 2012 ausgestellt.

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • Mission Erde – Geoforschung zwischen Himmel und Hölle (ARD-Dokumentation, 2001, Buch und Regie: Torsten Sasse). Ein Kamerateam begleitet die Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam zu den geologischen Brennpunkten der Erde. Die GFZ-Forscher untersuchen den Vulkan Merapi auf Java, nutzen den Satelliten Champ zur Messung des Erdmagnetfeldes und experimentieren mit Gashydraten im Permafrostboden der kanadischen Arktis. Einen Schwerpunkt legt die Dokumentation auf die wissenschaftlichen Auswertungen in den Potsdamer Labors.
  • Die Tsunami-Warner (Arte-Dokumentation, 2005). „Als der Tsunami am zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres verheerende Schäden anrichtete, wurden die Beben, die ihn verursachten, durchaus gemessen. Aber es fehlte an einem Warnsystem, das rechtzeitig einen Alarm hätte auslösen können. Dieses Seebeben-Frühwarnsystem wird nun im Indischen Ozean installiert – von Wissenschaftlern aus Deutschland und ihren indonesischen Partnern, den Tsunami-Warnern. Die Dokumentation stellt das Projekt vor.“[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zum Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien unter Beteiligung des GFZ:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Geschichte der Geowissenschaften auf dem Telegrafenberg. GFZ. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  2. a b Vorstand. GFZ. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  3. a b Impressum. GFZ. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  4. a b Zahlen und Fakten. GFZ. Abgerufen am 5. Januar 2014.
  5. arte-tv.com

52.38255555555613.064444444444Koordinaten: 52° 22′ 57,2″ N, 13° 3′ 52″ O