Deutsches Ledermuseum

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Das Deutsche Ledermuseum ist ein Museum in Offenbach am Main, das die weltweite Verwendung des Materials Leder im Kunsthandwerk, in der Kunst und im alltäglichen Leben aufzeigt. Auf einer Ausstellungsfläche von rund 2.500 m² werden dort mehr als 30.000 Exponate gezeigt.

Das Deutsche Ledermuseum

Geschichte[Bearbeiten]

Hugo Eberhardt, der Direktor der Technischen Lehranstalten (heute Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main) erkannte bei seiner Arbeit an der Hochschule, das „für die Ausbildung von Formgestaltern von morgen, die Begegnung mit dem historischen Objekt unerlässlich ist“[1]. Er begann bald eine Sammlung an der Hochschule aufzubauen. In Anbetracht der damals für Offenbach wichtigen Lederwarenindustrie wurde diese der Schwerpunkt der Sammlung. Leder als Material sollte die Rolle des Mediums und des Türöffners spielen.[2] Am 13. März 1917[3] wurde von Eberhardt schließlich das Deutsche Ledermuseum in der Frankfurter Straße eröffnet. Später betreute er als Architekt noch den Umbau des heute 175-Jahre alten klassizistischen Städtischen Lagerhaus für das Museum.

Aus der Lehrmittelsammlung historischer und zeitgenössischer Designobjekte wurde nach 1945 mehr und mehr ein spezielles Heimatmuseum der untergehenden Offenbacher Lederwarenindustrie. Der ursprüngliche Ansatz eines Designmuseums (damals als Kunstgewerbemuseum bezeichnet) lässt sich anhand älterer Exponate noch erleben.

Nach Eberhardts Tod 1959 übernahm sein Assistent Günter Gall für die nächsten 30 Jahre die Leitung des Museums und erweiterte es zweimal, 1960 und 1981.[4] Auch ihm folgte mit Dr. Renate Wente-Lukas eine Mitarbeiterin auf diesem Posten nach.[5] Heutiger Direktor ist Dr. Christian Rathke[6] (Stand: Januar 2014).

Das Deutsche Ledermuseum ist Teil des Projektes Route der Industriekultur Rhein-Main.[7]

Sparten[Bearbeiten]

Rekonstruktion eines germanischen Bundschuhs aus dem 2. Jahrhundert
Schattenspielfiguren aus dem sog. Qianlong-Satz
Die Turnschuhe des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer

Das Deutsche Ledermuseum ist ein Mehrspartenmuseum und vereinigt drei Museen unter einem Dach:

  • das Museum für angewandte Kunst und Industrie (faktisch heute nur Lederwaren)
  • das Ethnologische Museum
  • das größte Schuhmuseum Europas

Museum für Angewandte Kunst[Bearbeiten]

Anders als der Name vermuten lässt, sammelt diese Sparte des Museums fast hauptsächlich historische Lederwaren, die von dem alten Ägypten, über Kunsthandwerkliches aus diversen Jahrhunderten und Manufaktur- und Industrieerzeugnissen jüngerer Zeiten reichen. Es finden sich Exponate wie Gürtel, Taschen, Prunkschilde und -waffen, Rüstungen, Masken, lederne Bücheinbände und Minnekästchen, darunter Aktentaschen Napoléon Bonapartes und seiner Frau Josefine, Koffer der Hersteller Louis Vuitton und Rimowa, sowie eine Chaise-Longue entworfen von Prof. Stefan Heiliger.

Ethnologisches Museum[Bearbeiten]

Das Ethnologische Museum offeriert eine breite kontinentübergreifende Ausstellung. So sind die asiatischen Exponate die weltweit bedeutendste Sammlung orientalischer, chinesischer und südostasiatischer Schattenspielfiguren aus Pergament. Ebenso sind viele Exponate aus den Kulturen Japans, Chinas und Tibets sowie der Polarregionen zu finden. Die Amerika-Abteilung arbeitet mit dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und dem Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main zusammen. So bildet die Offenbacher Ausstellung einen Schwerpunkt zu den Kulturen der amerikanischen und kanadischen Völkern wie den Diné, Hopi oder Blackfoot.

Deutsches Schuhmuseum[Bearbeiten]

Das eingegliederte Deutsche Schuhmuseum zeigt die internationale und nationale Schuhmode aus vier Jahrtausenden. Es finden sich Exponate aus ägyptischen Mumiengräbern, aus dem Iran, Italien, China und vielen weiteren Ländern. Darunter sind beispielsweise die Seidenstiefel der Kaiserin Sissy, aber auch die Turnschuhe Joschka Fischers, die er bei seinem Amtsantritt als hessischer Umweltminister trug.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Im Ledermuseum existiert ein ausgebauter Kinosaal, der in den 1980er Jahren als kommunales Kino genutzt wurde. Seit 2011 wird der Saal durch das Kulturzentrum Hafen 2 in unregelmäßigen Abständen als Programmkino genutzt.[8]
  • Die letzte Ruhestätte des Architekten Hugo Eberhardt befindet sich im Deutschen Ledermuseum, wo dessen Urne hinter einer Grabwand verwahrt wird.[9]
  • Das wahrscheinlich größte Exemplar der Welt eines Narwals befindet sich mit einer Länge von 2,74 Metern im Deutschen Ledermuseum.[10]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2011: Schattenspielfiguren[11]
  • 2013: Kulturen am Rand der chinesischen Welt: Mongolei, Südsibirien, Korea[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Carl: Kunstchronik. Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, Verband Deutscher Kunsthistoriker, 1957. S. 295
  2. Wolfgang Jäger: Vom Handwerk zur Industrie: Entstehung und Entwicklung des Ledergewerbes in Offenbach am Main, Festschrift zum 75jährigen Bestehen des deutschen Ledermuseums mit dem angeschlossenen Deutschen Schuhmuseum, am 13. März 1992 S. 7
  3. 13. März 2007 - Vor 90 Jahren: Deutsches Ledermuseum in Offenbach gegründet. In: .wdr.de. 13. März 2007, abgerufen am 18. Januar 2014.
  4. Einstiger Museumsleiter Günter Gall ist tot. In: Frankfurter Rundschau. 16. Dezember 2008. (online auf fr-online.de, abgerufen am 16. September 2013)
  5. Lothar Braun: 1917: Vom „Schnorrer“ und seinem Minnekästchen. In: Offenbach-Post. 10. Dezember 2008. (online auf offenbach.de, abgerufen am 16. September 2013)
  6. Impressum der Webpräsenz des Deutschen Ledermuseums. Auf: ledermuseum.de, abgerufen am 18. Januar 2014.
  7. Lokaler Routenführer Nr. 9 der Route der Industriekultur Rhein-Main. (PDF; 519 kB) Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  8. Claus Wolfschlag: Kommunales Kino in Offenbach scheiterte stets am Besuchermangel. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. In: op-online.de. 9. September 2011, abgerufen am 18. Januar 2014.
  9. Reinhold Gries: Der vergessene Todestag. op-online.de, 27. August 2009, abgerufen am 6. Oktober 2013 (deutsch).
  10. Guinness-Buch der Rekorde 1992, Ullstein, ISBN 3-550-07750-5.
  11. Auf der Leinwand Szenen aus Schatten in: FAZ vom 13. August 2011, Seite 59
  12. Kulturen am Rand der chinesischen Welt: Mongolei, Südsibirien, Korea. Auf: offenbach.de, vom 20. September 2013, abgerufen am 4. November 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Ledermuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.1033333333338.755Koordinaten: 50° 6′ 12″ N, 8° 45′ 18″ O