Deutsches Panzermuseum Munster

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Deutsches Panzermuseum Munster
Eingangsbereich
Eingangsbereich
Daten
Ort Hans-Krüger-Straße 33, 29633 Munster
Art Geschichtsmuseum, Technikmuseum
Architekt unbek.
Eröffnung 1983
Besucheranzahl (jährlich) 104.297 (2013)
Leitung Ralf Raths
Website www.deutsches-panzermuseum.de

Das Deutsche Panzermuseum Munster (DPM) ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Munster und des Ausbildungszentrums Munster der Bundeswehr – der zentralen Ausbildungsstätte für den Offizier- und Unteroffiziernachwuchs der gepanzerten Kampftruppen, der Heeresaufklärungstruppe und Heeresflugabwehrtruppe der Bundeswehr. Das Museum zeigt Panzer, Fahrzeuge, Waffen, Uniformen, Ausrüstung und militärische Abzeichen. Zeitlicher Schwerpunkt ist das 20. Jahrhundert, regionaler Schwerpunkt die deutsche Geschichte.

Das Museum entstand aus der „Lehrsammlung für die verwendungsbezogene Ausbildung“ der Kampftruppenschule 2 / Panzertruppenschule, die durch den Vertrag zwischen dem Bundesminister der Verteidigung und der Stadt Munster 1983 wesentlicher Inhalt der Ausstellung geworden ist.

Konzept[Bearbeiten]

In dem Museum wird nach dessen eigener Darstellung die Entwicklung der deutschen Panzertruppe vom Ersten Weltkrieg bis heute epochenweise dargestellt. Laut eigenen Angaben wird im Zuge einer Transformation des Museumskonzepts versucht, die Exponate über die Technikgeschichte hinaus kritisch durch den Blickwinkel möglichst vieler geschichtswissenschaftlicher Perspektiven zu betrachten. Hierzu gehören sozial-, wirtschafts-, politik- und kulturhistorische Ansätze ebenso wie Überlegungen zu Geschichtskonstruktion und Erinnerungskultur. Die Einordnung der Exponate in den historisch-fachwissenschaftlichen Kontext ist damit Leitlinie des Museumsbetriebes. Das Museum sieht sich damit den Ansätzen der „Modern Military History“ verpflichtet und behandelt daher neben diesen allgemeingeschichtlichen Aspekten durchaus auch „klassische“ Kernthemen der Militärgeschichte wie Operations-, Organisations- und Taktikgeschichte.

Seit 2010 benutzt das Museum den Slogan „Technik – Kultur – Gesellschaft“, um die enge Verknüpfung und gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Perspektiven kenntlich zu machen. Zu diesem Zweck wird auf eine Mischung von didaktischen und museumspädagogischen Mitteln gegriffen: So gibt es neben den Exponatsbeschilderungen auch Führungen, Multimediaguides, thematische Vertiefungsbereiche und Videostationen mit historischem Filmmaterial.

Einer Ausstellungskritik in der Zeit vom Juni 2012 zufolge konzentriert sich das Museum weitgehend auf die Technik und blendet die nationalsozialistischen Zwecke, zu denen die ausgestellten Waffen eingesetzt wurden, weitgehend aus. Das zeige sich an der Darstellung des Freikorps Ehrhardt, bei der die blutige Zerschlagung der Münchner Räterepublik ebenso verschwiegen werde wie die Verwendung des Hakenkreuzes. Die Schlacht von Kursk werde mit unpassenden Durchhalteparolen aus Landsersicht kommentiert. Laut dem Museumsleiter Raths werde das Konzept derzeit überarbeitet. Ein Großteil der noch heute gezeigten Schautafeln sei „in den achtziger Jahren von enthusiastischen älteren Herren erstellt [worden], die dem Museum mehr oder weniger ungefragt zugearbeitet haben“. Der Rezensent bescheinigte dem Museum daher „Nazimuff und Ignoranz.“[1]

Exponate[Bearbeiten]

Rommels Totenmaske

Schwerpunkt der Ausstellung sind deutsche Panzer und Fahrzeuge von 1918 bis 2003. Die Sammlung ist nicht vollständig, bietet aber einen zusammenhängenden und aussagekräftigen Bestand von Fahrzeugen der kaiserlichen Armee, der Reichswehr, der Wehrmacht, der NVA und der Bundeswehr. Dieser Bestand wird ergänzt durch einige Fahrzeuge ausländischer Armeen, die an ausgewählten Punkten zur Verdeutlichung bestimmter Aspekte dienen. Ein Teil der Fahrzeuge ist fahrfähig. Von beweglichen Vorführungen wird aus ökonomischen und musealen Gründen abgesehen.

Erwähnenswerte Exponate sind unter anderem:

Im Außenbereich kann ein M48 über eine Treppe bestiegen werden. Eine Leiter in der Turmluke bietet Zugang ins Innere des Panzers.

Präsentiert werden auch zahlreiche Stahlhelme, Uniformen, Schusswaffen, Orden und Dokumente. Von Erwin Rommel sind Uniform und Totenmaske ausgestellt, von Generalfeldmarschall Günther von Kluge der Marschallstab.

Angebote[Bearbeiten]

Das DPM zeigt in seinem Eingangsbereich wechselnde Sonderausstellungen, die sich über ein weites Themenfeld erstrecken und häufig aus Bereichen stammen, die bewusst mit Militärgeschichte nichts oder nur wenig zu tun haben, wie im Sommer 2009 etwa das sibirische Straflager Workuta oder die Ausstellung Es war einmal Krieg mit Bildern von Wiebke Kramer (2010).

Jeder Besucher kann sich kostenlos einen Multimediaguide ausleihen und sich damit frei im Museum bewegen, um an ausgewiesenen Punkten zusätzliche Informationen abzurufen. Diese werden audiovisuell vermittelt. Neben den von Ernst Meincke vorgelesenen Texten werden historische Fotos und Graphiken in die Texte eingebettet. Dabei steht die gesamtgeschichtliche Entwicklung der Panzerwaffe im Vordergrund, losgelöst von den Einzelexponaten, eingebettet in Kultur-, Sozial-, Politik- und Wirtschaftsgeschichte.

Für Gruppen besteht die Möglichkeit, eine Führung durch das Museum zu buchen. Ein Museumsführer erläutert die Exponate und die geschichtliche Entwicklung der Panzerwaffe. Die Führungen erfolgen in deutscher Sprache, jedoch sind auch Führungen auf Englisch möglich. Für Kinder(-gruppen) hält das Museum ein besonderes Konzept und Kinderarbeitsblätter vor.

Für Studierende, Schüler sowie nach Absprache für weitere Personen besteht die Möglichkeit, Praktika im DPM zu absolvieren.

Das DPM verfügt über ein kleines Spezialarchiv, dessen Inhalte zukünftig erschlossen werden.

1983 Gründungsjahr des Deutschen Panzermuseums

Museumsdaten[Bearbeiten]

Das Museum verfügt über Außenanlagen mit Ausstellungsflächen, ein modernes Eingangsgebäude mit den zugehörigen fünf Ausstellungshallen, die 7500 m² des etwa 9000 m² umfassenden Museumsgeländes einnehmen. Gezeigt werden mehrere tausend Exponate, davon weit über 100 Großgeräte (Panzer, Geschütze, Fahrzeuge).

Seit seiner Eröffnung 1983 bis heute (2010) kamen mehr als 1,8 Millionen Besucher. Mit 104.297 Besuchern im Jahr 2013 gehört es zu den 3,8 % der deutschen Museen mit mehr als 100.000 Besuchern pro Jahr.[2]

Träger[Bearbeiten]

Kern[Bearbeiten]

Das Museum wird durch die Kooperation von drei Gruppen betrieben:

  • Die Bundeswehr stellt in Form der Lehrsammlung den größten Teil der Exponate und gewährleistet auch deren Restaurierung, Pflege und Wartung.
  • Die Stadt Munster leistet den eigentlichen Museumsbetrieb und stellt dabei den alltäglichen Betrieb in organisatorischer und wissenschaftlicher Hinsicht sicher.
  • Der Verein der Freunde und Förderer des Deutschen Panzermuseums Munster e. V. setzt sich aus interessierten Personen zusammen, die an der Förderung des Museums interessiert sind. Der Verein unterstützt das Museum bei Erwerbungen und gibt Anregungen für seine Weiterentwicklung.

Erweiterter Kreis[Bearbeiten]

Ehrenamtliche Helfer unterstützen den Betrieb des Museums. Die sogenannten „Hobbykommandanten“ helfen der Lehrsammlung bei der Wartung der Fahrzeuge und stehen an Aktionstagen mit ihrem Fachwissen zu einzelnen Exponaten den Besuchern zur Verfügung.

Des Weiteren verfügt das Museum über einen Beirat. Er setzt sich aus Vertretern der Stadt, der Bundeswehr, der kommunalen Politik, der zivilen Wissenschaft und der Traditionsverbände der Bundeswehr zusammen. Der Beirat beaufsichtigt die Entwicklung des Museums und gibt Anregungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsches Panzermuseum Munster (Hrsg.): Deutsches Panzermuseum Munster mit Lehrsammlung Gepanzerte Kampftruppen der Panzertruppenschule. 6. Auflage. Selbstverlag, Munster 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panzermuseum Munster – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Keil: Der Kampf geht weiter. Im Deutschen Panzermuseum der Bundeswehr in Munster ist der Zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende. In: Die Zeit vom 8. Juni 2012, S. 19 (online, Zugriff am 18. Juni 2012).
  2. Panzermuseum knackt Besucherrekord, Pressemitteilung vom 6. Dezember 2013, abgerufen am 4. Januar 2014

52.98694444444410.110555555556Koordinaten: 52° 59′ 13″ N, 10° 6′ 38″ O