Deutsches Technikmuseum Berlin

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Deutsches Technikmuseum Berlin
– DTMB –
Deutsches technikmuseum berlin 20080429.jpg

Neubau des Deutschen Technikmuseums Berlin, Außenansicht
Daten
Ort Berlin (Kreuzberg, Trebbiner Straße 9)
Art Technikmuseum
Architekt Neubau: Ulrich Wolff und Helge Pitz[1]
Eröffnung 1983
Besucheranzahl (jährlich) 494317 (2010)[2]
Leitung Dirk Böndel
Website www.sdtb.de
ISIL DE-MUS-020415

Das Deutsche Technikmuseum Berlin (DTMB) wurde 1983 zunächst unter dem Namen Museum für Verkehr und Technik eröffnet, den es bis 1996 trug. Das Museum sieht sich als Nachfolgeinstitution der über 100 technischen Sammlungen, die es in den vergangenen Jahrhunderten in Berlin gegeben hat, zuletzt der Sammlung aus dem ehemaligen Verkehrs- und Baumuseum (im Hamburger Bahnhof), hat mit über 25.000 m² eine große Ausstellungsfläche auf dem Gelände einer Eisfabrikation und des Anhalter Güter- und Postbahnhofs und wird von 600 000 Menschen jährlich besucht.[3] Schwerpunkte sind vor allem der Wasserstraßen- und Schienenverkehr in/um Berlin und in Deutschland, die Bier-, Schmuckproduktion und Energiegewinnung.

Geschichte des Museums[Bearbeiten]

Das Deutsche Technikmuseum Berlin wurde 1982 gegründet und 1983 eröffnet. Es führt die Tradition namhafter Technikmuseen fort, die bis zum Zweiten Weltkrieg in Berlin beheimatet waren. In der Gründungsphase ist es nicht gelungen, das Verkehrs- und Baumuseum (VBM) im Hamburger Bahnhof als Standort für das DTMB zu erhalten. Die Objekte des VBM wurden 1984 nach Übernahme der S-Bahn in West-Berlin durch die BVG auf das Verkehrsmuseum Dresden und das DTMB verteilt.

Das Museum liegt in der Nähe des Landwehrkanals in der Trebbiner Straße auf einem ehemaligen Gewerbe- und Bahngelände von 1874, auf dem sich das Bahnbetriebswerk des Anhalter Bahnhofs mit zwei Ringlokschuppen und die Verwaltungsgebäude der Markt- und Kühlhallengesellschaft befinden, neben dem ehemaligen Postbahnhof Luckenwalder Straße unweit des U-Bahnhofs Gleisdreieck. Dieses historische Gebäudeensemble ist zugleich das wertvollste Objekt des Museums, das auch eine Pferdetreppe und eine „Alt-Berliner“ Kneipe beherbergt.

Ein 1996 begonnener Neubau wurde dem Museum am 21. März 2001 übergeben,[4] die offizielle Einweihung erfolgte am 14. Dezember 2003.[5] Der für den Neubau charakteristische Rosinenbomber vom Typ Douglas C-47 B Skytrain wurde am 8. Mai 1999 angebracht.[6]

Nach Abschluss der ersten Ausbauphasen mit der Errichtung des Neubaus verfügt das Haus seit dem 16. April 2005[7] über 25.000 m² Ausstellungsfläche. Zum 1. September 1996 erfolgte die Umbenennung in Deutsches Technikmuseum Berlin.

Im Jahr 2002 wurde die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin gegründet, die das DTMB mit den Außenstellen Archenhold-Sternwarte in Alt-Treptow, Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg, Zucker-Museum im Wedding und Science Center Spectrum, das ebenfalls auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Anhalter Güterbahnhofs liegt, verbindet.

Das Museum steht seit dem Jahr 2000 unter der stellvertretenden Leitung von Dirk Böndel, im Jahr 2003 wurde er vom Stiftungsrat und der Senatsverwaltung für Kultur zum amtierenden Direktor berufen.

Im Jahr 2013 feierte das Technikmuseum das 30-jährige Gründungsjubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen.

Ständige Ausstellungen[Bearbeiten]

Luft- und Raumfahrt[Bearbeiten]

Eine Junkers Ju 52/3m („Hans Kirschstein“) in der Luftfahrtabteilung

Die Luft- und Raumfahrtausstellung dokumentiert die Entwicklung auf diesen Gebieten während des 20  Jahrhunderts. Zu den zahlreichen Exponaten zählen die einzige erhaltene Jeannin-Stahltaube, Baujahr 1914, aus den Anfängen der militärischen Luftfahrt. Zentrales Objekt dieser Ausstellung ist das Verkehrsflugzeug Junkers Ju 52, besser bekannt als Tante Ju, das den Namen „Hans Kirschstein“ trägt.[A 1]

Seltene Erinnerungsstücke eines Flugkapitäns der Deutschen Lufthansa und eines bekannten Sportfliegers beleuchten ihren fliegerischen Alltag. Das zweisitzige kunstflugtaugliche Reise- und Schulflugzeug Arado Ar 79 zeigt den Stand der Entwicklung des Zivilflugzeugbaus bei den Arado Flugzeugwerken vor dem Zweiten Weltkrieg.

Der Ausstellungsbereich zum Zweiten Weltkrieg thematisiert Aufbau und Untergang der deutschen Luftwaffe und zeigt, wie die Nationalsozialisten die Faszination des Fliegens für ihre Zwecke missbrauchten. Das Wrack eines Junkers Ju 87 Sturzkampfbombers lässt das Zerstörungspotential des Flugzeugs als Waffe erahnen. Seit 2003 lässt das Museum eine Focke-Wulf Fw 200 wiederaufbauen, der Typ, ab 1937 zivil und militärisch genutzt, soll ab 2025 ausgestellt werden. Die Medienstation Mensch und Krieg zeigt anhand von sechs Biografien die Lebenswege ehemaliger Luftwaffenangehöriger. Seit März 2008 befindet sich eine VFW-614 als Beispiel für eine deutsche Flugzeugentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz des Technikmuseums.

Eine Ausstellungseinheit zur Flugzeugtechnik veranschaulicht die Entwicklung und Funktionsweise von Einzelkomponenten wie Motor, Fahrwerk oder Propeller. Ein gläsernes Flugzeug, eine partiell geöffnete Arado Ar 96 aus dem Jahr 1943, gewährt einen Einblick in die komplexe Technik eines Luftfahrzeugs.

Im Mittelpunkt des Raumfahrtbereichs steht der deutsche Beitrag zur Entwicklung der Raketentechnologie. Die Darstellung beginnt mit den Phantasien und Experimenten der frühen Enthusiasten und endet mit der Vereinnahmung dieser Technologie für die Rüstungspläne der Nationalsozialisten. Zeichnungen von Augenzeugen dokumentieren die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen der KZ-Häftlinge, die in der Raketenproduktion in Dora-Mittelbau eingesetzt wurden.

Holger Steinle ist seit 1985 Leiter der Luft- und Raumfahrtabteilung.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Schiffsmodelle zeigen die Entwicklung des Schiffbaus

Die Schifffahrtsgeschichte in den letzten 10.000 Jahren wird mit rund 1500 Exponaten dokumentiert.

Während im Erdgeschoss die Binnenschifffahrt mit mehreren Großobjekten wie dem märkischen Schlepper Kurt Heinz von 1901 oder dem 33 Meter langen Kaffenkahn von 1840 präsentiert wird, wird im zweiten Obergeschoss die internationale Hochseeschifffahrt gezeigt. Im Galeriegeschoss sind die Sportschifffahrt, der Modellbau und wissenschaftliche Versuche ausgestellt, die das Deutsche Technikmuseum Berlin in einem interdisziplinären Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schiffs- und Meerestechnik sowie der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau an der Technischen Universität Berlin durchführte.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Die Eisenbahn-Abteilung des Museums wurde bereits 1987/1988 als erster Bereich im endgültigen Zustand ausgebaut und weitgehend eingerichtet. Standort der Eisenbahn-Abteilung ist die auf dem Museumsgelände gelegene historische Lokschuppenanlage des ehemaligen Betriebswerks Anhalter Bahnhof von 1874, in der auf 33 Gleisen insgesamt 40 Schienenfahrzeuge im Original zu sehen sind. Dazu kommt eine Fülle von Modellen und kleineren Objekten. Einige Exponate wurden auch im verfallenen Zustand belassen, um die Gebrauchsspuren und den Verschleiß zu verdeutlichen.

Die Ausstellung ist chronologisch in 33 Stationen der Eisenbahngeschichte gegliedert (die beiden Lokschuppen besitzen insgesamt 33 Gleise). Historisch bedeutsamen Jahreszahlen folgend führt die Ausstellung von den Anfängen der Eisenbahn bis zum heutigen Tag. Der erste Lokschuppen enthält diese Stationen von 1800 bis 1914, der zweite Lokschuppen zeigt die Stationen von 1918 bis 1980.

Das H0-Modell des Anhalter Bahnhofs und des Güterbahnhofs (im Hintergrund). Das Bahnbetriebswerk befindet sich hinter den Gebäuden rechts (dem Standort des Modells).

Die Dauerausstellung „Judendeportationen“ mit der Deutschen Reichsbahn 1941–1945 präsentiert seit 1988[8] zwölf Berliner Schicksale.[9]

Im historischen Lokschuppen befindet sich außerdem eine Modelleisenbahn, die die Gleisanlagen und Gebäude des Anhalter Personenbahnhofs, Güterbahnhofs und des Bahnbetriebswerks sowie einige umliegende Gebäude im Zustand von 1938 im Maßstab 1:87 (Modellgröße H0) zeigt. Interessant ist dabei insbesondere der Vergleich zwischen dem Modell und dem heutigen Zustand des Originals.

Neben dieser H0-Modelleisenbahnanlage befindet sich eine Anlage in der Modellgröße Spur 0, die mit historischem Märklin-Material von einem Team des Märklin Insider Stammtischs Berlin/Brandenburg (MIST1)[10] aufgebaut und betreut wird.[11][12]

Ein Abschnitt von drei Gleisen im ersten Lokschuppen erinnert daran, dass das Gelände 30 Jahre lang brach lag. Hier wachsen die sonst im Mittelmeerraum übliche Steinweichsel und der aus Sibirien stammende Staudenknöterich hat sich ebenso verbreitet wie die beiden Heilkräuter Nachtkerze und Frauenmantel.

Produktionstechniken[Bearbeiten]

In dieser Abteilung werden Beispiele manueller und industrieller Produktionstechniken aus dem 19. und 20. Jahrhundert gezeigt. Dazu gehört eine Kofferproduktion als Beispiel für die Herstellung eines alltäglichen Produkts in den 1920er Jahren.

In der Ausstellung zur manufakturellen Schmuckproduktion werden Produktionstechniken wie Prägen-Pressen-Stanzen, Ziehen-Walzen, Gießen, Schleifen-Polieren, Guillochieren-Gravieren, die Kettenherstellung und die handwerklichen Techniken des Goldschmiedeberufs vorgestellt, mit denen Schmuckstücke wie Armreife, Ringe, Broschen, Creolen, Manschettenknöpfe, Serviettenringe und vieles mehr hergestellt wurden. Es finden Vorführungen an historischen Maschinen wie einem Fallhammer zum Hohlprägen, der Schleudergussanlage zum Gießen von unterschiedlichen Schmuckteilen und der Guillochiermaschine zum Dekorieren von glatten Oberflächen mit geometrischen Mustern statt.

In der Eingangshalle befindet sich eine historische Werkstatt mit typischen transmissionsangetriebene Werkzeugmaschinen aus dem Bereich der Metallbearbeitung, die im Zuge der technisch-industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert zum Standard wurden und in kleineren Betrieben bis in die 1970er Jahre Verwendung fanden.

Straßen- und Kommunalverkehr[Bearbeiten]

Ein frühes Stromlinienfahrzeug, der Rumpler Tropfenwagen
Historische Automobile und Berliner Linienbusse im Depot des Museums

Die Ausstellungen im Bereich Straßenverkehr zeigen die Entwicklungsgeschichte des Automobils anhand herausragender Konstruktionen und großer, heute oft vergessener Automobilfirmen, deren Konstruktionen als Dreirad-, Kleinwagen-, Stromlinien-, Elektro- oder Amphibienfahrzeuge oft in „genialen Sackgassen“ endeten.

Obwohl die Abteilung Straßenverkehr eine der umfangreichsten Sammlungen des Deutschen Technikmuseums Berlin umfasst, konnte das Gros aller Exponate der Öffentlichkeit in Ermangelung geeigneter Ausstellungsräume bisher nur unregelmäßig gezeigt werden. Ein repräsentativer Teil der Sammlung mit fast 70 Automobilen, Motorrädern, Kutschen und Leichenwagen aus zwei Jahrhunderten kann in einem Schaudepot im ehemaligen Anhalter Güterbahnhof besichtigt werden. Zahlreiche Automobile und Zweiräder stehen überdies als Dauerleihgabe in ausländischen Partnermuseen.

Zum Bestand der Abteilung Straßenverkehr gehören unter anderem 20 Pferdekutschen und -schlitten, rund 400 Fahrräder (vom Drais'schen Laufrad bis zum Klappfahrrad), über 200 Motorräder (darunter die aus über 80 Motorrädern bestehende Zündapp-Werkssammlung, die zusammen mit dem Zündapp-Werksarchiv nach dem Zündapp-Konkurs 1984 an das Technikmuseum ging;[13] die Sammlung ist jedoch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, da sich die Fahrzeuge gegen Korrosion geschützt in Containern in einer Halle in Reinickendorf befinden) sowie knapp 200 Kraftfahrzeuge (vom De Dion-Dampfwagen, Baujahr 1883, bis zum NSU Ro 80 mit Kreiskolbenmotor, Baujahr 1972). Als Dauerleihgabe befindet sich eine Solex-Vergaser-Sammlung in der Obhut des Museums.

Das DTMB beabsichtigt, eine weitere Ausstellung zum Thema Kommunalverkehr einzurichten. Das Museum besitzt bereits eine Vielzahl entsprechender Exponate wie zum Beispiel historische Straßenbahnen, Oberleitungsbusse, Omnibusse und sonstige Fahrzeuge, für die der Platz in den bisherigen Räumlichkeiten jedoch ebenfalls nicht ausreicht.

Die nicht ausgestellten Exponate sind zurzeit in einem Depot (ehemalige Schnelltriebwagenhalle der Deutschen Reichsbahn) etwas abseits des Museumsgeländes gelagert. Das Depot ist jährlich an den Septembersonntagen zu den Tagen der Offenen Tür für die Öffentlichkeit zugänglich.

Textiltechnik[Bearbeiten]

Die Ausstellung Textiltechnik zeigt Textilien verschiedener Art und ihre Herstellung, wobei den Maschinen die damit hergestellten Erzeugnisse gegenübergestellt werden. Foto- und Diapräsentationen zeigen die Arbeit in den dokumentierten Betrieben.

Die weltweite Arbeitsteilung mit ihrer Verlagerung der Industriearbeit in den Süden wird am Beispiel von Indien thematisiert. Dem gegenüber steht die Entwicklung von Hochtechnologien im Norden.

Weltweite Zusammenhänge werden anhand des Einsatzes der Informationstechnologie aufgezeigt, die in der Textiltechnik schon seit 1805 eine herausragende Rolle spielt. Ein Bandwebstuhl ist das zentrale Exponat zur Verwandtschaft zwischen Textil- und Datentechnik. Die Geschichte der Filzherstellung, Hutmacherei und Seidenblumenmanufaktur wird ebenfalls dokumentiert. In das Thema Filz ist am Beispiel eines Teils einer Jurte das Thema Textiles Bauen integriert.

Rechen- und Automationstechnik, Nachrichtentechnik[Bearbeiten]

Nachbau des Zuse Z1

Das Lebenswerk Konrad Zuses ist Thema einer Ausstellung des Museums zur Rechen- und Informationstechnik. Zu sehen sind fast alle von ihm gebauten Rechner – von der Z1 bis zur Z31 mit der Vielfalt ihrer Zusatzgeräte und Anwendungen – im Zusammenhang mit der Firmen- und Familiengeschichte sowie das Originalbuch mit der Programmiersprache Plankalkül zu sehen. Gezeigt wird auch die andere Seite des Technikers: seine abstrakten und expressiven Gemälde.

Die Ausstellung zur Geschichte der Nachrichtentechnik gibt mit Themenschwerpunkten einen Querschnitt durch das Sammlungsgebiet. Sie zeigt unter anderem die Anfänge des deutschen Rundfunks in Berlin, einen Nachbau der ersten von Manfred von Ardenne 1931 präsentierten elektronischen Fernsehanlage der Welt sowie das einzige funktionsfähige Schwarzweiß-Fernsehstudio der Welt von 1958.

Schreib- und Drucktechnik, Papiertechnik[Bearbeiten]

Die Ausstellung zur Geschichte der Drucktechnik konzentriert sich auf das Verfahren des Hochdrucks. Besucher können unter Aufsicht der Vorführer auf einer hölzernen Presse aus dem 17. Jahrhundert oder auf gusseisernen Pressen aus dem 19. Jahrhundert drucken. Auf der Linotype können sie Zeilen für eine Visitenkarte setzen und diese auf einer Boston-Tiegeldruckpresse anschließend drucken. Der Bereich Bürotechnik zeigt eine Auswahl aus der umfangreichen Sammlung von Büromaschinen; einen Teil davon können Besucher selbst ausprobieren.

Neben der Abteilung Drucktechnik befindet sich die Abteilung Papiertechnik mit Vorführungen zur asiatischen und europäischen Papiermacherei. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das handwerkliche Papierschöpfen. Die Besucher können sich in Gruppen nach vorheriger Anmeldung selbst in der „weißen Kunst“ des Papierschöpfens versuchen.

Energietechnik[Bearbeiten]

Die Holländerwindmühle Foline im Deutschen Technikmuseum

In der Eingangshalle des Museums befindet sich eine alte Dampfmaschine, die ein ganzes Ensemble von Werkzeugmaschinen antreibt. Sie steht für den Anfang einer eigenständigen Energietechnik. Die fortschreitende Teilung der Industriearbeit zeigen weitere Objekte dieser Abteilung. Am klarsten wird jedoch diese Tendenz in der Elektrotechnik, deren Anfänge zunächst auf zwei Gleisen im Lokschuppen 1a dargestellt sind, bis eine ausführliche Ausstellung in dem späteren Hauptgebäude an der Möckernstraße möglich wird. In der jetzigen Präsentation werden einige Aspekte im Spannungsfeld Kraft – Wärme – Strom unter historischen und didaktischen Gesichtspunkten dargestellt; auch gegenwärtig diskutierte Alternativen der Stromerzeugung werden einbezogen.

Die Anwendung des elektrischen Stroms in Form von Lichtstrom wird am Beispiel der Bogenlampen-Technik demonstriert. Ein weiteres Thema ist die Formgestaltung von Bogenlampen bis hin zur Großen Sparbogenlampe der AEG, einem bedeutenden Beispiel des Industriedesigns von Peter Behrens.

Von diesem Bereich führt eine Tür in das Freigelände des Museums, auf dem zwei historische Windmühlen – eine Holländer- und eine Bockwindmühle – die vorindustrielle Energieumsetzung demonstrieren. Trotz ihrer ausgeklügelten Mechanik bilden sie einen Kontrast zur industriellen Maschinentechnik: Die Naturkraft Wind und die handwerkliche Bauweise prägen die Konstruktion. Als modernes Gegenstück dazu setzt eine Solaranlage mit Hilfe des Sonnenlichts ein Wasserspiel in Gang.

Verkehrs- und Ingenieurbau[Bearbeiten]

Das Museum besitzt die außerordentliche Sammlung zum Wasserbau des ehemaligen Verkehrs- und Baumuseums im Hamburger Bahnhof, die viele funktionsfähige, sehr großmaßstäbliche und technisch hochwertig gearbeitete Modelle sowie eine große Zahl von Plänen, Gemälden und Landkarten umfasst.

Obwohl nur ein kleiner Teil davon gezeigt werden kann, vermittelt die Ausstellung bereits jetzt ein intensives Bild der verschiedenen Brückenformen, Wasserregulierungs- und -hebebauten sowie Hafenanlagen und gibt einen Eindruck von der Ingenieurbaukunst des Kanal-, Schleusen-, Straßen- und Brückenbaus.

Wissenschaftliche Instrumente[Bearbeiten]

Seit Eröffnung der Dauerausstellung Schifffahrt im Dezember 2003 ist der Bereich der Navigationsinstrumente wieder in erweiterter Form zu sehen.

Andere Bereiche wie Mikroskopie, Spektroskopie, Zeitmessung oder die umfangreiche Sammlung von Waagen und Gewichten lagern zunächst im Depot. Sie sind der Grundstock für eine geplante größere Präsentation im Zuge des weiteren Museumsausbaus.

Geschichte der Filmtechnik[Bearbeiten]

Dieser Bereich des Museums präsentiert Geschichte der Filmtechnik von der Laterna magica bis zum modernen Filmprojektor, vom mittelalterlichen Guckkasten über die optischen Spielereien des 19. Jahrhunderts wie die Wundertrommel, den Tätigkeits- oder den Schnellseher bis zum Kino- und Videofilm der 1980er Jahre.

Zu den mehrere hundert Objekten gehören das Ochsenauge von 1750, Guckkästen und Finstere Kammern, Kine-Messter-Kameras und ein Panzerkino aus der Frühzeit der deutschen Filmindustrie, professionelle Aufnahmekameras aus allen Epochen, Amateuraufnahmegeräte von 1898 bis zu modernen Videokameras, ein Filmset-Diorama mit Originalgeräten und ein Schneideraum. Viele Geräte aus der Vor- und Kinogeschichte und funktionstüchtige Nachbauten früher Filmpioniere können die Besucherinnen und Besucher selbst ausprobieren. Historische Filmausschnitte wie die Kopie eines Original-Edison-Films über die Hinrichtung von Maria Stuart, Filme über die Berliner Pioniere Max Skladanowsky und Oskar Messter sowie frühe Amateurfilme können angesehen werden.

Historische Brauerei[Bearbeiten]

Im Museumspark, in einem ehemaligen Lagerhaus der Nürnberger Tucher Bräu AG, wurde eine historische Brauerei eingerichtet, die den Übergang vom handwerklichen zum industriellen Bierbrauen zeigt.

Der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt in der Erläuterung des klassischen Bierherstellungsprozesses, mit den technischen Ausrüstungen aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts. Mittelpunkt der Brauerei ist das Sudhaus mit seinen Braugefäßen aus dem Jahr 1909. Es ist über historische, gusseiserne Treppen zu erreichen und stellt mit den kupfernen Behältern, seinen glänzenden Armaturen, Handrädern und Rohrleitungen ein besonderes technisches Denkmal dar.

Museumspark[Bearbeiten]

Alter Prellbock im Museumspark

Das Museumsparksgelände auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerk des Anhalter Bahnhofs beherbergt eine in Berlin einzigartige Vielfalt an Pflanzen.

Im Zusammenhang mit den bereits erfolgten und noch durchzuführenden Baumaßnahmen sorgen landschaftspflegerische Begleitmaßnahmen für den Schutz vorhandener Lebensräume von Pflanzen und Tieren, für schonende Nutzung der Bahnbrachen als Außenanlage des Museums und für die Verknüpfung des Museums mit einem geplanten Stadtteilpark. Der Museumspark ragt in den am 2. September 2011 eröffneten Park am Gleisdreieck hinein.

Historisches Archiv und Bibliothek[Bearbeiten]

Das Historische Archiv, die Bibliothek und die Bildstelle sind Serviceeinrichtungen für Museumsbesucher sowie für die Mitarbeiter des Hauses.

In den reichhaltigen Beständen zur Technik- und Industriegeschichte mit dem Schwerpunkt Berlin finden sich unter anderem das AEG-, Borsig- oder Zündapp-Archiv, das Stiasny-, Feldhaus-Archiv sowie die VDI- und Kammer der Technik (KdT)-Bibliotheken sowie Teile der Bibliothek des ehemaligen Museums für Meereskunde.

Die Anschlussbahn[Bearbeiten]

Das Museum verfügt im Bereich des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs über eine eigene Anschlussbahn mit einer Länge von rund 1,8 Kilometern, die direkt an das Schienennetz der Deutschen Bahn nördlich der Dudenstraße angebunden ist. Über diesen Anschluss wird das Museum beispielsweise von historischen Dampfzügen angefahren und kann rollfähiges Museumsmaterial transportiert werden.

Die Anschlussbahn verfügt unter anderem über einen funktionstüchtigen Wasserkran, eine Schlackegrube und die beiden Drehscheiben mit einem Durchmesser von je 23 Metern. Zwischen den beiden Haltepunkten Hauptgebäude und Depot finden zu besonderen Anlässen Pendelfahrten mit Personenbeförderung durch den im Jahr 2011 eröffneten Park am Gleisdreieck statt.

Der Förderverein[Bearbeiten]

Der Förderverein wurde 1960 von Berliner Bürgern sowie Vertretern verkehrlicher und technischer Einrichtungen als Gesellschaft für die Wiedererrichtung eines Verkehrsmuseums in Berlin e. V. gegründet,[14] da die entsprechenden Museen durch die Kriegsfolgen nicht verfügbar waren. Nachdem im Mai 1964 in den Räumen der Urania eine Schausammlung eröffnet worden war, erhielt der Verein einen neuen Namen: Verkehrsmuseum Berlin e. V.

Im Jahr 1970 wurde dieser Verein vom Senat von Berlin mit der Projektleitung für die Errichtung eines staatlichen Museums für Verkehr und Technik beauftragt. Nach der Berufung des Direktors, Günther Gottmann, im Jahr 1980 wurde die Gründung des Museums am 15. Mai 1982 gefeiert.

Der Verein nennt sich heute Freunde und Förderer des Deutschen Technikmuseums Berlin e. V. (FDTM). Er unterstützt das Deutsche Technikmuseum Berlin durch Erwerbungen und vielseitige Aktivitäten museumsbezogener Art, z. B. durch den wöchentlich regelmäßigen einmaligen Fahrbetrieb des Bahnmodells „Anhalter Bahnhof“ (Lokschuppen 2) in der Nenngröße H0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Technikmuseum Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Technikmuseum
  • Förderverein
  • Das Museum
  • Deutsches Technikmuseum Berlin. Info der Freunde und Förderer des Deutschen Technikmuseums Berlin e. V. Berlin 1984ff. (Zeitschrift des Fördervereins FDTM)
  • Dirk Böndel: 25 Jahre Deutsches Technikmuseum Berlin. In: MuseumsJournal 4, 22 Jg., Oktober–Dezember 2008, S. 54–56.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Das Flugzeug mit der Werknummer 7220 wurde in den 1960er Jahren von der spanischen Regierung an das Technikmuseum zu einem symbolischen Kaufpreis überlassen. Am 29. Juli 1965 wurde es während der Internationalen Verkehrsausstellung in München auf den Namen Carl August von Gablenz getauft. Später wurde das Flugzeug während eine Restauration wieder mit seinem ursprünglichen Namen Hans Kirschstein benannt, unter dem die Deutsche Lufthansa das Flugzeug im Jahr 1941 ursprünglich in Dienst gestellt hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.sdtb.de Neubau. Aufgerufen am 29. Januar 2011.
  2. www.sdtb.de Entwicklung der Besucherzahlen (PDF; 35 kB). Aufgerufen am 29. Januar 2011.
  3. Alte Karossen in neuen Schuppen. Berliner Zeitung, 28. August 2009, abgerufen am 10. August 2014.
  4. http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Erweiterungsbau_fuer_Berliner_Technikmuseum_fertig_8591.html
  5. http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Deutsches_Technikmuseum_in_Berlin_eroeffnet_15527.html
  6. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/geglueckte-landung--rosinenbomber-am-technikmuseum-vertaeut,10810590,9637364.html
  7. [1]
  8. Schienenverkehr. Deutsches Technikmuseum Berlin, abgerufen am 9. November 2009.
  9. „Judendeportationen“ mit der Deutschen Reichsbahn 1941–1945. Deutsches Technikmuseum Berlin, abgerufen am 9. November 2009.
  10. Homepage
  11. Hinweis auf die Anlage
  12. Video dazu
  13. Zündapp auf dem Weg nach China – Zündapp-Museum nach Berlin Zeitungsbericht (PDF; 5,1 MB)
  14. Die Chronik des Vereins … FDTM, abgerufen am 15. November 2009.

52.49861111111113.3775Koordinaten: 52° 29′ 55″ N, 13° 22′ 39″ O