Deutsches Volksliedarchiv
Das Deutsche Volksliedarchiv – Institut für internationale Popularliedforschung ist ein selbstständiges wissenschaftliches Forschungsinstitut des Landes Baden-Württemberg in Freiburg im Breisgau.
Es widmet sich der Sammlung, Erforschung und Edition populärer und traditioneller Lieder aus dem deutschsprachigen Raum. Dabei werden populäre Musikkulturen in ihren verschiedenen historischen und gegenwärtigen Ausprägungen untersucht. Kultur-, mentalitäts- und mediengeschichtliche Fragestellungen spielen dabei eine herausragende Rolle, etwa das Verhältnis von Musik und Lied zu Politik, Religion und Bildung. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildet die Diskursgeschichte des „Volkslied“-Begriffs – dessen Erfindung, Tradierung, Popularisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart sowie die ideologiekritische Infragestellung der verschiedenen „Volkslied“-Theorien.
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[Bearbeiten] Geschichte
1914 von dem Germanisten und Volkskundler John Meier (1864–1953) gegründet, hat sich das Deutsche Volksliedarchiv rasch zum führenden Forschungsinstitut auf diesem Gebiet entwickelt und als ein Zentrum der internationalen Popularliedforschung etabliert.
Historischer Anlass zur Einrichtung dieses Archivs war im Wesentlichen das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Gesamtausgabe der deutschen Volkslieder. Von Beginn an fungierte das Deutsche Volksliedarchiv daher als Zentralstelle für die Sammlung, Dokumentation und Erforschung des deutschsprachigen Volks- und Popularliedes in seinen verschiedenen Erscheinungsformen (einschließlich fremdsprachiger Liedparallelen und der Beziehungen zur Popularmusik).
Zum Jahreswechsel 2011 - 2012 bezieht das Archiv in einem mehrere Wochen dauernden Umzug Räume mit einer Fläche von 1.000 Quadratmetern (bisher standen 400 qm zur Verfügung) und neuer Ausstattung in einem Neubau in einem Hinterhof in der Rosastraße in Freiburg.[1]
Derzeit sind Überlegungen im Gange das Deutsches Volksliedarchiv als ein gemeinsames Institut der Universität Freiburg und der Hochschule für Musik Freiburg einzurichten, es wäre dann das erste interdisziplinäre Institut dieser beiden Lehr- und Forschungsanstalten. Die Entscheidung soll im ersten Halbjahr 2012 getroffen werden, das würde auch das organisatorische Kuriosum als nachgeordnete Behörde des Landes zum Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst beenden[2]
[Bearbeiten] Zentrale Aufgaben
- Erforschung und Edition populärer Lieder und Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen
- Erforschung populärer Musikkulturen in Vergangenheit und Gegenwart (Schwerpunkte: Konstruktion nationaler und konfessioneller Identitäten, Migration, Diskursgeschichte „Volkslied“)
- Laufende Archivierung neuer Materialien und Ausbau der Lieddokumentation
- Populärwissenschaftliche Vermittlung des Forschungsstandes
- Auskunftstätigkeit und Besucherbetreuung
[Bearbeiten] Archiv, Dokumentation und Bibliothek
Das Deutsche Volksliedarchiv verfügt über umfangreiche Materialsammlungen zum populären Lied, insbesondere ca. 250.000 Liedbelege aus der mündlichen Überlieferung, deren Kernbestand durch eine in allen deutschsprachigen Landschaften durchgeführte Sammelaktion (1912 bis 1930) zusammengetragen wurde. Ferner besitzt es ca. 15.000 Liedflugblätter und Liedflugschriften (15. bis 20. Jahrhundert), ca. 550 handschriftliche Liederbücher aus allen deutschsprachigen Landschaften (spätes 18. bis Ende 20. Jahrhundert), darin über 20.000 Liedbelege, die noch nicht über die Katalogsysteme des DVA erschlossen sind. Außerdem werden ca. 20.000 Tonaufzeichnungen und eine Spezialsammlung von Liedpostkarten und Bilddokumenten zum populären Singen und Musizieren gesammelt.
Hinzu kommt eine umfangreiche Lieddokumentation mit über 20.000 Arbeitsmappen, die nach Liedtypen und -gattungen geordnet sind. In diesen Mappen sind weit über eine halbe Million gedruckter und ungedruckter Liedzeugnisse enthalten, die durch verschiedene Kataloge erschlossen werden.
Das Liedmaterial des Deutschen Volksliedarchivs umfasst sämtliche Gattungen des deutschen Liedes: von Ballade und Bänkelsang bis zum Kinderlied, von Liebeslied und erotischem Lied bis zum Kirchenlied oder vom »Kunstlied im Volksmund« und Schlager bis zum historisch-politischen Lied.
Die Bibliothek des DVA besitzt mit rund 67.000 Bänden eine umfangreiche Sammlung von Arbeiten und Quellen zum deutschen und fremdsprachigen Volkslied sowie Fachliteratur zum Kontext der Lieder aus der Kulturgeschichte und Volkskunde.
[Bearbeiten] Forschung und Publikation
Die Forschungsarbeit im Deutschen Volksliedarchiv bezieht sich nicht nur auf traditionelle „Volkslieder“, sondern berücksichtigt die gesamte Breite des deutschsprachigen Popularliedes in Vergangenheit und Gegenwart. Zugleich werden populäre Musikkulturen mit ihrem kultur- und gesellschaftsgeschichtlichen Kontext erforscht.
Ein Zentrum der wissenschaftlichen Tätigkeit des Deutschen Volksliedarchivs stellt seit jeher die liedmonographische Forschungs- und Editionsarbeit dar. In diesem Kontext erarbeitet das Deutsche Volksliedarchiv derzeit eine grundlegend neue wissenschaftliche Liededition: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon.
Seit 1927 gibt das Deutsche Volksliedarchiv ein Jahrbuch heraus, das seit dem Jahr 2000 unter dem Titel Lied und populäre Kultur / Song and Popular culture. Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs erscheint. Hinzu kommt eine Buch-Reihe mit aktuellen Forschungsarbeiten zur Popularliedforschung: Volksliedstudien.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Julia Littmann: Aus der Villa in die Moderne In: badische-zeitung.de, Lokales, Freiburg, 14. Dezember 2011 (20. Dezember 2011)
- ↑ Volksliedarchiv: Altes Haus in Silberbachstraße wird verkauft, Julia Litmann, Badische Zeitung, 02. März 2012, abgerufen 06. März 2012
47.9983637.844977Koordinaten: 47° 59′ 54″ N, 7° 50′ 42″ O