Deutsches Weintor

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Das Deutsche Weintor aus Richtung Süden (2012)
Das Deutsche Weintor aus Richtung Norden (2003)

Das Deutsche Weintor in der südpfälzischen Weinbaugemeinde Schweigen-Rechtenbach (Rheinland-Pfalz) markiert seit 1936 den südlichen Beginn der Deutschen Weinstraße. Gegenstück am 85 Kilometer entfernten nördlichen Ende der Weinstraße ist seit 1995 das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim.

Unter Bezugnahme auf das pfälzische Wahrzeichen nennt sich auch die Gebietswinzergenossenschaft der Pfalz mit Sitz im etwa 20 Kilometer entfernten Ilbesheim bei Landau Deutsches Weintor.

Geographie[Bearbeiten]

Das Weintor überspannt am Nordostrand des Ortsteils Schweigen die alte Trasse der heutigen Bundesstraße 38, die von Nordosten über Landau kommend ab Bad Bergzabern mit der Deutschen Weinstraße identisch ist, etwa einen Kilometer südlich des Tores an der französisch-deutschen Grenze bei Wissembourg (Elsass) endet und in die französische D 264 (die frühere Route nationale 63) übergeht. Die Bundesstraße verläuft mittlerweile gut 50 Meter östlich am Tor vorbei, das nur noch für Fußgänger und Radfahrer offen ist.

Anlage[Bearbeiten]

Das 18 Meter hohe Deutsche Weintor ist im Stil des Neoklassizismus als scheitrechte Anlage errichtet. Das Walmdach trägt an seinen Firstenden zwei Mohnkapseln aus Kupfer, die immerwährenden Wohlstand symbolisieren sollen.[1] In knapp halber Höhe zieht sich quer durch die Torlichtung eine waagerechte aus Holz gefertigte Galerie. Nach Norden, zur „deutschen Seite“ hin, erstreckt sich ein viereckiger, mittig offener Vorhof mit Pflasterbelag. Er ist von eingeschossigen Walmdach-Flachbauten eingefasst, die teilweise als Säulenhalle ausgeführt und teilweise mit Arkaden versehen sind. Zu der Gesamtanlage gehören auch eine Gaststätte, die durch die Winzergenossenschaft Deutsches Weintor betrieben wird,[2] sowie ein Weinlehrpfad; dieser wurde 1969 als Erster seiner Art in Deutschland eröffnet und ist drei Kilometer lang.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Errichtung im Dritten Reich[Bearbeiten]

Reichsadler mit nach dem Zweiten Weltkrieg herausgeschlagenem Hakenkreuz (2006)

Das Weintor stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus. Nach einer im Weinbaugebiet Pfalz um das Zweieinhalbfache über dem Durchschnitt liegenden Weinernte 1934 bei gleichzeitigem Berufsverbot für jüdische Weinhändler[4] kam es zu einem dramatischen Preisverfall, der viele Winzerbetriebe in wirtschaftliche Bedrängnis brachte. Die nationalsozialistischen Machthaber schufen deshalb die Deutsche Weinstraße samt dem Weintor, um – nach offizieller Lesart – die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter zu machen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Tenor der Rede, die Gauleiter Josef Bürckel am 19. Oktober 1935 in Bad Dürkheim zur Eröffnung der Deutschen Weinstraße unter dem Titel „Kampf und Volk – Wein und Wahrheit“[5] hielt, war gegenüber dem Nachbarstaat Frankreich wenig freundschaftlich (siehe auch Abschnitt Zitat). Für die feierliche Inbetriebnahme – die gelenkte Presse schrieb von „Weihe“ – der Weinstraße am 20. Oktober waren als Provisorien eine hölzerne Torattrappe in Schweigen[6] und eine ähnliche aus Pappmaschee in Grünstadt[7] nahe dem Nordende der Weinstraße errichtet worden; eine Kolonne von etwa 300 Kraftfahrzeugen befuhr die 85 Kilometer von Süden nach Norden, nachdem ein einmotoriges Flugzeug die Strecke bereits am frühen Morgen abgeflogen hatte.[5]

Das die damalige Landstraße überspannende steinerne Weintor in Schweigen anstelle des hölzernen wurde schließlich 1936 erbaut.[6] Den Architektenwettbewerb hierzu hatten die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.[6] Das zur nahen nordelsässischen Grenzstadt Wissembourg (deutsch: Weißenburg) hin ausgerichtete Gebäude war während der NS-Zeit mit einer riesigen Hakenkreuzfahne dekoriert, die auch in Frankreich zu sehen war und dort als Provokation empfunden wurde. Rechts oben an der Südseite des Bauwerks war zudem das fast vier Meter hohe Steinrelief eines Reichsadlers angebracht, der ein Hakenkreuz in den Fängen hielt.

Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Inschrift am Deutschen Weintor von Jeremy Gills aus Mineral Wells/Texas vom März 1945 (2013)

An der dem Elsass zugewandten Südseite ist seit März 1945 die Inschrift „Jere Gill Min. Wells 3-45“ eingemeißelt. Eine Karte zeigt die Umrisse des US-Bundesstaates Texas mit der Lage der Stadt Mineral Wells. Jeremy Gills war offenbar ein amerikanischer Soldat und stammte von dort.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die steinernen NS-Symbole herausgeschlagen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Das ursprünglich geplante nördliche Weintor-Pendant in Bockenheim wurde erst 60 Jahre später und in anderer Form, nämlich als die Weinstraße überspannendes Haus der Deutschen Weinstraße, realisiert.

Am Weintor beginnt seit 2012 der Wein Walk of Fame, ein Ehrenpfad, auf dem in den Boden eingelassene Metallplatten die Namen von Persönlichkeiten oder Gruppen tragen, die sich um Wein und Weinbau verdient gemacht haben. Getragen wird die Einrichtung von der Winzergenossenschaft Deutsches Weintor. Jedes Jahr am 23. April wird der Ehrenpfad um weitere Platten erweitert, die an deutsche oder international bekannte Persönlichkeiten erinnern. Der 23. April war der Tag, an dem die Römer zu Ehren des Gottes Jupiter ein Weinfest (Vinalia) feierten, bei dem auch erstmals der Wein des vorjährigen Jahrgangs getrunken wurde.[8] Die deutsch-englische Bezeichnung des Ehrenpfades wurde in der mundartbewussten Pfalz als „denglisch“ kommentiert.[9]

Ehrentafel für Dom Pérignon (2012)

In den ersten drei Jahren wurden jeweils drei neue Platten enthüllt. Folgende Persönlichkeiten oder Gruppen werden aufgeführt:

Zitat[Bearbeiten]

Der Wein ist wahr – das Gelöbnis echt: Hier stehen Deutsche und nichts als Deutsche – im Westen die Feldwache der Nation.

Gauleiter Josef Bürckel beim zentralen „Eröffnungsakt“ in Bad Dürkheim am 19. Oktober 1935[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Weintor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz: Deutsches Weintor in Schweigen-Rechtenbach. Abgerufen am 26. Oktober 2011.
  2. Deutsches Weintor e. G.: Impressum. Abgerufen am 26. Oktober 2011.
  3. weinlehrpfade.de: Wein-Lehrpfad Schweigen-Rechtenbach. Abgerufen am 26. Oktober 2011.
  4. Ulrich Wendler: Schweigen: Das Deutsche Weintor. Abgerufen am 25. Oktober 2011.
  5. a b c  Deutsche Weinstraße. In: NSZ Rheinfront. Ludwigshafen, 21. Oktober 1935.
  6. a b c  Geniale Idee mit problematischer Herkunft. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 7. August 2010.
  7.  Weinstraße: Bezeichnung schon älter?. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 20. August 2010.
  8.  Günter Werner: Hollywood lässt grüßen. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 7. April 2012.
  9.  Peter Gängel: Genügt nicht die Übersetzung?. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 14. April 2012.
  10. Wein Walk of Fame eingeweiht. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 24. April 2012, abgerufen am 25. Juni 2013.
  11. Der Wein Walk of Fame wächst. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 25. April 2013, abgerufen am 25. Juni 2013.
  12. Drei weitere Ehrungen. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 15. April 2014, abgerufen am 24. April 2014.

49.0521944444447.9562777777778Koordinaten: 49° 3′ 8″ N, 7° 57′ 23″ O