Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

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Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ist eine unabhängige Stiftung mit Sitz in Berlin, die soziale und karitative Nichtregierungsorganisationen in Deutschland seit 1991 auf die Verwendung ihrer Spendengelder prüft. Das DZI wurde 1893 von der Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur e. V. als rechtlich unselbständige Abteilung gegründet. 1906 wurde sie mit den Namen Zentrale für private Fürsorge e. V. als eingetragener Verein selbständig; seit 1957 ist sie eine Stiftung bürgerlichen Rechts und erhält den Namen Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Größte Unterstützer der Stiftung sind der Senat von Berlin, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Deutsche Städtetag und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Amtierender Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des DZI ist Burkhard Wilke.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

In der Zimmerstr. 16i in Berlin Mitte befand sich die erste Auskunftsstelle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur (D.G.E.K.) für Hilfsbedürftige. Aus Platzgründen zog diese Einrichtung im November 1899 in die Straße Unter den Linden 16. Am 25. November 1893 wurde eine weitere Beratungsstelle in der Füsilierstr. 5 im Scheunenviertel eröffnet. Im selben Haus war ein Obdachlosenasyl untergebracht. Jeanette Schwerin, die Leiterin der D.G.E.K., nennt in ihrem Jahresbericht von 1894 folgende Schwerpunkte:

  • Systematisierung der Informationen über Wohlfahrtseinrichtungen
  • aktive Beteiligung von Frauen an den Recherchen und der Erteilung der Auskünfte
  • Zusammenarbeit mit der Armendirektion im Hinblick auf eine Reform der Armenpflege

Als hilfsbedürftig definierte Frau Schwerin folgende Gruppen:

  • Kranke, Sieche, Alte, Erwerbsunfähige
  • erwerbsfähige, aber augenblicklich durch Unglücksfälle oder sozialen Notstand heruntergekommene Familien

Jeanette Schwerin setzte sich sehr stark für die Rechte der Frauen ein. Sie starb im Juli 1899 im Alter von 47 Jahren. Nach ihrem Tod übernahm Albert Levy die Leitung. Eines seiner Hauptanliegen war es, wohltätige Einrichtungen zu einer gemeinsamen Koordinierung ihrer Tätigkeit zu bewegen. 1906 wurde die Einrichtung in Zentrale für private Fürsorge umbenannt. Damit wurde die Einrichtung als Verein konstituiert und die einzelnen Arbeitsbereiche wurden voneinander getrennt. 1911 zog der Verein von Berlin-Mitte in die Flottwellstraße 4 in Tiergarten. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten 22 Angestellte und 12 Beamte in der Beratungsstelle. Außerdem arbeiteten 110 Frauen und 30 Männer ehrenamtlich. Durch den Ersten Weltkrieg entstand die Kriegsfürsorge, deren Aufgabe die Unterstützung der Angehörigen von Soldaten war. Der Krieg führte zur Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Die Zentrale für private Fürsorge bemühte sich, die Verfahren zu beschleunigen und schnellstmögliche Unterstützung zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wurde eine neue Abteilung mit 12 Mitarbeitern gegründet. Des Weiteren übernahm die Zentrale für private Fürsorge Pflegedienste bei Kriegsblinden mit dem Ziel, ihnen ein weitestgehend eigenständige Existenz zu ermöglichen. Insgesamt waren 345 Mitarbeiter, davon 71 Beamte und 285 ehrenamtliche Mitarbeiter, für die Zentrale für private Fürsorge tätig. Durch den Umzug der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge nach Frankfurt am Main. 1919 und die Auflösung der Zentralstelle für Volkswohlfahrt 1920 gingen dem Archiv für Wohlfahrtspflege wichtige Quellen verloren. Eine Anregung des Reichsarbeitsministeriums veranlasste das Archiv, im Jahre 1923 den Sammelschwerpunkt auf die Gebiete der gesetzlichen Fürsorge, der Fachbibliographie und der Organisation im Reich, in den Ländern, Provinzen und Städten auszudehnen. Das Archiv war seinem Status nach die Einrichtung einer aus Vertretern des Reichsrates und Abgeordneten der führenden Verbände bestehenden Gemeinschaft. Den Vorsitz hatten Senatspräsident Spiegelthal vom Reichsversicherungsamt und Geheimrat D. Mahling, Professor an der Friedrich- Wilhelms- Universität zu Berlin, inne. Die ehemalige Leiterin des Archivs, Siddy Wronsky, wurde Geschäftsführerin. Die Verabschiedung der Reichsfürsorgeverpflichtung im April 1924 bedeutete eine grundlegende Veränderung des Wohlfahrtswesens. Im Jahre 1926 wurde mit dem Magistrat von Berlin eine Vereinbarung getroffen, der zufolge das Archiv unter dem Vorsitz des Magistrats, der Stellvertretung durch den Deutschen Städtetag, der Beiordnung der Industrie- und Handelskammer zu Berlin und der Zentrale für private Fürsorge als selbständige Gesellschaft bürgerlichen Rechts konstituiert wurde. Die Anfragen aus anderen Städten nahmen zu. Auch die Bestände wuchsen. Am 1. Juli 1930 zog das Archiv in die Neue Friedrichstraße 36 um. 1964 erfolgte die Umbenennung in Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen. Seitdem umfassen die Aufgabenbereiche des Instituts die Literaturdokumentation für die Fachbibliothek zum Sozialwesen, die verlegerische Tätigkeit sowie die Spenderberatung.

Am 14. Mai 1970 war das Verwaltungsgebäude der Ort der Baader-Befreiung.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Bibliothek hat die Aufgabe, die gesammelten Informationen zu erschließen und durch Recherche und Bereitstellung den Benutzern zugänglich zu machen. Auf Anfrage werden in der Literaturdatenbank SoLit Recherchen durchgeführt. Die Ergebnisse von Literaturrecherchen können gegen eine Gebühr wahlweise ausgedruckt oder auf Diskette zur Verfügung gestellt werden.

Verlag[Bearbeiten]

Der Verlag gibt die monatlich erscheinende Fachzeitschrift „Soziale Arbeit“ heraus. Zielgruppen dieser Zeitschrift sind Lernende, Lehrende und Forschende der Sozialarbeit, die in der Praxis Tätigen, die Sozialverwaltungen der Länder und Kommunen, Verbände und Institutionen sowie die öffentliche und freie Wohlfahrtspflege. Themenschwerpunkte sind Jugendhilfe, Soziales und Gesundheitswesen.

Seit 1896 gab das Archiv für Wirtschaftspflege, seit 1964 DZI, das „Graubuch – Führer durch das soziale Berlin“ heraus. Die Bezeichnung Graubuch ist auf die Farbe des Einbandes zurückzuführen. Der ursprüngliche Titel lautete „Die Wohlfahrtseinrichtungen Berlins : ein Auskunftsbuch“. 1915 erschien ein Führer durch die „Kriegsfürsorge in Groß-Berlin“, 1917 ein Handbuch der Kriegsfürsorge im Deutschen Reich“. Seit 1952 trägt es den Titel „Der Führer durch das soziale Berlin“. Aus Kostengründen musste die Herausgabe nach der 17. Auflage im Jahre 1996, die in diesem Jahr sowohl in Buchform als auch erstmals auf CD-ROM erschien, eingestellt werden. Das Graubuch dokumentierte Hilfen der öffentlichen und freien Wohlfahrt in den Bereichen Soziales sowie Jugend und Gesundheit. Außerdem enthielt es ergänzende Angaben zu Politik, Verwaltung, Rechtspflege sowie Arbeit und Bildung.

DZI Spenden-Siegel[Bearbeiten]

Neues DZI Spenden-Siegel
Altes DZI Spenden-Siegel

Das DZI verleiht seit November 1991 den sozialen und karitativen Organisationen, die das Siegel beantragen und die Kriterien erfüllen, das DZI Spenden-Siegel. Dieses steht für die nachgeprüfte, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spendengelder und damit für die Seriosität und Transparenz der geprüften Organisation. Das DZI selbst nennt sein Spenden-Siegel „das Zeichen für Vertrauen“. Für die jährliche Siegelprüfung berechnet das DZI eine Grundgebühr von 500 Euro und einen Zusatzbetrag von 0,035 Prozent der jährlichen Gesamteinnahmen. Die Kostenobergrenze liegt in jedem Fall bei 12.000 Euro. Für Erstanträge wird eine zusätzliche Gebühr von 1.000 Euro erhoben. Die hier angegebene Bearbeitungsgebühr ist exklusiv der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Kriterien für die wirtschaftliche und sparsame Mittelverwendung sind:

  • Die Werbe- und Verwaltungsausgaben betragen höchstens 30 Prozent der jährlichen Gesamtausgaben.
  • Die Ausgaben für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit betragen im Regelfall höchstens 30 Prozent der jährlichen Sammlungseinnahmen.

Zu den Bedingungen für die Verleihung zählen:

  • die zweckgerichtete, sparsame und wirtschaftliche Verwendung der Spendenmittel
  • die eindeutige und transparente Rechnungslegung und Berichterstattung über die Geschäftstätigkeit
  • die sachgerechte Prüfung der Rechnungslegung
  • die sachgerechte Spendenwerbung, die über die Verwendung der Spendengelder informiert und die Würde der Betroffenen achtet

Basis der Überprüfung der genannten Kriterien sind Selbstauskünfte der Organisationen, die das Siegel beantragen (Jahresberichte, Werbematerial, Informationsbroschüren).

Bis 2004 wurde das Spenden-Siegel nur an humanitär-karitative Organisationen verliehen. Seitdem können alle gemeinnützigen Spendenorganisationen das Siegel beantragen, unter anderem auch Umwelt- und Naturschutzorganisationen.[2]

Im Jahre 2006 waren von den etwa 4.180 überregionalen, spendensammelnden Organisationen in Deutschland 212 (5 Prozent) Träger des DZI Spenden-Siegels.

Wenn die Voraussetzungen für das Spenden-Siegel nicht mehr vorliegen, kann das Spenden-Siegel aberkannt werden. Beispielsweise wurde UNICEF Deutschland im Februar 2008 das Siegel entzogen, ausschlaggebend dafür war insbesondere das Verschweigen von Provisionszahlungen an Spendenwerber. Im November 2010 wurde UNICEF Deutschland das Spenden-Siegel nach erneuter Prüfung wieder erteilt.[3]

In Deutschland kann jeder Interessierte Informationen über Spenden sammelnde Organisationen aus den Bereichen Soziales, Umwelt und Naturschutz beim DZI einholen. Dies gilt auch für Organisationen, die das Siegel nicht tragen.[4] Die Organisationen mit DZI Spenden-Siegel werden jährlich mit einem Kurzporträt im "DZI Spendenalmanach" veröffentlicht.[5]

Kritik[Bearbeiten]

Gemeinnützigen Organisationen, die das DZI-Spendensiegel tragen wollen, müssen an das DZI eine sogenannte Erstprüfungsgebühr von 1000 EUR + 19% MwSt. zahlen. Zusätzlich fallen der Organisation für das DZI-Spendensiegel jedes Jahr Kosten in Höhe von 500 EUR + MwSt. (Grundgebühr) sowie 0,035% ihrer jährlichen Gesamteinnahmen an.[6]

Einige Organisationen können sich das Spendensiegel nach eigenen Angaben auf Grund der Gebühren nicht leisten oder möchten ihre Spendengelder nicht dafür verwenden.[7] Außerdem ist die Beantragung des DZI Siegels mit einem hohen bürokratischen Aufwand für die beantragende Organisation verbunden.[8]

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass die Kriterien des DZI nicht auf große Organisationen wie Greenpeace passen, insbesondere wenn diese kampagnenorientiert bzw. rein spenderbasiert arbeiten.[9]

Im Juli 2013 geriet das DZI in die Kritik, weil es der von Karlheinz Böhm gegründeten Stiftung Menschen für Menschen trotz Verschwendungsvorwürfen das DZI-Siegel erteilte.[10][11]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Helfersyndrom, Prestigeverlangen oder Gemeinsinn? Berlin: DZI, 2009
  • DZI Spenden-Almanach.
  • Ethik im Fundraising. Berlin: Dt. Zentralinst. für Soziale Fragen, 2007
  • Graubuch: der Führer durch das soziale Berlin. / Hrsg.: Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen, DZI. Bearb. und Gestaltung: Norbert Demgensky und Dirk Bartsch: DZI, 1997, [Übereinstimmend mit 17., überarb. Buchaufl.]
  • 75 Jahre soziale Arbeit in Deutschland. Berlin: Dt. Zentralinst. f. Soziale Fragen, [1968]
  • Fachzeitschrift Soziale Arbeit. 59. Jg.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Website DZI, Impressum, abgerufen am 9. Dezember 2011
  2. [2] DZI, Spenden-Siegel-Leitlinien 2011, PDF-Datei, abgerufen am 9. Dezember 2011
  3. [3] Anerkennung für Transparenz bei UNICEF, unicef.de November 2010, abgerufen am 9. Dezember 2011
  4. http://www.dzi.de/spenderberatung/spendenauskunfte-und-information/
  5. vgl. DZI: DZI Spendenalmanach 2008/9, 2008, ISBN 978-3-9805028-9-4
  6. „DZI-Gebührenrechner“ Internetseite des DZI. Abgerufen am 4. September 2013.
  7. Warum Wundertüte e.V. kein Spendensiegel beantragt. Internetseite von Wundertüte e.V. Abgerufen am 4. September 2013.
  8. H.-J. Vehlewald, E. Koch: Helfer wollen Spendensiegel boykottieren. In: Bild.de, 10. August 2010, abgerufen am 4. September 2013.
  9. “Greenpeace Internetseite” Abgerufen am 4. September 2013.
  10. Äthiopienstiftung behält DZI-Siegel. In: mittelbayerische.de, 24. Juli 2013, abgerufen am 4. September 2013.
  11. Das DZI-Spendensiegel: teuer, intransparent, nutzlos! (PDF; 9,1 MB) In: Spendenskandal.com, Spendernachrichten, Ausgabe 1, August 2013, abgerufen am 4. September 2013.
  12. Zeitschrift Soziale Arbeit auf der Institutswebsite. Abgerufen am 15. September 2010.