Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

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Dieser Artikel behandelt das Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr; zum Dachverband der deutschen Vereine, die sich mit Luft- und Raumfahrttechnik beschäftigen, siehe Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt.
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1907
Sitz Köln
Leitung Johann-Dietrich Wörner (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 8.000[1]
Branche Angewandte Forschung und Grundlagenforschung
Website www.dlr.de
Stand: September 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt sowie Energietechnik, Verkehr und Sicherheit im Bereich der angewandten und Grundlagenforschung. Es hat seinen Hauptsitz in Köln und ist an weiteren 15 nationalen und 4 internationalen Standorten vertreten. Bei seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten kooperiert das DLR weltweit mit anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie.

Geschichte[Bearbeiten]

Die älteste Vorgängerorganisation des DLR wurde 1907 von Ludwig Prandtl in Göttingen gegründet. Aus dieser Modellversuchsanstalt der Motorluftschiff-Studiengesellschaft wurde später die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA). Das DLR entstand 1969 unter dem Namen Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) durch den Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen. Neben der Aerodynamischen Versuchsanstalt waren das die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) und die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) sowie 1972 die Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW).

1989 wurde die DFVLR in Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) umbenannt. Durch die Fusion der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) mit der DLR zum 1. Oktober 1997 wurde der Name in „Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) geändert.[2]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Deutschland)
Augsburg
Augsburg
Bremen
Bremen
Berlin
Berlin
Jülich
Jülich
Bonn
Bonn
Braunschweig
Braunschweig
Göttingen
Göttingen
Hamburg
Hamburg
Köln
Köln
Lampoldshausen
Lampoldshausen
Neustrelitz
Neustrelitz
Oberpfaffenhofen
Oberpfaffenhofen
Stade
Stade
Stuttgart
Stuttgart
Trauen
Trauen
Weilheim
Weilheim
Nationale Standorte des DLR

Das DLR ist ein eingetragener Verein. Der Vorstand besteht aus sechs hauptamtlichen Mitgliedern mit dem Vorstandsvorsitzenden Johann-Dietrich Wörner (seit 2007).[3]

Das DLR beschäftigt etwa 8.000 Mitarbeiter (Stand 2013) und besitzt in Deutschland 32 verschiedene Institute, Test- und Betriebseinrichtungen an insgesamt 16 Standorten.[4] Jeder Standort besitzt seinen spezifischen Schwerpunkt. Am Hauptstandort Köln (Sitz des Vorstandes) sind etwa 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Der größte Standort mit rund 1.700 Mitarbeitern ist Oberpfaffenhofen.[5] Das DLR verfügt auch über ein Büro in Berlin, das im WissenschaftsForum Berlin seinen Sitz hat.[6] Zudem betreibt das DLR Verbindungsbüros in Brüssel, Paris, Tokio und Washington D.C.[7]

Der Etat des DLR für die eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie für Betriebsaufgaben betrug im Geschäftsjahr 2012 etwa 798 Mio. Euro. Davon waren rund 53% im Wettbewerb eingeworbene Drittmittel. Zudem verwaltet das DLR als Projektträger ein Budget von über 2.500 Mio. Euro für Raumfahrt, Weltraum- und Luftfahrtforschung.[1] Geringere Mittel flossen von der australischen Defence Science and Technology Organisation für die Dual-Use-Forschung an einem Hyperschall-Fluggerät.[8][9]

Das DLR ist Vollmitglied des Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) sowie Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und der European Cooperation for Space Standardization (ECSS).

Die Bereiche des administrativen und technischen Managements bestehen aus den sieben Organisationseinheiten: Kommunikation, Politik- und Wirtschaftsbeziehungen, Strategie und internationale Beziehungen, Administration, Informations- und Kommunikationstechnikmanagement, Qualitäts- und Produktsicherung, Revision und Unternehmensbeteiligungen.[10]

Nachwuchsförderung[Bearbeiten]

Zur Nachwuchsförderung wurden in den vergangenen Jahren unter anderem zehn DLR School Labs in Berlin-Adlershof, Göttingen, Hamburg-Harburg, Lampoldshausen/Stuttgart, Köln-Lind, Oberpfaffenhofen/München, Dortmund, Braunschweig, Bremen und Neustrelitz eingerichtet. In den DLR-Schülerlaboren werden Schüler anhand interessanter Experimente mit den praktischen Aspekten der Natur- und Ingenieurwissenschaften vertraut gemacht.[11] Weitere Initiativen sind u. a. ab April 2009 das „Helmholtz-Graduiertenkolleg“ am DLR oder das gemeinsame Projekt REXUS/BEXUS zur Förderung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses mit dem Swedish National Space Board (SNSB). Zudem hat das DLR mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Januar 2009 das gemeinsame Stipendienprogramm „DLR-DAAD-Research Fellowships“ für ausländische Jungwissenschaftler gestartet. 2012 wurde STERN (Studentische Experimental-Raketen) als Nachwuchsprogramm gestartet.[12]

Forschungs- und Entwicklungstätigkeit[Bearbeiten]

Forschungsbereiche und Kooperationspartner des DLR[Bearbeiten]

DLR-Hauptquartier in Köln-Lind, Luftbild

Zu den Aufgaben des DLR zählt im Wesentlichen die Erforschung von Erde und Sonnensystem sowie die Entwicklung nachhaltiger und umweltverträglicher Technologien. Diesbezüglich erforscht das DLR folgende Bereiche:[13] Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit. Die Tätigkeiten reichen dabei von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung.

Das DLR betreibt Großforschungsanlagen wie das weltweit einmalige Katapult für die Erforschung von Hochgeschwindigkeitszügen und arbeitet neben eigener Forschungsaktivität mit nationalen und internationalen Partnern aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft zusammen. Beispielsweise unterhält das DLR gemeinsam mit der französischen Luft- und Raumfahrteinrichtung ONERA Europas größte mobile Standschwingungsanlage. In Deutschland ist das DLR von der deutschen Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten beauftragt und ist als Projektträger für die Umsetzung von Förderprojekten verschiedener Ministerien der Bundesrepublik Deutschland (u. a. des BMBF und BMWi) zuständig. International arbeitet das DLR eng mit der NASA und der ESA, sowie mit militärischen Einrichtungen, etwa dem Air Force Research Laboratory der US-Luftwaffe zusammen.[14]

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Raumfahrt[Bearbeiten]

Die deutschen Aktivitäten in der Weltraumforschung durch das DLR reichen von Experimenten in Schwerelosigkeit, über die Erforschung anderer Planeten bis zur Umweltbeobachtung aus dem All. Außerdem nimmt das DLR als Raumfahrtagentur der Bundesrepublik Deutschland hoheitliche Aufgaben für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten wahr. Der Projektträger im DLR ist in weiten Bereichen ebenfalls mit hoheitlichen Aufgaben bei der Betreuung der Fördermittel beliehen.[15]

Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die Kármán-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum steht dem DLR bzw. der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2014 noch nicht zur Verfügung. Für Raumfahrtmissionen muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana ausgewichen werden, oft in Kooperation mit der ESA.

Neben den bestehenden Projekten Mars Express, Galileo (Satellitennavigation) und Shuttle Radar Topography Mission wurde am 26. Januar 2007 das Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen gegründet. Zukünftig soll dort mit etwa 80 Wissenschaftlern und Ingenieuren unter anderem an Konzepten für Raumfahrtmissionen und der Entwicklung von Satelliten und neuen Antrieben geforscht werden.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Ziel der Luftfahrtforschung des DLR ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen und der europäischen Luftfahrtindustrie und Luftverkehrswirtschaft zu stärken und den Anforderungen von Politik und Gesellschaft nachzukommen, zum Beispiel beim Thema klimaverträglicher Luftverkehr.[16]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Verkehrsforschung des DLR beschäftigt sich mit den Themen Sicherung der Mobilität, Schonung von Umwelt und Ressourcen sowie Verbesserung der Sicherheit im Verkehr allgemein. Dabei werden u.a. durch die Luft- und Raumfahrtforschung gewonnene Erkenntnisse angewandt.[17]

Energie[Bearbeiten]

In der Energieforschung arbeitet das DLR an hocheffizienten und Kohlendioxid-armen Stromerzeugungsprozessen auf Basis von Gasturbinen und Brennstoffzellen, an solarthermischer Stromerzeugung, an Windenergieanlagen sowie an der effizienten Nutzung von Wärme, einschließlich Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis fossiler und erneuerbarer Energiequellen.[18]

Ausgewählte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten[Bearbeiten]

HRSC auf Mars Express[Bearbeiten]

Die hochauflösende Stereokamera HRSC ist Deutschlands wichtigster Beitrag zur Mission Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ursprünglich für Mars 96 entwickelte Kamera nimmt Bilder der Marsoberfläche mit einer Detailgröße von 10 bis 30 m auf und ermöglicht, sie dreidimensional zu analysieren.[19]

Fernerkundung der Erde[Bearbeiten]

Im Rahmen der Fernerkundung der Erde liefern Satelliten kontinuierlich flächendeckende Informationen über das Gesamtsystem Erde. Diese Erdbeobachtungsdaten dienen zur Untersuchung der Atmosphäre, der Land- und Ozeanoberflächen sowie der Eisflächen der Erde. Nutzanwendungen der Fernerkundung sind zum Beispiel Umweltmonitoring und Katastrophenhilfe.

So konnten nach dem Tsunami im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 mit Hilfe der Erdbeobachtungssatelliten sehr schnell aktuelle Landkarten erstellt werden, die den Hilfskräften Orientierung während ihres humanitären Einsatzes boten. Das DLR führt diese Arbeiten im Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) durch, einem DLR-Institut in Oberpfaffenhofen. Satellitendaten liefern heute auch einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung bei der Messung der Temperatur, der Kohlendioxidkonzentration, der Konzentration von Feinstaubpartikeln, der Abholzung des Regenwaldes und des Strahlungsverhältnisses der Erdoberfläche (Land, Ozeane, Polareis).

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 unternahm das DLR das Projekt Soccer zum Vermeiden von Staus. In dem Verkehrsforschungsprojekt wurden in Berlin, Stuttgart und Köln Verkehrsdaten aus der Luft erhoben und daraus Prognosen erstellt. Dabei kam ein Sensorsystem aus einer optischen und einer Wärmebildkamera zum Einsatz. Als fliegende Plattformen dienten ein Zeppelin, ein Flugzeug und ein Hubschrauber. Eine Auswertungssoftware erstellte Luftbilder mit aktuellen Verkehrsparametern und Verkehrsprognosen. So konnten Verkehrsleitzentralen nahezu in Echtzeit informiert und Verkehrsteilnehmer gegebenenfalls umgeleitet werden.

Der neue deutsche Erdbeobachtungssatellit TerraSAR-X wurde im Juni 2007 gestartet. Ziel der auf fünf Jahre ausgelegten Mission ist die Versorgung wissenschaftlicher und kommerzieller Nutzer mit Fernerkundungsdaten auf Radarbasis. Das Satellitendesign basiert auf der Technologie und den Erfahrungen aus den SAR-Missionen (Synthetic Aperture Radar) X-SAR und SRTM. Der Sensor arbeitet in verschiedenen Betriebsmodi mit Auflösungen von bis zu einem Meter und hat die Fähigkeit, digitale Höhenmodelle zu erstellen. Bei TerraSAR-X teilten sich Staat und Industrie erstmals die Kosten für einen Satelliten. Das DLR trug davon etwa 80 Prozent, den Rest steuerte EADS Astrium bei. Hauptbestandteil des Satelliten ist ein im X-Band arbeitender Radarsensor, der mit unterschiedlichen Betriebsmodi die Erdoberfläche erfassen kann, von 10 bis 100 km Gebietsgröße und ein bis 16 m Auflösung.

Nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 wurde das Forschungsflugzeug „Falcon 20E“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt für den Messflug in die Vulkanasche am Montag, den 19. April 2010 eingesetzt.[20] Das LIDAR (Light Detection And Ranging)-Instrument zeigte Aschewolkenstrukturen aus vertikalen Schichten. Diese Schichten lagen auf der Flugstrecke in sehr unterschiedlichen Höhen. Der zweite erfolgreiche Einsatz des DLR-Flugzeuges erfolgte am 22. April 2010 im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Vom 1. bis 3. Mai absolvierte es zudem im Rahmen der „Vulcano Ash Hunter Mission“ weitere Messflüge, um die Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull zu untersuchen (Flugroute: Forschungsflughafen des DLR in Oberpfaffenhofen–Flughafen Keflavik der isländischen Hauptstadt Reykjavik–Eyjafjallajökull und zurück).[21] Am 9. Mai erfolgte ein weiterer Messflug: Ziel dessen war es, die Konzentration der Vulkanaschewolke zu messen, die am Sonntagnachmittag zur Sperrung der Flughäfen in Süddeutschland geführt hatte. Dank der Messungen konnte der Luftraum früher als geplant wieder freigegeben werden.[22] Nach dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon am 22. April 2010 im Golf von Mexiko lieferte das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformationen des DLR aktuelle Karten auf Basis des Erdbeobachtungssatelliten TerraSAR-X. Während mehrerer Überflüge über den Golf von Mexiko konnte der TerraSAR-X Satellit Radarbilder aufnehmen, die den ausgedehnten Ölteppich auf der Meeresoberfläche zeigen. Die Karten des ZKI stellen sowohl das Ausmaß des Ölteppichs im Golf von Mexiko sowie dessen zeitliche Veränderung auf Basis der TerraSAR-X Daten dar.[23]

Nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 bat die „International Charter Space and Major Disasters“ am Morgen des 11. März 2011 alle beteiligten Einrichtungen, Satellitendaten des Katastrophengebietes zur Verfügung zu stellen. Daran beteiligt war auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) am DLR-Standort Oberpfaffenhofen. Es wurden Aufnahmen der deutschen Satelliten TerraSAR-X und RapidEye verwendet.[24]

Suborbitale Passagierflüge[Bearbeiten]

Seit 2005 untersucht das DLR die Möglichkeit, den interkontinentalen Passagiertransport durch suborbitale Raumflüge zu ermöglichen. Das wiederverwendbare Raumfahrzeug SpaceLiner soll vertikal starten und horizontal landen. Es hat zwei Raketenstufen und wird durch Flüssigtreibstoff angetrieben.

Forschungsflugzeuge[Bearbeiten]

ATTAS
SOFIA-Erstflug am 26. April 2007
Forschungsflugzeug ATRA am 18. September 2011
Autonomous Rotorcraft Testbed for Intelligent Systems (ARTIS) 2006
Modell des Flüsterfliegers ALNA auf der MAKS 2011
Die Lange Antares 20E des DLR
Zeppelin NT mit Logo des DLR

Das DLR betreibt die größte Forschungsflugzeugflotte Europas. Das bedeutet Forschung mit dem Flugzeug und Forschung am Flugzeug. Die DLR-Forschungsflieger bilden Plattformen für Forschungsmissionen aller Art. Wissenschaftler und Ingenieure können mit ihnen praxisnah und anwendungsorientiert arbeiten: Erderkundung, Erforschung der Atmosphäre oder Erprobung neuer Flugzeugkomponenten. So untersucht das DLR zum Beispiel das Flattern von Flugzeugflügeln und Möglichkeiten, es zu unterdrücken. Dies dient auch der Reduktion von Fluglärm. In so genannten fliegenden Simulatoren kann das Flugverhalten von Flugzeugen nachgeahmt werden, die noch nicht gebaut sind. So wurde auch der Airbus A380 schon frühzeitig getestet. Mit der VFW 614 ATTAS wurden verschiedene Systeme, etwa Drohnen der Bundeswehr[25] getestet.[26] Am 27. Juni 2012 wurde ATTAS auf Grund von Beschädigungen an einem Triebwerk und der fehlenden Ersatzteilversorgung dauerhaft außer Betrieb genommen.[27]

Seit dem 24. Januar 2009 steht dem DLR das Höhenforschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) vom Typ Gulfstream G550 zur Verfügung, das in der Atmosphärenforschung und der Erdbeobachtung eingesetzt werden soll. Mit einer Flughöhe von mehr als 15 km und einer Reichweite von mehr als 8000 km ermöglicht HALO erstmals Messungen auf der Skala von Kontinenten, auf allen Breiten, von den Tropen bis zu den Polen, sowie in Höhen bis zur unteren Stratosphäre.

Das jüngste und größte Flottenmitglied, der Airbus A320-232 D-ATRA ist ab Ende 2008 für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Einsatz. ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) ist eine moderne und flexible Flugversuchsplattform, die nicht nur größenmäßig einen neuen Maßstab für fliegende Versuchsträger in der europäischen Luftfahrtforschung setzt.

Gemeinsam mit der NASA betreibt das DLR das fliegende Infrarotteleskop SOFIA (Stratospheric Observatory For Infrared Astronomy). Als Plattform dient eine Boeing 747SP, deren Rumpf für die Aufnahme eines in Deutschland entwickelten Spiegelteleskops modifiziert wurde. Das Flugzeug wird vom Ames Research Center in Moffett Field, Kalifornien betrieben. An drei bis vier Nächten pro Woche sollen jeweils bis zu acht Stunden aus 12 bis 14 km Höhe beobachtet werden. SOFIA ist für eine Betriebsdauer von 20 Jahren ausgelegt. Es löst seinen Vorgänger, das Kuiper Airborne Observatory (KAO) ab, das von 1974 bis 1995 im Einsatz war.

Auf der Basis eines Modellhubschraubers wird am DLR-Institut für Flugsystemtechnik in Braunschweig der Flugversuchsträger Unbemannter Hubschrauber ARTIS entwickelt. Ziel des Projektes ist es, neuartige Systeme und Algorithmen für autonome intelligente Funktionen zu untersuchen und im Experiment zu bewerten. Dazu zählen unter anderem die möglichst vollständige Nachbildung eines maschinellen Piloten an Bord des Luftfahrtzeugs, der automatisch Hindernisse während dem Flug durch unbekanntes Gelände erkennt, sowie das selbstständige Anpassen des Flugplans durch Umgebungsänderungen. Der Forschungshelikopter ARTIS kann so seinen Weg in der Luft alleine finden, ohne dass ein Mensch am Boden das Fluggerät fernsteuert.

Emissionsforschung[Bearbeiten]

Das DLR betreibt Forschungen zu Kohlendioxid- und Lärmemissionen im Flugverkehr. Um trotz des steigenden Verkehrsaufkommens ein Anwachsen der Lärmbelastung durch den Luftverkehr zu vermeiden, forscht das DLR an Möglichkeiten der Lärmreduzierung. Das Forschungsprojekt „Lärmoptimierte An- und Abflugverfahren“ ist etwa Teil des nationalen Forschungsprojektes „Leiser Verkehr“. Ziel des Projekts ist es, Flugverfahren zu ermitteln, die den Lärm bei Start und Landung verringern. Dazu wird zum Beispiel die Lärmausbreitung am Boden bei Flugzeugstarts mit vielen Mikrofonen analysiert. Auch wird versucht, den Lärm an der Quelle zu reduzieren, zum Beispiel den Umströmungs- und den Triebwerkslärm. Lärmquellen im Triebwerk hofft man, durch so genannten Antischall zu minimieren.

Im Bereich der Kohlendioxid-Emissionen im Flugverkehr forscht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beispielsweise an Modellrechnungen zur Umstellung der weltweiten Luftflotte auf Wasserstoffantrieb. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten beim Luftverkehr führen zu Überlegungen, ob der damit verbundene Umwelt- und Klimaeinfluss durch einen Wasserstoffantrieb ohne Kohlendioxid-Emission begrenzt werden kann.

Energieträger Wasserstoff[Bearbeiten]

Im Bereich der Energieforschung arbeiten DLR-Wissenschaftler unter anderem am Hydrosol-Projekt. Damit ist es erstmals gelungen, Wasser mittels Solarenergie in Wasserstoff und Sauerstoff thermisch zu spalten, ohne Kohlendioxidemissionen. Dafür wurde das Team 2007 zusammen mit anderen Arbeitsgruppen mit dem Descartes-Preis für Forschung der Europäischen Kommission ausgezeichnet.

Derzeit erprobt das DLR einen eigenstartfähigen Motorsegler Antares 20E, in dem die elektrische Energie mittels Wasserstoff über eine Brennstoffzelle erzeugt wird.

Solarturmkraftwerk[Bearbeiten]

2007 ging das erste kommerziell betriebene Solarturmkraftwerk in Betrieb. Es hat eine Leistung von elf Megawatt und wird in der Nähe von Sevilla bei Sanlúcar la Mayor in Spanien betrieben. An der Technologieentwicklung für diesen Kraftwerkstyp ist das DLR maßgeblich beteiligt: In Solarturmkraftwerken lenken der Sonne nachgeführte Einzelspiegel (Heliostate) die Sonnenstrahlung auf einen zentralen Wärmeübertrager (Receiver), der sich auf einem Turm befindet. Auf diese Weise wird Hochtemperaturwärme erzeugt. Diese kann dann in Gas- oder Dampfturbinenkraftwerke eingekoppelt werden, um Strom für das öffentliche Netz zu erzeugen. Solarthermische Turmanlagen stellen zudem eine technologische Basis, um zukünftig solare Brennstoffe, wie beispielsweise Wasserstoff, ohne Kohlendioxidemissionen herstellen zu können.

Raumlabor Columbus[Bearbeiten]

Im Februar 2008 wurde das Columbus-Labor, Europas zentraler Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS, ins All gebracht und an die ISS angedockt. Das zylindrische Modul mit einem Durchmesser von 4,5 m ist mit modernen wissenschaftlichen Einrichtungen ausgestattet. Es soll Forschern auf der Erde Tausende von Experimenten in Biowissenschaft, Materialwissenschaft, Fluidphysik und zahlreichen anderen Bereichen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit im All ermöglichen. Das DLR betreibt in Oberpfaffenhofen das Columbus-Kontrollzentrum und ist für die Koordination der wissenschaftliche Aktivitäten sowie den Systembetrieb und die Lebenserhaltung an Bord des Columbus-Labors im Orbit zuständig.

Rosetta-Mission (1993 – 2015)[Bearbeiten]

Die Mission Rosetta der europäischen Weltraumorganisation ESA soll die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen, indem sie einen der ältesten und ursprünglichsten in ihm vorkommenden Himmelskörper, einen Kometen, untersucht.[28] Die im März 2004 gestartete Sonde erreichte nach mehr als zehn Jahren Flug im Mai 2014 den Kometen 67 P/Tschurjumow-Gerasimenko. Die Mission besteht aus einem Orbiter und der Landeeinheit Philae.[29] Das DLR hatte wesentliche Anteile beim Bau des Landers und betreibt das Lander-Kontrollzentrum, das die Landung auf dem Kometen vorbereitet und betreuen wird.[30]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im zweijährigen Zyklus richtet das DLR die Großveranstaltung „Tag der Luft- und Raumfahrt“ an seinem Hauptstandort Köln aus.

Im Jahre 2009 präsentierten das DLR und die Europäische Weltraumorganisation ESA gemeinsam mit weiteren Partnern aus Köln-Porz Beispiele aus ihrer Forschungstätigkeit. Schirmherr war Karl-Theodor zu Guttenberg, damaliger Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Am Veranstaltungstag wurden nach Medienberichten etwa 100.000 Zuschauer auf dem Gelände des DLR gezählt.[31][32]

Von April 2009 bis Dezember 2010 fand im Gasometer Oberhausen unter dem Titel Sternstunden - Wunder des Sonnensystems eine Ausstellung statt. Sie bot (ebenso Bestandteil des Programmes der RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas) Nachbildungen des Planetensystems und Aufnahmen fremder Welten, u. a. eine Nachbildung des größten Mondes auf Erden.[33]

Im Jahre 2011 fand der Tag der Luft- und Raumfahrt unter der Schirmherrschaft von Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, statt und mit 85.000 Besucher wiederum gut frequentiert. Hauptattraktionen auf dem DLR-Gelände waren neben der Forschungsflotte des DLR insbesondere der Airbus A 380 ebenso der Parabelflug Airbus A 300 Zero G sowie die erstmals in Deutschland zu betrachtende fliegende Sternenwarte SOFIA (Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie) von NASA und DLR.[34]

Im März 2012 fand am Standort Stuttgart das erste jährliche „Speichersymposium“ statt. Themen des Symposiums sind Vorträge zu elektrochemischen und thermischen Energiespeichern für die stationäre und mobile Energieversorgung.

An mehreren Standorten des DLR gibt es mit den DLR School Labs Veranstaltungsorte für die Nachwuchsförderung.

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten]

Im März 2012 machte das DLR alle selbst erstellten Bilder seines Webportals für die Nachnutzung unter einer freien Creative-Commons-Lizenz verfügbar.[35]

Seit November 2010 veröffentlicht das DLR in Zusammenarbeit mit der ESA die Podcast-Reihe „Raumzeit“.[36] Moderiert wird der Podcast von Tim Pritlove, der Mitarbeiter des DLR und der ESA zu den verschiedenen Themen und Aufgaben dieser interviewt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: „Vor 75 Jahren begann in Trauen die Forschung in der Luft- und Raumfahrttechnik – Raketenpionier Eugen Sänger arbeitete in der Heide an der Entwicklung schubstarker Antriebe“. Sachsenspiegel 31, Cellesche Zeitung vom 4. August 2012.
  • Niklas Reinke: Geschichte der deutschen Raumfahrtpolitik. Konzepte, Einflussfaktoren und Interdependenzen 1923–2002 (= Schriften des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V., Berlin. Reihe: Internationale Politik und Wirtschaft. Bd. 71). Oldenbourg, München 2004, ISBN 3-486-56842-6 (Zugleich: Bonn, Univ., Diss., 2003).
  • Faßberg – Luft- und Raumfahrt in der Heide, Broschüre zum AeroSpaceDay Faßberg, Eigenverlag der Gemeinde Faßberg, Faßberg 2013, ISBN 978-3-00-042877-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b DLR im Überblick. Abgerufen am 1. Februar 2014.
  2. Historie. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  3. Der Vorstand des DLR. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  4. Standorte. Abgerufen am 9. September 2014.
  5. Der Standort Oberpfaffenhofen des DLR. DLR, 5. Dezember 2013, abgerufen am 15. Januar 2014.
  6. WissenschaftsForum Berlin
  7. DLR Portal: Büros im Ausland. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  8. „Die australische Militärforschungsorganisation DSTO etwa zahlte 3,8 Millionen Dollar an das Institut für Raumflugbetrieb und Astronautentraining am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für die Mitarbeit an einem Hyperschall-Jet.“ Johann Osel: Rüstungsforschung. Ausländische Militärs finanzieren deutsche Wissenschaftler. In: Süddeutsche Zeitung. 8. Januar 2014, abgerufen am 2. Februar 2014.
  9. Rüstungsforschung. Tüfteln für den Krieg. In: Deutschlandfunk. 11. Januar 2014, abgerufen am 2. Februar 2014.
  10. Management und Administration des DLR.
  11. Informationen zu den Nachwuchsprogrammen des DLR.
  12. STERN: Das Raketen-Programm für Studenten um den Bau von Raketen einschließlich des Antriebssystems zu fördern.
  13. Das Deutsche Zentrum- für Luft und Raumfahrt. DLR, Januar 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011 (PDF; 13,2 MB).
  14. Wissenschaftsrat: Bewertungsbericht zum DLR-Institut für Technische Physik (ITP), Stuttgart, S. 8, 22. In: DLR-Institut für Technische Physik (ITP), Stuttgart. 5. April 2006, abgerufen am 2. Februar 2014.
  15. Forschungsbereich Weltraum im DLR.
  16. Forschungsbereich Luftfahrt im DLR.
  17. Forschungsbereich Verkehr im DLR.
  18. Forschungsbereich Energie im DLR.
  19. Neukum, G.; Jaumann, R.: HRSC: the High Resolution Stereo Camera of Mars Express. 2004, abgerufen am 2. Februar 2014 (englisch).
  20. Sonderseite des DLR zur Untersuchung der isländischen Aschewolke.
  21. Ergebnisse des zweiten Forschungsfluges des DLR.
  22. Link zum dritten Forschungsflug des DLR.
  23. Ölkatastrophe nach dem Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. DLR-ZKI, 28. April 2010, abgerufen am 18. September 2012.
  24. TerraSAR-X-Satellitendaten zeigen Zerstörungen des Tsunamis in Japan. DLR, 16. März 2011, abgerufen am 18. September 2012.
  25. Unbemannte Fluggeräte, Unmanned Aerial Vehicles (UAV). In: Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. 26. November 2013, abgerufen am 2. Februar 2014.
  26. VFW614 ATTAS. DLR, abgerufen am 18. September 2012.
  27. Der Letzte seiner Art: Forschungsflugzeug ATTAS geht in den Ruhestand. DLR, 27. Juni 2012, abgerufen am 18. September 2012.
  28. Rosetta. DLR, abgerufen am 3. April 2013.
  29. Rosetta: „Vorwärts in die Vergangenheit“. DLR, abgerufen am 3. April 2013.
  30. Mission Rosetta: „Reise zu einem Kometen“. DLR, abgerufen am 3. April 2013 (PDF; 482 kB).
  31. Rund 100.000 Besucher bei Tag der Luft und Raumfahrt – Airbus A380 in Köln. Flugrevue, 20. September 2009, abgerufen am 18. September 2012.
  32. Mehr als 100.000 Besucher beim Tag der Luft- und Raumfahrt 2009 im DLR. DLR, 20. September 2009, abgerufen am 18. September 2012.
  33. Sonderseite zur DLR Ausstellung „Sternstunden- Wunder des Sonnensystems“.
  34. Offizielle Website zum Tdlr 2011, DLR Köln.
  35. Marco Trovatello: Creative Commons: Die „Jedermann-Lizenz“ und die Inhalte des DLR. DLR, 1. März 2012, abgerufen am 18. September 2012.
  36. Tim Pritlove: Raumzeit Podcast. Abgerufen am 13. Juni 2013.

50.8528561111117.123175Koordinaten: 50° 51′ 10″ N, 7° 7′ 23″ O