Deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster

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Deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster nennt sich ein Mönchskloster in Buchhagen, einem Ortsteil der Kleinstadt Bodenwerder im niedersächsischen Landkreis Holzminden. Das Kloster untersteht seit 1983 formell der Metropolie der bulgarisch-orthodoxen Diözese von West- und Mitteleuropa, betrachtet sich aber als deutsche orthodoxe Mönchsgemeinschaft.

Klostergebäude

Bedeutung[Bearbeiten]

Das Dreifaltigkeitskloster ist das erste und bisher einzige deutsche orthodoxe Kloster.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Gründer des Klosters, Abt Johannes, studierte Musik und Religionswissenschaften in Berlin und kam dort zu Beginn der 1970er Jahre mit der Orthodoxie in Berührung. Nach seiner Konversion wurde er Mönch auf dem Heiligen Berg Athos, wo er auch die höchste Mönchsweihe empfing.

Nachdem sich in Deutschland eine kleine Mönchsgemeinschaft zusammengefunden hatte und die notwendigen finanziellen Mittel aufgebracht werden konnten, wurde 1990 eine Stiftung gegründet und nach langer Suche ein Grundstück in Buchhagen gekauft.

Die meisten Bauarbeiten führten die Mönche gemeinsam mit Freunden selbst durch. Zu Ostern 1992 war der erste Abschnitt fertig, so dass die Mönche einziehen konnten. Die komplette Bauplanung und Bauleitung wurde durch den St.-Martin-Orden übernommen, der auch Materialspenden und Baugeräte organisierte, nachdem - wohl aus kirchenpolitischen Gründen - Hilfe durch den internationalen Bauorden nicht möglich waren.

1994 wurde das Kloster geweiht und 1996, zwei Jahre später, folgte die Krypta. Die Planungen für die Klosterkirche wurden durch den St.-Martin-Orden ebenfalls erstellt, eine Umsetzung war aufgrund fehlender Mittel bislang leider nicht möglich. Zuletzt wurde das Taufbecken und der Tauftempel im Hof der Anlage errichtet.

Kirchlicher Status[Bearbeiten]

Ursprünglich war das Kloster als Tochtergründung eines Athosklosters geplant. Die Synaxe (gottesdienstliche Versammlung) von Kultlumusiu (Athos) hatte bereits 1982 ein entsprechendes Statut vorbereitet. Eine dementsprechende Umsetzung wurde durch den griechisch-orthodoxen Metropoliten in Deutschland verhindert. Daneben standen weitere kirchenpolitische Interessen gegen diese Gründung.

1993 kam dann die kanonische Einbindung des Klosters in die bulgarisch-orthodoxe Kirche zustande, 1994 erhielt das Kloster sein kanonisches Statut. Darin wurden der deutsche Nationalcharakter und die monastische Autonomie des Klosters festgelegt. Das Statut geht auf das Katastatikon zurück, welches bereits 1982 auf dem Athos für die deutsche Neugründung erstellt worden war.

Theologisch wird diese Gründung dadurch gerechtfertigt, dass es dem Willen der heiligen Slawenapostel Kyrill und Method entspricht, zumal sie schon vor 1000 Jahren das Recht aller Völker verteidigt hatten, in der eigenen Sprache den Gottesdienst zu halten und eigenständige kirchliche Strukturen zu entwickeln.

Mönchsleben[Bearbeiten]

Im Stiftungsstatut heißt es: „Das Kloster dient der Erneuerung des christlichen Geistes und der christlichen Kultur Deutschlands aus dem Erbe der alten, ungeteilten Kirche, wie es in den orthodoxen Kirchen bis heute lebendig ist.“

Liturgie und Spezifika[Bearbeiten]

Neben der Pflege der byzantinischen Liturgie ist der liturgische Gesang, der im Kloster gepflegt wird, eine Besonderheit: der Deutsche Choral. Diese Choraltradition wurde vom Abt des Klosters für den orthodoxen Gottesdienst in deutscher Sprache entwickelt und führt die Arbeiten zur Gewinnung einer „Deutschen Choraltradition“ fort, die im römisch-katholischen und im evangelischen Bereich geleistet worden sind. Der Deutsche Choral greift daneben auch den byzantinischen auf, wie er in den Athos-Klöstern und anderen monastischen Zentren der orthodoxen Kirche lebendig ist. Grundlage der Neumenschrift des Deutschen Chorales ist die linierte Choralnotation von Solesmes. Die musikalische Besonderheit des Chorals besteht darin, dass er auf der Naturtonreihe basiert. Abt Johannes hat hierzu in jüngster Zeit eigens ein Buch verfasst. [1]

Leitung[Bearbeiten]

Geleitet wird das Kloster von Abt Johannes Pfeiffer.

Angebote für Interessenten[Bearbeiten]

Die Mönche leben in Zurückgezogenheit und Gebet. Wer sich für die orthodoxe Spiritualität, Liturgie oder allgemein das Mönchsleben interessiert, kann nach vorheriger Absprache einige Tage als Gast im Kloster verbringen. Entsprechend der Tradition ist die Übernachtung im Kloster nur Männern ab 14 Jahren gestattet.

Daneben bieten die Mönche für Schulabgänger ein Klosterpraktikum an mit der Möglichkeit, eine begrenzte Zeit im Kloster mitzuleben und mitzuarbeiten. Dabei können Fragen der Lebensorientierung geklärt und religiöses Wissen und Erfahrung erworben werden. Relevante Themenkreise sind: Theorie und Praxis des Choralgesangs, Herzensgebet, Kirchenväter, Liturgie und Liturgiegeschichte, Kirchengeschichte, Religionsgeschichte, Theologie.

Abt Johannes Pfeiffer von Buchhagen veranstaltet ferner auch Intensivkurse zum Deutschen Choral.

Freundeskreis[Bearbeiten]

Die Familiaren sind ein Kreis von orthodoxen Christen, die dem Kloster in mehrerer Hinsicht verbunden sind. Die Mitgliedschaft in der Familiaritas, eine gemeinnützige Personenvereinigung, setzt die Mitgliedschaft in der orthodoxen Kirche voraus. Die Familiaren sind keine Mönche, sondern leben bewusst als orthodoxe Christen in der Welt. Sie haben im Kloster ihren geistigen Vater und finden dort geistigen Rückhalt und Orientierung. Umgekehrt unterstützen sie das Heiligtum auf verschiedene Weise, jeder nach der Maßgabe seiner Möglichkeiten, und geben einen regelmäßigen Beitrag.

Der Förderkreis ist nicht organisiert, es gibt keine Vereinsmitgliedschaft und keine weiteren Verpflichtungen. Förderer müssen der orthodoxen Kirche nicht angehören. Sie unterstützen die gemeinnützige „Stiftung deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster“ finanziell, weil das Kloster in Buchhagen mehr als manche andere kirchliche oder kulturelle Einrichtung wirtschaftlich auf sich selbst gestellt ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Archimandrit Johannes (Pfeiffer): Der Weg zum naturtönigen Kultgesang. Das musikalische System des deutschen orthodoxen Kirchengesangs, seine geistigen und geschichtlichen Voraussetzungen, seine Symbolik und die harmonikale Struktur der Obertöne, Verlag Kloster Buchhagen, Bodenwerder-Buchhagen 2012, ISBN 978-3-926236-09-8.

Weblinks[Bearbeiten]

51.9745277777789.5427222222222Koordinaten: 51° 58′ 28″ N, 9° 32′ 34″ O