Deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster

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Klostergebäude

Das Deutsche orthodoxe Dreifaltigkeitskloster ist ein Mönchskloster in Buchhagen, einem Ortsteil der Kleinstadt Bodenwerder im niedersächsischen Landkreis Holzminden. Das Kloster gehört seit 1993 zur bulgarischen-orthodoxen Metropolie von West- und Mitteleuropa, ist aber eine deutsche orthodoxe Mönchsgemeinschaft. Es ist das erste und bisher einzige deutsche orthodoxe Kloster und wird von Abt Johannes Pfeiffer geleitet.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Klostergründer Abt Johannes studierte Musik und Religionswissenschaften in Berlin und kam dort zu Beginn der 1970er Jahre mit der Orthodoxie in Berührung. Nach seiner Konversion wurde er Mönch auf dem Heiligen Berg Athos, wo er auch die höchste Mönchsweihe empfing.

Nachdem sich in Deutschland eine kleine Mönchsgemeinschaft zusammengefunden hatte und die notwendigen finanziellen Mittel aufgebracht werden konnten, wurde 1990 eine Stiftung gegründet und nach langer Suche ein Grundstück in Buchhagen gekauft.

Die meisten Bauarbeiten führten die Mönche gemeinsam mit Freunden selbst durch. Zu Ostern 1992 war der erste Abschnitt fertig, so dass die Väter einziehen konnten.

1994 wurde das Kloster vom bulgarischen orthodoxen Metropoliten Symeon geweiht und 1996, zwei Jahre später, folgte die Weihe der Krypta. Die Architekturplanung stammt von Abt Johannes, der sowohl Elemente der Weser-Romanik als auch der byzantinischen Klosterarchitektur aufgreift. Statik- und Bauorganisation wurde durch den St.-Martin-Orden vorgenommen. Zuletzt wurde im Hof der Weihwasserbrunnen als Monopteros auf acht Säulen mit Kuppel errichtet.

Kirchlicher Status[Bearbeiten]

Ursprünglich war das Kloster als Tochtergründung eines Athosklosters geplant. Die Synaxe (Rat der Altväter) von Kultlumusiu (Athos) hatte bereits 1982 ein entsprechendes Statut vorbereitet, dessen Umsetzung durch den griechisch-orthodoxen Metropoliten in Deutschland verhindert wurde. Daneben standen weitere kirchenpolitische Interessen gegen diese Gründung.

1993 kam dann die kanonische Einbindung des Klosters in die bulgarisch-orthodoxe Kirche zustande, 1994 erhielt das Kloster sein kanonisches Statut, welches auf jenes zurückgeht, das bereits 1982 auf dem Athos für die deutsche Neugründung erstellt worden war. Darin wurden der deutsche Nationalcharakter und die monastische Autonomie des Klosters festgelegt. Seither hat das Kloster in der Gesamtorthodoxie einen einwandfreien kanonischen Status.

Theologisch wird diese Gründung dadurch gerechtfertigt, dass es dem Zeugnis der heiligen Slawenapostel Kyrill und Method entspricht, die schon vor 1000 Jahren das Recht aller Völker verteidigt hatten, in der eigenen Sprache den Gottesdienst zu halten und eigenständige kirchliche Strukturen zu entwickeln.

Liturgie und Spezifika[Bearbeiten]

Neben der Pflege der byzantinischen Liturgie ist der liturgische Gesang, der im Kloster gepflegt wird, eine Besonderheit: der Deutsche Choral. Diese Choraltradition wurde vom Abt des Klosters für den orthodoxen Gottesdienst in deutscher Sprache entwickelt und führt die Arbeiten zur Gewinnung einer „Deutschen Choraltradition“ fort, die im römisch-katholischen und im evangelischen Bereich geleistet worden sind. Der Deutsche Choral greift daneben auch den byzantinischen auf, wie er in den Athos-Klöstern und anderen monastischen Zentren der orthodoxen Kirche lebendig ist. Grundlage der Neumenschrift des Deutschen Chorales ist die linierte Choralnotation von Solesmes. Die musikalische Besonderheit des Chorals besteht darin, dass er auf der Naturtonreihe basiert. Abt Johannes hat hierzu in jüngster Zeit eigens ein Buch verfasst.[1]

Klosterleben[Bearbeiten]

Die Mönche leben in Zurückgezogenheit und Gebet. Im Stiftungsstatut heißt es: „Das Kloster dient der Erneuerung des christlichen Geistes und der christlichen Kultur Deutschlands aus dem Erbe der alten, ungeteilten Kirche, wie es in den orthodoxen Kirchen bis heute lebendig ist.“

Für Interessenten zu orthodoxer Spiritualität, Liturgie oder zum Mönchsleben ist ein mehrtägiger Aufenthalt als Gast im Kloster möglich. Entsprechend der Tradition ist die Übernachtung im Kloster nur Männern ab 14 Jahren gestattet. Für Schulabgänger bieten die Mönche ein Klosterpraktikum an mit der Möglichkeit, eine begrenzte Zeit im Kloster mitzuleben und mitzuarbeiten. Dabei können Fragen der Lebensorientierung geklärt und religiöses Wissen und Erfahrung erworben werden. Relevante Themenkreise sind Theorie und Praxis des Choralgesangs, Herzensgebet, Kirchenväter, Liturgie und Liturgiegeschichte, Kirchengeschichte, Religionsgeschichte, Theologie. Abt Johannes von Buchhagen veranstaltet ferner auch Intensivkurse zum Deutschen Choral.

Freundeskreis[Bearbeiten]

Die Familiaren sind ein Kreis orthodoxer Christen, die dem Kloster in mehrerer Hinsicht verbunden sind. Die Mitgliedschaft in der Familiaritas, eine gemeinnützige Personenvereinigung, setzt die Mitgliedschaft in der orthodoxen Kirche voraus. Die Familiaren sind keine Mönche, sondern leben bewusst als orthodoxe Christen in der Welt. Sie haben im Kloster ihren geistigen Vater und finden dort geistigen Rückhalt und Orientierung. Umgekehrt unterstützen sie das Heiligtum auf verschiedene Weise, jeder nach der Maßgabe seiner Möglichkeiten, und geben einen regelmäßigen Beitrag.

Daneben gibt es Förderer des Klosters, die nicht organisiert sind und nicht der orthodoxen Kirche angehören müssen. Sie unterstützen die gemeinnützige „Stiftung deutsches orthodoxes Dreifaltigkeitskloster“ finanziell, weil das Kloster in Buchhagen wirtschaftlich auf sich selbst gestellt ist.

Quellen[Bearbeiten]

  • Archimandrit Johannes: Daß ihr anbetet in Geist und Wahrheit, Morphologie und Mystagogie des orthodoxen Tagzeitengebetes. Verlag des Dreifaltigkeitsklosters 1999, ISBN 978-3-926236-06-7.
  • Archimandrit Johannes: Vom Mysterium des Mönchtums. Verlag des Dreifaltigkeitsklosters, 2012, ISBN 978-3-926236-16-6.
  • Archimandrit Johannes: Der Weg zum naturtönigen Kultgesang, das musikalische System des deutschen orthodoxen Kirchengesangs, seine geistigen und geschichtlichen Voraussetzungen, seine Symbolik und die harmonikale Struktur der Obertöne. Musikalisch-philosophisches Lehrbuch. Verlag des Dreifaltigkeitsklosters, 2012, ISBN 978-3-926236-09-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Archimandrit Johannes (Pfeiffer): Der Weg zum naturtönigen Kultgesang. Das musikalische System des deutschen orthodoxen Kirchengesangs, seine geistigen und geschichtlichen Voraussetzungen, seine Symbolik und die harmonikale Struktur der Obertöne. Verlag Kloster Buchhagen, Bodenwerder-Buchhagen 2012, ISBN 978-3-926236-09-8.

Weblinks[Bearbeiten]

51.9745277777789.5427222222222Koordinaten: 51° 58′ 28″ N, 9° 32′ 34″ O