Deutschordenskommende Koblenz
Die Deutschordenskommende Koblenz war eine Niederlassung (Kommende) des Deutschen Ordens am Zusammenfluss von Mosel und Rhein in Koblenz, die im 15. Jahrhundert zur Kammerballei aufstieg. Die nur noch in Teilen erhalten gebliebene Anlage liegt heute zwischen dem Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal und der Basilika St. Kastor. Im Rheinbau, der heute Deutschherrenhaus genannt wird, ist das Ludwig Museum untergebracht.
Seit 2002 ist die Anlage der ehemaligen Deutschordenskommende Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Deutschordenskommende in Koblenz war die erste Niederlassung des Deutschen Ordens im Rheinland und gehörte zu den wichtigsten Standorten im Westen. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem dort befindlichen St.-Nikolaus-Krankenhaus. Eine Motivation für die Ansiedlung des Ordens war in dessen Eignung für die Krankenpflege zu sehen.
Unmittelbar an der Ecke, wo die Mosel in den Rhein fließt, entstand bald danach eine Deutschordensniederlassung. Mitte des 13. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung des Ritterordens in der Stadt stark an und die Ordensanlage wurde mit Unterstützung der Trierer Erzbischöfe weiter ausgebaut. Seit dieser Niederlassung des Deutschen Ordens trug diese Stätte zunächst die Bezeichnung „Deutscher Ordt“ und dann den Namen „Deutsches Eck“. Mit Bau des Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals 1897 verlagerte sich der Name „Deutsches Eck“ vom Gelände der Deutschordensniederlassung auf das Areal des Denkmals.
Im 15. Jahrhundert stieg die Bedeutung der Deutschordensniederlassung weiter an, da sie Sitz einer von vier Kammerballein wurde, die dem Hochmeister des Ordens direkt unterstellt war. Die Ballei Koblenz besaß weit verstreuten Landbesitz, seit 1263 auch das Dorf und die Kirche in Elsen im heutigen Rhein-Kreis Neuss. Elsen war das einzige reichsunmittelbare Territorium im Besitz der Kammerballei Koblenz. Dadurch hatte der Landkomtur ein Mitspracherecht in den Organen des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Gräfin Mechthild, Witwe des Grafen Heinrich III. von Sayn (1202–1246), vermachte nach dem Tode ihres Gatten die schon bestehende Pfarrei Waldbreitbach (Kreis Neuwied) dem Deutschen Orden. Nach 1313 gelangte die Kommende Breitbach in die Zuständigkeit des Komturs zu Horneck (am Neckar). Bis zur Auflösung im Jahr 1803 verblieb die Pfarrei sodann bei der Ballei Koblenz.
Der Landkomtur der Ballei Koblenz verlegte um 1600 seinen Sitz nach Köln zur dort seit 1218 bestehenden Kommende St. Katharina. 1619 ging das Schloss Morsbroich in den Besitz des Deutschen Ordens über, das nach 1794 zum alleinigen Sitz des Landkomturs wurde.
Nachdem französische Revolutionstruppen Koblenz 1794 erobert hatten, wurde das linke Rheinufer grundlegend von den Franzosen reorganisiert. Das Einsetzen der Säkularisation ab 1802 bedeutete das Ende der kirchlichen Herrschaft und auch das Ende für die Deutschordenskommende in Koblenz. Sie wurde 1809 aufgelöst und in Privatbesitz verkauft. Nach der französischen Zeit und mit Bau der preußischen Festung Koblenz nahmen die Gebäude der Deutschordenskommende ab 1821 das Proviantmagazin auf. Im Zuge des Neubaus der Stadtbefestigung entstand an der Moselmündug vor dem Rheinbau der heute noch bestehende Kasemattenbau, der das Kreuz des Deutschen Ordens trägt.
Von 1897 bis 1941 beherbergte die ehemalige Anlage des Deutschen Ordens das preußische Staatsarchiv Koblenz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage bei den Luftangriffen auf Koblenz 1944 weitgehend zerstört. Danach wurde nur der Rheinbau wieder aufgebaut und von der Straßenverwaltung genutzt. Die Stadt Koblenz kaufte 1988 das Gebäude vom Land Rheinland-Pfalz und baute es von 1990 bis 1992 zum Ludwig Museum um. Im Jahr 2002 wurde auf den Ruinen des ehemaligen Archivdienerhauses ein modernes Gebäude errichtet. Während der Vorbereitung zur Ausrichtung der Bundesgartenschau 2011, das Areal ist Teil des Kernbereichs „Blumenhof am Deutschen Eck“, wurden weitere Zeugnisse des Ritterordens freigelegt und gesichert.
[Bearbeiten] Bauten
Das Areal der Deutschordenskommende bestand aus einem Hauptgebäude, dem Rheinbau (1279 errichtet) und mehreren Nebengebäuden, die sich hufeisenförmig um einen Hof gruppierten, der nach Süden offen war. Dazu kam eine am Westbau angegliederte Ordenskirche, die 1306 geweiht und 1811 abgebrochen wurde.
Infolge der Zerstörungen nach den Luftangriffen auf Koblenz von 1944 und der anschließenden Abrissarbeiten haben sich von den Wohn- und Hofgebäuden nur noch Teile erhalten. Wiederaufgebaut wurde der Ostflügel (ehemals Komturswohnung) an der Rheinseite. Dabei handelt es sich um einen dreigeschossigen Rechteckbau mit einem mehreckigen Treppenturm an der Südwestecke und steilen Schildgiebeln. Vom Westflügel existieren noch zwei über Säulen gewölbte Erdgeschosssäle. Von der abgerissenen Deutschordenskirche besteht noch die Südwand mit prächtigen Gewölbekonsolen. An diese schloss sich südlich eine kleine gotische Kapelle (1354/1355 errichtet) an, die in den 1960er-Jahren noch Spuren von Wandmalereien aufwies und von der sich lediglich Teile der Außenmauern erhalten haben. Das Portal in der westlichen, zur Basilika St. Kastor führenden Begrenzungsmauer stammt von dem ehemaligen Waisenhaus, das unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz erbaut worden war. Der Blumenhof befindet sich hinter dem Hauptgebäude und ist heute eine Gartenanlage.
[Bearbeiten] Kommenden der Kammerballei Koblenz
Die folgenden Kommenden unterstanden der Kammerballei Koblenz:
- Kommende Koblenz (Hauptsitz)
- Kommende Beeck
- Kommende Berk
- Kommende Dieren
- Kommende Ibersheim
- Kommende Judenrode (Gürath) später: Kommende Elsen
- Kommende Köln (St. Katharina)
- Kommende Muffendorf
- Kommende Pitsenburg (Mechelen)
- Kommende Rheinberg
- Kommende Vier Ambachten (1235-1241)
- Kommende Waldbreitbach (seit 1602)
[Bearbeiten] Komture der Kammerballei Koblenz
| Name des Komturs | erste Erwähnung | letzte Erwähnung |
|---|---|---|
| Ludwig | 1219 | 1231 |
| Walter de Porta Castri | 1249 | 1272 |
| Matthias von Lonnich | 1274 | 1295 |
| Dirk von Holland | 1297 | 1304 |
| Jakob | 1309 | |
| Winrich von Baesweiler | 1315 | 1318 |
| Berthold von Buchegg | 1324 | |
| Jakob von Trier | 1324 | 1339 |
| Eberhard von Monheim | 1339 | 1343 |
| Johann von Langerak | 1343 | 1346 |
| Christian von Binsfeld | 1349 | 1360 |
| Rüdiger von Friemersheim | 1361 | 1375 |
| Gottfried von Bicken | 1379 | 1382 |
| Berthold Kriskorb | 1382 | 1387 |
| Adolf von Virmond | 1389 | 1392 |
| Gerhard von Fischenich | 1394 | 1395 |
| Balduin Staël von Holstein | 1397 | 1399 |
| Winrich von Rheindorf | 1400 | 1402 |
| Albrecht von Thunen | 1405 | 1410 |
| Wilhelm von Wittlich | 1411 | |
| Konrad von Buchseck | 1412 | 1414 |
| Gerhard von Benesis | 1416 | 1431 |
| Philipp von Kendenich | 1432 | 1435 |
| Eberhard von Nackenheim | 1435 | 1439 |
| Philipp von Kendenich | 1439 | 1442 |
| Eberhard Thyn von Schlenderhahn | 1442 | 1446 |
| Nikolaus von Gielsdorf | 1446 | 1460 |
| Lambert von Neudorf | 1461 | |
| Heitgin von Miele | 1463 | |
| Werner Overstolz | 1464 | 1479 |
| Philipp von Solms | 1479 | 1483 |
| Johann Scherfchen | 1483 | 1486 |
| Werner Spies von Büllesheim | 1486 | 1501 |
| Ludwig von Seinsheim | 1501 | 1524 |
| Herzog Erich von Braunschweig | 1524 | |
| Wilhelm von Isenburg | 1524 | 1525 |
| Georg von Eltz | 1532 | |
| Walter von Heußenstamm | 1532 | 1547 |
| Wilhelm Halber von Hergern | 1547 | 1557 |
| Anton von Weyer zu Nickendich | 1557 | 1558 |
| Gerhard von Bohneburg | 1560 | 1573 |
| Otto von Gunß | 1574 | 1577 |
| Reinhard Scheiffart von Merode | 1578 | 1598 |
| Adolf von dem Bongart | 1598 | 1631 |
| Johann Friedrich von Syburg | 1631 | 1639 |
| Werner Spies von Büllesheim | 1639 | 1643 |
| Johann von Elleren zu Oest | 1643 | 1646 |
| Heinrich Freiherr von Reuschenberg | 1646 | 1677 |
| Goswin Scheiffart von Merode | 1677 | 1685 |
| Johann Carl Goswin Freiherr von Nesselrath | 1685 | 1698 |
| Johann Friedrich Mohr von Wald | 1703 | 1704 |
| Heinrich Wilhelm von Mirbach | 1706 | 1715 |
| Karl Gottfried von Loe | 1716 | 1720 |
| Jobst Moritz Freiherr von Droste zu Senden | 1720 | 1752 |
| Friedrich Christian von Mengersen | 1752 | 1753 |
| Ignaz von Wurmbrand | 1753 | 1761 |
| Ignaz Franz Felix Freiherr von Roll zu Bernau | 1761 | 1794 |
| Carl Franz Friedrich Freiherr Forstmeister zu Gelnhausen | 1795 | 1805 |
| Wenzel Joseph Graf Colloredo-Mels und Wallsee | 1805 | 1806 |
| Säkularisation | 1809 | |
[Bearbeiten] Ludwig Museum
Das Ludwig Museum ist die fünfte vom Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig initiierte Kunstsammlung in Deutschland und wurde am 18. September 1992 mit der Ausstellung „Atelier de France“ eröffnet. Die Ausrichtung des Museums auf französische Kunst des 20. Jahrhunderts, vornehmlich der Entwicklungen nach 1945 bis hin zu aktuellen Positionen, ist in Deutschland einmalig.
Das Ludwig Museum nutzt neben seinen Ausstellungsräumen auf vier Etagen auch den angrenzenden „Blumenhof“, der sich als Ausstellungsfläche für markante dreidimensionale Arbeiten anbietet. Zu den Beständen des Museums gehören hier der „Daumen“ von César und die Installation „Stätte der Erinnerung und des Vergessens“ von Anne und Patrick Poirier, die diese Arbeit eigens zur Museumsgründung für diesen Ort entwickelt haben.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
- Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992. ISBN 3-8062-0876-X
- Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993. ISBN 3-8062-1036-5
- Johann Heinrich Hennes: Codex diplomaticus Ordinis Sanctae Mariae Theutonicorum = Urkundenbuch zur Geschichte des Deutschen Ordens, insbesondere der Ballei Coblenz. Verlag Kirchheim, Schott und Thielmann, Mainz 1845 (Digitalisat im DjVu-Format)
- Albert Hardt: Im Lande der Neuerburg an der Wied. Verbandsgemeinde, Wolfenacker 1987 (darin: Die Commende des Deutschen Ordens in Waldbreitbach an der Wied)
- Dieter Kerber, Udo Liessem: Der Deutsche Orden in Koblenz. Studien zur Geschichte und Bauentwicklung im Mittelalter. Görres-Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-920388-12-7
- Dokumentation zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz
- Band 1: Stadt im Wandel: Die Region Mittelrhein bereitet sich vor. Garwain, April 2011, ISBN 978-3-936436-19-8
- Herbert Dellwing (Bearbeiter): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.2: Stadt Koblenz. Innenstadt. Werner, Worms 2004. ISBN 3-88462-198-X
[Bearbeiten] Weblinks
- Damian Hungs: Deutschordenskommende Koblenz
- Webseite des Museums Ludwig Deutschherrenhaus Koblenz auf ludwigmuseum.org
- Deutschherrenhaus in: regionalgeschichte.net
50.3627777777787.605Koordinaten: 50° 21′ 46″ N, 7° 36′ 18″ O