Deutschkanadier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Deutschkanadier (German Canadians) werden in Kanada kanadische Staatsbürger mit deutschen Wurzeln bezeichnet. Der Begriff schließt auch ethnische Deutsche ein, die vor ihrer Immigration außerhalb des damaligen deutschen Staatsgebiets lebten, so auch Schweizer, Österreicher, Russlanddeutsche oder Rumäniendeutsche, sowie deren Nachfahren. Ein großer Teil gehörte religiösen Gruppierungen wie den Mennoniten an, die aufgrund von dort herrschender Religionsfreiheit Kanada als neue Heimat bestimmten.

Die kanadische Volkszählung von 2006 ergab eine Anzahl von 3.179.425 Personen mit deutschen Vorfahren. Das entspricht etwa 10,2 % der Gesamtbevölkerung Kanadas.

Geografische Schwerpunkte[Bearbeiten]

Gebiete mit mehrheitlich deutschstämmiger Bevölkerung sind gelb gekennzeichnet.

Die deutschstämmige Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf die Prärieprovinzen Kanadas, in Saskatchewan stellt die Gruppe mit 30 % die Bevölkerungsmehrheit. Auch Manitoba und Alberta können eine große Anzahl an Deutschstämmigen vorweisen, hier liegen die Werte bei etwa 20 %; damit sind die Deutschkanadier in diesen Provinzen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe. In allen genannten Provinzen wird vor allem der bevölkerungsreichere Süden von Deutschstämmigen besiedelt. Ältere Siedlungen Deutscher liegen rund um Kitchener in Ontario und vor allem im Süden der Halbinsel Nova Scotia (siehe auch Abschnitt Geschichte). In letztgenannten Gebieten finden sich auch eine Vielzahl deutscher Ortsnamen und Kirchen.

Die fünf Städte mit der größten absoluten deutschstämmigen Bevölkerung sind:

  1. Toronto: 220.135
  2. Vancouver: 187.410
  3. Winnipeg: 109.355
  4. Kitchener: 93.325
  5. Montreal: 83.850

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Bereits nach Neufrankreich immigrierten wenige Deutsche und vermischten sich mit der dort ansässigen akadischen Bevölkerung, größere Anzahlen folgten jedoch erst nach der britischen Annexion Nova Scotias. Diese Siedler setzten sich aus deutschen Söldnern in der britischen Armee und sogenannten Foreign Protestants zusammen.

Die Amerikanische Revolution brachte ebenfalls eine Immigrationswelle hervor, da ein großer Teil der deutschen Bevölkerung New Yorks und Pennsylvanias loyal gegenüber der britischen Krone eingestellt war und deswegen nach Kanada umsiedelte, das zu diesem Zeitpunkt immer noch zum britischen Kolonialreich gehörte. Zudem griff die britische Armee auf Söldner aus deutschen Kleinstaaten zurück, die als Hessians bekannt waren. 2.200 dieser Soldaten ließen sich nach der Entlassung aus dem Dienst in Kanada nieder, gesichert ist beispielsweise eine Ansiedlung deutscher Söldner in Québec.[1]

Eine größere Anzahl von Mennoniten aus Pennsylvania floh aus den Vereinigten Staaten in Richtung südwestliches Ontario. Die dann dort bestehende große Gemeinde zog auch Mennonitengruppen aus dem deutschen Mutterland an, an der Zahl 50.000.

19. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Zuge einer größeren Einwanderungswelle ab 1886 kam wegen der Verfolgung unter dem zaristischem Regime nochmals eine bedeutende Zahl von Mennoniten aus Russland nach Kanada. Die russlanddeutschen Einwanderer konnten sich besonders gut an die Lebenssituation in den Prärien Westkanadas anpassen, da sie ähnliche Verhältnisse von Russland gewöhnt waren. Einen zusätzlichen Schub erhielt die Einwanderung in den 1920er Jahren, als die Vereinigten Staaten mit Quoten die Immigration von Osteuropäern einschränkten. Kurz danach allerdings brach auch die Einwanderung nach Kanada ein, da dieser Staat die Immigration ebenfalls zu limitieren begann, um große Einwanderungswellen von Flüchtenden vor dem Nazi-Regime zu verhindern.

Während des Zweiten Weltkriegs war die deutschstämmige Bevölkerung einer allgemeinen anti-deutschen Stimmung ausgesetzt. Unter diesem Druck anglisierten manche Familien ihre Nachnamen, ein Großteil sprach die deutsche Sprache nur im Geheimen. Viele Orte wurden umbenannt, beispielsweise Berlin in Kitchener. Die überwiegende Mehrheit der Deutschkanadier teilte die Ansichten des Nazi-Regimes nicht, wählten sie doch schon vorher eher liberal. Dem Ruf Hitlers nach Deutschland zurückzukehren, folgten nur etwa 1 % der Deutschkanadier.

Siehe auch: Volksdeutsche

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind rund 400.000 Deutsche nach Kanada emigriert.

Kultur[Bearbeiten]

Die Deutschkanadier sind wie auch die Deutschamerikaner in den Vereinigten Staaten in der Öffentlichkeit weniger präsent als andere Einwanderergruppen, da beide Gruppen relativ stark assimiliert sind. Doch ist der Gebrauch der deutschen bzw. plattdeutschen Sprache mit einem Anteil von rund 1 % an der Gesamtbevölkerung Kanadas weiter verbreitet als in den USA. Ein teilweisen Verlust ihrer Kultur und Sprache ist vor allem auf die anti-deutsche Stimmung in der kanadischen Gesellschaft während des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen (siehe auch Abschnitt Geschichte).

In jüngerer Zeit wird das deutsche Erbe jedoch wieder gepflegt. Die Deutschamerikaner sind in verschiedenen Klubs und Vereinen organisiert, vor allem auch im Zusammenhang mit der Kirche findet ein starkes Vereinsleben statt. Es gibt zudem eine Vielzahl von Kirchen, in denen deutsche oder plattdeutsche Gottesdienste gehalten werden.

Das größte Oktoberfest außerhalb Deutschlands wird in Kitchener gefeiert, dort findet auch ein Christkindlmarkt statt.

Bekannte Deutschkanadier[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Bedeutende Vereine und Organisationen von Deutschkanadiern:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelmy: Les Mercenaires allemands au Québec, 1776-1783