Deutschlandachter
Als Deutschland-Achter oder Deutschlandachter wird der Achter der deutschen Ruder-Nationalmannschaft bezeichnet. Der Achter gilt traditionell als das „Flaggschiff“ des deutschen Ruderverbandes.
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Geschichte[Bearbeiten]
Die Erfolgsgeschichte des Deutschland-Achters begann 1959 mit dem Gewinn der Europameisterschaft. Im Jahr darauf siegte das von Karl Adam betreute Boot bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom mit deutlichem Vorsprung. Es folgten vier Europa- und zwei Weltmeistertitel und bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt wurde in einem knappen Rennen wieder die Goldmedaille errungen. Das war der vorläufige Höhepunkt, in München 1972 kam das Boot mit Steuermann Manfred Klein nicht über einen fünften Platz hinaus.
Erst unter dem neuen Trainer Ralf Holtmeyer konnte man wieder an alte Erfolge anknüpfen. Die Olympischen Spiele 1988 in Seoul bescherten eine im Vorjahr nicht für möglich gehaltene Goldmedaille für das neu formierte Team um Schlagmann Bahne Rabe. Dieser wurde 1989 von Roland Baar abgelöst, der mit seinem Team dreimal in Folge die Weltmeisterschaften gewinnen konnte und in Barcelona 1992 die Bronzemedaille errang. Nach dieser Saison verließ Steuermann Manfred Klein das Team.
Nach WM-Titeln 1991, 1993 und 1995 gewann der Deutschland-Achter in Atlanta 1996 die olympische Silbermedaille. Roland Baar beendete mit diesem Erfolg seine Karriere, in der er zwei Olympiamedaillen errungen hatte und fünfmal Weltmeister geworden war. Neben ihm haben bis 1996 Ruderer wie Ansgar Wessling (olympisches Gold 1988 und Bronze 1992, Weltmeister 1989 und 1991), Dirk Balster (Weltmeister 1989, 1990 und 1991), Thorsten Streppelhoff (Weltmeister 1991 und 1993, olympisches Bronze 1992 und Silber 1996), Martin Steffes-Mies (Weltmeister 1989, 1990, 1991 und 1993) und Frank Richter (Weltmeister 1990, 1993 und 1995, olympisches Bronze 1992 und Silber 1996) die Achter-Crews geprägt.
1998 wurde der Deutschland-Achter mit dem neuen Schlagmann Marc Weber Vizeweltmeister, danach gab es jedoch ein Leistungstief und das Boot konnte sich nicht für die Olympischen Spiele in Sydney qualifizieren. Nach diesem Misserfolg übernahm Dieter Grahn den Trainerposten, stellte die gesamte Mannschaft neu auf und konnte mit dem um Schlagmann Michael Ruhe neu gebildeten Achter erste Erfolge feiern. Schon 2001 wurde das Boot bei den Weltmeisterschaften in Luzern mit der Bronzemedaille ausgezeichnet, im Jahr darauf erreichte das Team mit Steuermann Peter Thiede den zweiten Rang bei der WM in Sevilla.
Nach dem vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Athen gewann der Deutschland-Achter um den neuen Schlagmann Bernd Heidicker bei den Weltmeisterschaften 2006 in Eton zum ersten Mal seit 1995 wieder den Titel. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in München sicherte der Achter mit dem Gewinn der Silbermedaille die Olympiaqualifikation ab und platzierte sich als beste Männermannschaft des ansonsten enttäuschenden Deutschen Ruderverbandes. Nach schwachen Saisonleistungen im Jahr 2008 wurde dem Erfolgstrainer Dieter Grahn die Verantwortung für das Boot entzogen[1] sowie die komplette Weltmeistermannschaft durch eine neue Mannschaft um Schlagmann Andreas Penkner ersetzt. Der bisherige Assistenztrainer Christian Viedt fungierte als Interimstrainer bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Diese Entscheidung wurde heftig kritisiert. Tatsächlich landete der Deutschland-Achter sowohl im Vor- als auch im Hoffnungslauf jeweils nur auf dem letzten Platz, und verlor auch das B-Finale gegen Gastgeber China.
Nach den Olympischen Spielen übernahm Ralf Holtmeyer zum zweiten Mal als Trainer den Deutschland-Achter. Er schaffte es, das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes wieder auf Kurs zu bringen: Der Deutschland-Achter blieb seit 2009 ungeschlagen und wurde 2009, 2010 und 2011 Weltmeister. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurde er seiner Favoritenrolle gerecht und gewann erstmals nach 1988 wieder die Goldmedaille.
Der Deutschland-Achter wurde sechsmal zur Mannschaft des Jahres gewählt: 1959, 1960, 1968, 1988, 1989 und 2012 (häufiger wurde nur die Fußballnationalmannschaft der Männer gewählt) sowie von 2009 bis 2011 dreimal in Folge zur Mannschaft des Jahres von NRW.
Erfolge bei internationalen Wettkämpfen[Bearbeiten]
| Jahr | Veranstaltung | Ort | Platzierung |
|---|---|---|---|
| 1912 | Olympische Spiele | Stockholm | 3 |
| 1913 | Europameisterschaften | Gent/BEL | 1 |
| 1936 | Olympische Spiele | Berlin | 3 |
| 1937 | Europameisterschaften | 2 | |
| 1938 | Europameisterschaften | 1 | |
| 1955 | Europameisterschaften | 3 | |
| 1959 | Europameisterschaften | Mácon/FR | 1 |
| 1960 | Olympische Spiele | Rom | 1 |
| 1961 | Europameisterschaften | 2 | |
| 1962 | Weltmeisterschaften | Luzern | 1 |
| 1963 | Europameisterschaften | Kopenhagen | 1 |
| 1964 | Olympische Spiele | Tokio | 2 |
| 1964 | Europameisterschaften | 1 | |
| 1965 | Europameisterschaften | Duisburg | 1 |
| 1966 | Weltmeisterschaften | Bled | 1 |
| 1967 | Europameisterschaften | Vichy | 1 |
| 1968 | Olympische Spiele | Mexiko-Stadt | 1 |
| 1969 | Europameisterschaften | 3 | |
| 1972 | Olympische Spiele | München | 5 |
| 1977 | Weltmeisterschaften | Amsterdam | 3 |
| 1978 | Weltmeisterschaften | Lake Karapiro/Neuseeland | 2 |
| 1988 | Olympische Spiele | Seoul | 1 |
| 1989 | Weltmeisterschaften | Bled | 1 |
| 1990 | Weltmeisterschaften | Tasmanien | 1 |
| 1991 | Weltmeisterschaften | Wien | 1 |
| 1992 | Olympische Spiele | Barcelona | 3 |
| 1993 | Weltmeisterschaften | Roudnice | 1 |
| 1995 | Weltmeisterschaften | Tampere | 1 |
| 1996 | Olympische Spiele | Atlanta | 2 |
| 1998 | Weltmeisterschaften | Köln | 2 |
| 2001 | Weltmeisterschaften | Luzern | 3 |
| 2002 | Weltmeisterschaften | Sevilla | 2 |
| 2004 | Olympische Spiele | Athen | 4 |
| 2005 | Weltmeisterschaften | Gifu | 3 |
| 2006 | Weltmeisterschaften | Eton | 1 |
| 2007 | Weltmeisterschaften | München | 2 |
| 2008 | Olympische Spiele | Peking | B-Finale |
| 2009 | Weltmeisterschaften | Posen | 1 |
| 2010 | Weltmeisterschaften | Lake Karapiro/NSL | 1 |
| 2011 | Weltmeisterschaften | Bleder See/SLO | 1 |
| 2012 | Olympische Spiele | London | 1 |
Vermarktung[Bearbeiten]
Den Deutschland-Achter vermarktet die in Dortmund ansässige Deutschland-Achter GmbH, die auch über Marken- und Kennzeichenrechte an der Bezeichnung Deutschland-Achter verfügt.[2] Anders als in vielen anderen Sportverbänden ging die Initiative zur Vermarktung beim Amateursport Rudern nicht vom nationalen Verband, dem Deutschen Ruderverband, sondern von den Athleten aus. Das erklärt auch, warum der Deutsche Ruderverband an einzelnen Ruderern oder Mannschaften wie dem Deutschland-Achter nie eigene Vermarktungsrechte besaß. Das Verhältnis der Vermarktungsagenturen zum Deutschen Ruderverband wurde im Laufe der Zeit auf eine vertragliche Grundlage gestellt. Der Verband erhielt danach eine prozentuale Abgabe. Über die Aufteilung der verbleibenden Einnahmen bestimmen bei der Deutschland-Achter GmbH nach wie vor die Sportler durch einen von ihnen gewählten Fachbeirat.
Hauptsponsor seit Oktober 2010 ist die WILO SE aus Dortmund. Der Sponsoringvertrag läuft bis Ende 2013. Der Hauptgeldgeber der deutschen Rudernationalmannschaft und damit auch des Deutschland-Achters ist und bleibt allerdings das Bundesministerium des Innern.
Mannschaft[Bearbeiten]
von Peking 2008 bis London 2012[Bearbeiten]

Deutschland-Achter 2012[Bearbeiten]
- Martin Sauer (Steuermann)
- Kristof Wilke (Schlagmann)
- Florian Mennigen
- Lukas Müller
- Richard Schmidt
- Maximilian Reinelt
- Eric Johannesen
- Andreas Kuffner
- Filip Adamski
Trainer und Betreuer[Bearbeiten]
- Ralf Holtmeyer (Bundestrainer)
- Werner Nowak (Co-Trainer)
- Ullrich Kau (Teamarzt)
- Jürgen Hastenpflug (Physiotherapeut)
- Carsten Hoffmann (Physiotherapeut)
- Volker Grabow (Sportwissenschaftler)
- Gerold Heyden (Leistungsdiagnostik)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ http://www.rudern.de/Nachricht.1092+M55609e2fc88.0.html
- ↑ Eintrag im Markenregister, abgerufen am 18. Dezember 2012