Deutschlandhalle

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Deutschlandhalle
Deutschlandhalle, 2006

Deutschlandhalle, 2006

Daten
Ort Berlin-Westend
Architekt Franz Ohrtmann,
Fritz Wiemer
Baujahr 1935
Abriss 2011
Koordinaten 52° 30′ 0″ N, 13° 16′ 17″ O52.513.271388888889Koordinaten: 52° 30′ 0″ N, 13° 16′ 17″ O

Die im Jahr 1935 errichtete und nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Deutschlandhalle war ein Veranstaltungsort im Berliner Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, direkt am S-Bahnhof Messe Süd (Eichkamp) gelegen. Mit der Sprengung der Hallendecke am 3. Dezember 2011 begann die letzte Phase der Abrissarbeiten.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Generalappell der NSDAP in der Deutschlandhalle, 1938
Die erste Deutschlandhalle, 1939
Ständige Nutzung als Eissporthalle, 2008
Die Sprengung des Daches der Deutschlandhalle am 3. Dezember 2011
Gesprengtes Dach der Deutschlandhalle am 5. Dezember 2011
Deutschlandhalle kurz vor dem Abriss der Gebäudestruktur am 5. Dezember 2011
Die Abrissarbeiten an der Gebäudefront der Deutschlandhalle am 27. Januar 2012

Die Deutschlandhalle war eine der weltweit ältesten Veranstaltungsarenen dieser Dimension. Sie wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 als damals „größte Mehrzweckhalle der Welt“ in Berlin nach Entwürfen des Hallendirektors Franz Ohrtmann und des Bauunternehmers Fritz Wiemer (Fa. Wiemer & Trachte) in nur neunmonatiger Bauzeit errichtet und am 29. November 1935 im Beisein von Adolf Hitler eröffnet.

Die 117 Meter lange und 83 Meter breite Stahlkonstruktion bot Platz für bis zu 10.000 Zuschauer; unter Ausnutzung des Innenraums passten bis zu 16.000 Menschen hinein.[2]

Anschließend wurden in der Deutschlandhalle vor allem Sportveranstaltungen, große Show-Veranstaltungen sowie Massenveranstaltungen der NSDAP und ihrer Organisationen durchgeführt. Bei den Olympischen Spielen 1936 wurde in der ersten Woche das Ringer- und das Gewichtheberturnier und in der zweiten Woche das Boxturnier dort ausgetragen. 1938 wurde von der Pilotin Hanna Reitsch in der Deutschlandhalle während der Revue Ki sua heli der erste Hubschrauber-Hallenflug vorgeführt.

Die Zirkusshow Menschen-Tiere-Sensationen fand seit 1937 in der Deutschlandhalle statt. Am 20. Januar 1940 stürzte dabei die Hochseilartistin Camilla Mayer in den Tod, als ein Mast brach. Drei Jahre später, am 16. Januar 1943, wurde das Dach der vollbesetzten Deutschlandhalle bei einem Luftangriff von einer Brandbombe getroffen. Weder Menschen noch Tiere kamen zu Schaden, aber die Deutschlandhalle wurde zerstört.[2]

Der Beschluss von 1949 zum Wiederaufbau der Halle konnte erst Mitte der 1950er Jahre ausgeführt werden, als die Finanzierung gesichert war. Am 19. Oktober 1957 fand die Wiedereröffnung statt. Während die Innenraumgestaltung dem ursprünglichen Zustand sehr ähnlich blieb, wurde der Eingangsbereich umgestaltet. Eine völlig neue freitragende Dachkonstruktion aus Spannbeton bereitete später wiederholt Probleme. Nachdem das Dach der Berliner Kongresshalle eingestürzt war, wurde die Deutschlandhalle im Sommer 1980 deshalb vorsorglich kurzzeitig gesperrt.[3]

Als West-Berlins größte Veranstaltungshalle wurden dort Shows wie Holiday on Ice, Menschen-Tiere-Sensationen und das Militärmusikfestival British Tattoo aufgeführt. Zahlreiche Konzerte fanden in der Deutschlandhalle statt. Unter anderem Eric Clapton,[4] The Rolling Stones, Frank Zappa, AC/DC, Metallica, David Bowie, The Who, Pink Floyd, Johnny Cash, Queen, Joe Cocker und Jimi Hendrix haben hier gespielt, aber auch Herbert Grönemeyer und Gianna Nannini. David Bowie hatte in dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo einen Auftritt in der Deutschlandhalle (wobei es sich bei dem im Film gezeigten Publikum um das Publikum eines AC/DC-Konzertes in der Deutschlandhalle handelte und Bowie für den Gegenschnitt auf einer New Yorker Bühne gefilmt und in die Filmsequenz hineingeschnitten wurde).[5]

Eine der eindrucksvollsten Veranstaltungen fand drei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer statt. Unter dem Motto Konzert für Berlin wurde am 12. November 1989 spontan ein Festival organisiert. Bei freiem Eintritt spielten Musiker wie Nina Hagen, Udo Lindenberg, Joe Cocker und Bands wie die Silly, Pankow, Toten Hosen, 3 Tornados (mit ihrem letzten Auftritt), Die Zöllner, Puhdys oder BAP, um dieses emotionale Ereignis zu feiern. 50.000 Besucher aus Ost und West strömten den ganzen Tag über in die Halle.[6] Das Konzert wurde stundenlang vom SFB und anderen ARD-Sendern live im Radio übertragen.

Auch große Sportveranstaltungen fanden regelmäßig in der Deutschlandhalle statt. Gegen den Widerstand des DFB wurde vom 13. bis 17. Januar 1971 das erste Hallenfußballturnier mit Profimannschaften auf deutschem Boden ausgetragen.[7] Viele Boxkämpfe fanden dort statt, unter anderem am 4. Juni 1979 ein Schaukampf des Deutschen Meisters Georg Butzbach mit Muhammad Ali. Die Halle war von 1974 bis 1998 Austragungsort des Berliner Sechstagerennens. Die Basketball-Showtruppe Harlem Globetrotters gastierte wiederholt in der Deutschlandhalle. 1980 fand das Endspiel im Europapokal der Basketball-Landesmeister in der Halle statt und 1995 war sie die Spielstätte des Basketball-Europapokalsiegs im Korac-Cup von Alba Berlin.

Im Jahr 1995 wurde das Gebäude, das zu diesem Zeitpunkt seit 60 Jahren in Betrieb war, unter Denkmalschutz gestellt. Am 1. Januar 1998 wurde die Deutschlandhalle geschlossen und der Berliner Senat plante trotz des Denkmalschutzes auf Drängen der Messe Berlin den Abriss. Die Messegesellschaft wollte zu diesem Zeitpunkt ein Parkhaus errichten, da die notwendige Sanierung aus ihrer Sicht zu teuer gewesen wäre. Die Stimmung des damaligen Senats war nicht einheitlich, da der damals zuständige Wirtschaftssenator beispielsweise für eine Komplettsanierung und Umwandlung in eine Multifunktionsarena plädierte. Dies wäre auch nötig gewesen, da vorgesehen war, die Eissporthalle an der Jafféstraße ebenfalls abreißen zu lassen – zugunsten eines Südeingangs zum Messegelände – und der Verein der Berlin Capitals somit ohne Spielstätte gewesen wäre. Den Plänen zufolge sollte die Deutschlandhalle noch vor der Jafféhalle abgerissen werden.

Die Arena wurde letztlich notgedrungen für die Berlin Capitals und den Amateursport mit einer Eisfläche und mehreren Kabinen versehen und stand seit dem 15. August 2001 wieder für Großveranstaltungen und erstmals primär dem Eissport zur Verfügung. Zwischenzeitlich stand die Deutschlandhalle fast dreieinhalb Jahre leer, ohne Wartung, Sanierung oder Renovierung.

Ende 2005 wurde die Deutschlandhalle erneut geschlossen, da bei einer Routineprüfung festgestellt wurde, dass das Dach erneuert werden musste. Im März 2006 wurde die Halle dann wieder für den Eishockeysport geöffnet und war bis zur Schließung im April 2009 Heimat des ECC Preussen Juniors Berlin.

Die Dachtragwerkskonstruktion wurde 2007 für die Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland nominiert.

Am 27. Mai 2008 beschloss der Berliner Senat, die Deutschlandhalle abzureißen und den Neubau einer Eishalle nahe der Glockenturmstraße zu errichten.[8] Nachdem der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zwischenzeitlich versucht hatte, den Abriss zu verhindern, zog der Berliner Senat das Verfahren an sich und genehmigte im November 2010 den Abriss. Ein Markstein der Abrissarbeiten war die Sprengung des Daches am 3. Dezember 2011. Bis 2014 wurde auf dem Gelände eine neue Messe- und Kongresshalle – genannt City Cube – gebaut, die am 5. Mai 2014 eröffnet wurde.[9] Die Baukosten werden mit 65 Millionen Euro veranschlagt. Dieser 20.000 Quadratmeter große Bau mit zwei Geschossen soll das Kongressgeschäft aufnehmen, wenn das asbestbelastete ICC von 2014 an saniert wird.[10][11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutschlandhalle (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschlandhalle ist gesprengt. In: Der Tagesspiegel, Onlineausgabe, 3. Dezember 2011.
  2. a b Deutschlandhalle – Menschen, Tiere, Emotionen. In: Der Tagesspiegel, 27. Mai 2008.
  3. 50 Jahre Deutschlandhalle. AMK Berlin (Hrsg.), Berlin 1986, S. 9 ff.
  4. Die Legende genießt jetzt ihren Status. In: Berliner Zeitung, 12. April 1995
  5. Henry Edwards et al: Stardust – The David Bowie Story. New York 1986, S. 381.
  6. Melancholie und Schmerz zum Abschied. In: Berliner Zeitung, 30. April 2009; zum letzten Betriebstag.
  7. Für die Deutschlandhalle schlägt die letzte Stunde. In: Berliner Morgenpost, 30. April 2009.
  8. Brigitte Schmiemann: Mit der Deutschlandhalle fällt ein Stück Geschichte. In: Welt Online, 27. Mai 2008.
  9. Aufruf vom 25. September 2014
  10. Abriss-Genehmigung/Senat besiegelt Ende der Deutschlandhalle. In: Berliner Morgenpost, 4. November 2010.
  11. NS-Prestigebau braucht drei Sekunden für sein Ende. In: Die Welt, 2. Dezember 2011.