Deutschsprachige Exilpresse (1933–1945)

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Als deutschsprachige Exilpresse zwischen 1933 und 1945 gilt die Gesamtheit der Publikationen, die von deutschen und österreichischen Emigranten während der Zeit des Nationalsozialismus in ihrem Zufluchtsland herausgegeben wurde. Die Forschung kennt mehr als 400 publizistische Erzeugnisse der Exilpresse.[1] Die meisten von ihnen erschienen nicht länger als ein Jahr, viele publizierten nur eine einzige Ausgabe. Nur wenige erschienen über den Zeitraum vom Exilbeginn 1933 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Da aus Kostengründen meist keine internationalen Nachrichtenagenturen bezogen werden konnten, es kein großes Korrespondentennetz gab und in Deutschland nicht recherchiert werden konnte, waren die journalistischen Arbeitsbedingungen stark erschwert.

Geschichte[Bearbeiten]

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Mit der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten begann die stetige Abwanderung von Schriftstellern und Journalisten aus dem Deutschen Reich, ab 1938 auch aus Österreich, dann aus der Tschechoslowakei. Sie verloren ihre Leserschaft, ihre Einkünfte, ihren Sprachraum, ihr ganzes Lebensumfeld. In den Zufluchtsländern fanden sie – aus sprachlichen Gründen, aber auch auf Grund rigider Einwanderungsgesetze – kaum Arbeitsmöglichkeiten. Sie hatten sich von Deutschland abgewandt und wurden gleichwohl als Deutsche oft misstrauisch betrachtet in einer Welt, die dem Deutschen nicht mehr gewogen war.

Im Ausland zeigten im Wesentlichen nur drei etablierte Verlage Verständnis für diese Situation und hatten den Mut zur Hilfe: Querido und Allert de Lange in Amsterdam, sowie Oprecht in Zürich. Diese ermöglichten Buchveröffentlichungen und die Herausgabe von Zeitschriften. So sicherten sie einigen Schriftstellern ein Existenzminimum.

Das Gros der Emigranten musste den angestammten Beruf aufgeben. Einige versuchten, durch Gründung deutschsprachiger Zeitschriften am Schreiben zu bleiben und sich ein Sprachrohr zu schaffen – immer in der Hoffnung, das Exil würde nur kurze Zeit dauern. In diesen Publikationen fanden sich Autoren zusammen, die in der Heimat wenig gemeinsam hatten, sich politisch sogar oft konträr gegenüberstanden. Denn die Emigranten waren keine homogene Schicht, es waren Juden und Nicht-Juden, Kommunisten, Sozialisten und Bürgerliche, politisch Engagierte und reine Schöngeister. Das einzige, das sie verband: Die Nazis verfolgten sie, und sie lehnten den Geist der Nazis ab und mussten durch deren Verfolgung um ihr Leben fürchten.

Exilmedien (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Sammlung Erstes Heft / September 1933
Maß und Wert Ausgabe vom November/Dezember 1938

Aufbau[Bearbeiten]

(Untertitel bis Ende 1940: Serving the interests and the Americanization of the immigrants). Dezember 1934 bis Dezember 2004 New York, seit Januar 2005 Zürich. Hrsg. und Chefredakteur war 26 Jahre lang Manfred George Redaktionsbeirat und Mitarbeiter: Richard Beer-Hofmann, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, Nahum Goldmann, Leopold Jessner, Emil Ludwig, Thomas Mann, Franz Werfel.

Aufbau-Autoren waren u. a. auch: Hannah Arendt, Max Brod, Martin Buber, Oskar Maria Graf, Heinrich Eduard Jacob, Alfred Polgar, Curt Riess, Hans Sahl, Gershom Scholem, Carl Zuckmayer.

Das neue Tage-Buch[Bearbeiten]

Juli 1933 bis Mai 1940. Paris, Amsterdam. Hrsg. Leopold Schwarzschild

Mitarbeiter: Julius Bab, Ulrich Becher, M. Y. Ben-Gavriel, Max Brod, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, Max Herrmann-Neiße, Heinrich Eduard Jacob, Alfred Kerr, Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler, Emil Ludwig, Erika Mann, Heinrich Mann, Klaus Mann, Thomas Mann, Ludwig Marcuse, Walter Mehring, Alfred Polgar, Roda Roda, Walther Rode, Joseph Roth, Ernst Toller, Franz Werfel, Arnold Zweig, Stefan Zweig u. v. a.

Das Wort[Bearbeiten]

Literarische Monatsschrift. Juli 1936 bis März 1939. Moskau. Hrsg. u. Red. Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Willi Bredel

Mitarbeiter: Johannes R. Becher, Schalom Ben-Chorin, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Max Brod, Alfred Döblin, Oskar Maria Graf, Stefan Heym,Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Rudolf Leonhard, Heinrich Mann, Klaus Mann, Thomas Mann, Ludwig Marcuse, Theodor Plivier, Ludwig Renn, Anna Seghers, Ernst Toller, Herwarth Walden, Erich Weinert, F. C. Weiskopf, Ernst Wiechert, Arnold Zweig, Stefan Zweig u. v. a.

Deutsche Blätter[Bearbeiten]

Für ein europäisches Deutschland, gegen ein deutsches Europa. Januar 1943 bis Dezember 1946. Santiago de Chile. Hrsg. Udo Rukser u. Albert Theile

Mitarbeiter: Günther Anders, Stefan Andres, Julius Bab, Max Barth, Albert Ehrenstein, Oskar Maria Graf, Hermann Hesse, C. G. Jung, Alfred Kantorowicz, Hermann Kesten, Arthur Koestler, Thomas Mann, Gustav Regler, F. C. Weiskopf, Ernst Wiechert, Carl Zuckmayer, Stefan Zweig u. v. a.

Die neue Weltbühne[Bearbeiten]

Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft. März 1933 bis August 1939. Wien, Prag, Paris. Red. Willi Schlamm, ab März 1934 Hermann Budzislawski

Mitarbeiter: Johannes R. Becher, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Stefan Heym, Alfred Kerr, Leo Lania, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Walter Mehring, Gustav Regler, Anna Seghers, Walter Ulbricht, Herwarth Walden, Arnold Zweig u. v. a.[2]

Die Sammlung[Bearbeiten]

Literarische Monatsschrift unter d. Patronat von André Gide, Aldous Huxley, Heinrich Mann. September 1933 bis August 1935. Amsterdam. Hrsg. Klaus Mann

Mitarbeiter: Johannes R. Becher, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Max Brod, Jean Cocteau, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, A. M. Frey, Oskar Maria Graf, Thomas Theodor Heine, Ernest Hemingway, Stefan Heym, Heinrich Eduard Jacob, Alfred Kerr, Hermann Kesten, Else Lasker-Schüler, Golo Mann, Heinrich Mann, André Maurois, Walther Rode, Joseph Roth, Leo Trotzki, F. C. Weiskopf, Arnold Zweig u. v. a.

Freies Deutschland[Bearbeiten]

Revista Antinazi. November 1941 bis Juni 1946. Mexiko. Red. Bruno Frei, Alexander Abusch

Mitarbeiter: Johannes R. Becher, Egon Erwin Kisch, Thomas Mann, Albert Norden, Wilhelm Pieck, Theodor Plivier, Ludwig Renn, Anna Seghers, Bodo Uhse, Berthold Viertel, F. C. Weiskopf u. v. a.

Internationale Literatur[Bearbeiten]

Deutsche Blätter. Juni 1931 bis Dezember 1945. Moskau. Red. Johannes R. Becher

Mitarbeiter: Lion Feuchtwanger, Andre Gide, Maxim Gorki, Alfred Kurella, Rudolf Leonhard, Georg Lukács, Heinrich Mann, Boris Pasternak, Erwin Piscator, Theodor Plivier, Anna Seghers, Erich Weinert, Walter Haenisch u. v. a.

Maß und Wert[Bearbeiten]

Zweimonatsschrift für freie deutsche Kultur. September 1937 bis Oktober 1940. Zürich. Hrsg. Thomas Mann u. Konrad Falke. Red. Zuerst Ferdinand Lion, ab November 1939 Golo Mann u. Emil Oprecht

Mitarbeiter: Walter Benjamin, Ernst Bloch, Hermann Broch, Max Brod, Alfred Döblin, Alfred Einstein, Bruno Frank, A. M. Frey, Martin Gumpert, Hermann Hesse, Ödön von Horvath, Georg Kaiser, Annette Kolb, Federico García Lorca, Heinrich Mann, Klaus Mann, Hans Mayer, Robert Musil, Ignazio Silone, Hermann Rauschning, Curt Riess, Jean-Paul Sartre, René Schickele, Jakob Wassermann u. v. a.

Neue Deutsche Blätter[Bearbeiten]

Monatschrift für Literatur u. Kritik. September 1933 bis August 1935. Wien, Zürich, Paris, Amsterdam. Hrsg. Grete Weiskopf. Red. Oskar Maria Graf, Wieland Herzfelde, Anna Seghers

Mitarbeiter: Johannes R. Becher, M. Y. Ben-Gavriel, Bertolt Brecht, Willi Bredel, Albert Ehrenstein, Lion Feuchtwanger, A. M. Frey, Stefan Heym, Robert Jung, Egon Erwin Kisch, Walter Kolbenhoff, Ludwig Marcuse, Walter Mehring, Theodor Plivier, Ernst Toller, Jakob Wassermann, Arnold Zweig u. v. a.

Orient[Bearbeiten]

Unabhängige Wochenschrift. Zeitfragen, Kultur, Wirtschaft. April 1942 bis April 1943. Haifa. Hrsg. u. Red. Wolfgang Yourgrau

Mitarbeiter: Ernst Fischer, Schalom Ben-Chorin, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Arnold Zweig u. v. a.

Sozialistische Warte[Bearbeiten]

Blätter für kritisch-aktiven Sozialismus. Mai 1934 bis Mai 1940 (Erscheinungsweise wechselnd, insgesamt 181 Ausgaben, Auflage ca. 2.000). Paris. Vom Internationalen Sozialistischer Kampfbund (ISK) unter der Leitung von Willi Eichler herausgegeben

Mitarbeiter: Kurt Hiller, Walter Auerbach, Fritz Eberhard, Walter Fabian, Hilde Meisel, Fritz Sternberg, Jacob Walcher u. v. a.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lieselotte Maas: Handbuch der deutschen Exilpresse 1933–1945. Hrsg. von Eberhard Lämmert, 4 Bde. München 1976–1990
  • Exil-Literatur 1933–1945. Katalog zur Ausstellung der deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main 1965
  • Richard Drews, Alfred Kantorowicz (Hrsg.): verboten und verbrannt. Deutsche Literatur 12 Jahre unterdrückt. München 1947

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933–1945. Darmstadt 1998, S. 1062–1072
  2. Ursula Madrasch-Groschopp: Die Weltbühne. Porträt einer Zeitschrift. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1983, S. 335–340