Deutschvilla

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Deutschvilla 2008

Die Deutschvilla ist ein unter Denkmalschutz stehendes ehemaliges Wohnhaus in der Gemeinde Strobl im österreichischen Bundesland Salzburg. Es wird von der Kulturinitiative „Deutschvilla – Verein zur Förderung aktueller Kunst“ als Kulturzentrum genutzt. Die Villa trägt den Namen der früheren Besitzerfamilie Deutsch.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Wiener Unternehmer George Schinteliffe-Blakey kaufte 1896 in Strobl das Grundstück unweit des Wolfgangsees, das er um 1906 mit einem zunächst einstöckigen Wohnhaus bebauen ließ.

Sommersitz der Familie Deutsch[Bearbeiten]

In der ersten Hälfte der 1920er Jahre kauften der Wiener Bankier Otto Deutsch und seine Frau Maria das Gebäude, ließen es 1923/24 nach ihren Vorstellungen aufstocken und umbauen. Die Pläne entwarf der Prager Architekt Viktor Kafka im Stil einer toskanischen Villa. Die Arbeiten in Strobl leitete ein Baumeister aus Bad Ischl. Im Erdgeschoss befanden sich das Entrée, eine Halle mit getäfelten Wänden und Holzdecke, das Herrenzimmer, das Esszimmer sowie die nach Osten gelegene Veranda, die später geschlossen wurde. Im Obergeschoss lagen die Schlafräume sowie Bäder, im ausgebauten Dachgeschoss weitere Räume, etwa für die Unterbringung von Personal. Die Küche sowie Wirtschaftsräume waren im Keller untergebracht. Das weitläufige Grundstück ließen die Besitzer von dem Salzburger Hans Kern nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks gestalten. Die Familie Deutsch nutzte die Villa für ihre Sommerfrische.

In der Zeit des Nationalsozialismus und der Besatzungsjahre[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich wurde die Villa 1938 beschlagnahmt und als Heim des Bundes Deutscher Mädel genutzt. 1942 wurde die jüdische Familie Deutsch formal enteignet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Strobl während der Besetzung durch alliierte Streitkräfte zur US-Besatzungszone. Das amerikanische Militär richtete in der Villa ein Offizierskasino mit Bar und Café ein, das bis zum Ende der Besatzungszeit 1955 darin betrieben wurde. 1948 war die Liegenschaft wieder der Familie Deutsch übertragen worden.

Universitätspension und Leerstand[Bearbeiten]

Bis zum Verkauf von Villa und Grundstück an die Gemeinde Strobl im Jahr 1988 befand sich die Deutschvilla ab 1958 im Besitz des Vereins „Freunde der Sommerhochschule der Universität Wien“, die darin während ihrer Sommeruniversität in Strobl die teilnehmenden Professoren und Studenten unterbrachte.

Nach dem Verkauf an die Gemeinde war die Zukunft der Villa zunächst unklar. Das Gebäude stand leer. Es wurde lediglich von einer gemeinnützigen örtlichen Organisation als Basar für Gebrauchtwaren genutzt und drohte zu verfallen. Zeitweilig erwog die Gemeinde den Abriss. Sie hatte die Liegenschaft vornehmlich erworben, um auf dem Grundstück ein Altenheim zu errichten. Die Deutschvilla war halt auch dabei, stellte Bürgermeister Josef Weikinger (ÖVP) fest.[1] Das Seniorenwohnheim wurde 1990 auf dem Grundstück gebaut.[2]

Neue Nutzung[Bearbeiten]

Ab 1997 wurden neue Nutzungskonzepte für die Deutschvilla entwickelt. In diesem Jahr wurde das Dach erneuert sowie im Inneren Erhaltungsarbeiten vorgenommen. Seit 1999 werden Ausstellungen in der Deutschvilla gezeigt. Der Verein „Deutschvilla – Verein zur Förderung aktueller Kunst“ wurde im April 2000 offiziell gegründet. Im selben Jahr wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Im folgenden Jahr verpachtete die Gemeinde Strobl die Villa an den Verein „Deutschvilla – Verein zur Förderung aktueller Kunst“. Die Geschichte des Hauses wurde erforscht und dabei auch der in Vergessenheit geratene Architekt des Hauses ermittelt. Die Kulturabteilung des Landes Salzburg veranstaltete in der Deutschvilla 2002 ein Künstlersymposium mit internationaler Beteiligung. Zwischen 2004 und 2007 wurde die Villa umfassend saniert. Dabei wurden auch die Malereien und die Wandbespannung des Entrées rekonstruiert.

Kuratorin vom Frühjahr 1998 bis Herbst 2008 war Veronika Hitzl aus St. Wolfgang, Kurator vom Herbst 2008 bis Frühjahr 2013 war Paul Jaeg aus Gosau, Kurator ab Frühjahr 2013 ist Ferdinand Götz aus Bad Ischl. Im Jahr 2008 wurde die zur Oberösterreichischen Landesausstellung Salzkammergut gehörende Ausstellung un.SICHTBAR.Widerständiges im Salzkammergut gezeigt, die den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Region behandelte.[3]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 1999: So schön kann Strobl Ferdinand Götz, Friederike Immervoll, Leopold Immervoll, Paul Jaeg.
  • 2000: Baldinger & Winter, Mandy Braun: Annoncen
  • 2001: Der Salon
  • 2002: jam, Eva Maria Mazzucco: Ein Leben für die Kunst
  • 2003: den Raum beziehen, Marianne Ewaldt: 7-Pfade-Labyrinth
  • 2004: Raumillusionen, Architekt gesucht
  • 2005: KG talstation auf Sommerfrische, Heima(r)t, Intim, Cy Stefner: NOMAN.Spyderhouse, ein/richten
  • 2006: Flügelgrün, Schattenseiten und Flugversuche, NÄHE FERNE, gefangene seelen - gefüllte schwänze, D’Riedl Krampuspass
  • 2008: un.SICHTBAR.Widerständiges im Salzkammergut[4]
  • 2009: "Künstler/Künstlerinnen" Petra Moiser, Johannes Ziegler, Bernhard Gwiggner, Peter Haas, Eva Musil, Josef Linschinger, Ferdinand Reisenbichler, Künstlergruppe SINNENBRAND.
  • 2010: "Künstler/Künstlerinnen" Astrid Rieder, Ulrike Merk, Otto Beck, Silvia Yasmin Khan und Freunde, Andrea Birgel, Elisabeth Schmirl, Stefan Heizinger, Christian Ecker, Erich Gruber, Michael Sobotka, Stucka Stucka.

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutschvilla – Verein zur Förderung aktueller Kunst (Hrsg.): Architekt gesucht, Katalog zur Ausstellung, Strobl 2004

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Kupf, Kulturplattform OÖ
  2. Bau des Altenwohnheims 1990
  3. Oberösterreichische Landesausstellung 2008 in der Deutschvilla
  4. Ausstellung un.SICHTBAR.Widerständiges im Salzkammergut

47.71879313.486925Koordinaten: 47° 43′ 8″ N, 13° 29′ 13″ O