Deutzer Hafen

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Der Deutzer Hafen ist ein rechtsrheinischer Hafen mit Güterumschlag im Kölner Stadtteil Deutz.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereich des heutigen Hafens

In Deutz durfte jahrhundertelang in Konkurrenz zu Köln kein Hafen für den Güterumschlag entstehen. Es gab jedoch einen kleinen Hafen als Schutzhafen für die Fährboote und -einrichtungen der Verbindung von Deutz nach Köln sowie einen Hafen für die Deutzer Pioniere. Dennoch war das Deutz-Poller Ufer von höchster Bedeutung für Köln - eine Stromverlagerung hätte die Kölner Häfen bedroht. Das Poller Ufer wurde 1577-83 mit Buhnen aus Basaltblöcken und Pfahlwerk verstärkt. Urkundlich erstmals erwähnt waren Uferverstärkungen in Poll schon 1400. Letzte in den Rhein ragende Teile der "Poller Köpfe" wurden beim Bau des Deutzer Hafens entfernt.

Mit der Eingemeindung von Deutz und Poll nach Köln 1888 entstanden die ortspolitischen Voraussetzungen zum Hafenbau. Unter Nutzung einer Landzunge mit natürlichem Hafenbecken, dem "Schnellert", wurde der Bassinhafen geplant und die dafür notwendigen Grundstücke enteignet. Erste Abgrabungs- und Baggerarbeiten gab es 1895. Der Bau des Hafenbeckens begann 1904 und wurde 1907 abgeschlossen. Er wurde am 14. Dezember 1907 in Betrieb genommen.

Der Deutzer Bassinhafen besteht aus je einem Hafenbecken vor und hinter der Drehbrücke. Insgesamt ist die Anlage 1098 m lang. Die Breite am Beckenkopf beträgt 88 m, an der Hafeneinfahrt 70 m. In den 1920er Jahren gab es vier elektrische und drei dampfbetriebene Krane. Das interessanteste Hafenbauwerk ist die 1906-08 erbaute elektrisch betriebene Drehbrücke.[1]

Wichtigste Anlieger am Deutzer Hafen wurden ab 1909 die Mühlenbetriebe Leysieffer & Lietzmann AG, nach dem Verkauf an die Kampffmeyer Mühlen 1924 Ellmühle genannt, sowie die Heinrich Auer-Großmühle, die 1975 ebenfalls von Kampffmeyer übernommen wurde.[2] Beide Mühlen wurden 1975 als Ellmühle verschmolzen, die nunmehr mit einer Jahreskapazität von 365.000 Tonnen zu den bedeutendsten Mühlen Europas gehört.

Hafen[Bearbeiten]

Betreiber des Deutzer Hafens ist die Häfen und Güterverkehr Köln (HGK), die außerdem die Deutzer Hafenbahn mit dem Rangierbahnhof in Köln-Poll unterhält. Die Wasserfläche des Hafens beträgt 123.700 m², die Landfläche 240.700 m². Der Deutzer Hafen ist ein Industriehafen mit einem Umschlag von 295.000 t (2011) [3]. Der HGK gehören 70 % der Grundstücksflächen, der Rest ist in Privatbesitz[4].

An der Drehbrücke hat die Kölner Berufsfeuerwehr seit 1994 ihre Löschboote stationiert. Die Wache war vorher im Bereich des heutigen Schokoladenmuseum am Rheinauhafen. Die Wasserschutzpolizei hat ihren Anleger seit 1998 im Deutzer Hafen.

Das Gelände des Deutzer Hafen liegt außerhalb der Hochwasserschutzmauer. Der Bereich des Poller Rangierbahnhofs kann durch mobile Schutzwände gesichert werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Deutzer Hafen mit Ellmühle und Krananlage der Fa. Weiler
Ellmühle in Köln-Deutz

Das Bild des Deutzer Hafens beherrscht die Ellmühle der Kampffmeyer Mühlen. In der Ellmühle werden im Jahr 365.000 t Getreide (Weizen und Roggen) vermahlen. Auf dem Mühlenkomplex besteht eine Lagerkapazität von 60.000 t Getreide.[5] Die Getreideanlieferungen erfolgen per Schiff, Bahn und LKW. Die Auslieferung wird mit Silofahrzeugen und in Großgebinden an Großkunden vorgenommen.

Ein weiterer Betrieb, der das Bild des Hafens beherrscht, ist die Anlage der Firma Theo Steil GmbH.[6] Der Recyclingbetrieb und Schrotthandel ist auf beiden Seiten des Hafenbeckens vertreten und ist ebenfalls an das Schienennetz angeschlossen. Daneben fällt die Firma Carl J. Weiler (Stahlhandel) durch ihre große Krananlage auf. Die Kranbahn ragt weiter über die Kaimauer hinaus. Bei Weiler können so mit einer Krananlage Binnenschiffe, Bahnwaggons und LKW be- und entladen werden.[7] Omya, eine international tätige Firma, unterhält direkt an der Drehbrücke ein Tanklager für Calciumcarbonat.[8] Die Deutsche Asphalt GmbH betreibt im Deutzer Hafen ein Asphaltmischwerk. Früher angesiedelte Holzfirmen haben inzwischen ihren Standort im Hafen aufgegeben.

Mit der Eventhalle „Essigfabrik“ und der „Elektroküche“[9] sowie dem „Frauenautohaus“[10] haben sich inzwischen auch hafenfremde Unternehmen angesiedelt.

Nach dem Orkan „Kyrill“ wurden im Deutzer Hafen ca. 100.000 Tonnen Baumstämme - überwiegend aus dem Sauerland - auf Schiffe verladen. Empfänger war ein französisches Sägewerk im Raum Straßburg.

Zukunft[Bearbeiten]

Aus Sicht der Bezirksregierung Köln stehen der Flächenbedarf für den Güterumschlag der Kölner Häfen und der Hochwasserschutz den Plänen entgegen, die der Masterplan für die Stadt Köln vorsieht. Bis zum Jahr 2025 prognostiziert der Bundesverkehrswegeplan eine Verdreifachung des Containerumschlags auf Binnenwasserstraßen. Beim Massen- und Stückgutumschlag, der viel Fläche beansprucht, wird eine stabile bis leicht zunehmende Entwicklung vorhergesehen. Ohne den Deutzer Hafen wird es nicht möglich sein, die erforderlichen Umschlagkapazitäten für die ansässige Industrie in Köln zu schaffen. Eine Wohn- und Büronutzung widerspricht zudem den landesplanerischen Zielen im Regionalplan. Der Deutzer Hafen mit umliegenden Flächen ist im geltenden Regionalplan als Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzungen dargestellt. Diese Bereiche dienen der Ansiedlung, dem Ausbau und der Bestandssicherung solcher gewerblichen Betriebe, die wegen ihres großen Flächenbedarfs, ihrer Emissionen oder ihrer besonderen Standortanforderungen nicht in den Allgemeinen Siedlungsbereich integriert werden können.

Einer dem Rheinauhafen vergleichbaren Entwicklung des Deutzer Hafens steht auch entgegen, dass der Bereich im Regionalplan Köln als Überschwemmungsgebiet festgesetzt ist. Die Überschwemmungsgebiete sind Vorranggebiete für den vorbeugenden Hochwasserschutz und für den Abfluss und die Retention von Hochwasser zu erhalten und zu entwickeln.

Wünschenswert und möglich ist sicher eine optische Verbesserung gegenüber der Siegburger Straße und zur Rheinseite gegenüber dem Rheinauhafen und den Poller Wiesen, durch Einhausungen von Betriebsflächen und den Bau der notwendigen Bürogebäude für die ansässigen Firmen. Vorab sei jedoch eine schnelle Grundsatzentscheidung nötig, um den Investitionsstau im Deutzer Hafen aufzulösen.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.brueckenweb.de/2content/datenbank/bruecken/2brueckenblatt.php?bas=5644
  2. http://www.rheinische-industriekultur.de/objekte/koeln/deutzer%20hafen/deutzer_hafen.html
  3. http://www.hgk.de/leistungen/haefen-und-umschlag/umschlag-zwischenlagerung/hafen-koeln-deutz
  4. http://www.hgk.de/
  5. http://www.kampffmeyer.de/index.asp?lng=1&Lvl1=0&Lvl2=0&Lvl3=0
  6. http://www.steil.de/index.php?option=com_content&task=view&id=55&Itemid=179
  7. http://www.weiler-koeln.com/index.html
  8. http://www.omya.de/web/omya_de.nsf/Sites_Lang2/49FEE1B460F7812C41256B82003BEDA1?OpenDocument&omya_langid=2&omya_navid=010003
  9. http://www.essig-fabrik.de/
  10. http://www.frauenautohaus.de/
  11. http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/pressemeldungen/archiv_2009/presse_072_2009/index.html

Weblinks[Bearbeiten]

50.9247336.976404Koordinaten: 50° 55′ 29″ N, 6° 58′ 35″ O

 Commons: Deutzer Hafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • hgk.de - Offizielle Webseite der HGK