Deutzer Hafen

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Der Deutzer Hafen ist ein rechtsrheinischer Kölner Hafen mit Güterumschlag im Kölner Stadtteil Deutz an Rhein-km 687,3.

Hafen Köln-Deutz aus der Luft (August 2013)

Geschichte[Bearbeiten]

Kölner Stadtplan von 1752 - Bereich des heutigen Hafens
Hafen Deutz, Gemälde von Friedrich Wilhelm Schreiner (1822)
Hafen Deutz - Drehbrücke (1912)
Hafen Köln-Deutz (Ellmühle) aus der Luft (August 2013)
Hafen Köln-Deutz – Ellmühle (August 2013)

In Deutz gab es lange Zeit lediglich einen kleinen Hafen als Schutzhafen für die Fährboote und -einrichtungen der Verbindung von Deutz nach Köln sowie einen Hafen für die Deutzer Pioniere. Das Fährrecht zwischen Deutz und Köln hatte Kaiser Otto I. seinem Bruder Erzbischof Bruno I. als vererbliches Regal verliehen.[1] Erzbischof Dietrich II. von Moers bestätigte am 20. Juli 1417 die Gründung der Deutzer Rheinfähre für den Handel als „Erbfähre“ (Fährgerechtsame) und stellte am 10. November 1428 einen Lehnsbrief hierfür zugunsten von „Heinze Pyffen, Hermann van der Eycke, Tejlen Key, Johan vame Dycke, Johan Michaeils, Johan von Ercklens, Elger van Duytz und Heintzen van Wesselink“ aus.[2] Damit bestand – mangels vorhandener Brücken - ein regelmäßiger Fährverkehr zwischen Deutz und dem gegenüberliegenden Köln. Am 9. Juli 1595 starben beim Untergang einer Deutzer Fähre unterhalb der Salzgasse etwa 50 Personen, nur wenige konnten gerettet werden.[3] 1674 richtete man an Stelle des Fährverkehrs eine fliegende Gierbrücke ein, am 5. Februar 1676 belehnte Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern den kurkölnischen Kammerrat Johann Hermann von Kempis mit dem Fährrecht.

Die Poller Köpfe entstanden ab 1560 als Uferbefestigungsanlage, die dem schweren Hochwasser vom 27. Februar 1784 weitgehend zum Opfer fiel. Letzte, in den Rhein ragende Teile der Poller Köpfe wurden beim Bau des Deutzer Hafens entfernt. Sie entstanden in der Besorgnis, der Rhein könne sich ein neues Flussbett suchen. Dabei spielte der Poller Werth ein Rolle. Er war eine Halbinsel, deren Rest heute den Deutzer Hafen bildet.[4] Die Ausbesserung des Rheindurchbruchs am Poller Werth 1575/1576 kostete die Stadt 34502 kölnische Gulden.[5] Er gehörte vor der Eingemeindung zum kurfürstlichen Amt Deutz. Der alte Rheinarm hier hieß „Schnellert“ und war bis etwa 1900 ein beliebtes Ausflugsziel.

Die strengen Rayonbestimmungen verboten bis 1907 eine Bebauung in der Umgebung der Festungen, so dass auch die Anlegung eines Deutzer Hafens nicht in Frage kam. Durch die Eröffnung der ersten Teilstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn nach Düsseldorf am 20. Dezember 1845 und die zunehmende Industrialisierung entstand das Erfordernis eines eigenen Deutzer Hafens. Die Waggonfabrik van der Zypen & Charlier begann am 14. Dezember 1845 unweit des Bahnhofs mit der Produktion von Eisenbahnwaggons. Am 31. März 1864 kam es zur Gründung der N. A. Otto & Compagnie, Ursprung der Gasmotorenfabrik Deutz und späteren Deutz AG, der ersten Motorenfabrik der Welt. Als weiteren potenziellen Hauptkunden eines möglichen Deutzer Hafens gab es die am 1. November 1858 gegründete spätere Chemische Fabrik Kalk. Die Gegend des späteren Deutzer Hafens war bereits beim Hochwasser am 29. November 1882 mit einem Pegelstand von 10,52 Meter Kölner Pegel überschwemmt, am 23. Dezember 1993 und 21. Januar 1995 wurden weite Teile der Gewerbe- und Industrieflächen des Deutzer Hafengebietes überflutet.

Das Poller Werthchen und der alte Rheinarm „Schnellert“ ermöglichten ähnliche hafentechnische Voraussetzungen wie der gegenüberliegende Rheinauhafen. Erste Abgrabungs- und Baggerarbeiten gab es 1895. Durch langwierige Enteignungen begann der Hafenbau erst ab 1904, am 14. Dezember 1907 eröffnete der Hafen. Die beiden Hafenbecken wurden durch die Eröffnung der denkmalgeschützten, elektrisch betriebenen 177 t schweren Drehbrücke im März 1908 getrennt. Das südliche Becken fungierte als Industrie- und Winterhafen, bedeckte eine Fläche von 6 ha und hatte eine Breite von 50-135 Metern. Die Breite am Beckenkopf beträgt 88 m, an der Hafeneinfahrt 70 m. Das kleinere nördliche Becken maß 3,5 ha und diente als Sicherheitshafen. Der Vorhafenbereich in Deutz reichte ursprünglich mit einem 700 Meter langen Kai bis an die Deutzer Brücke heran. Der neue Hafen gewann im Jahre 1909 die Mühlenbetriebe Leysieffer & Lietzmann-Mühle AG als ersten Großkunden; ab 1964 hieß sie Ellmühle. Weiterer Mühlenkunde war die Heinrich Auer-Großmühle, die 1975 ebenfalls von Kampffmeyer übernommen wurde.[6] Beide Mühlen wurden 1975 als Ellmühle verschmolzen, die nunmehr mit einer Jahreskapazität von 365.000 Tonnen zu den bedeutendsten Mühlen Europas gehört. In den 1920er Jahren standen im Hafen 4 elektrische und 3 dampfbetriebene Kräne. Es folgte die Chemische Fabrik Kalk, die bis zu ihrer Schließung im Dezember 1993 hier Massengüter, insbesondere Salz und Phosphate, umschlug.

Heute ist das Hafenbecken durchschnittlich 82 Meter breit und 1098 Meter lang. Er schlägt auf einer Landfläche von 240700 m² und einer Wasserfläche von 123700 m² (34 % der Gesamtfläche) Getreide von der benachbarten, zu den Kampffmeyer Mühlen gehörenden Ellmühle sowie Futtermittel, flüssige Kreide und Schrott um. Von der Landfläche des Hafens entfallen 24200 m² auf die Ellmühle, 20800 m² auf Strabag, 11400 m² auf Weiler Eisen- und Stahlhandel und ein kleiner Teil auf Alfred Schütte Werkzeugmaschinen. Insgesamt sind 118400 m² gewerbliche Fläche mit Hafenbezug vorhanden. Den jährlichen Hafenumschlag von 264500 t bewältigen 5 Hafenkräne für 216 Schiffe. Heute sind nur noch knapp 60 % der Gewerbeflächen hafenaffin genutzt. Die Flächenleerstände machen 20 % des Areals aus, die restlichen 20 % Gewerbefläche weisen keinen direkten Bezug zur Hafenanlage auf.[7]

Seit 1994 sind an der Drehbrücke die Löschboote der Kölner Berufsfeuerwehr stationiert. Die Wache war vorher im Bereich des heutigen Schokoladenmuseums am Rheinauhafen. Die Wasserschutzpolizei hat ihren Anleger seit 1998 im Deutzer Hafen.

Hafen[Bearbeiten]

Betreiber des Deutzer Hafens ist die Häfen und Güterverkehr Köln (HGK), die außerdem die Deutzer Hafenbahn mit dem Rangierbahnhof in Köln-Poll unterhält. Die Wasserfläche des Hafens beträgt 123.700 m², die Landfläche 240.700 m². Der Deutzer Hafen ist ein Industriehafen mit einem Umschlag von 295.000 t (2011).[8]. Der HGK gehören 70 % der Grundstücksflächen, der Rest liegt in Privatbesitz.[9]

Das Gelände des Deutzer Hafen liegt außerhalb der Hochwasserschutzmauer. Der Bereich des Poller Rangierbahnhofs kann durch mobile Schutzwände gesichert werden. Das Gebiet des Hafens wird ab einem Hochwasserstand von 10,70 Meter Kölner Pegel geflutet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Deutzer Hafen mit Ellmühle und Krananlage der Fa. Weiler
Ellmühle in Köln-Deutz

Das Bild des Deutzer Hafens beherrscht die Ellmühle der Kampffmeyer Mühlen. In der Ellmühle werden im Jahr 365.000 t Getreide (Weizen und Roggen) vermahlen. Auf dem Mühlenkomplex besteht eine Lagerkapazität von 60.000 t Getreide.[10] Die Getreideanlieferungen erfolgen per Schiff, Bahn und LKW. Die Auslieferung wird mit Silofahrzeugen und in Großgebinden an Großkunden vorgenommen.

Ein weiterer Betrieb, der das Bild des Hafens beherrscht, ist die Anlage der Firma Theo Steil GmbH.[11] Der Recyclingbetrieb und Schrotthandel ist auf beiden Seiten des Hafenbeckens vertreten und ist ebenfalls an das Schienennetz angeschlossen. Daneben fällt die Firma Carl J. Weiler (Stahlhandel) durch ihre große Krananlage auf, die Kranbahn ragt weiter über die Kaimauer hinaus. Bei Weiler können so mit einer Krananlage Binnenschiffe, Bahnwaggons und LKW be- und entladen werden.[12] Omya, eine international tätige Firma, unterhält direkt an der Drehbrücke ein Tanklager für Calciumcarbonat.[13] Die Deutsche Asphalt GmbH betreibt im Deutzer Hafen ein Asphaltmischwerk. Früher angesiedelte Holzfirmen haben inzwischen ihren Standort im Hafen aufgegeben.

Mit der Eventhalle „Essigfabrik“ und der „Elektroküche“ sowie dem „Frauenautohaus“[14] haben sich inzwischen auch hafenfremde Unternehmen angesiedelt.

Nach dem Orkan „Kyrill“ wurden im Deutzer Hafen ca. 100000 Tonnen Baumstämme - überwiegend aus dem Sauerland - auf Schiffe verladen. Empfänger war ein französisches Sägewerk im Raum Straßburg.

Zukunft[Bearbeiten]

Aus Sicht der Bezirksregierung Köln stehen der Flächenbedarf für den Güterumschlag der Kölner Häfen und der Hochwasserschutz den Plänen entgegen, die der Masterplan für die Stadt Köln vorsieht. Aufgrund einer „Standortuntersuchung Deutzer Hafen“ vom Dezember 2008 beschloss im September 2009 der Rat der Stadt Köln die Prüfung einer teilweisen Umnutzung des Hafens. Außer der Funktion als Getreidehafen plant die Stadt seit September 2013, die übrigen Hafenfunktionen auf andere Häfen zu verteilen und die freiwerdende Hafenfläche zu einem Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungszentrum auszubauen.

Bis zum Jahr 2025 prognostiziert der Bundesverkehrswegeplan eine Verdreifachung des Containerumschlags auf Binnenwasserstraßen. Beim Massen- und Stückgutumschlag, der viel Fläche beansprucht, wird eine stabile bis leicht zunehmende Entwicklung vorhergesehen. Ohne den Deutzer Hafen wird es nicht möglich sein, die erforderlichen Umschlagkapazitäten für die ansässige Industrie in Köln zu schaffen. Eine Wohn- und Büronutzung widerspricht zudem den landesplanerischen Zielen im Regionalplan. Der Deutzer Hafen mit umliegenden Flächen ist im geltenden Regionalplan als Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzungen vorgesehen. Diese Bereiche dienen der Ansiedlung, dem Ausbau und der Bestandssicherung solcher gewerblichen Betriebe, die wegen ihres großen Flächenbedarfs, ihrer Emissionen oder ihrer besonderen Standortanforderungen nicht in den Allgemeinen Siedlungsbereich integriert werden können.

Einer dem Rheinauhafen vergleichbaren Entwicklung des Deutzer Hafens steht auch entgegen, dass der Bereich im Regionalplan Köln als Überschwemmungsgebiet festgesetzt ist. Die Überschwemmungsgebiete sind Vorranggebiete für den vorbeugenden Hochwasserschutz und für den Abfluss und die Retention von Hochwasser zu erhalten und zu entwickeln.

Wünschenswert und möglich ist sicher eine optische Verbesserung gegenüber der Siegburger Straße und zur Rheinseite gegenüber dem Rheinauhafen und den Poller Wiesen, durch Einhausungen von Betriebsflächen und den Bau der notwendigen Bürogebäude für die ansässigen Firmen. Vorab sei jedoch eine schnelle Grundsatzentscheidung nötig, um den Investitionsstau im Deutzer Hafen aufzulösen.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willi Spiertz, Eberhard von Groote, 2007, S. 162
  2. Josef Elben, Die Deutz-Kölner Rheinfähre als Kurkölner Regal, Band 9, 1933, S. 10, S. 452
  3. Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 69
  4. Ludwig Röhrscheid, Rheinische Vierteljahresblätter, Band 69, 2005, S. 198
  5. Hans-Wolfgang Bergerhausen, Die Stadt Köln und die Reichsversammlungen im konfessionellen Zeitalter, 1990, S. 205
  6. Industriekultur über den Deutzer Hafen
  7. Stadt Köln, Zukünftige Nutzung des Deutzer Hafens, Symposium vom 27./28. April 2009
  8. Häfen und Güterverkehr Köln AG, Hafenumschlag Köln-Deutz
  9. HGK, a.a.O.
  10. Kampffmeyer-Mühlen über die Ellmühle
  11. Website der Theodor Steil GmbH
  12. Website der Carl J. Weiler
  13. Website der Omya
  14. Website des Frauenautohauses
  15. Bezirksregierung Köln über den Deutzer Hafen

Weblinks[Bearbeiten]

50.9247336.976404Koordinaten: 50° 55′ 29″ N, 6° 58′ 35″ O

 Commons: Deutzer Hafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • hgk.de - Offizielle Webseite der HGK